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#1

Offene Tür

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 13.02.2009 19:46
von Joame Plebis | 3.371 Beiträge | 3363 Punkte
1
Der hochgestellte Jackenkragen sieht nicht gut aus, denke ich, aber die Kälte kriecht durch mich hindurch
als wäre ich ein Nichts. Viel mehr dürfte ich auch nicht zu sein. Zwar habe ich eine feste Mietwohnung,
für meine Begriffe gut eingerichtet, das ist schon alles. Die Bezeichnung Künstler, die weise ich stets
von mir. Insgeheim schmeichelt mich diese Bezeichnung doch. Nur zugeben werde ich es nicht.
Jeder will heutzutage Künstler sein, bezeichnet sich als solcher. Das einzige Werk, auf das ich einigermaßen
stolz bin, konnte ich bisher nicht verkaufen. Ich habe es 'Offene Tür' benannt habe.

Es kam unter eigenartigen Umständen zustande. Ich will gar nicht daran denken, wie ich Leinen grundierte
und wegen des Gestankes und damit es schneller trocknete, meine Tür zum Stiegenhaus etwas offen ließ.
Das hatte mir schon einmal Ärger und Beschwerden eingebracht.
Ärger gibt es ständig, meistens wegen des Mopses von Frau Navradil, die eine Etage über mir wohnt.
Mopsi nannte sie ihn liebevoll. Dabei sind Hunde laut Hausordnung verboten. Dieser Kerl aber entschlüpft
ihr manchmal und hinterläßt flüssige Spuren an der Ecke zum Lift.

Dann kam seine Sonderleistung, sein Ausflug zu mir. Knieend grundiere ich im Schweiße meines unrasierten Angesichtes, habe Packpapier ausgebreitet, damit keiner der offenen Farbtöpfe den Boden bekleckst.
So schnell konnte ich gar nicht hinsehen, wie der Mopsi, hereinläuft. Erst als dieses fette Tier die Dose
mit Kobaltblau umwirft, wird mir bewußt, als nächstes wird Cadmiumgelb fließen. so war es auch. Auf
mein soeben grundiertes 80x100 Bild in Vorbereitung schwappten die Farben. Obwohl ich flink die auf
dem Boden neben mir liegenden Heftmaschine ergriff und warf, verfehlte ich ihn dennoch um einen
Sekundenbruchteil.

Das alles ist berührt mich nach so langer Zeit nicht mehr und erklärt nur die Entstehung von 'Offene Tür'.
Mein derzeitiges Interesse geht in eine andere Richtung. Als Übel kann es guten Gewissens bezeichnet
werden, wenn der Interessen zu viele sind, was bei mir eindeutig der Fall ist.

Ich blättere mich lustlos durch die Zeitung mit den Horrormeldungen, lese einen schwachen Witz,
der meine Mundwinkeln nicht heben kann und bin schon auf der nächsten Seite bei einer Meldung
über die arme, arbeitslose Sozialministerin. Wie bedauerlich, sie und eine Staatssekretärin müssen
nun von dürftigen € 70.000 leben! Schnell hinweggeblättert. Doch auch die folgenden Seiten sind
nicht erfreulicher: Flugzeugabstürze, Tornados, Überschwemmungen, Bombenlegungen, Prozesse.
Und überall leuchtet mir Reklame entgegen und stört beim raschen Auffinden wesentlicher Neuigkeiten.

"Lassen Sie Ihren Busen vergrössern!" Warum sollte ich? Ach ja, ich könnte bei Gelegenheit einmal ins
Fitnessstudio gehen, fällt mir ein. Heute aber nicht; es drängt mich hinaus, seit ich mich mit einem Blick
aus dem Fenster überzeugt habe, es scheint etwas Sonne. Stürmisch ist es auch nicht mehr. Also
mache ich mich kurzerhand fertig zum Weggehen.

Beim Hinunterlaufen wäre ich um Haaresbreite über einen haarigen fetten Körper gestolpert,
der schnaufend treppenabwärts humpelte. In einer Anwallung von Liebe zur Kreatur steigt
in mir auf, läßt mich im Laufschritt anhalten, mich niederhocken und zärtlich sagen:
"Entschuldige Mopsi, fast hätte ich zertreten, Du kleiner Knödelhund!"
Für jede Aufmerksamkeit dankbar, drängt er sich schnaufend gegen meine Knie und blickt zu mir auf.
Dabei wirkt die Haut seiner Stirne noch faltiger, und er zeigt viel vom Weiß seiner Augen. Dadurch
wirkt sein Gesicht wie besorgt. Mit seiner kleinen Zunge will er, warum nur, Dankbarkeit oder
Unterwürfigkeit zeigen und versucht meinen Handrücken abzuschlecken.
Ich hob meine Hände und stand auf. "Keine Zeit, Mopsi, ich habe es eilig."


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#2

Offene Tür

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 13.02.2009 23:17
von Gast 1 (gelöscht)
avatar
.

Hallo Joame Plebis,


gefällt mir irgendwie. Nach der ersten groben
Nachschau folgende Kleinigkeiten:

"Im Geheimen"
Warum nicht insgeheim?

"Ärger und Beschwerden"
Erst die Beschwerden hiernach der Ärger?

meistens wegen des Mopses ?

"einen Stock"
eine Etage - klänge das evtl. besser?

"untrügliche"
sichere o. verräterische bzw. bezeichnende
klänge das evtl. besser?

"Spuren" - doppelt - muß nicht?

Nach "fließen" - Punkt o. Komma.

"Das alles berührt mich .."



Soweit und kurz von mir; bin müde.

Liebe Grüße
Katerchen

.


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#3

Offene Tür

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 14.02.2009 09:49
von Joame Plebis | 3.371 Beiträge | 3363 Punkte
Schönen Tag, Katerchen!

Der Schreiber verspürt es, wenn er nicht den günstigsten Tag hat, eine Geschichte zu schreiben. Ich nehme von mir nich an, ein guter Erzähler zu sein. Es sollte wenigstens ein Anfang sein, an den angeknüpft werden kann. Heute würde ich ein anderes Thema wählen. Endgültiges steht hier nicht und kann geändert werden. Zuerst sollte ich 'in die Handlung hineinkommen', bin aber weit entfernt. Kurzgeschichten oder Romane zu schreiben ist die Stärke vieler anderer, aber bestimmt nicht meine. Wir werden sehen, wie es sich entwickelt und ob es nicht einschläft.

Ein 'ist' rutschte mir im letzten Satz hinein, an anderer Stelle nochmals ein Wort doppelt, das sah ich auf Grund Deines Hinweises - Danke! Es ist auf Anhieb nicht optimal. Ich habe korrigiert. Das Heute sieht anders aus als das Gestern und außerdem scheint heute ein wenig die Sonne und die Augen hatten ein paar Stunden Schlaf.
Hier im Forum scheint es einige müde Schreiber und Leser zu geben.

Lieben Gruß
Joame
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#4

Offene Tür

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 15.02.2009 12:12
von Gast 1 (gelöscht)
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Zitat:

Der hochgestellte Jackenkragen sieht nicht gut aus, denke ich, aber die Kälte kriecht durch mich hindurch als wäre ich ein Nichts. Vielmehr dürfte ich auch nicht zu sein.

Vielmehr

Zwar habe ich eine feste Mietwohnung, für meine Begriffe gut eingerichtet, das ist schon alles. Die Bezeichnung Künstler, die weise ich stets von mir.

"Zwar habe ich/feste" - Zwar wohne o . Ich wohne in einer für meine Begriffe ... .

Insgeheim schmeichelt mich diese Bezeichnung doch.

Nur zugeben werde ich es nicht. Ersatzlos streichen, bitte.

Jeder will heutzutage Künstler sein, bezeichnet sich als solcher.

"will" - ist

"bezeichnet sich als solchen" - ersatzlos ..


Das einzige Werk, auf das ich einigermaßen
stolz bin, konnte ich bisher nicht verkaufen.
Ich habe es 'Offene Tür' genannt. benannt habe.

'Offene Türen' kam unter ganz normalen eigenartigen Umständen zustande, als ich nämlich Leinen grundierte
und wegen des damit verbundenen Gestankes die Türe
zum Stiegenhaus öffnete, damit der Stoff schneller
...

Ich will gar nicht daran denken, wie ich Leinen grundierte
und wegen des Gestankes und damit es schneller trocknete, meine Tür zum Stiegenhaus etwas offen ließ.

Das hatte mir schon einmal Ärger und Beschwerden eingebracht.
Ärger gibt es ständig, meistens wegen des Mopses von Frau Navradil,
die eine Etage über mir wohnt.

Mopsi nannte sie ihn liebevoll.
Sie nannte ihn liebevoll ...

Dabei sind Hunde laut Hausordnung verboten.

Dieser Kerl aber - Mopsi aber

entschlüpfte - hört sich so nach Küken an, rannte weg

ihr manchmal und hinterläßt flüssige Spuren an der Ecke zum Lift.

Dann kam seine - dann kam Mopsis Sonderleistung

Sonderleistung, sein Ausflug zu mir. Knieend grundiere ich im Schweiße meines unrasierten Angesichtes, habe Packpapier ausgebreitet, damit

keiner der offenen Farbtöpfe den Boden bekleckst.
der offenen Farbtöpfe den Boden bekleckst?

So schnell konnte ich gar nicht hinsehen, gucken o. kucken

wie der Mopsi, hereinläuft - wie Mopsi wuselt

Erst als dieses fette Tier die Dose mit Kobaltblau umwirft, wird mir bewußt, als nächstes wird Cadmiumgelb fließen. so war es auch.

Auf mein soeben grundiertes 80x100 Bild in Vorbereitung schwappten die Farben. Obwohl ich flink die auf dem Boden neben mir liegenden Heftmaschine ergriff und warf,

verfehlte ich ihn dennoch um einen Sekundenbruchteil.
verfehlte - verfehle ich Mopsi um Haaresbreite

Das alles ist berührt mich nach so langer Zeit nicht mehr und erklärt nur die Entstehung von 'Offene Tür'. Mein derzeitiges Interesse geht in eine andere Richtung.

Das alles - Das Tohuwabohu





Hallo Joame Plebis,

obwohl Du heute ein anderes Thema wählen würdest, habe ich Dir
noch einige kleine Anregungen dagelassen.

Lieben Gruß
Katerchen

.
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#5

Offene Tür

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 15.02.2009 12:33
von Joame Plebis | 3.371 Beiträge | 3363 Punkte
Danke Katerchen!

Auch für Deine Bemühungen; vielleicht sind sie später wertvoller als jetzt. Denn es soll vorwiegend ein Inhalt gebracht werden. Würde ich zu lange über Stil und korrektes Schreiben nachdenken, ginge nichts weiter. Also wird nur flott hineingeklopft in die Tassten. Mir fällt nachher auch vieles auf, was nicht richtig oder unschön ist oder auch falsch. Die große Korrektur die kommt noch. Da sind gewissenhafte Menschen wie Du gerne willkommen. Nur im Moment, wo angenommen werden muß, daß nicht alles endgültig ist, wäre es zu Schade um Deine Energie.

Lieben Dank und Gruß
Joame
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#6

Offene Tür

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 15.02.2009 12:48
von Gast 1 (gelöscht)
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Joame,





<table width="90%" cellspacing="1" cellpadding="3" border="0" align="center"><tr> <td><span class="genmed">Zitat:[/style]</td></tr><tr><td class="quote">

Würde ich zu lange über Stil und korrektes Schreiben nachdenken, ginge nichts weiter. Also wird nur flott hineingeklopft in die Tassten.

</tr></td></table>


May there always be enought water beneath your keel.



Katerchen
zuletzt bearbeitet 02.06.2009 22:18 | nach oben

#7

Offene Tür

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 15.02.2009 13:15
von Joame Plebis | 3.371 Beiträge | 3363 Punkte
Ein Freud'scher Verschreiber, weil ich schon an eine Tasse Kaffee dachte (s.o.Tassten).
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