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#1

Deine Haut

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 04.03.2009 00:01
von Katharina
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Da liegen wir. In einem Bett, das wie eine Insel ist. Wir breiten uns darin aus. Wir werden groß, immer größer. Das Inselbett hat Enden, die zerfließen. Es wird zu unserer Welt, in der es nur noch dich und mich gibt. Wir sind nackt. Du schließt die Augen, atmest tief ein und wieder aus. Ich fühle wie sich die feuchte Wärme deines Atems auf meine Schulter legt. Der Moment, bevor deine Haut die meine berührt. Ich fühle deine Haut noch nicht, aber ich ahne sie. Ich atme die Ahnung deiner Haut.
Der Moment, in dem deine Haut die meine berührt.
Etwas in mir erschrickt, zuckt zusammen. Etwas Scheues, sehr Wildes wird aufgeweckt.
Deine Haut, die auf meiner Haut liegen bleibt. Wie sie sich anfühlt, deine Haut auf meiner!
Dort wo sie liegt wird es heiß zwischen uns. Die Hitze steigt empor, drängelt sich durch Zwischenräume an uns vorbei und hüllt uns ein.
Es duftet zwischen uns: Feucht, tropisch.
Irgendetwas blüht auf zwischen uns.
Ich fühle deine Hände auf meinen Brüsten, wo zuvor noch dein Atem lag. Du streichelst mir ein unsichtbares Kleid aus Seide auf die Haut.
Leicht wie Luft, Seide - kühl darunter unsere schwitzige Haut. Sekundenlang bleiben deine Finger kleben, drücken mir rote Stempel auf Bauch, Brust, Arm, Schenkel, Bein, Po. Ich fühl sie dort noch kleben, auch als du sie längst wieder weggelegt hast.
Mein Körper ist wie aus Lehm, durstig und formbar. Ich bin Erde. Ich bin Eva. Ich bin Urweib. Ich bin Frau. Alles in mir will sich ausbreiten, wachsen, aufblühen.
Deine Hände wühlen mich auf, bohren sich in mich. Wo ist der Punkt, an dem die Grenzen verschwimmen? Etwas von dir fließt in mich. Etwas sehr Scheues, Wildes will sich wieder verstecken. Du bist da. In mir. Unser Atem hat sich vermischt.
Deine Haut, die auf meiner liegt. Bewegungslos. Deine Haut, die ich jetzt nicht mehr als deine Haut spüre. Es ist schön und es ist seltsam:
Jetzt fühlt es sich so an, als ob wir beide in einer gemeinsamen Haut stecken.

zuletzt bearbeitet 10.03.2009 18:47 | nach oben

#2

RE: Deine Haut

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 04.03.2009 09:21
von Alcedo • Mitglied | 2.558 Beiträge | 2420 Punkte

Zitat von Katharina
Da liegen wir. In einem Bett, das wie eine Insel ist. Wir breiten uns darin aus. Wir werden groß, immer größer. Das Inselbett hat Enden, die zerfließen. Es wird zu unserer Welt in der es nur noch dich und mich gibt. Wir sind nackt. Du schließt die Augen, atmest tief ein und wieder aus. Ich fühle wie sich die feuchte Wärme deines Atems auf meine Schulter legt. Der Moment, bevor deine Haut die meine berührt. Ich fühle deine Haut noch nicht, aber ich ahne sie. Ich atme die Ahnung deiner Haut.
Der Moment, in dem deine Haut die meine berührt.
Etwas in mir erschrickt, zuckt zusammen. Etwas Scheues, sehr Wildes wird aufgeweckt.
Deine Haut, die auf meiner Haut liegen bleibt. Wie sie sich anfühlt, deine Haut auf meiner!
Dort wo sie liegt wird es heiß zwischen uns. Die Hitze steigt empor, drängelt sich durch Zwischenräume an uns vorbei und hüllt uns ein.
Es duftet zwichen uns: Feucht, tropisch.
Irgendetwas blüht auf zwischen uns.
Ich fühle deine Hände auf meinen Brüsten, wo zuvor noch dein Atem lag. Du streichelst mir ein unsichtbares Kleid aus Seide auf die Haut.
Leicht wie Luft, Seide - kühl darunter unsere schwitzige Haut. Sekundenlang bleiben deine Finger kleben, drücken mir rote Stempel auf Bauch, Brust, Arm, Schenkel, Bein, Po. Ich fühl sie dort noch kleben, auch als du sie längst wieder weggelegt hast.
Mein Körper ist wie aus Lehm, durstig und formbar. Ich bin Erde. Ich bin Eva. Ich bin das Urweib. Ich bin eine Frau. Alles in mir will sich ausbreiten, wachsen, aufblühen.
Deine Hände wühlen mich auf, bohren sich in mich. Wo ist der Punkt, an dem die Grenzen verschwimmen? Etwas von dir fließt in mich. Etwas sehr Scheues, Wildes will sich wieder vertecken. Du bist da. In mir. Unser Atem hat sich vermischt.
Deine Haut, die auf meiner liegt. Bewegungslos. Deine Haut, die ich jetzt nicht mehr als deine Haut spüre. Es ist schön und es ist seltsam:
Jetzt fühlt es sich so an, als ob wir beide in einer gemeinsamen Haut stecken.
hallo Katharina

Willkommen im neuen Forum!
die Story gefällt mir über weite Stücke. die Verschmelzung der Liebenden hast du eindringlich beschrieben. die Wiederholungen sind sicher hilfreich dabei.
gut finde ich, dass die romantische Verklärung nicht so weit geht, keine Fremdheit mehr zuzulassen.
-> "Etwas Scheues, sehr Wildes wird aufgeweckt."
warum das dann aber ebenfalls wiederholt wird, einige Verschmelzungssätze später, ist mir nicht klar:
--> "Etwas sehr Scheues, Wildes will sich wieder vertecken." (<-hier beim letzten Wort hast du ein "s" vergessen)

ich verstehe es so, dass die Verschmelzung durch das Stilmittel der Wiederholung herausgearbeitet wird. deshalb sollte, meiner Ansicht nach, die Scheu vor der Verschmelzung Waise bleiben. oder du spiegelst die Scheu im Verhalten des männlichen Parts. das wäre eine naheliegende schöne Parallelität und weniger Wiederholung.

Vorschläge für die Überschrift:
Haut auf Haut
oder
Haut
die jetzige (Deine Haut) gefällt mir nicht, da sie keine Gemeinsamkeit darstellt.

im letzten Satz störte mich das "Jetzt".
Es fühlt sich so an, als ob wir beide in einer gemeinsamen Haut stecken. fände ich stimmiger.

massiv gestört haben mich auch die Artikel vor Urweib und Frau. dabei kam die Aufzählung so lyrisch schön daher: "Ich bin Erde. Ich bin Eva."
also bitte genauso weiter verfahren mit Urweib und Frau, das wäre herrlich.

Gruß
Alcedo


e-Gut
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#3

RE: Deine Haut

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 09.03.2009 13:22
von Katharina
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Hallo Alcedo,

Erstmal danke für deine Anregungen! Ich finde sie sehr interessant und kann gut nachvollziehen, was du meinst. Tatsächlich ist viel besser, bei der Reihung am Ende die Artikel ganz wegzulassen. Ich kann den Text hier nur leider nicht mehr ändern, da ich mich dummerweise als "Gast" angemeldet hab, als ich ihn gepostet hab.
Über das andere hab ich auch nachgedacht, lass die Stellen aber so wie sie sind, weil:
Der Text eigentlich weniger um die Gemeinsamkeit der Erfahrung geht, als um die Fremdheit, die das weibliche Ich gegenüber dem männlichen empfindet, bzw. seiner Haut. Die Perspektive ist also auf diese fremde Haut "deine Haut" gerichtet. Mir würde also kein besserer Titel einfallen.
Durch die Berührung mit der Haut des anderen, durch die Verschmelzung, wird das Gefühl der Fremdheit überwunden und zu einem Gefühl der Gemeinsamkeit.

"Etwas Scheues, sehr Wildes wird aufgeweckt."
"Etwas sehr Scheues, Wildes will sich wieder verstecken." (<-Danke für den Hinweis mit dem "s")

Diese Wiederholung muss ich auch so stehen lassen. Dieselbe Situation wird auf zweierlei Arten empfunden und zwar weiterhin nur vom weiblichen Ich. Aufkommende Hingabe schlägt wieder in Fremdheit um und wieder umgekehrt. Deswegen die Wiederholung.

Ich bin auf jeden Fall sehr froh, endlich ein Forum gefunden zu haben, wo man sich auf hohem Niveau über Texte unterhalten kann. Das hab ich wirklich lange gesucht! Muss mich hier unbedingt richtig anmelden!
Vielen Dank nochmal!
Katharina

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#4

RE: Deine Haut

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 09.03.2009 20:50
von Alcedo • Mitglied | 2.558 Beiträge | 2420 Punkte
hallo Katharina

stell einfach die neue Version als Antwort rein. ich werd sie dann oben reineditieren.
merci für die Erläuterungen zum Text. der Zweck der einen Wiederholung wird mir klarer.

und danke für das Lob zum Forum.

Gruß
Alcedo

e-Gut
zuletzt bearbeitet 09.03.2009 20:51 | nach oben

#5

RE: Deine Haut

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 10.03.2009 15:39
von Katharina (gelöscht)
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Da liegen wir. In einem Bett, das wie eine Insel ist. Wir breiten uns darin aus. Wir werden groß, immer größer. Das Inselbett hat Enden, die zerfließen. Es wird zu unserer Welt, in der es nur noch dich und mich gibt. Wir sind nackt. Du schließt die Augen, atmest tief ein und wieder aus. Ich fühle wie sich die feuchte Wärme deines Atems auf meine Schulter legt. Der Moment, bevor deine Haut die meine berührt. Ich fühle deine Haut noch nicht, aber ich ahne sie. Ich atme die Ahnung deiner Haut.
Der Moment, in dem deine Haut die meine berührt.
Etwas in mir erschrickt, zuckt zusammen. Etwas Scheues, sehr Wildes wird aufgeweckt.
Deine Haut, die auf meiner Haut liegen bleibt. Wie sie sich anfühlt, deine Haut auf meiner!
Dort wo sie liegt wird es heiß zwischen uns. Die Hitze steigt empor, drängelt sich durch Zwischenräume an uns vorbei und hüllt uns ein.
Es duftet zwichen uns: Feucht, tropisch.
Irgendetwas blüht auf zwischen uns.
Ich fühle deine Hände auf meinen Brüsten, wo zuvor noch dein Atem lag. Du streichelst mir ein unsichtbares Kleid aus Seide auf die Haut.
Leicht wie Luft, Seide - kühl darunter unsere schwitzige Haut. Sekundenlang bleiben deine Finger kleben, drücken mir rote Stempel auf Bauch, Brust, Arm, Schenkel, Bein, Po. Ich fühl sie dort noch kleben, auch als du sie längst wieder weggelegt hast.
Mein Körper ist wie aus Lehm, durstig und formbar. Ich bin Erde. Ich bin Eva. Ich bin Urweib. Ich bin Frau. Alles in mir will sich ausbreiten, wachsen, aufblühen.
Deine Hände wühlen mich auf, bohren sich in mich. Wo ist der Punkt, an dem die Grenzen verschwimmen? Etwas von dir fließt in mich. Etwas sehr Scheues, Wildes will sich wieder verstecken. Du bist da. In mir. Unser Atem hat sich vermischt.
Deine Haut, die auf meiner liegt. Bewegungslos. Deine Haut, die ich jetzt nicht mehr als deine Haut spüre. Es ist schön und es ist seltsam:
Jetzt fühlt es sich so an, als ob wir beide in einer gemeinsamen Haut stecken.

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#6

RE: Deine Haut

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 10.03.2009 18:46
von Alcedo • Mitglied | 2.558 Beiträge | 2420 Punkte

hallo Katharina

ja, es ist besser geworden. eindringlicher.

ich hab diese letzte Version oben ins Topic hineineditiert (die erste Variante ist ja durch mein Zitat festgehalten).
hab auch noch - als kleinen Service - beim Wort "zwischen" vor feucht&tropisch ein "s" eingefügt. ich hoffe es ist dir recht.

für das zukünftige Gliedern von Texten würde ich dir gerne diese Anleitung aus unserem Text-Handbuch nahe legen: http://300950.homepagemodules.de/t679356...-einsetzen.html
es kann nicht schaden sich diese Regeln zu verinnerlichen.

(bei vorliegendem Text aber nicht unbedingt, da er wie eine intendierte stichwortartige Stoßseufzerauflistung eine Ausnahme zu bilden scheint.)

Gruß
Alcedo





e-Gut
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#7

RE: Deine Haut

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 21.03.2009 12:54
von Gemini • Long Dong Silver | 3.067 Beiträge | 3067 Punkte

Ahoi Katharina

Erstens

Dein Text ist nicht übel, aber man erkennt, dass du nicht vile schreibst.
Was ich denke ist, dass du verschiedene Elemente zwar vermischen kannst, aber die Grenzen nicht richtig auslotest. So wird die erotische Erzählung mit dem Hinterfragen des eigenen Ichs gleichgestellt.
Ich rede ja nicht davon, dass du die Kontraste härter gestallten sollst. Vielmehr würde mir eine Sensibilisierung gefallen.
Man spürt dein Wegtreiben in der Szenerie und das ist ein wichtiges Talent. Aber du kontrollierst dich dann nicht mehr und erwachst aus dem Traum.
Der letzte Satz ist so dermaßen dümmlich und unpassend, dass man den Text verwerfen will. Versuche die Situation zu kontrollieren.
Sonst möchte ich sagen, dass du großes Potential hast.

Lieben Gruß

Gem


Über mich erzählten sie endlose Schrecklichkeiten und Lügen, dass einem schier die Phantasie platzen wollte. Offenbar stärkte es sie innerlich, derart über mich herzuziehen, es brachte ihnen Gott weiß welche Art Mut, den sie brauchten, um immer erbarmungsloser zu werden, widerstandsfähiger und regelrecht bösartig, um durchzuhalten, um zu überstehen. Und auf diese Weise schlecht zu reden, zu verleumden, zu verachten, zu bedrohen, das tat ihnen ganz offenbar gut.

L.F Celine

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#8

RE: Deine Haut

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 31.03.2009 00:23
von Katharina (gelöscht)
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Hallo Gemini,

Vielen Dank für deine Antwort. Komm erst jetzt dazu etwas dazu zu schreiben, aber hab mir über deine Anregungen bereits ausgiebig den Kopf zerbrochen.
Ich denke, ich versteh jetzt was du meinst und es hat mir wirklich sehr geholfen, das mal von jemand anders zu hören. Denn: Tatsächlich beschreibst du genau das, was mir an meinen eigenen Texten fehlt, was ich noch lernen will. Manchmal sitzte ich an einem Text, die Worte strömen aus mir heraus, er beginnt gut, entwickelt sich und ich bin selbst überrascht davon, dann werde ich enttäuscht, weil er jäh abbricht, sich im Leeren verläuft und ich einfach nicht weiß, wie ich ihn kontrollieren soll. Die meisten meiner Texte bleiben dann fragmentarisch,
Was meine Schreiberfahrung betrifft, so schreibe ich schon sehr viel. Eigentlich mach ich mir ständig irgendwelche Notizen, vor allem ist das dann aber immer sehr autobiographisch und, wie gesagt, fetzenartig, fragmentarisch. Ein Wunsch von mir ist, darüber hinaus zu kommen, meine eigenen Geschichten zu kontrollieren, eigentlich genau das was du mir geschrieben hast. Auch bewusst Fiktion in persönlich Erlebtes einzufügen, die Herrin meiner eigenen Texte zu werden.
Bin auch noch nicht so alt, hab also noch viel Hoffnung und Zeit das zu lernen (Wobei ich natürlich nicht weiß, wie so das Durchschnittsalter in diesem Forum ist, aber ich hab den Verdacht, dass die meisten hier um einiges erfahrener sind, als ich. ; )
Was mir bisher eigentlich immer gefehlt hat, war der Mut mich auszutauschen und meine Texte, die immer sehr persönlich sind, zu zeigen. Das hier ist ein Anfang.

Liebe Grüße, Katharina

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