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#1

Vage

in Philosophisches und Grübeleien 12.12.2008 13:02
von Gedichtbandage • Mitglied | 525 Beiträge | 525 Punkte
___

Vage

Im Elfenbein und seifenblasen
hoch oben
deines Turms,
lässt du die Füße baumeln
wie auch dich
an jenem Strick.

Dort träumst du
wieder mal gestreift,
doch zebragleich flirrst du
in dieser Wüste
dürstend nach dem Meer
der Unwissenheit -

und wirfst noch eine salzige Erdnuss ein,
als Argument
dem entsprechenden Engagement.

Mit bunt bedruckter Plastikfolie
baumelst du ein bisschen, sinnentstellt,
kopfabwärts sicher bedeckt -

und oben nicht ohne.
___

Edit: Pillepalle

_________________________________________________________
>> Du verdammter Sadist:
Du versuchst deine Leser zum Denken zu zwingen.<< - E. E. Cummings zu Ezra Pound
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#2

Vage

in Philosophisches und Grübeleien 14.12.2008 17:05
von Brotnic2um • Mitglied | 645 Beiträge | 645 Punkte

Hallo Gedichtbandage,

ich habe es wahrscheinlich nicht verstanden. Pillepalle schriebst Du ins Edit. Also, ich mag Pillepalle. Die erste Strophe liest sich schön schwarz und makaber. Dann verliere ich den Sinn, mag aber das zebragleiche, gestreifte Träumen. Erdnuss ? Engagement? Verstehe ich nun gar nicht und am Ende baumelt das Du wieder. Du musst mir das nicht erklären. Der Text klingt für mich nicht aufdringlich sondern bescheiden und irgendwie böse, aber auch ironisch. Eben: nicht ohne. Gefällt.

Gruß
Brotnic2um
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#3

Vage

in Philosophisches und Grübeleien 15.12.2008 22:58
von Gedichtbandage • Mitglied | 525 Beiträge | 525 Punkte
Hallo Brotnic2um,

Pillepalle war die Zeichensetzung, welche die Auslegungsvarianten einschränkten, wie auch die kleingeschriebenen seifenblasen, die eigentlich einen Zustand und gleichzeitig die Welt unterstreichen sollen. - mal hin und mal her, so bleibt es jetzt, erst mal...

Ich habe keine Ahnung, ob Du den Sinn verlierst, weil Du leider keine analytische Textinterpretation hier offerierst. Das Streifende steht vielleicht für das Umgebende in der vermeintlichen Objektivität des Subjekts, dem abstrakten Zustand der Wahrnehmungen und dem zimmern eigener Realitäten.
Etwas Besseres fällt mir gerade nicht ein, ich habe ja keine Ahnung was das lyr. Ich gerade dachte, wobei mir durchaus bewusst ist, dass das eine schöne, leichte Ausrede wäre ;-)

Ist auch egal! Ich lasse gerne ein bisschen Platz, für radikalen Konstruktivismus!

Danke!

Bescheiden ironische (böse?-nö!) Grüße,
Gedichtbandage

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>> Du verdammter Sadist:
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#4

Vage

in Philosophisches und Grübeleien 16.12.2008 11:11
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Hi Gedichtbandage,

wiedermal reichlich bunt das Stück.
Ich lese wieder gerne in der Vielfalt Deiner Texte.
Was mir hier nicht so gut gefällt sind einpaar Formulierungen. Aber eins nach dem anderen.

Das Du sitzt
- im Elfenbein
- im Seifenblasen (das ich auf jedenfall groß schreiben würde)
- und im Hochoben (würde ich persönlich auch eher so schreiben)
seines Turms.

Hochoben heißt, der oder die sitzt ab vom Schuss und die anderen sind woanders. Das Elfenbein deute ich so, dass das Du sich selbst recht schlau findet. Ist ja auch keiner da der ihm widerspricht. Das Seifenblasen hat sowohl etwas spielerisches (wie auch die baumelnden Füße) als auch substanzloses sowie etwas schnell vergängliches. Das Füßebaumeln wirkt kindlich, das Baumeln am Strick eher nicht. Hier stört mich die Formulierung mit "jenem", denn das referenziert eigentlich auf etwas, das überhaupt nicht mehr aufgegriffen wird. Bei "jenem" warte ich auf eine Erläuterung, die nicht kommt. Wenn da nichts kommt, dann ist "an einem/dem/deinem Strick" besser, nach meinem Gefühl. Aber vielleicht sehe ich den direkt genannten Bezug auch nur nicht.
"Du träumst gestreift" ist wohl ein nettes Bild für das gute alte Schwarzweißdenken. Das Du macht es sich zebragleich recht einfach bei der Benutzung seines Gehirns, was ihm in seiner abgeschiedenheit ja wohl auch keiner verübeln kann.
Es dürstet nach Unwissenheit. Das kann man so deuten, dass es entweder etwas erfahren hat, das es lieber nicht wissen würde. Oder es von seinem gestreiften Träumen, das ich auch als Grübelei deute, angestrengt und genervt.
Die Erdnuss gibt einen Hauch des Gefühls, das Meer zu kosten, ein Genuss, der wahrscheinlich das Dürsten verstärkt und somit das Du darin bestärkt nach der Unwissenheit zu streben.
Hier stellt sich mir die Frage, ob das Du sich seiner Elfenbeinturmsituation und der Schwarzweißdenke bewusst ist und das Streben nach Unwissenheit dem Wunsch entspricht, daran etwas zu ändern. Das klingt ein bisschen nach Todessehnsucht. Denn das Streben nach unwissenheit kann auch durch ein Streben nach Sterben Erfüllung finden. Der Strick an dem es baumelt und die Erdnuss, die vielleicht auch eine Schlaftablette sein kann, tut ein Übriges. Vielleicht ein bereits vollführter Selbstmordversuch.

Das Baumeln mit bunt bedruckter Plastikfolie zeigt die gute Miene zum bösen Spiel, die das Du aufsetzt.Nach außen hin zeigt sich das Du bunt, das ist aber nicht echt, sondern aus Plastik. Das Kopfabwärts baumeln hat zum einen wieder etwas spielerisches aber auch in dem Turm etwas dem Abgrund zugerichtetes. Das sinnentstellt deute ich so, dass sich das Du sich der Tatsache bewusst ist, dass da etwas ganz und gar nicht richtig läuft. "Sicher bedeckt" sehe ich hier mal so, dass dieser Zustand zum einen halbwegs stabil ist, dass das Du aber auch sicher ist, dass keiner die Abkehr vom Leben bemerkt.
Das "oben nicht ohne" kann heißen, dass auch der Kopf unter der bunten Plastikfolie steckt und das Du in diesem scheinbar stabilen Zustand zu ersticken droht, somit des auf diese Art und Weise doch auch in diesem Zustand dem Tode zutreibt.

Ich sehe hier also ein verspieltes, lebensmüdes und innerlich aber nach außen hin nicht sichtbar isoliertes lyrisches Du.

Nun noch der Titel. Da komme ich in Probleme. Vielleicht ein Hinweis darauf, dass die wahre Situation des Dus nur vage sichtbar ist oder dass das Du nur eine vage Ahnung von dieser schlimmen Situation hat. Immerhin wird es hier ja von einem lyrischen Ich angesprochen.

Wie auch immer. Vielleicht liege ich ja völlig falsch mit meiner Deutung, aber es hat einen Heidenspaß gemacht, sich damit auseinander zu setzen, auch wenn der Text doch eher traurig ist. Die Fähigkeit in so einem im Grunde schweren Text doch noch so einen leicht humorigen Unterton in den Bildern zu geben, das finde ich schon ziemlich einzigartig. Das hier ist jedenfalls keine Seifenblase.

Viele Grüße,
GW

Edit: Zu dem zebragleich gestreift: Vielleicht doch kein Schwarzweißdenken, sondern einfach im Sinne von Gutes und Schlechtes träumen, das aber letztlich doch wieder in der Situation einerlei ist. Aber auch da bin ich mir unsicher.

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#5

Vage

in Philosophisches und Grübeleien 17.12.2008 19:14
von Gedichtbandage • Mitglied | 525 Beiträge | 525 Punkte
Hallo WohlGeratener,

da bin ich doch völlig überfahren!

DANKE!
Das nenne ich mal eine Auseinandersetzung! Bei so einem mageren Ding ;-)

Leider kann ich mich erst später ausführlich äußern, wegen der mangelnden Zeit. Jedoch mit diesem Nachtrag streifst Du die Intention und ganz so dunkel ist es vielleicht auch um das Du nicht, weil man es ja auch anders lesen kann, dass das Du sich bewusst distanziert, sich eher Blödheit wünscht, als all das Wissen, auch um des Unwissens... und der eigenen Unzulänglichkeit...

Herzlichst und sehr berührt,
Gedichtbandage, -
nun ist es doch ausführlicher geworden, den Rest erspare ich mir und Dir und allen Mitlesenden!

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