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GNORP - II -

in Märchen, Fabeln, Sci-Fi und Fantastisches 04.10.2008 15:01
von Brotnic2um • Mitglied | 645 Beiträge | 645 Punkte
In Metrik

Jetzt, angesichts eines hysterischen Lybit-Mobs, fiel Gnorp das Lächeln wesentlich schwerer, als angesichts seiner selbst und eines eitlen Löwen. Jetzt, war er auf dem Marktplatz von Metrik am Pranger angebunden, wurde mit Pampenpiken drangsaliert und musste dem Knappen Kruzifx, der mit einem Stiefel auf seinem Hinterhaupt stand, zuhören, welche Vergehen er begangen hätte.
Es war keine vierundzwanzig Stunden her, dass er, verborgen unter der Brötchentüte des Löwen, eines der zwölf Stadttore Lybiens passiert hatte.

Metrik war sauber, ausgefegt und bis in den letzten Winkel poliert. Es gab zwölf Tore und von diesen Toren schlängelten sich zwölf Wege zunächst verschlungen gestaltet wie Pfade in einem englischen Park, vorbei an Flüssen, Weiden und Seen. Aber sehr bald schon schnürten alle Straßen streng, strahlenförmig und steigend zum Marktplatz Metriks und dem Pranger hin, an dem die Lybits bis dato unter Hosianna und Hol ihn der Teufel Gesängen die Trolle platzen ließen.

Gnorp, als er mit seiner Nase das erste Mal um eines der Tore gelugt hatte, war be-eindruckt, von Metriks Dimensionen.

Die Torwächter hatten so viel um die Ohren, dass, sie den Kerl in der Brötchentüte, der sich still und heimlich hineindrängelte, nicht wahrgenommen hatten. So kam es, dass Gnorp nach Lybien hereingekommen war. Ehrfurchtsvoll stellte Gnorp fest, dass alle pilzförmigen Häuser an der Straße, die er zum Markt hinauf schritt, in der-selben Farbe angemalt waren. Er war offensichtlich auf der roten Strasse und die Lybits, die hier einen festen Wohnsitz hatten, trugen hellblaue Wänste und rote Plu-derhosen. Immer wenn ein Lybit in Pluderhose und Wanst einen anderen in Pluder-hose und Wanst begegnete, machten sie sich gegenseitig tiefe Diener und wollten stets dem Anderen den Vortritt lassen und machten sich gegenseitig die absurdesten Komplimente. Nichts an ihnen war rüpelhaft oder degoutant geschweige denn pein-lich. “Wohl“ war das Wort der Wahl in dieser Stadt: wohlgeraten, wohlerzogen, wohl-auf, wohl bekomm's, wohlig und wohlan.

Während Gnorp tapfer über das Kopfsteinpflaster der roten Straße weiter Richtung Marktplatz ging, schwitzte er mehr und mehr und der Grund war nicht die schlechte Klimatisierung seiner Tarnkappe sondern vielmehr, dass er ununterbrochen daran dachte, dass er wie ein bunter Hund in grauer Masse wirkte. Zum Glück gab es noch andere, die nicht so einheitlich gekleidet waren und sich schüchtern oder devot den Wansttragenden andienten. Sie hatten wie es Gnorp schien noch nicht das Recht in einem der Häuser zu wohnen oder die typische Tracht zu tragen, aber sie machten es Gnorp leichter, die Stadt weiter zu erkunden.

Bald hatte Gnorp den großen Platz erreicht, sah den Pranger in der Mitte und an den zwölf Straßenmündungen besonders knubblige und erhabene Pilzgebäude mit Erker und Türmchen. Hier erkannte Gnorp, dass jede Straße nicht nur ihre Farbe hatte, sondern auch ihren Klang. Die Lybits hatten überall Kopfsteinpflaster verlegt, aber nicht nur das, sie hatten die Steine einer Straße nicht nur in gleicher Größe gelegt, sie hatten ihnen obendrein exakt denselben Schliff gegeben, aber jeder Straße einen unterschiedlichen. So konnte ein Lybit schon am Klang der Hufe erkennen, woher der Reiter oder das Gespann kam und in den jeweiligen Straßen klang alles gleich.

Gnorp entschied sich dafür die dunkelblaue Straße näher zu betrachten, denn unweit des Platzes, sah er ein Pilzhaus mit einem Ladenschild, dass seine Neugier entfacht hatte. Er watschelte behäbig knisternd unter seiner Tüte zum Haus, passierte Lybits, die hier alle gelbe Wänste trugen und sich selbstverständlich freundlichst um den Bart strichen. Fast hätte Gnorp gleich zu Beginn Lord Elf Gin umgerannt, der gerade aus der stattlichen Wohnstatt Kalterersees gekommen war. Gerade noch rechtzeitig gelang es Gnorp dem großen Schuhen Elf Gins auszuweichen und sich in Hörweite zu postieren. Elf Gin hatte er nicht gesehen, aber Kalterersee, der mit Elf Gin das Haus verlassen hatte. Kalterersee redete auf Elf Gin ein:

„Ihr müsst die Tore verschließen, Lord Gin! Nichts darf hinein, nichts hinaus, was un-sere Augen nicht gesehen haben. Schlagt meine Warnung nicht in den Wind!“, Kalte-rersee redete ohne Unterlass auf Elf Gin ein und schien sich nicht zu bekümmern, dass ein jeder mithören konnte. Elf Gin drehte sich um und sein Gesicht war verbor-gen, denn die Krempe seines Hutes verbarg sein Antlitz. „Wenn wir die Tore schlie-ßen - ich fragte es Euch eben schon dreimal - werden wir wie lange von unseren Worten zehren können?“, antwortete Elf Gin mit einer Gegenfrage und kein Ton ver-riet wie angespannt er war.

„Solange wir wollen! Und das antwortete ich Euch mindestens ein Dutzend Mal. Wir brauchen nicht jeden windigen Wort Händler oder Verseschmied einzulassen, hinter dessen Gestalt sich nur allzu gern ein Troll mit Tarnkappe verbirgt. Diese Gestalten sollen uns Ross und Reiter nennen, sollen Farbe bekennen und ehrliche Preise ma-chen. Kein Markt, kein Laden in Metrik braucht diese Händler aus Tausend und einer Nacht und ihre wortreich besungenen Waren, die sich nur allzu oft als billiges Ge-schmeide entpuppen, das keiner hören will. Keiner!“ Kalterersee hatte sich so in Ra-ge geredet, dass er am ganzen Körper zitterte und sein Gesicht rot angelaufen war. Aber Elf Gin schwieg und antwortete nicht zugleich. Erst nach einer Weile, als der erhitzte Kalterersee ein wenig abgedampft war, antwortete er: „Wir schließen die To-re.“

Und kaum, dass er so gesprochen hatte, atmete Kalterersee mehrmals durch und eine große Last schien ihm von den Schultern genommen. „Wir schließen die Tore“, wiederholte Elf Gin und fuhr fort „aber nur, weil ich glaube, dass du mir die wahren Gründe verschweigst“. Kalterersee wurde blass, schluckte und hatte Mühe, erstaunt zu fragen: „Welche Gründe sollte ich dir verschweigen?“

„Du kennst – genau wie ich - die Warnungen des großen Keks und weißt, dass die Leibesfrucht eines Lybits und eines Trolls stark genug ist, Dämme aufzubrechen und ganze Städte einzureißen, und wie zufällig – nicht wahr? - liegt gerade dieses Vieh vor unseren Toren und mein allseits geschätzter Vizelord hat soviel Angst, dass er sich in seinen eigenen vier Wänden verbarrikadieren will. Nein, du verschweigst mir nichts, mein lieber Vizelord“, endete Elf Gin süffisant und fügte noch beiläufig hinzu: „Dem Löwen werde ich jetzt den Garaus machen und hoffentlich hat dann diese trau-rige Komödie ein Ende.“ So schloss Elf Gin und stapfte zu den Toren.

Kalterersee blieb noch eine Weile zitternd stehen und blickte dem Schlapphut seines Herrschers hinterher. „Nehmt einen Schluck, ihr seht blass aus“, sprach Kruzifix, der sich wie Gnorp abseits gehalten hatte und nun, aus dem Schatten hervortretend, seinem Herrn mit einem Schluck aus der Wasserflasche helfen wollte. Geradezu wirr schaute Kalterersee zu Kruzifix und hatte offensichtlich Mühe, seinen Knappen zu erkennen. Dann fuchtelte er plötzlich wie wild mit seinen Armen los, als ob er nicht wüsste, was er sonst tun oder wie er den Druck los werden sollte; heulte, aber sagte nichts; schlug um sich, aber nur in die Luft, als ob er nicht wüsste, wo er anfangen und wo er aufhören sollte, und schließlich rannte er von Kruzifix weg.

„Ertappt“, murmelte Kruzifix, der wie Gnorp das ganze Gespräch belauscht hatte. Kruzifix verstaute sein Fläschchen, schüttelte weiterhin seinen Kopf und als Gnorp, dem sein Herz bis zum Hals schlug, weil er sich selbst, so wie in diesem Ding vom Löwen, im Verhalten Kalterersees wiederzuerkennen glaubte. Gnorp hoffte, dass Kruzifix nun ebenfalls schnell von der Bildfläche verschwinden würde. Die anderen Lybits hatten sich nicht um den Disput von Gin und Kalterersee gekümmert. Weil sie wohlerzogen waren, hatten sie stets einen mehr als höflichen Abstand zu den Beiden gehalten und wenn überhaupt, dann nur diskret genickt.

Als Gnorp durchatmen und das Gehörte verarbeiten wollte, spürte er plötzlich den Blick des Kruzifix auf sich und ihm war, als ob ein Eiswürfel an seinem Rücken hinun-ter rann. Ihm trat der Schweiß aus jeder Pore und am Liebsten hätte er sich die Tüte vom Kopf gerissen und seinem Häscher die Zunge herausgestreckt, aber er wusste, dass sein Weg dann sogleich beendet gewesen wäre und er wollte doch noch in den Laden in der blauen Straße und zu seinem Vater. Also hielt er Kruzifix kaltem und emotionslosem Blick stand, bis der endlich wo anders hin blickte und seiner Wege ging. Gnorp war erleichtert, als der Knappe sich abgedreht hatte, denn er hörte nicht, was der Knappe murmelte, und sah nicht, ob der Knappe höhnisch grinste oder ob nicht.

„Kalterersee“, dachte Gnorp wiederholt und musste jedes Mal aufs Neue schlucken, auch wenn er den Namen nur in Gedanken aussprach. Als Kalterersee nach dem Gespräch mit Gin auf seine Weise Reißaus genommen hatte, fühlte sich Gnorp, als steckte eine Hand in ihm und würde ihn bewegen; als sei er nicht Wurzel, sondern Glied; als sei er nicht Ast, sondern Blatt.

Kein Lybit in den Mauern von Lybien hätte auch nur den Hauch einer Ähnlichkeit zwischen Gnorp und Kalterersee festgestellt, geschweige denn, den Troll mit irgend-einem anderen Lybit verwechselt. Und doch fühlte sich Gnorp, seit er gesehen hatte, wie Kalterersee sich verhielt, als Elf Gin ihm reinen Wein eingoss, dem Vizelord zum Verwechseln ähnlich. Paradoxerweise getraute es sich Gnorp trotzdem nicht, die Brötchentüte vom Kopf zu reißen und der Scharade ein Ende zu machen. Derart auf-gewühlt watschelte er die blaue Straße hinunter und als er schon – nicht links, noch rechts guckend - an der Ladentür vorbeigegangen war, die vorhin noch seine Auf-merksamkeit erregt hatte, strich ein leichter Wind durch seine Tüte, ließ sie knistern. Hinter ihm hörte er, wie ein Windspiel andere, zufälligere Töne spielte, als das stete Einerlei des stumpfen Klopfens wohlgeratener Hufe auf zu Gleichklang geschliffenem Klopfsteinpflaster erwarten lassen konnte. Gnorp hielt inne, drehte sich um und sah den Laden.

„Van Soli“, stand schmucklos auf der eichenen Eingangstür, die Gnorp nun schüch-tern, aber entschlossen aufdrückte. Die Tür war schwer und Gnorp musste sich an-strengen, sie weit genug aufzudrücken, um nicht selbst zerdrückt zu werden, nach-dem er sie wieder losgelassen hatte, bevor er ins Innere des Ladens schlüpfte.
Die Tür schloss sich mit einem satten und klackenden Geräusch und Gnorp fand sich wieder in einem Laden, der ihn an die Höhle von Bulbus, seines ehemaligen Va-ters, erinnerte. Es war nicht so dunkel in ihr, denn zahlreiche Kerzen erhellten den Raum. Viele Bücher lagen wahllos wie Geschwätz umher und offenbarten erst beim zweiten Blick, dass ein jedes so lag, wie es musste.

Ein Husten schreckte Gnorp auf. Aus den hinteren Räumen schlurfte ein älterer Lybit zu ihm her. „Ah, ein Troll!“, krächzte der Alte, ohne daran Anstoß zu nehmen. Statt-dessen stieg er, als hätte Gnorp ihn darum gebeten, gleich auf eine Bibliotheksleiter und suchte mit einem Monokel im Auge und einem Finger auf den Buchrücken ge-zielt eine Reihe ab, murmelte hier etwas mehr oder verharrte mit dem Finger dort etwas länger, bis er kurz entschlossen ein Buch herauszog, den Staub hustend ab-pustete, es aufschlug und konzentriert darin blätterte.

Der kleine Troll stutzte zwar, fühlte sich aber fast heimisch in diesem Laden und blätterte selbst in dem einen oder anderen Folianten. Schnell verloren sich seine Ge-danken in den Zeilen, die er aufs Geratewohl las. Er verstand, dass sich in diesem Dämmerlicht die Welt, die in diesen Worten und Versen schlummerte, besser entfal-ten und der Leser seine eigene vergessen konnte. Der alte Mann schien auch nur Bücher zu sammeln, die Welten enthielten.

„Die Poesie erschafft Welten. Wissenschaft kann nur erkunden, was die Dichter er-schufen“, zitierte der Alte in diesem Moment eine Stelle, sah zu Gnorp und meinte eher, als er fragte: „Das gefällt dir, nicht wahr?“, weshalb er auch die Antwort nicht abwartete, sondern fortfuhr: „Aber da war doch noch ein anderes ...“, und das Buch wieder einrückte und prompt seinen knochigen Finger ausstreckte und suchend über eine andere Reihe fuhr.

Gnorp stolperte indessen über ein paar Zeilen:

„Ganz klein sah ich ihn liegen,
in einer jener Wiegen,
wie sie in allen Häusern stehen -
doch diese war tiefschwarz.“

Gnorp sah, wie sich das Haus, der Flur, die Türen und die Wiege im Kerzenlicht des Ladens von Van Soli manifestierten und er sah sehr wohl, dass die Wiege und nicht der Inhalt schwarz gemalt worden war, doch träumte er sich kurzerhand hinein und fand sich selbst von diesen Zeilen mehr verstanden, als von allen Trollen oder Lybits, denen er je begegnet war. Mag auch ein Gelehrter einwenden, dass Gnorp die Zei-len gründlich missverstanden hatte, berührt hatten sie ihn allemal und das war es, was nach allen Abrechnungen zählte.

Der Alte räusperte sich und zitierte: „Monologe verhalten sich wie Monokulturen: zweidimensional, einerlei und widerspruchslos. Lebensraum entsteht nur dort, wo Dialog und Widerspruch gepflegt werden.“ Das gesagt, schlug er den Folianten be-tont zusammen und schob ihn wieder zurück. Dann kletterte er von seiner Leiter hin-unter und grummelte: „Wie sag ich immer? Misch alle Farben zusammen und am Ende ist alles Grau.“

„Wie kommt es, dass sie in Metrik wie ein Troll leben können?“, fragte Gnorp spon-tan, denn er hatte das Gefühl, dass er bei Van Soli auf Verständnis bauen durfte. Van Soli hob erstaunt eine Braue, lachte bronchial, musste sich setzen, nahm sein Monokel ab und fing sogleich an, diesen zu putzen ohne jedoch mit dem Gelächter aufzuhören. „Mein lieber Troll! Mein lieber, kleiner Troll, der Troll bist du, nicht ich. Und das hier ist bestimmt keine Trollhöhle“, antwortete van Soli kichernd. „Aber sie lieben doch Bücher, Texte, jedes einzelne Wort!“, echauffierte sich Gnorp: „Dieser ganze Laden will von vorne bis hinten durchgelesen und erlebt werden. Eben noch sah ich eine andere Welt,“ und Gnorp deutete abwechselnd auf zwei Kerzenlichter, „die einfach zwischen diesen Lichtern entstand, nur weil ich ein paar Worte gelesen hatte. Sie selbst rieten mir zu Widerspruch und wachem Geist, um nicht zu ersticken und jetzt, jetzt, sagen Sie mir, ich sei der Troll! Und wer sind Sie?“

„Mein lieber Troll! Mein lieber, kleiner Troll, der Troll bist du, nicht ich. Und das hier ist bestimmt keine Trollhöhle“, antwortete der nach Luft schnappende van Soli. Gnorp stutzte. Hatte van Soli nicht haargenau diesen Spruch eben schon feilgeboten? Allen Mut zusammennehmend, ging Gnorp zu Van Soli, der nach wie vor auf seinem Stuhl saß und sein Monokel reinigte, als gäbe es kein Morgen. Es floss immer noch genü-gend Trollblut in Gnorp, so dass er nicht lange überlegte, welche drastischen Mittel angewandt werden mussten, um die Aufmerksamkeit zu bekommen, die ein Troll für mehr als recht und billig hielt. Also raffte er seine Brottüte, um dem geschätzten van Soli vor die Füße zu strullen. Van Soli schien das jedoch nicht zu bemerken und hob erneut an: „Mein lieber Troll! Mein lieber, kleiner Troll, der Troll bist du, nicht ich. Und das hier ist bestimmt keine Trollhöhle.“

„Mein lieber, alter, seniler Sack! Du wirst gleich wissen, wie ich mich fühle“, bellte Gnorp zurück und wollte gerade Wasser lassen, als er im Halbdunkel dieses Ladens entdeckte, dass ein Schlüssel im Rücken des Alten steckte und sich langsam drehte. War Van Soli etwa eine Puppe? Gnorp verstand gar nichts mehr und er bekam auch nicht mit, wie sich die Ladentür öffnete und mit schweren Stiefeln ein weiterer Lybit eintrat. „Willst Du einem alten Herrn vor die Füße pinkeln?“ Gnorp schreckte zusam-men, als er die schneidend kalte Stimme Kruzifix’ vernommen hatte und im gleichen Moment entleerte sich seine Blase.

„Troll!“, fluchte Kruzifix und packte Gnorp, der starr vor Schreck weiterhin pieselte, am langen Arm am Schlafittchen. „Mein lieber Troll! Mein lieber, kleiner Troll, der Troll bist du, nicht ich. Und das ist ...“, sagte Van Soli noch einmal und blieb dann im Satz und in seinen Bewegungen hängen. Dieser nette, alte, lungenkranke Mann war tatsächlich ein Automat, dessen Feder nun neu aufgezogen werden musste.

Während Gnorp noch darüber grübelte, was das bedeutete, stieß Kruzifix mit seinem anderen Arm die Ladentür auf, pfiff scharf zwischen seinen Zähnen hindurch, und unmittelbar danach waren zwei, drei Lybits im Laden, die den abgelaufenen van Soli wieder aufzogen, auf Position stellten, einen Klingeldraht zwischen Automat und Tür spannten und natürlich Gnorps Pfützen aufwischten. Das alles geschah routiniert und behände. Gnorp sah in Kruzifix’ Gesicht und der lächelte überlegen zurück: „Mach dir nichts draus, Kleiner. Noch jeder Troll ist in diese Falle gelatscht.“ Kalterersees Knappe hatte einen derart arroganten Unterton, dass es Gnorp aus seiner Erstarrung riss.

„Tolle Falle! Ihr deckt einen Tisch mit den leckersten Spezereien, dann lasst ihr den Gast so lange von einem Automaten beleidigen, bis der sich richtig angepisst fühlt und sich beschwert. Dann kommt ihr und ruft: ‚Seht wir haben einen Troll gefangen!’ Das ist doch ein ganz fauler Trick!“, beschwerte sich Gnorp und seine Worte über-schlugen sich fast, so sauer war er, weil er die Funktionsweise der Trollfalle in die er da getappt war, für schamlos und bigott hielt. Kruzifix sagte einen Moment lang nichts, dann lachte er schallend los. „Aber, aber, lieber Troll, vergisst du nicht et-was?“, fragte Kruzifix, immer noch lachend, den wütenden Gnorp. „Mit Sicherheit nicht, Herr Hundefänger!“, und Gnorp betonte seine Worte, als rotzte er sie Kruzifix ins Gesicht und der blinzelte, als hätte er Mühe, den Troll nicht sofort in tausend Teile zu zerschneiden. Aber Kruzifix beherrschte sich.

„Mit Sicherheit doch, du Troll“, antwortete er schließlich mit bebender Stimme. „Mit Sicherheit ist das hier kein Abort und mit Sicherheit geht die Tür in beide Richtungen auf. Du hast die Entscheidung getroffen, die nur ein Troll wählt.“
„Ich bin aber ein Lybit“, entgegnete Gnorp so kühl, als ließe ihn die Erregung und der Zorn seines Häschers kalt. Dabei drehte er wie beiläufig seine Hände vor seinem Gesicht und spreizte seine drei Finger so, dass sie Kruzifix gut sichtbar waren.
„Wenn ich noch Zweifel hatte …“, begann Kruzifix, schwieg, schüttelte leicht den Kopf und vollendete: „so hast du sie mir soeben genommen.“ Sprach’s und mar-schierte aus der Trollfalle, den Troll immer noch am Genick gepackt.
Gnorp erkannte langsam den Ernst der Lage, erkannte, dass sein Weg nur noch zum Pranger führen würde und daher brüllte er, so laut er konnte: „Ich will zu meinem Va-ter!“

„Du kommst zu Deinem Schöpfer. Das kann kein schlechter Tausch sein“, nuschelte Kruzifix als Antwort so nebenher, dass Gnorp ahnte, dass er nicht der Erste war, der nach Vater oder Mutter gebrüllt hatte.
„Ich aber bin der Sohn deines Herren, du Spaten!“, rief Gnorp und es gelang ihm er-staunlich souverän zu wirken. Der Knappe blieb stehen, hielt Gnorp hoch, drehte und inspizierte ihn, lächelte und schnitt dabei mit einem kurzen Dolch, den er auf einmal in der anderen Hand hielt, die Brötchentüte - ritschratsch - in kleine Stücke.
„Ein hübsches Kind“, flüsterte Kruzifix maliziös und ließ sich nicht davon irritieren, dass alle Lybits ängstlich, angewidert und mit Taschentüchern vor dem Mund, in im-mer größer werdenden Abständen an ihnen vorbeiflüchteten, als hätten sie erst jetzt erkannt, welcher Art das Brot in der Tüte war, bis Gnorp schließlich schwarz und nackt an seinem Arm hing. „Da wird sich Papa aber freuen, so einen strammen Stammhalter eingesät zu haben. Ja, Du hast recht kleiner Troll, das müssen wir Papi selbst erzählen“, grinste der Knappe breit und spielte den Überraschten, als er unmit-telbar und nicht unweit seiner eigenen Position Kalterersee entdeckte: „Oh, welch göttliche Fügung mein stinkiger Troll, dein Väterchen ist nahe.“

Gnorps Kehle schnürte sich zusammen, denn Kruzifix hatte nicht gelogen. Kalterer-see stand, anscheinend wieder Herr seiner Gefühle, den Rücken ihnen zugewandt, nicht weit entfernt, lässig vor einem kleinen Fischversbasar und redete mit großer Geste auf zwei lybische Damen ein, die ganz versonnen an seinen Lippen zu hingen schienen. Erst als sich Kruzifix mit dem Troll so weit genähert hatte, dass die Damen die Beiden nicht mehr übersehen konnten und demzufolge ihr Lächeln aus dem Ge-sicht verloren, ihre Nase rümpften und alle Anzeichen von Abscheu an den Tag leg-ten, begriff Kalterersee, dass nicht etwa er gemeint, sondern der Feind von hinten gekommen war. Er drehte sich mit großer Geste um und hatte schon einen passen-den Spruch auf den Lippen, als er jäh durch das Antlitz seines Knappen ausge-bremst wurde. Den hatte er in diesem Augenblick nicht erwartet und daher suchte er mit halb geöffnetem Mund nach Worten.
„Verzeiht Herr, aber ich dachte, es würde Euch interessieren, Euren Sohn kennen zulernen“, sagte der Knappe, sein Haupt tief verneigend und Gnorp umso mehr in die Höhe haltend. Kalterersee verstand nicht. Er schaute auf Kruzifix, irritierter auf Gnorp, dann wieder auf seinen Knappen, bis er hervor stieß: “Was soll der Mist, Kru-zifix?“ Der Angesprochene hob nur ganz leicht seinen Kopf und antwortete: „Dieser hier behauptet, Euer Sohn zu sein und Ihr müsst zugeben, dass alle Trolle Euch ver-achten und noch keiner Euer Sohn sein wollte. Nur deshalb zeige ich ihn Euch.“

Kalterersee drehte sich vor und zurück, denn die soeben bezirzten Versfischverkäu-ferinnen begannen ängstlich, ihren Stand dichtzumachen und sein Knappe hatte ihm gerade unterbereitet, Vater eines Trolls geworden zu sein.
„Packt Euch! Packt Euch, verdammt noch einmal“, rief Kalterersee schließlich wütend aus. „Was soll der Blödsinn, Kruzifix? Sieh, was Du getan hast? Du hast Möschen und Nutella mit diesem Troll erschreckt. Sieh dr den Stinker doch an! Selbst du könn-test nicht sein Vater sein, also pack Dich fort mit ihm, führ diesen widerlichen, schwarzen Knubbel zum Schafott!“

„Ich bin Dein Sohn, Du Sack!“, reagierte Gnorp spontan und wollte noch mehr sagen, aber da lag Kruzifix Hand schon auf seinem Mund. Der Knappe entschuldigte sich untertänig, um sich dann eilig, unter zahlreichen Bücklingen, aus dem Dunstkreis seines Herren zu entfernen, welcher sich bereits wieder, lässig sein Haar aufschüt-telnd, dem Damenstand zugewandt hatte und - ganz blauer Tauberich – auch schon wieder gurrte: „Aye, meine Schönen.“

Als sein Vater ihn zugunsten fischiger Wachteln derart verschmäht hatte, wusste Gnorp, dass er auf dem Pranger enden würde. Er begriff, auch wenn er es als herz-zerreißend ungerecht empfand, dass er der Troll war und in Kürze wie ein Schmutz-fleck aus der sauberen Welt Lybiens entfernt werden würde. Die größte Angst berei-tete ihm aber, dass er keine Gewähr hatte, in einer anderen Welt wieder aufzutau-chen und je wieder Gnorp zu sein, sondern für immer zu verschwinden; zu einem Nichts zu zerplatzen, so wie der junge Troll einst auf dem Marktplatz von Metrik.

„Damit wir uns nicht falsch verstehen, Troll“, schärfte Kruzifix Gnorp ein, kaum dass sie außer Sicht- und Hörweite von Kalterersee waren, „den Mund habe ich dir nicht zugehalten, um dich vor deiner Zunge beschützen wollte, sondern weil ich selbst dich zu deinem Trollgott bringen will.“ Kaum dass der Knappe so gesprochen hatte, konn-te sich Gnorp aus seinem Tal der Tränen wieder herauskämpfen und antwortete mit fester Stimme: „Ich Dich auch, kleiner Knappe, ich Dich auch.“


Am Pranger

Der dicklichte Junge aus der Magentastraße zitterte in seinem grünen Wanst am ganzen Leib und seine Augen, die er nicht vom Schauspiel am Pranger lösen konnte, glänzten trunken. Gnorp indessen fühlte keinen Schmerz, obwohl Kruzifix mit seinem Stiefel seinen Schädel seitlich niederdrückte und nicht zimperlich zu Werke ging. Gnorp hörte auch nicht die Anklagen, die Kruzifix gegen ihn losließ. Gnorp sah nur diesen gut genährten Lybit, der es nicht abwarten konnte, dass Gnorp vor aller Au-gen geschlachtet werden würde. Gnorp fühlte keinen Ekel, keinen Hass, aber er frag-te sich, wie grau die Buchstabensuppe gewesen sein musste, die dieser Kerl täglich verdrückt hatte. Wie billig, wie schal mussten die Sätze und Verse gewesen sein, an denen sich solch ein Gemüt zu dieser dümmlichen Feiste hatte fressen können? Nein, der Junge war nicht wie eine Stopfgans, die sich nicht wehren konnte; dieser dicke, grüne Lybit genoss es, gestopft zu werden und schluckte alles brav herunter, als sei es ganz vorzüglich.

Mit einem Mal nahm Kruzifix seinen Stiefel von Gnorps Wange und riss den Troll in die Höhe. Die Menge machte „Ah!“, jubelte los und skandierte bald „Stopf den Troll! Stopf den Troll!“ Es war Kruzifix anzumerken, wie sehr er es genoss, im Mittelpunkt zu stehen, mit theatralischer Geste in einen Eimer zu greifen, der ihm von einem an-deren Lybit demütig gereicht wurde, und einen Ballen Knuddelpampe herauszuneh-men und der Menge zu zeigen, die darauf nur umso heftiger in ihren stumpfen Re-frain fiel: „Stopf den Troll!“

Doch bevor solches begann, hielt Kruzifix inne und schaute zu einem entlegenen Punkt des Platzes. Die Menge spürte, wie er die Luft anhielt und sich konzentrierte. Erst einer oder zwei, dann eine Handvoll, schließlich drehten alle Lybits auf dem Platz sich in die Richtung um, in die Kruzifix schaute und im selben Moment hielten sie selbst die Luft an. Alle sahen wie gebannt auf den riesigen Kopf des Löwen, der schwankend eine der farbigen Straßen heraufzukommen schien.

Die Furcht schlug jedoch schlagartig in Jubel um, als ausgemacht war, dass Lord Elf Gin den Platz betreten hatte, den Kopf des Löwen als Trophäe hinter sich her getra-gen, aufgespießt von etlichen Pikenieren. Wie ein Lauffeuer ging das Gerücht über den Platz, wonach Gin den Löwen überwältigte, als dieser an sich selbst und mit ei-nem glitzernden Dings herumgespielt hatte. Der Lord kokettierte mit der Aufmerk-samkeit, winkte ständig ab und wies auf den Pranger zu Kruzifix, so als wollte er sa-gen, dass dort die Musik spiele. Aber die Menge schob sich auf Lord Elf Gin zu und jeder Lybit wollte ihm gratulieren.

Kruzifix, Gnorp und vermutlich viele andere auch, konnten trotz des allgemeinen Tru-bels nicht übersehen, dass sich ein Lybit wie ein Keil durch die Masse zu Elf Gin schob. Es war niemand Anderer als der Vizelord, der sehr erleichtert schien und un-bedingt persönlich gratulieren wollte. Als Kalterersee seinen Lord erreicht hatte, stürzte er sich jedoch nicht gleich in dessen Arme, sondern blieb stehen, hob fast entschuldigend die Hände, als bäte er um Verzeihung und Elf Gin, der aus seinem Herzen keine Mördergrube zu machen pflegte, lupfte seinen breitkrempigen Hut und lächelte verschmitzt seinem Vize zu und signalisierte so, dass aller Groll, wenn er denn je bestanden hätte, nun vergessen war. Erst dann machte Kalterersee den letz-ten Schritt und umarmte Gin mit herzlicher Heftigkeit, dass diesem bald der Atem stockte.

„Wie habt ihr das geschafft! Wie habt ihr diesen riesigen Löwen so schnell erledigen können. Ihr seid fan-tas-tisch“, sprach Kalterersee halblaut in das Ohr von Gin und verdrückte auch das eine oder andere Tränchen an der Wange seines Freundes. Ohne zu wissen, warum Kalterersee so nah am Wasser gebaut hatte, zupften viele Lybits ihre Taschentücher und waren zutiefst gerührt. Warum sie es waren, wussten sie nicht recht; sie hinterfragten es auch nicht. Wie stets reichte ihnen aus, dass einer von ihnen heulte und sie heulten mit.

Die ungestüme Freude seines Vertreters brachte Elf Gin in mannigfaltige Verlegen-heit. In der festen Umarmung seines Freundes begann er, in seiner Kluft zu schwit-zen und wollte doch auch Kalterersee und der Menge das Abenteuer, so wie es sich zugetragen hatte, auch getreulich erzählen, den Elf Gin war ein ehrlicher Mann. Aber den Vize wegstoßen, oder sich wie ein Aal dem Zugriff zu entwinden, verbot ihm die Höflichkeit und so dauerte es recht lange, bis zwischen ihm und Kalterersee wieder so viel Distanz war, dass es für keinen unangenehm oder gar ein Affront war. Unan-genehm war das Schauspiel nur für Kruzifix, der mit versteinertem Gesicht, die Ver-brüderungsszene seiner Herren mit angesehen hatte. Gnorp entging dabei nicht, das Kruzifix sich zurückgesetzt und seines Auftrittes beraubt fühlte. Der Einzige, der sei-ne Augen nicht vom Pranger nehmen konnte, war der tumbe, junge Lybit mit dem grünen Wanst.

„Wer nur Tölen umbringen kann, erntet keinen Lorbeer und wer das weiß und trotz-dem weiterhin nur Tölen umbringt, ist entweder blöd oder krank“, steckte Gnorp dem frustrierten Knappen und streckte ihm obendrein die Zunge heraus. Kruzifix hatte Mühe, sich im Griff zu behalten und stieß nur ein nicht sehr autoritäres „Schweig!“ zwischen seinen Lippen hervor. Dabei zwang er Gnorps Ärmchen noch fester in sei-ne Schraubstockpranke, ohne auch nur hinzuschauen. Wie alle anderen beobachtete er gebannt, welche Szene sich zwischen Kalterersee und Gin abspielte, obwohl er nicht hören konnte, was die Beiden sich zu erzählen hatten.

„Ähem, es erforderte natürlich Geschick“, begann Gin nur zögerlich, da er noch über-legte, wie er seine Tat angemessen erzählen sollte. „Aber“, so fuhr er planlos fort, weil er nicht recht weiter wusste, „am Ende war es eigentlich …“, und weiter kam er nicht, denn Kalterersee haute ihm so hart auf den Rücken, dass er hustend über sei-ne viel zu großen Latschen zu fallen drohte. Lässig fing Kalterersee ihn auf und setz-te plaudernd hinzu, dass Gin ihm das doch auf den Weg zum Balkon erzählen kön-ne, und dabei schob er den Herrscher, dessen Hut wieder ganz tief im Gesicht hing, zum Eingang des ehrwürdigen Elf Gin Hauses, dessen Balkon vis-á-vis zum Pranger hing.

Gnorp sah es mit Entsetzten, denn einen Augenblick hatte er gehofft, dass im allge-meinen Trubel der schmählich stehen gelassene Kruzifix ihn aus Zorn freilassen würde, oder ihm kurzerhand die Kehle durchschnitte. Beide Alternativen erschienen Gnorp besser, als konzentrierte Knuddelpampe zu fressen, sich aufzublähen, bis die Augen aus den Höhlen quellen und dann bei vollem Bewusstsein wie ein Ballon zu platzen. Kruzifix lockerte zwar seinen Griff, aber an ein Entkommen war nicht zu denken. Kruzifix ahnte und ahnte zurecht, dass in Kürze Elf Gin und Kalterersee auf dem Balkon gegenüber ihre Hüte und ihre Hände wohlwollend vor dem Volke Ly-biens schwenken würden, welches sich dann auch sehr bald wieder ihm, dem Knap-pen, so zuwenden würde, wie er es verdiente.

„Vater!“, brüllte Gnorp, der jetzt auch noch seine letzten Felle wegschwimmen sah. Er nahm all seine Kraft zusammen und brüllte noch lauter: „Ich bin Dein Sohn, Kalte-rersee!“ und dann noch einmal: „Ich bin Dein Sohn!“ Es waren schon viele Trolle am Pranger Lybiens hingerichtet worden, aber dass einer um Familienanschluss gewor-ben hätte, das hatte es noch nie gegeben, weshalb die Menge augenblicklich schwieg und auch Gin und Kalterersee stehen blieben, kurz bevor sie die Eingangs-tür erreichten. Gnorps zweiter Ruf hallte daher nahezu ungehindert hinüber zu sei-nem Vater.

Quer über den Platz schauend, sah Kalterersee seinen Knappen, der einen kleinen, komisch aussehenden und seltsamen Unsinn brüllenden Troll am Arm hielt. Den Kerl hatte Kruzifix ihm heute schon einmal vorgestellt, weil der behauptete, sein Sohn zu sein. Kalterersee bekam eine Gänsehaut, die er sich nicht erklären konnte. Als sei die Zeit stehen geblieben, schaute er abwechselnd zum schwarzen, keifenden Knäuel und zum großen, majestätischen Löwenkopf, der Würde und Gelassenheit auch im Augenblick des Todes bewahrt zu haben schien. Er konnte sich seine Un-schlüssigkeit nicht erklären, hätte vielleicht viel für das seltsame Stieldings mit den magischen Reflektionen gegeben, vertraute aber darauf, dass es der Löwe und nicht der Troll war, dem er in letzter Zeit schlaflose Nächte zu verdanken gehabt hatte.

Die Verunsicherung des Vizelords, als der Troll nach ihm gerufen hatte, war für die Masse der Lybits kaum zu bemerken gewesen. Sie registrierten lediglich, wie Elf Gin und Kalterersee unmittelbar vor Elf Gins Haustür stehen blieben, Kalterersee sich irritiert zum Pranger umdrehte, um dann aber nur ironisch zu winken und zu lächeln, so als ob er sagen wollte: „Ja, ich Dich auch.“ Und dann verschwanden die Herrscher Lybiens in Elf Gins Gemäuer.

„Fick Dich!“, murmelte Gnorp resigniert und dachte zum ersten Mal voller Stolz an seine Mutter, die er nie kennen gelernt, und nach Lage der Dinge auch niemals ken-nen lernen würde. „Fick Dich!“


„Wie bitte? Was hat der Löwe gemacht?“, fragte Kalterersee, der den Zwischenfall mit Gnorp schon verdrängt hatte, mehr als irritiert, als er und Gin die Treppen zum Balkon aufstiegen. „Er lag auf seinem Rücken und spielte an sich herum“, wiederhol-te Elf Gin treuherzig und war unglücklich, weil seine Heldentat irgendwie nicht richtig rüber kam. „Willst Du mir sagen, dass dieser Löwe, dieses gewaltige Tier, anstatt sich zu wehren, seine Krallen zu benutzen und seine Zähne zu blecken, nichts von alledem getan hat und sich stattdessen einen runterholte?“ Kalterersee war fas-sungslos.

„Ja“, wiederholte Gin kurz angebunden, weil er Kalterersee diesen Sachverhalt schon zwei Mal erzählt hatte, zwischen dem ersten und dem vierten Absatz auf dem Weg zum Balkon. „Und dann habt Ihr ihn einfach abgeschlachtet? Als sei er schon tot?“ Kalterersee konnte sich die Szene nicht erklären und ein selbstverliebter, onanieren-der Löwe wollte weder in sein Weltbild, noch in sein Selbstbild passen. „Nicht einfach so, mein Bester“, antwortete der Lord, stieß die Flügeltüren zum Balkon auf und au-genblicklich erschallten Vivat-Rufe des Volkes.

Routiniert standen Gin und sein Vize an der Balkonmauer und winkten mit Hut oder Hand dem lybischen Volk, ohne ihre eigene Unterhaltung dabei zu unterbrechen. „Bevor ich ihm eine Ladung verpassen und meine Helfer ihm die Piken in den Leib rammen konnten, ließ er von seinem Treiben ab, fuhr sich durch seine Haare …“, raunte Gin zu Kalterersee, der ihn ärgerlich unterbrach und beschloss: „… und griff Euch und Eure Mannen an!“

Elf Gin verlor seine routinierte Fassung. Er hörte auf zu winken und starrte einen langen Moment Kalterersee an, der umso hektischer weitergrinste und winkte, bis Gin konsterniert sagte: „ Nein. Nichts dergleichen. Er wollte nur gut aussehen.“
„Er war eine Bestie, ein Tier! In seinem Blut floss animalisches Feuer, wilde Lust und königliche Größe und Ihr habt ihn bezwungen!“, faselte Kalterersee als wäre er im Fieber. „Er hat sich einen runtergeholt und als wir ihn dabei erwischten und umzingelt hatten, genierte er sich, strich sich durch seine Mähne, glotzte in dieses Dings hier“, Gin holte aus der Innentasche seines viel zu großen Mantels den Handspiegel und reichte ihn dem verdutzten Kalterersee, „und bat uns um ein paar Augenblicke, damit er“, und hier verdrehte Elf Gin die Augen: „gut aussähe.“

Kalterersee war zunächst zu überrascht von Elf Gins Bericht, um dem Spiegel be-sondere Aufmerksamkeit zu schenken. „Er ließ sich also einfach abschlachten?“, wiederholte er stattdessen zum wiederholten Male. „Nein, leider nicht. Aber“, unter-brach Gin, um von vornherein weitere Versuche Kalterersees abzuwürgen, die Situa-tion falsch zu dramatisieren, „er bat darum, sich in Positur setzen zu dürfen. Das war alles. Es gab keinen Kampf. Wir mussten nur abwarten. Allerdings dauerte es sehr, sehr lange bis er soweit war – aber dann schlugen wir endlich zu.“

Der Vizelord drehte derweil den Spiegel des Löwen gedankenverloren in seinen Händen und vergaß wo er war. Es wollte ihm nicht in den Kopf, weshalb ein so edles Tier sich widerstandslos in sein Schicksal gefügt hatte, wenn doch jeder Troll sich mit Händen und Füßen wehrte. Der Löwe war Kalterersees Herausforderung, sein Rho-dos gewesen. Der Löwe war selbstherrlich und hatte alle Voraussetzungen, die düs-teren Prophezeiungen des großen Keks zu erfüllen, aber anscheinend war der Löwe nicht das, was Kalterersee in ihm gesehen hatte. Anscheinend hatte der Löwe doch nichts von dem, was ihn, den Vizelord, auszeichnete. Gedankenverloren schüttelte er den Kopf und überlegte, was er übersehen hatte, welches Puzzleteil er falsch ange-legt hatte oder welches einfach nicht passend war.

Elf Gin entging nicht, dass sein eben noch aufgeräumter Stellvertreter jetzt gedan-kenverhangen und düsterer Stimmung neben ihm stand und immer größere Teile des jubelnde Volkes irritierte, denn es war seinen Lybits unmöglich, Triumph und Demut gleichzeitig zu empfinden. Entweder waren sie stolz oder beleidigt. Beides gleichzei-tig zu können oder zu sein, hätte eines Zaubers bedurft. Bevor die Situation für sei-nen Geschmack zu sehr aus dem Ruder lief, weil sein Partner nicht mehr sauber zu funktionieren schien, ergriff Gin die Initiative und bat mit Rufen und Gesten um eine Jubelpause.

„Liebe Lybits, ich danke Euch für diesen grandiosen Empfang“, begann der Lord und natürlich brandete nach diesen Worten wieder Jubel auf und „Heil Gin“-Rufe wurden laut. Schnell beruhigte er die Menge wieder und hatte ihre volle Aufmerksamkeit. Er war zufrieden, dass keiner mehr Notiz von seinem Vize nahm, der immer noch neben sich stand und im Augenblick ebenso irritiert, wie fasziniert dieses Dings des Löwen untersuchte.

„Heute haben wir“, und Elf Gin stutzte einen Augenblick, weil er nicht auch noch sein Volk so verwirren wollte, wie seinen Stellvertreter, und fuhr daher fort, „die größte Bedrohung Lybiens besiegt. Mit dem heutigen Tag ist der Wald vor Metrik wieder unser!“ Großer Jubel, viele Rufe und Gin war zufrieden, denn er hatte nicht unbedingt gelogen.

Kalterersee indessen fühlte sich, als tauchte er durch schwere Gewässer. Die Stim-men, der Applaus, die Rufe, das alles brandete gedämpft an seine Ohren. Dieses leuchtende Ding des Löwen war mehr als faszinierend. Wenn er es richtig hielt, dann sah er einen Lybit mit großer Nase, der ihn nachzuäffen schien und damit Kalterer-see sehr erheiterte und irgendwie erinnerte diese Visage ihn an jemand anderen. Aber er konnte sich keinen Reim darauf machen und amüsierte sich damit, als sei er unbeobachtet, den Lybit in diesem Zauberdings zu animieren, seine Augen zu ver-drehen, Grimassen zu schneiden und grotesk dumm aus der Wäsche zu schauen.

Es entging Gin nicht, dass er die Bindung zu seinem Publikum wieder zu verlieren drohte, dass, es sich durch die seltsamen Verrenkungen und Grimassen des Vize-lords nicht mehr hundertprozentig auf die Ansprache ihres Königs konzentrieren konnte. Zum Glück fiel Elf Gin Kruzifix wieder ein, der immer noch stoisch mit einem Troll am Arm darauf wartete, die Stopfung zu vollziehen. Das war die Rettung und eine Stopfung würde sein Volk endgültig vom Vizelord ablenken.

Mit Verve schlug er seine Zuhörer wieder in seinen Bann: „Auch wenn unsere Stadt, unser Wald wieder frei sind, auch wenn wir sorglos uns wieder in die Arme fallen und uns gegenseitig unseres uneingeschränkten Wohlwollens versichern können, dürfen wir nicht vergessen, nicht zaudern, nicht darin nachlassen, die kleinen Dämonen und Trolle genauso unerbittlich zu verfolgen, wie wir es seit ewigen Zeiten getan haben. Lybits! Dreht Eure Häupter! Kruzifix!“ Gin brüllte schließlich quer über den Platz, um ja auch die Aufmerksamkeit des Knappen zu bekommen, welcher auch sofort seinen Körper straffte und den Arm des Trolls noch ein bisschen fester drückte. „Kruzifix!“, wiederholte Elf Gin und als er zufrieden bemerkte, dass viele sich zu dem Henkers-knecht umgedreht hatten, intonierte er: „Stopf den Troll! Stopf den Troll!“. Die Menge nahm Gins Ruf sofort auf und nun hallte es weder rhythmisch über den Platz von Metrik und nicht wenige klatschten dazu im Takt: „Stopf den Troll!“.

„Und? Bist Du jetzt glücklich, Knappe?“, fragte Gnorp unvermittelt, weil er nur noch seine Worte und seinen Witz besaß und weil er für alles andere keine Hoffnung mehr hatte. „Auf jeden Fall glücklicher als Du.“
„Aber nur, wenn ich kein Gehirn hätte so wie der Rest von Euch hier.“, bemerkte Gnorp trocken und ließ es geschehen.
„Dir werden Deine frechen Sprüche bald vergangen sein. Und jetzt das Maul auf!“ Kruzifix freute sich schon darauf, das Maul des Trolls mit Gewalt aufzusperren, doch Gnorp tat ihm den Gefallen nicht, schloss die Augen und sperrte wie befohlen seinen Mund auf, ja, legte sogar noch eifrig seinen Kopf in den Nacken, so als könne er es gar nicht abwarten. Mit einem letzten Lächeln registrierte Gnorp, dass die Masse in ihrer stumpfen Begeisterung aus dem Tritt gekommen war und er es doch noch ge-schafft hatte, Kruzifix in die Suppe zu spucken. Denn der hatte sein Gesicht zur Faust geballt und wusste nicht, woran er seine Aggressionen auslassen konnte.

„Der sieht doch irgendwie wie dieser kleine Troll aus, oder nicht?“, murmelte Kalte-rersee, seinen Kopf schief legend als könne er dann besser sehen. „Was hast Du gesagt?“, fragte Elf Gin wenig interessiert und beugte sich mehr höflichkeitshalber zu Kalterersee und dessem neuen Spielzeug. „Guck doch mal hier rein. Sieht der nicht ein bisschen wie der Troll da hinten aus?“ Elf Gin schaute in den Spiegel, schüttelte den Kopf und bemerkte lachend: „Nichts anderes als Eure große Nase könnt ihr dort bewundern.“

„Ach so?“ Der Vizelord wusste nur einen letzten Moment nicht mehr, was er von dem Lybit in dem Dings halten sollte. Dann aber überkam die beiden Fürsten die Erkennt-nis im selben Moment und wie in Zeitlupe drehten sie sich mit weit aufgerissenen Augen einander zu. „Du hast einen Troll gefickt“, flüsterte Elf Gin und Kalterersee wiederholte: „Ich habe einen Troll gefickt.“ Dann herrschte eine kleine Pause. „Das da hinten ist tatsächlich dein Sohn“, vollendete Elf Gin und Kalterersee nickte nur. Plötzlich riefen beide: „Die Prophezeiung!“, und stürzten nach vorn, wobei Kalterer-see im Überschwang den Spiegel aus der Hand verlor, der daraufhin vom Balkon flog und auf dem Platz in winzige Kristalle zerplatzte. Aber das bekümmerte weder den einen noch den anderen, denn beide spürten, ohne das sie es hätten begründen können, dass die Stopfung dieses Trolls ein großer Fehler sein könnte. Beide brüllten verzweifelt: „Nein!“


„Friss!“, befahl Kruzifix lustlos und Gnorp schien den Klumpen, er schmeckte tatsäch-lich zum Kotzen, mit Genuss zu verspeisen, leckte sich demonstrativ seine Lippen, sperrte sein Maul wieder auf und rülpste laut vernehmlich: „Mehr!“ Bis auf den dick-lichten Jungen, der hippelig in die Hände klatschte und von einem Fuß auf den ande-ren trat und irgendetwas Unverständliches brabbelte, hatten alle anderen Lybits den Spaß an der Veranstaltung verloren und keiner intonierte mehr das ansonsten so beliebte „Stopf den Troll“, stattdessen fuhr jedem von ihnen, eine Sekunde nach dem es seltsam still geworden war, ein gehöriger Schreck ins Mark, als es in ihrem Rü-cken klirrte und schepperte und sie kurz darauf den Ruf ihrer Fürsten hörten. Völlig verängstigt blickten sie abwechselnd vom Balkon zum Pranger.

Kruzifix, der so beleidigt war, dass er von all dem Drumherum nichts mehr mitbe-kommen wollte, sagte nur: „Da.“, und warf dem gierigen Troll einen weiteren Batzen in den Rachen, als sei das Ganze eine eher lästige Tierfütterung. Der zweite Batzen aber, den Gnorp ebenso tapfer hinunterwürgte, zündete die Explosion in seinem Wanst. Alles ging ganz schnell und Gnorp bekam nur noch mit, dass ein Band, eine Verbindung riss, welche ihn bis dahin mit allem verbunden hatte. Er sah nicht, wie er sich in Rekordtempo aufblähte, wie seine Füße, Hände, sein Leib und sein Kopf im-mer stärker anschwollen, seine Augen aus den Höhlen traten, sein Nabel sich nach außen stülpte, sein Leib derart anschwoll, dass seine Gliedmaßen nur noch winzige Stummel schienen, obgleich diese auch gewachsen waren und Gnorp schließlich größer war, als der Kopf des Löwen.

Dann platzte der Troll in tausend Stücke. Der dicke Junge jauchzte. Ein schwarzer Regen prasselte auf den Marktplatz von Metrik über eine ansonsten schreckens-stumme Menge. „Zu spät“, bemerkte Elf Gin, ratlos und erstaunt über sein düsteres Gemüt. Auch sein Vize wirkte wie versteinert, nur der tumbe Junge war jetzt völlig außer sich und schrie wie am Spieß: „Mikez ist tot, Mikez ist tot!“. Er drehte sich im Kreise und tanzte vor Glück und Irrsinn. Auf einmal begann er jedoch, sich überall zu kratzen und sein Körper machte merkwürdige Verrenkungen, als ob er von unsicht-baren Händen gezwickt und gezwackt werden würde. Er rief jetzt nicht mehr, dass Mikez tot sei, sondern fluchte wie ein Waschweib und fing an, sich die Klamotten vom Leib zu reißen.

Die anderen Lybits dachten einen Moment, der Dicke hätte endgültig seinen spärli-chen Verstand verloren, aber dann begannen auch sie, sich zu schubbern und zu schaben und sich wie in irrer Panik über den Platz zu rollen oder in wilder Flucht Reißaus zu nehmen.

„Aua!“, schrie der Junge plötzlich, von jähem Schmerz überrascht. Er fasste sich an seine Nasenspitze und rupfte mit verzerrtem Gesicht eine winzig kleine, schwarze Gestalt von seiner Nase. Er hielt den Quälgeist nah vor seine Augen, um sich seinen Fang ganz genau angucken zu können. Der hatte Kringelohren, einen Schwanz, zerzauste Haare, freche Augen und besonders spitze Zähne. Es war eindeutig ein Troll, den er da mit spitzen Fingern vor sein Gesicht hielt, ein winziger zwar, aber dennoch ein Troll. Der dicke Junge ließ den Unterkiefer sinken, ohne das Geringste zu verstehen.

Der Winzling aber, der einen Moment lang versucht hatte, sich zu befreien, ließ sich plötzlich hängen und schaute, ob er sich anders aus seiner Lage befreien könnte. So bemerkte er sehr bald die großen Glubschaugen, die ihn mit seltener Blödheit be-trachteten. Ohne zu zögern, glotzte der Troll zurück und bemerkte schnell, wie sein Opfer mit den Augen zu kneifen begann. Der schwarze Winzling hielt seine Hände an die Ohren und streckte dem Trottel mit einem lautem „Bäh!“ die Zunge heraus.


ENDE
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#2

GNORP - II -

in Märchen, Fabeln, Sci-Fi und Fantastisches 07.10.2008 17:04
von Wilhelm Pfusch • Administrator | 1.955 Beiträge | 1940 Punkte
Wollte mal kurz anmerken, dass ich den Text so am Lesen bin und versprochenermaßen in Bälde ein Kommentar folgt zu dieser Langgeschichte (oder hab ich mich jetzt versprochen ?)




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#3

GNORP - II -

in Märchen, Fabeln, Sci-Fi und Fantastisches 02.11.2008 19:55
von Maya (gelöscht)
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Hi Brot,

ungeachtet dessen, dass mir die Trollthematik mittlerweile zum Halse raushängt, finde ich deine Gnorp-Geschichte wundervoll geschrieben, wobei ich mir aber gut vorstellen könnte, dass dieses "fabelhafte" Märchen auch besonders gut bei Kindern Anklang findet, selbst wenn denen die witzigen Anspielungen auf Falderwald und Kumpanen entgingen.
Aber auch ich hatte viel Spaß mit den zwei Teilen und konnte mir an einigen Stellen das Lachen nicht verkneifen, zum Beispiel bei der Knuddelpampe und deren Wirkung, wenn man sie den armen Trollen einflößt. Die Fantasie, mit der du imstande bist, die absurden, ungerechten Entscheidungen und Ängste von Forenadmins anzuprangern, ohne platt zu werden oder es direkt zu benennen, sondern es derart gekonnt in deine Geschichte einzubetten, finde ich beneidenswert.

Keine Ahnung, ob es für dich ein Kompliment ist oder du dir mit der Hand an die Rübe schlägst, aber bisweilen musste ich an den Ideenreichtum einer Joane K. Rowling denken, wenn du da nicht nur mit dem unterschiedlichen Farbanstrich eines Straßenzuges, sondern auch damit aufwartest:


Zitat:

Hier erkannte Gnorp, dass jede Straße nicht nur ihre Farbe hatte, sondern auch ihren Klang. Die Lybits hatten überall Kopfsteinpflaster verlegt, aber nicht nur das, sie hatten die Steine einer Straße nicht nur in gleicher Größe gelegt, sie hatten ihnen obendrein exakt denselben Schliff gegeben, aber jeder Straße einen unterschiedlichen. So konnte ein Lybit schon am Klang der Hufe erkennen, woher der Reiter oder das Gespann kam und in den jeweiligen Straßen klang alles gleich.



Also insgesamt gesehen finde ich Gnorp gelungen; die Geschichte wirkt irgendwie niedlich auf mich, wobei mich andere deiner Texte aber mehr bannten , weil man sich aufgrund eines komplizierter angelegten Textaufbaus und Inhalts die eingeflochtenen Ebenen stärker selbst erarbeiten musste und einem als Leser mehr abverlangt wurde, um zu begreifen, wie der Hase läuft.

Gruß, Maya.
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#4

GNORP - II -

in Märchen, Fabeln, Sci-Fi und Fantastisches 03.11.2008 18:36
von Brotnic2um • Mitglied | 645 Beiträge | 645 Punkte
Hallo Maya,

es ist schön, solch eine Rückmeldung zu bekommen und es freut mich vor allem wegen der Geschichte selbst. Klingt wahrscheinlich blöd oder arrogant, aber ich war und bin davon überzeugt, dass der kleine Kerl eine Lesereise wert ist.

Aber noch mehr freut mich, dass Du auch der Meinung bist, dass diese Geschichte auch unabhängig von all dem Foren und Trollzeugs funktionieren kann. Das war das Ziel beim Schreiben und als ich jetzt gelesen habe, dass es bei Dir so angekommen ist, habe ich laut „Strike!“ gerufen. Das tut richtig gut und ich bin vielleicht kein Hardcorefan von Frau Rowling, aber bei diesem Vergleich schlage ich mir bestimmt nicht an die Rübe sondern trommle vor Freude auf den Tisch und fühle mich geehrt.

Nur bei der Kindertauglichkeit, habe ich aus dem Bauch heraus gesagt: Bauchschmerzen. Das ein- oder andere Schimpfwort ist sicher kein Grund, aber – lach ruhig, oder hau Dir an die Rübe – wenn der Leo sich einen runterholt, hätte ich Bedenken, dass Kindern (unter Zwölf) vorzutragen oder das Platzen der Trolle am Pranger? Ich hatte für den Gnorp ursprünglich mal eine andere Idee, die ich auch noch nicht aufgegeben habe, wo ich denke, dass es kindgemäßer zugeht. Aber ich befürchte ich weiß gar nicht was kindgemäß ist. Wenn meine Nichte (13 Jahre) das nächste mal zu Besuch kommt, lese ich ihr das mal vor oder lasse sie lesen. Arme Jenny

Danke Dir fürs Lesen und Feedback.

Gruß

Brot
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#5

GNORP - II -

in Märchen, Fabeln, Sci-Fi und Fantastisches 09.11.2008 20:21
von Maya (gelöscht)
avatar
Hallo Brot,

alle Personen unter 18 nenne ich Kinder. Ich dachte hier natürlich nicht an Kitakinder, sondern an 11-14 Jährige. Aber dennoch würde ich die Szene mit der Selbstbefriedigung außen vor lassen, nicht aber das Platzen der Trolle, denn 12-14 Jährige schauen sich ganz andere Sachen im TV oder Netz an. Du ergehst dich ja nicht in blutrünstigen Beschreibungen oder so. Poste doch mal die andere Version, wenn du magst, mich würde das interessieren.

Grüße, Maya
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#6

GNORP - II -

in Märchen, Fabeln, Sci-Fi und Fantastisches 11.11.2008 09:37
von Brotnic2um • Mitglied | 645 Beiträge | 645 Punkte
Hi Maya,

mit der Kinderdefinition kann ich leben. Dieser andere Gnorp, dann sind so drei Seiten bisher, aber erzählt eine vollkommen andere Geschichte bzw. will erzählen. Ich pinne das die Woche mal in den Arbeitshügel.

Gruß
Brot
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