Wettbewerb beendet.
Antworten zu Bestes 60-Minuten-Gedicht vom 12.10.08 :
Komposidumm: 3
Lass mich fallen: 3
Blätterfall: 0
Ein letzter Hauch: 4
Scrollfall: 2
Rascheln: 1
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1. Komposidumm von Pog mo thon
Bei manchen Worten stehst du stumm daneben,
laut oder leis’, sie machen keinen Sinn.
Auch wenn du kreißt, bekommst du es nicht hin,
es füllt sich ums Verrecken nicht mit Leben.
Thematisch mag ja klar sein, was hier abgeht.
Tja, typografisch ist es auch korrekt.
Es ist ja auch nicht so, dass man nicht checkt,
rein theoretisch, was hier auf dem Blatt steht.
Fällt es jedoch mit diesem Wort zu Grunde?
Ach nein, der Herbst wird doch wohl Pate sein.
Liegt es an mir? Mir fällt dazu nur ein;
Lasst nicht ein jedes Wort aus eurem Munde!
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2. Lass mich fallen von Simone
Komm, überschütte mich mit Farben,
reiß mir die Sommerglut vom Leib,
lass mich in deinem Schatten darben
und leck mich wintertagbereit.
Ich will den Stürmen gierig lauschen,
wenn auch die Kälte in mir frisst,
mich an der Sucht nach Fall berauschen,
bevor der Tag zu Ende ist.
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3. Blätterfall von Alcedo
Windes Stille - Buchenwald,
Blätter, Blätter, Blätter, Stille.
Stämme, Äste, Sonne,
tiefe Sonne, Blätterwald,
Wald, in dem ich steh.
Windes Stille - Lindenallee,
Schritte, Blätter, Sonne, Blätter,
Blätter, Stille, Blätter, Blätter,
Wonne, die ich begeh.
Geraschel,
Geraschel,
Ahornbaum -
Ausblick, stille Weite,
Norden, Stille,
hinter mir die Sonne
(oder von der Seite),
von mir
blättert ein Traum.
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4. Ein letzter Hauch von Wilhelm Pfusch
Ein letzter sanfter Hauch, er löst die letzte Bindung,
von allerletztem Blatt, und letztbelaubtem Baum.
Ein Fallwind steigt hinauf, da gleitet in den Raum,
das letzte Frühlingskind, und kostet Überwindung.
Es kreiselt um sich selbst, und ahnt die nahen Ahnen,
die jenen Stamm bereist, den es nun sacht umkreist.
Und kreiseweise sinkt, vom Stammbaum leis und singt,
das Blatt zu seinen Ahnen, auf kreiseweisen Bahnen.
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5. Scrollfall von GerateWohl
Wer liest denn heutzutage noch echt Bücher aus
Papier? Angeblich macht das Internet ja doof.
Das glaube ich sogar. Und schaue ich hinaus
in meinen herbstlich braun bewelkten Hinterhof,
so schlendert kaum ein Nachbar aus der Tür heraus.
Denn alle, vom Bankier bis hin zum Philosoph
beglotzen drinnen ihrer Monitore. Bloß
nicht Blättern, sondern Scrollen, wie man neudeutsch spricht.
Das Blättern ist nicht mehr ihr Fall. Ein ganzer Stoß
von dicken Wälzern passt auf einen Stick drauf. Nicht
dass jemand die noch lesen würde, denn der Schoß
diktiert den Leuten mehr heut als ihr Oberlicht.
Und der kann so ein Buch vielleicht mal halten, weil
man seinem Kind ein Kinderbuch mit Bildern drin
beschreibt, drei Zeilen Text pro Seite. Doch das Beil
der Unaufmerksamkeit hackt schon den Lesesinn
entzwei bei Zeile vier. Das ängstigt mich - zum Teil,
weil's einfach nervt, zum Teil, weil ich selbst so bin.
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6. Rascheln von Nonverbal
Hörst du das leise Rascheln unter einem Baum?
Wenn Kinder durch den Park spazieren?
Und allen schon – die Nasenspitzen frieren?
Und schau mal hin, man sieht es kaum...
Wenn sich die braunen Hörnchen duellieren!
Wie schnell sie hüpfen, flink von Ast zu Ast.
Der Herbst ist ihr Zuhause, ihr Palast
Die Kinder stehen da und applaudieren