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#1

Angekettet

in Ausgezeichnete Prosa 17.09.2008 19:17
von Brotnic2um • Mitglied | 645 Beiträge | 645 Punkte
[b] Angekettet [/b]

- oder : Leon Skrzipek stellt sich vor -


Ich bin Leon Skrzipek und komme aus Berlin. Es ist gar nicht lange her, da hat mir mein Neffe einen Computerdingsbums installiert und mir die Grundbegriffe beigebracht, damit ich in der weiten Welt herumtollen kann. Allerdings hat er mich eingeschränkt. Das hat er wortwörtlich in einem Satz gespickt mit reichlich Kauderwelsch gesagt: eingeschränkt.
Mittlerweile vermute ich die Bedeutung liegt darin, dass ich dieses Dingens nicht verändern kann und somit garantiert ist, dass es funktioniert. Ganz schön trickreich mein Neffe. Aber weil dieser Blechonkel so schön funktioniert, erkunde ich gerade die Weiten des Internets. Knifflig, sage ich Euch. Ganz schön knifflig.

Anarchisch und frei habe ich mir die Welt des Webs vorgestellt. Spannende Menschen, schöne Menschen, hässliche Kerle, friedfertige Mäuschen, Krawallos und Entspanntis wollte ich finden. Aber ich musste schnell lernen, dass es ganz wichtig ist, sich zuerst die Nutzungsbedingungen durchzulesen, bevor man mitmischt. Was soll ich sagen? Wenn ich mir was kaufe, dann packe ich es aus und les mir nie das Handbuch durch und Regelmeier mag ich nicht. Zum Glück hat mein Neffe mir endlich dieses Überwachungsprogramm ausgeschaltet, dass mir gleich alles rot ankreidete, wenn ich mich verschrieben hatte. Versteht ihr was ich meine? Regeln, die sich dadurch legitimieren, dass sie Regeln sind – das ist wie : Das war schon immer so. Find ich furchtbar.

Ja, ja ich weiß, das kann schnell gefährlich werden, aber Handbücher, Anleitungen, Regelwerke und Gesetzbücher – gibt es langweiligere Texte? Die armen Wörter, die für immer in solche Satzstraflager eingeknastet worden sind. Wobei ich mich gerade frage, ob es möglich wäre, nur mit den Worten aus dem Strafgesetzbuch oder diesen Riesenanleitungen für eine sachgemäße Benutzung eines Forums eine schöne Geschichte oder ein tolles Gedicht zu verfassen? Vielleicht ist das ja gar nicht möglich? Vielleicht taugen diese Wörter nur zur Anleitung und Korsettierung menschlichen Verhaltens? Dann bräuchten mir diese Wörter auch nicht leidtun, denn dann stünden sie ja in der Gesellschaft in der sie sich wohl fühlen.

Wenn ich mir dagegen die Bibel ansehe, wie viele hervorragende Geschichten in ihr enthalten sind, so frage ich mich, wie hätte ein Forengott seine Bibel begonnen? Am Anfang war der erste Paragraph, mit dem der Forengott die Welt in Mein und Dein teilte und das Urheberrecht erschuf. Vielleicht so ähnlich, aber bestimmt nicht so genial wie : Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.

Zurück zu den Regeln. Nachdem ich das Ziel ins Auge gefasst hatte, die Netiquette und Nutzungsbedingungen der Foren zu studieren, entschied ich mich für die Leonsche keep-it-smart-and-simple Methode, die da besagt, sich von allem was stört zu befreien, um sich auf das Wesentliche konzentrieren zu können. Also zog ich mich völlig aus, druckte bergeweise Seiten und machte es mir in meinem Studierzimmer bequem. Bis auf einen toll gewachsenen Elefantenfuß, der mich an eine Zeit erinnert wo meine Haare das Gegenteil seiner Blätter und meine Hast das Gegenteil seiner Standhaftigkeit und Langmut waren, ein Stehpult, ein Sitzkissen und meine niemals aufgebende Friedenspalme und natürlich meinen Freund Gnorp, ist mein Studierzimmer ratze putz leer.

Nun stand ich nackt vor meinem Stehpult und hatte einen dicken Papierstapel vor der Nase. Aber ich war willens, ach was, ich war fest entschlossen und beherzt, mich richtig zu verhalten. Doch der Wille gut zu sein, gemahnte mich nach den ersten gelesenen Sätzen wieder zur Demut.

Korrektes Verhalten, stets das Übliche und Richtige zu tun ist ein Muß. Unübliches Verhalten macht Angst, weil wir es nicht berechnen können.

Ein Allgemeinplatz. Aber wie schwierig es manchmal ist das Richtige zu tun, erinnerte mich an eine Geschichte, die sich in einem Sommer meiner Adoleszenz begab.



Der beste Freund meines Vetters Paul heißt Ruben. Ruben traf ich häufiger in einem Land das ein Anderer einmal so beschrieben hat: Schöne Welt, böse Leut. Paul lebte dort und Ruben und ich besuchten ihn regelmäßig im Sommer. Auch Ruben und ich verstanden uns gut. Pauls Eltern betrieben einen Hof. Er hieß Zum grünen Baum oder Jägerhof oder wie diese Höfe halt heißen, die gut tausend Meter über dem Meeresspiegel liegen. Sie waren damals mit die ersten, die sich dem Tourismus zu öffnen begannen und sich vom Almbauern zum Gastwirt wandelten.

Immer wenn wir in dieser wildromantischen Gegend, die Ereignisse aus Winnetou nachgespielt hatten und wieder in die Gaststube von Pauls Eltern wollten, um uns mit Kaiserschmarrn zu stärken, kamen wir unweigerlich an Barri vorbei. Barri war ein Bernersennenhund und wurde stets an kurzer Kette gehalten. Nie anders, als mit dieser Eisenkette an einen Pflock gekettet, hatte ich Barri je gesehen. Der Boden im Radius der Kette war nur noch Mölm. Immerhin, er hatte eine Hütte, aber da sahen wir ihn nie, denn wenn Barri uns sah, bellte er aggressiv, sprang in unsere Richtung und riss an der Kette, bis wir in der Stube verschwunden waren. Barris Fell wirkte immer ungepflegt, Speichel hing ihm von den Lefzen und Fliegen schwirrten stets in seiner Nähe. Ich mochte ihn nicht, hatte Angst vor ihm und konnte mir seine Existenz nur damit erklären, dass es noch Schlimmeres in der Welt geben müsse, um einen Barri vor der eigenen Tür halten zu müssen.
Ruben, dem ich wohl ein-, zweimal erzählt hatte, wie ich über den Hund dachte, schüttelte jedes Mal seinen Kopf und bedeutete mir, dass er den Hund verstehen kann. Wie soll er mit dem Schwanz wedeln, Leon, wie sich über einen neuen Tag freuen, wenn er wie ein Hund gehalten wird? Aber, Ruben, er ist doch ein Hund, entgegnete ich dann und dann sagte Ruben meist nur noch: Na, dann? Und grinste mich höhnisch an. Ich hatte das nie verstanden.

Ruben ging immer gelangweilt an Barri vorbei, so als mache das Gebelle ihm nichts aus, doch ich war stets in Sorge, dass dieser wilde, aggressive Hund den Pflock aus der Erde und mich zu Tode reißen würde. Dieses aggressive Verhalten legte Barri bei jedem an dem Tag. Nur nicht bei Pauls Vater, Paul selbst oder seiner Mutter. Die ließ er gewähren, aber ich hatte stets das Gefühl als könnte Barri auch seine eigene Familie nicht leiden. Was im Nachhinein auch kein Wunder wäre, wenn ich daran denke, mein Leben bei Wind und Wetter in einem Radius von zwei Metern verbringen zu müssen?

Wie alt mochten wir gewesen sein, Ruben und ich, als wir uns das letzte Mal auf dem Hof getroffen hatten? Vierzehn ich, Fünfzehn er? Das Wetter war schön gewesen, Winnetou nicht mehr Thema Nummer eins aber Mädchen dafür von brennendem Interesse. Wir kamen vom Dorf, latschten hungrig hunderte Höhenmeter herauf zum Hof und hatten Durst, großen Appetit und freuten uns auf die gute Küche von Pauls Mama. Aber kurz vor dem Ziel, mussten wir an Barri vorbei, der Nachmittags, wenn ihm bei gutem Wetter die Sonne das Fell und seinen Bregen gegrillt hatte, besonders aggressiv war. Als wir oben auf dem Hochplateau ankamen und Hof und Hund schon von Weiten sehen konnten, sagte Ruben immer: Komm schon Leon, der kann uns nicht kriegen.
Aber ich blieb wie immer zwei, drei Schritte leicht versetzt hinter meinem Freund und beobachtete gebannt den Hund und den Anker, der ihn hielt. Barri war, soweit es die Kette zuließ, in unsere Richtung gelaufen und bellte und knurrte und der Seiber lief ihm von den Lefzen. Mein Herz schlug wie verrückt und ich ging feste davon aus, dass es dieses mal nicht gut gehen, dass Barri dieses mal mich kriegen würde. Meine Augen gingen zum Hund, zum Pflock, zu Ruben, zum Hund, zu Ruben und dann sah ich, oder bildete mir ein, just als Ruben sich nochmals zu mir umsah, seine Augen verdrehte, um mir so zu verstehen zu geben, dass ich oder der Hund ein großes Problem hätten, just da sah ich, dass der Pflock sich ein Stück weit aus der Erde hob. Reflexartig blieb ich stehen. Nun schlug sich Ruben erst Recht die Hände über den Kopf . Was sei ich doch für ein elender Feigling, nörgelte er und schritt direkt und entschlossen auf Barri zu.

Das Tier drehte völlig durch und zog wie irre an der Kette, denn Ruben hatte sich nur um Zentimeter getrennt, vor ihm aufgebaut. Der Hund stemmte sich auf die Hinterbeine, versuchte Zentimeter zu gewinnen und ließ nur dann ab, wenn er zu ersticken drohte. Ruben besaß die Frechheit, sich auch jetzt noch zu mir umzudrehen und mir mit breitem Grinsen mitzuteilen, dass dieser Hund, zwar laut sei und gefährlich ausschaue, aber, so rief Ruben mir zu, Barri werde niemals eine Chance bekommen seinen Zorn befriedigen zu können. Der Zorn werde ihn auffressen, rief Ruben mir zu und da hatte ich erstmals das Gefühl, weil er weder höhnte noch lachte, dass er Mitleid mit der Kreatur hatte. Hörst Du das Leon? Zorn und Hass, fressen ihn auf, rief er ein ums andere mal und dann leiser aber immer öfter: Du frisst keinen außer dich selbst.

Barri reagierte stets gleich. Ob Ruben mir etwas zurief oder leiser Theorien über Barri murmelte, Barri wollte Ruben immer nur an die Kehle. Da stetes Bellen ziemlich laut und nervig ist, rief schließlich Pauls Vater Alfred uns aus der Stube zu, dass wir reinkommen und das Tier nicht verrückt machen sollen. Alfred selbst, kam nicht heraus, Alfred schaute nicht nach dem Rechten, nein, er rief einfach hinter geschlossenen Türen, dass wir uns benehmen sollten.

Aber als Alfreds Stimme erschall, hatte ich einen Moment die Hoffnung, dass dieser Alptraum vorüber sei. Denn jeden Moment rechnete ich damit, dass Barri sich losreiße und Ruben zerfleische oder dass Barri sich die Kette so sehr in den Hals drücke, dass er ersticken oder sich gleich den Kopf in Gänze abzutrennen. Aber weder das eine, noch das andere geschah und auch kein Vorhang, gezogen von den Eltern, beendete die Szene.

Ich weiß nicht, was in Ruben vorgegangen war, geschweige denn was Barri empfand, als Alfreds Stimme zu ihnen drang. Zu Ruben rief ich aber, alleingelassen, weil Pauls Papa sich nicht blicken ließ und weil ich mir keinen anderen Rat mehr wusste, dass Pauls Papa Recht hätte und wir das Tier nicht quälen dürften und wir endlich reingehen sollten.
Ohne mich anzuschauen, nickte Ruben nur und schwieg. Barri trachtete ihm immer noch nach seinem Leben. Ruben nickte noch einmal, drehte sich zu mir, sagte bestimmt: Du bleibst da stehen! Und verschwand in der Stube.

Als Ruben mit wenigen Schritten im Türeingang verschwunden war, hörte Barri auf zu bellen und mit den Zähnen zu fletschen. Mich hatte Barri anscheinend vergessen, denn er nahm keine Notiz von mir. Er wirkte müde auf mich. Barri hechelte, keuchte, kotzte wie ein Asthmatiker, riss aber nicht mehr an der Kette und ich spürte, dass für Barri die Jagd beendet war. Dieser große Hund war einsam wie der Mond.

Ruben kam wieder heraus. Barri, als hätte man ihm in die Hoden gezwickt, nahm sofort Notiz und stürzte sich in die Kette. Mir aber, drohten die Knie wegzusacken, an Stimme war gar nicht zu denken, denn Ruben hatte das Gewehr von Pauls Vater im Anschlag und warf mir einen Blick zu, der keine Spur ironisch, sarkastisch oder wissend war. Heute glaube ich, dass Ruben immer schon ebenso viel Angst wie ich vor Barri hatte. Das Gewehr seines Vaters hatte Paul uns unter dem Sigel der Verschwiegenheit gezeigt und uns beschworen, niemals, nie nicht sein Geheimnis zu verraten.

Jetzt hielt Ruben den Lauf des Gewehrs nur Zentimeter vor Barris fanatischen Fang während meine Beine wie in Beton gewachsen und meine Stimme verschlossen war. Ich weinte, ich weinte schon, bevor Ruben abdrückte, und Barris Schädel in tausend Teile verspritzte und ich bin mir sicher, dass Ruben auch geweint hat.

Blut und Knorpel klebten in unseren Gesichtern und mit Angst verbissenem Kiefer, sah ich Ruben verheult und blutverschmiert an. Ich las aus Rubens Augen, dass er mich nicht um Vergebung bat, sondern um Zustimmung warb, dass diese Kreatur nicht mehr hatte leiden dürfen, dass er, dass ich, dass wir, das Recht gehabt hätten, Barri zu erlösen.

Pauls Familie war mittlerweile auch heraus gestürzt aus ihrer Gaststube, schlugen das Gewehr aus Rubens Hand, zerrten ihn und dann mich vom Tatort und drohten uns mit übelsten Verwünschungen. Paul sprach nie wieder ein Wort mit mir. Mit Ruben bestimmt auch nicht.

Es hieß, Ruben und ich hätten gemeinschaftlich gehandelt, denn wer einen Hund abknallt oder zulässt, dass ein Hund getötet wird, der kann nicht ganz gesund sein.


Ja, so war das damals, als Ruben Barri erschoss. Bis heute weiß ich nicht, ob Ruben richtig oder falsch gehandelt hat. Natürlich war Ruben zu bestrafen. Es war nicht nur rohe Gewalt, es war Ausdruck eines Charakters, der seine Unsicherheit mit Hybris überspielte. Aber Barri freizulassen war uns unmöglich. Wir waren jung und hörten von Lehrern und Eltern viel von korrektem Benehmen und Anständigkeit und gehalten wurde Barri aber von einem Erwachsenen, der ein Tier und wahrscheinlich jede Kreatur – außer sich selbst- für nichts anderes, als für ein Stück Fleisch hielt. Wobei ich mir nicht sicher bin, dass Alfred so etwas wie Selbstachtung besessen hat.
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#2

Angekettet

in Ausgezeichnete Prosa 17.09.2008 20:01
von Pog Mo Thon | 569 Beiträge | 569 Punkte
Hallo Brot,

ich bin nach wie vor schwer beeindruckt von dieser Vorstellung. Ich kann das leider nicht so gut beschreiben, aber ich finde die einleitenden Gedanken schon sehr denkenswert und die Geschichte über Barri hat geradezu hypnotische Wirkung, zieht einen soghaft ins sich hinein und steht für mich in bester Traditon der Stories of Initiation. Einfach klasse!

Beste Grüße
Matte
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#3

Angekettet

in Ausgezeichnete Prosa 18.09.2008 08:39
von Alexa (gelöscht)
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Hallo Brotnic2um,

Ich habe deine Geschichte jetzt nicht nur einmal gelesen. Warum? Ich rauschte da so durch deine Zeilen, tatsächlich wie hypnotisiert, komme unten an und hatte alles verstanden und doch nichts. Mir war, und eigentlich ist es jetzt auch noch so, noch nicht klar, wie ich die Sache mit dem Computer, dem Internet, der Forenwelt nun mit Barri in Zusammenhang bringen soll. Korrektes Verhalten. Ja, das wird auch in der virtuellen Welt verlangt, aber oft auch nicht eingehalten. Ist es das? Rubens Verhalten war unangebracht und doch irgendwie nicht. Dem Hund geht’s jetzt sicher besser.
>>>dass er Mitleid mit der Kreatur hatte. Hörst Du das Leon? Zorn und Hass, fressen ihn auf, rief er ein ums andere mal und dann leiser aber immer öfter: Du frisst keinen außer dich selbst.<<<<
– ich vermute fast das sind Schlüsselsätze, kann sie aber nicht unterbringen.

Trotzdem ein großes Kompliment für deinen Schreibstil. Er fesselt. Er zwingt mich förmlich die Geschichte bis zum Ende zu lesen. Aber verstanden hab ich sie nicht. Vll. sollte ich sie nochmal lesen und nochmal…
Ich befürchte, es wird mich nicht weiterbringen. Vielleicht war ein „tieferer“ Sinn von dir gar nicht intendiert? Vielleicht willst du aber auch, dass ich mich hier verlaufe?

L.G.
Alexa
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#4

Angekettet

in Ausgezeichnete Prosa 18.09.2008 20:48
von Joame Plebis | 3.371 Beiträge | 3363 Punkte
Guten Abend, Brotni2cum!

Da haben wir den Salat: Skrzipek, der Neffe, die Vorstellung vom anarchischen Web, das Sinnen, wie ein
Forengott geschrieben hätte - und nackt vor dem Stehpult
mit dem Willen, gut zu sein.

Dem größeren Absatz folgt dann der Rückblick, für mich der Kern der Geschichte, die gut und interessant geschrieben ist. Zuerst dachte ich ich sähe diese lieber als selbständige Erzählung, die zerfahren und sprunghaft, gedanklich vollgepfropft wirkt. Kam aber zur Ansicht,
Du verwendest diese fast typische Brotni2cum-Art wie ein Vollkornbrot,
auf das dann eine Schichte Margarine gestrichen wird.

Diese Margarine (meintwegen auch Butter) ist eben diese Geschichte die dem Leon widerfuhr, der eingangs vorgestellt wurde.
Überlegungen um unübliches, unberechenbares Verhalten und den Willen gut zu sein, somit sich richtig zu verhalten, führen hin zum zurückliegenden Ereignis mit Barri, das erzählt wird.

Seltsam wirkt es beim ersten Lesen, als ich die Erzählung flüchtiger betrachtete. Wie zwei Teile, die durchaus von zwei Personen geschrieben worden sein könnten.
Ob der erste Teil für die 'Erinnerung' notwendig war, weiß ich nicht. Der Rückblick könnte als eigenständige Geschichte stehen.

Note: lesenswert!

Zusatz um 00:21 :
Ich las Deinen Beitrag soeben nochmals und änderte meinen Kommentar etwas, weil ich die Erzählung in der Erzählung nun mit anderen Augen sehe. Nicht nur weil sie blutunterlaufener sind, sondern weil es kein Rätseln gibt und alles einfach ist.
Wir lernen Skrzipek etwas kennen, auch einige seiner Gedanken und Ansichten. Dann erzählt er uns die Geschichte.

Gruß
Joame

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#5

Angekettet

in Ausgezeichnete Prosa 06.11.2008 12:16
von Joame Plebis | 3.371 Beiträge | 3363 Punkte
Guten Tag, Herr Brotnic2um!

Mir fielen noch belanglose Kleinigkeiten ein, die ich nur rasch skizziere:

Mittlerweile vermute ich , die Bedeutung liegt darin
dieses Dingen

Ganz schön trickreich mein Neffe. (Hier könnte, aber muß nicht, ein Ausrufzeichen folgen.)

und les mir nie das Handbuch (wurde hier bewußt das e weggelassen um die Art des Erzählers zu unterstreichen?)

rot ankreidete, wenn ich mich verschrieben habe (hatte - Vorvergangenheit soll es sein)

Find ich furchtbar (wurde hier bewußt das e weggelassen um die Art des Erzählers zu unterstreichen? Dann wäre auch ein Apostroph ' angebracht.

dann stünden sie ja in der Gesellschaft , in der sie sich wohl fühlen?

Wenn ich mir dagegen die Bibel ansehe, wie viele hervorragende Geschichten in ihr enthalten sind, dann - (schon wieder) frage ich mich gerade, wie ein Forengott seine Bibel begonnen hätte?
(... mich, wie hätte ein Forengott seine Bibel begonnen?) (könnte das besser klingen?)

Am Anfang war der erste Paragraph und dann teilte der Forengott die Welt in mein und dein und erschuf das Urheberrecht?
(z.B.: Am Anfang war der erste Paragraph, erst der Forengott teilte die Welt in Mein und Dein und erschuf das Urheberrecht.) Ist das Fragezeichen notwendig?

Also zog ich mich völlig aus, druckte mir bergeweise Seiten aus
(Also entkleidete ich mich völlig ... damit stehen zwei 'aus' nicht in diesem Satz.)

Nun stand ich nackt vor meinem Stehpult und einem dicken Stapel Papier vor der Nase.
... und hatte einen dicken Stapel Papier vor der Nase (erscheint mir besser)

Aber ich war willens, ach was, ich war fest entschlossen und beherzt, mich richtig zu verhalten. Aber dieser Wille gut zu sein, gemahnte mich nach den ersten gelesenen Sätzen wieder zur Demut.

Korrektes Verhalten, das Übliche und Richtige zu tun und (es oder dieses)stets zu vertreten

Korrektes Verhalten, das Übliche und Richtige zu tun und stets zu vertreten ist ein Muss. Warum? Weil wir unübliches Verhalten nicht berechnen können. Es macht uns Angst.

Ein Allgemeinplatz. (nicht ganz klar und eindeutig ersichtlich, was damit gemeint ist. Ist damit die Aussage über das unübliche Verhalten gemeint, daß wir nicht berechnen können oder daß es Angst macht?)

Möglichkeit:
Korrektes Verhalten, stets das Übliche und Richtige zu tun ist ein Muß.
Unübliches Verhalten macht Angst, weil wir es nicht berechnen können.
(dadurch muß die Zwischenfrage 'Warum?' nicht gestellt werden, es wird sofort erklärt.)

Aber wie schwierig es manchmal ist , das Richtige zu tun, erinnerte
(außerdem ist es manchmal abwechslungsreicher, Sätze nicht stets im gleichen Schema zu gestalten: z.B.:
Das Richtige zu tun, ist oft/manchmal schwierig ........ oder
Wie schwierig ist es manchmal, das Richtige zu tun. u. ähnl.)

erinnerte mich an eine Geschichte, die in einem Sommer meiner Adoleszenz passierte. (die sich in einem Sommer meiner Adoleszenz begab / zutrug / ereignete / mir widerfuhr / vorkam / sich abspielte / die ich erlebte / ..... u.s.w.
(Kein Fehler, nur ein Hinweis: Vielfältige Ausdrucksweisen zu üben, macht sich bezahlt, indem sich viele Gestaltungsmöglichkeiten ergeben, die eine Erzählung lebendiger/färbiger gestalten lassen.)

traf ich häufiger in einem Land über das ein Anderer einmal geschrieben hat
(einst geschrieben hat / das beschrieben wurde als .. / von dem der Ruf ausging / über das erzählt wird / auf das es zutrifft / das treffend beschrieben wird mit ....)

Paul lebte dort und Ruben und ich besuchten ihn regelmäßig im Sommer.
(Das 'und' ist nicht unbedingt notwendig.)

Auch an die Möglichkeit denken:
Paul lebte dort. Regelmäß, (stets) im Sommer besuchten ihn Paul und ich.
(oder: in dieser (z.B.) entlegenen Naturlandschaft besuchten ich ihn jeden Sommer mit Paul)

Ich glaube, zwei Sätze daraus zu machen, wäre günstiger:
Er hieß Zum grünen Baum oder Jägerhof oder wie diese Höfe halt heißen. Sie liegen gut tausend Meter über dem Meeresspiegel und hatten damals die ersten Schritte hatten, sich dem Tourismus zu öffnen und sich vom Almbauern zum Gastwirt wandelten.
(Insgesamt wirkt der Ausdruck: 'hatten die ersten Schritte getan'
zu abstrakt/bürokratisch/einer politisch-ökonomischen Standardaussage gleichend) Eine lockere und natürlichere Schreibweise z.B.:
sie waren die ersten, die sich dem Tourismus geöffnet hatten ....

Immer wenn wir, nachdem wir in dieser wildromantischen Gegend, die Ereignisse aus Winnetou nachgespielt hatten,
Wäre nicht gleich besser:
Immer, nachdem wir in dieser ... (anstatt 'wenn wir, nachdem wir')

Barri war ein Bernersennenhund und stets an kurzer Kette angeleint. Ich hatte Barri nie woanders gesehen, als an dieser kurzen Eisenkette,

Barri, ein Bernersennehund, stets an kurzer Kette gehalten (Widerspruch von Kette und angeleint!), hatte ich nie woanders gesehen, als an der/seiner kurzen Eisenkette.
--------------------------------------
Soviel für heute mit meiner Meckerei. Die Leute drängen schon ungeduldig an der Tür. Kein Barri ist da, der sie mir vom Leibe halten könnten.
Wenn es sich auch gut anhört, der Inhaber eines Therapiezentrums für durchgeknallte Pädagogen zu sein, so muß jeder Cent schwerstens verdient werden. Darauf bin ich stolz - auch darauf, daß ich gestern den Typen mit der Pumpgun beruhigen konnte und mich heute Abend mit seiner kessen Maus treffe. Deshalb auch der Zeitmangel, wofür ich mir Deines Verständnisses sicher bin.

Mit Gruß
Joame



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#6

Angekettet

in Ausgezeichnete Prosa 06.11.2008 12:28
von Brotnic2um • Mitglied | 645 Beiträge | 645 Punkte
Hallo Joame!

vielen Dank für die Hinweise. Werd sehen was ich davon übernehme. Dopplungen auszumerzen kann nicht schaden. Aber ich habe keine Ahnung warum Du mir heute die Tabletten verweigert hast und unbedigt die Telefonnummer von meinem Schaf haben wolltest. Egal. Ich würde nur zu gerne wissen, welche Noten außer lesenswert Du noch in Deinem Rucksack hast.

Gruß
Brotnic2um

PS: habe ich ein e vergessen?
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#7

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in Ausgezeichnete Prosa 06.11.2008 12:37
von Joame Plebis | 3.371 Beiträge | 3363 Punkte
Hallo Brot!

Dein Versuch, mich ausgerechnet jetzt aufhalten zu wollen, der scheitert, den Grund erwähnte ich bereits.
Deine Tabletten liegen im Vorraum im Spiegelschrank, zweite Lade, gleich neben der Schuhbürste.
Gestatte die unverfrorene Bemerkung, ich verstehe nicht, warum Leon Skrzipek impotent sein soll. Noch unerklärlicher ist mir, wie er das bemerkt hat.

Schönen Tag noch!
Joame
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#8

Angekettet

in Ausgezeichnete Prosa 06.11.2008 13:41
von Brotnic2um • Mitglied | 645 Beiträge | 645 Punkte
Hallo Joame!

Was Dir unerklärlich ist, lässt tief blicken, mein ieber Doktore. Und die Tabletten liegen nie nicht in der zweiten Lade. Nie! Und jetzt hör auf zu Spammen sonst halten sie Dich für einen Troll.

Gruß Brot

PS: Das Schaf hat mir gesimst, dass es mit mir schluß macht. Es will zu Dir. Blöde Ziege!
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#9

Angekettet

in Ausgezeichnete Prosa 06.11.2008 15:40
von Joame Plebis | 3.371 Beiträge | 3363 Punkte
Leon Skrzipek, dessen Neffe ihm den PC installierte, weil er selbst unfähig dazu war, steht im Chaos seiner Wohnung, wo sich ein Elephantenfuß als Papierkorb befindet, nackt vor dem Stehpult.
Ungeordnete Gedankengänge durchflirren ihn und er macht einen sprunghaften Eindruck, als ob er einen Joint geraucht hätte.
Dann kann er aber mit Einemmal (oder einem Mal - zur freien Wahl)chronologisch und koordiniert von der Begebenheit eines Sommers erzählen. Das zwar merkwürdig, aber es ist eben so.

Gruß Joame
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#10

Angekettet

in Ausgezeichnete Prosa 06.11.2008 16:08
von Brotnic2um • Mitglied | 645 Beiträge | 645 Punkte
Wer kann, der kann! Der braucht auch keine Pillen.
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#11

Angekettet

in Ausgezeichnete Prosa 06.11.2008 23:54
von Joame Plebis | 3.371 Beiträge | 3363 Punkte
Hallo Brotnic2um!

Zitat:

Als Ruben mit wenigen Schritten in der Tür verschwunden war


Sollte das nicht durch die Tür heißen?
(Das ist mir soeben nebenbei aufgefallen; diese langen Werke muß ich augenschonenderweise auf Raten abarbeiten)

Gruß
Joame
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#12

Angekettet

in Ausgezeichnete Prosa 07.11.2008 00:12
von Brotnic2um • Mitglied | 645 Beiträge | 645 Punkte
Lass Dir Zeit Joame, lass Dir Zeit. Keiner wird Dich richten oder die Halskette enger ziehen. Lass Dir Zeit. Soviel Du willst.
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#13

Angekettet

in Ausgezeichnete Prosa 07.11.2008 00:15
von Joame Plebis | 3.371 Beiträge | 3363 Punkte
Danke Euer Gnaden, Ihr seid zu gütig.
(Übrigens: hast Du schon alles fertig für unser gemeinsames Buch? Wann soll es gedruckt sein?)
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#14

Angekettet

in Ausgezeichnete Prosa 07.11.2008 15:21
von Brotnic2um • Mitglied | 645 Beiträge | 645 Punkte
Hallo Joame,


Zitat:

Aber wie schwierig es manchmal ist , das Richtige zu tun, erinnerte
(außerdem ist es manchmal abwechslungsreicher, Sätze nicht stets im gleichen Schema zu gestalten: z.B.:
Das Richtige zu tun, ist oft/manchmal schwierig ........ oder
Wie schwierig ist es manchmal, das Richtige zu tun. u. ähnl.)



Schon. Aber das ist Leon



Zitat:

Paul lebte dort und Ruben und ich besuchten ihn regelmäßig im Sommer.
(Das 'und' ist nicht unbedingt notwendig.)



Bleibt. Nicht Trotzig gemeint und bitte nicht lachen jetzt: so einen Leon Sound, den möchte ich schon erhalten.

Ansonsten habe ich – denke ich – alles übernommen oder überarbeitet. Größtenteils folgte ich Deinen Ratschlägen. Also Note: Dankenswert!

Gruß
Brot
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#15

Angekettet

in Ausgezeichnete Prosa 07.11.2008 15:51
von Joame Plebis | 3.371 Beiträge | 3363 Punkte
Aber Du Dir ist bewußt, daß Ansichten von mir nicht richtig sein müssen.
Gruß: Joame
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#16

Angekettet

in Ausgezeichnete Prosa 07.11.2008 18:57
von Brotnic2um • Mitglied | 645 Beiträge | 645 Punkte
Hallo Joame,

Nein.

Bist Du nicht Gott?

Wer spricht dann aber mit mir?

Demütigen Gruß vom
Brot

(Wenn Du mich regnen lassen willst, Herr, so werde ich fallen)
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