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#1

Rassismus

in Gesellschaft 16.07.2008 19:59
von Michael Lüttke | 190 Beiträge | 190 Punkte
Rassismus


Hunde patrouillieren
den Bahndamm entlang.
Ich verzichte auf Fleischgeruch,
werde Holz und schlage aus.

Das Moos kriecht mir
an den Waden entlang
und kleine Risse bilden sich.
Ich bin unsichtbar.

Es werden immer mehr,
der Wald ist voller Hunde.
Sie suchen mich
und pinkeln mich an.

Aber ich lasse mir nichts anmerken.
Bleibe Holz für diesen Moment.
Geschützt und unbeweglich.
Bis ich das Laufen verlerne.
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#2

Rassismus

in Gesellschaft 17.10.2008 14:35
von Renee | 73 Beiträge | 73 Punkte
Lieber Michael,

das Gedicht interessiert mich, Thema Entfremdung, weniger Rassismus, das wäre mir zu eng, Rassismus ist ja nur ein Mittel der "Hunde", auch wenn Rassismus sehr schmerzt und gar nicht immer erkannt wird, dass es ein Unterdrückungsmittel der Herrschenden ist (wem gehören die "Hunde"?). Was gleichermaßen jedoch auch für die Arbeitswelt zutrifft, wo der einzelne sich verändern muss bis zur Selbstverleugnung, um zu "funktionieren", was in Wahrheit im Grunde Anpassung bedeutet. So interpretiere ich das. Das Dilemma des heutigen Menschen, der nicht so werden will wie alle anderen (die "Hunde"). Dabei verfällt er auf einen (verrückten) Ausweg, aber auch der gestattet ihm am Ende nicht mehr, er selbst zu sein. Aber er hat keine Wahl, will er nicht "mit den Hunden heulen". In jedem Fall, egal, was er tun würde, bleibt er nicht mehr er selbst. Der Mensch in der Zwangssituation heutiger gesellschaftlicher Verhältnisse, Entfremdung par excellence. Rassismus würde ich als das kleinere Thema ansehen.

Sprachlich weist das Gedicht keine Überraschungen auf. Es ist eine rationale, keine poetische Sprache. Mir scheint aber, dem Thema angemessen.

Liebe Grüße, Renee

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#3

Rassismus

in Gesellschaft 17.10.2008 15:35
von Habibi (gelöscht)
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Hallo Michael, das Gedicht gefällt mir auch und ich kann mir durch die Überschrift sehr wohl einen sehr konkreten rassistischen Hintergrund vorstellen. Ich sehe geradezu den Ausländer-Baum vor mir, wie er sich nicht zu regen traut und sich anpinkeln/schlagen/beleidigen lässt.

Nur formal habe ich ein paar Kleinigkeiten:

Hunde patrouillieren
den Bahndamm entlang.
Ich verzichte auf Fleischgeruch,
werde Holz und schlage aus.

Das Moos kriecht mir
an den Waden entlang (dieses zweite "entlang" würde ich durch ein anderes Wort ersetzen - vielleicht "kriecht mir die Waden hoch"
und kleine Risse bilden sich. (hier würde ich vielleicht schreiben "Risse in der Rinde"
Ich bin unsichtbar.

Es werden immer mehr,
der Wald ist voller Hunde.
Sie suchen mich
und pinkeln mich an. (Ich weiß nicht, ob es vielleicht besser ist, das "und" ganz wegzulassen, um die letzte Zeile besser und stärker hervorzuheben. (dann natürlich hinter "an" ein Komma) "und" finde ich sowieso in einem Gedicht ein lästiges Füllwort)

Aber ich lasse mir nichts anmerken.
Bleibe Holz für diesen Moment.
Geschützt und unbeweglich. (Vielleicht hier statt des PUnktes ein Gedankenstrich ?)
Bis ich das Laufen verlerne.

Grüße von Habibi
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