http://www.E-LIEratum.de
#1

Hinreichend

in Gesellschaft 22.08.2007 12:52
von Pog Mo Thon | 569 Beiträge | 569 Punkte
Du lächelst und du zeigst der Welt
ein freundliches Gesicht,
das zu uns spricht:
Gebraucht mich, wie es euch gefällt!

Mir ist dein Gutmenschsein vergällt.
Die Pose wird zur Pflicht,
sie rührt mich nicht.
Sie wirkt nur fratzengleich entstellt.

Ich dachte einst, es tät’ mir leid,
wie du zum Kuscheltier mutierst
im roten Kleid,

doch da du nichts dabei riskierst,
wird es ganz einfach höchste Zeit,
dass du krepierst.
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#2

Hinreichend

in Gesellschaft 22.08.2007 14:16
von Simone • Mitglied | 1.674 Beiträge | 1674 Punkte
Hi nizza

Formal und inhaltlich finde ich dein Sonett sehr ansprechend (wenn auch nicht besonders anspruchsvoll) und absolut in meinem Sinn.
das krepieren allerdings empfinde ich in dem Zusammenhang doch als etwas zu heftig. vielleicht gefällt sich das LD in seiner Rolle einfach zu gut, und sollte man es dann nicht einfach lassen? irgendwann fällt es von ganz alleine auf die Schnauze.
was mich total stört (und ich weiß noch nicht mal genau warum) ist das rote Kleid. nicht unbedingt das Kleid, sondern, dass es rot ist. warum ist es ausgerechnet rot? alles mögliche hätte ich nachvollziehen können, weich oder sogar ein Blümchenkleid , aber bei rot kann ich überhaupt keinen Zusammenhang finden (vielleicht seh ich es auch nur nicht).

Jetzt noch ne Frage, kann man das mit den verkürzten und unterschiedlich langen Zeilen noch als Sonett bezeichnen? nur aus Interesse.

LG Simone
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#3

Hinreichend

in Gesellschaft 22.08.2007 15:27
von Waldameise (gelöscht)
avatar
Hallo Nizza,
sehr nett, nicht? Ich finde Dein Gedicht gut geschrieben, die Aussage etwas krass. Was soll ich dazu noch sagen?
lg waldameise
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#4

Hinreichend

in Gesellschaft 22.08.2007 15:31
von Pog Mo Thon | 569 Beiträge | 569 Punkte
@ninniach:
Nein, besonders anspruchsvoll ist es nicht. Ja, man kann es als Sonett bezichnen. Dass es allerdings in deinem Sinne wäre, würde mich überraschen und das nicht nur wegen des Krepierens. Denn das Kleid ist rot, kann nicht anders sein und daher vermutlich deine (unbekannte) Interpretation abweichend von meiner Intention.
@Waldameise:
Weiß ich nicht, ob du das nett findest. Ich nicht.
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#5

Hinreichend

in Gesellschaft 22.08.2007 15:56
von Waldameise (gelöscht)
avatar
verzeih. in wien heißt das so viel wie: gar nicht nett. sehr nett, nicht? ist eine floskel.
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#6

Hinreichend

in Gesellschaft 22.08.2007 16:05
von Simone • Mitglied | 1.674 Beiträge | 1674 Punkte
Hi nizza
vielleicht hab ich es auch falsch verstanden. ich lass dir mal meine Interpretation da.


Zitat:

Du lächelst und du zeigst der Welt
ein freundliches Gesicht,
das zu uns spricht:
Gebraucht mich, wie es euch gefällt!


das LD legt eine unterwürfige Freundlichkeit an den Tag, die jedem erlaubt auf ihm rumzutrampeln, weil es sich nicht wehrt und alles lächelnd erträgt und es ihm vielleicht sogar gefällt.


Zitat:

Mir ist dein Gutmenschsein vergällt.
Die Pose wird zur Pflicht,
sie rührt mich nicht.
Sie wirkt nur fratzengleich entstellt.


das LI kann mit der Gutmütigkeit des LD nichts anfangen, da sie unecht ist, kein Mensch ist nur freundlich, also ist es nur eine Maske und das LD zeigt seine wahren Gefühle nicht, kann es vielleicht auch gar nicht mehr, weil es feststeckt oder sich in der Pose gefällt.


Zitat:

Ich dachte einst, es tät’ mir leid,
wie du zum Kuscheltier mutierst
im roten Kleid,


das LI war über die Veränderung des LD besorgt, da das LD offensichtlich nicht immer so war und LI und LD standen sich einst nahe.


Zitat:

doch da du nichts dabei riskierst,
wird es ganz einfach höchste Zeit,
dass du krepierst.


aber jetzt ist das LI nur noch zornig, weil das LD den einfachen Weg aber falschen Weg gewählt hat und distanziert sich gänzlich indem es dem LD den Tod wünscht (real oder im übertragenen Sinn?)

mit in meinem Sinne meinte ich, dass der einfache Weg nicht immer der richtige ist.
und mit nicht anspruchsvoll (was keine Kritik sein sollte) meinte ich, dass gerade bei Sonetten das schwierige ist, wenn man sich an die strenge Form hält, diesen typischen Lesefluß hinzubekommen, was durch die Zeilenverkürzung nicht ganz zustande kommt. (ich drück mich manchmal zu ungenau aus)
allerdings weiß ich immer noch nicht warum das Kleid rot ist.

LG Simone
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#7

Hinreichend

in Gesellschaft 22.08.2007 16:29
von Pog Mo Thon | 569 Beiträge | 569 Punkte
Hallo Simone,

danke für deine Interpretation, die das Gedicht über meine Intention hinaus hebt, wofür ich dir dankbar bin. Ich hatte eine ganz spezielle Person im Auge und daher ist das Keid auch rot. Das ist jetzt aber ganz unwichtig, denn der Text funktioniert offenbar auch so. Vielen Dank.

Liebe Grüße
n.

Hallo Waldameise,

die Redensart kannte ich nicht, unterstellte aber schon einen ironischen Unterton. Ich ging absichtlich nicht darauf ein, weil ich es (noch immer) nicht verstehe. Nett? Was ist das für ein Kriterium? Eventuell verwechselst du etwas, wir sind hier nicht im Circus Lyricus!

Liebe Grüße
n.
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#8

Hinreichend

in Gesellschaft 22.08.2007 16:56
von bipontina (gelöscht)
avatar
Hier noch ein Löffelchen Senf-Frage: w o, bitte, ist der Unterschied zwischen real gewünschtem Verrecken und einem im übertragenen Sinn gewünschten Verrecken - übertragen wohin??
LG bipontina
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#9

Hinreichend

in Gesellschaft 22.08.2007 19:04
von Erebus (gelöscht)
avatar
Hallo nizza,

in den Quartetten wird von Zeile zu Zeile jeweisl eine Hebung zurückgenommen, um mit der Schlußzeile nochmals akzentuiert auf die vorherrschenden vier Hebungen zurück zu kommen.
Dadurch wird der vierte Vers jedesmal besonders akzentuiert. Durch die Länge erhalten diese Verse etwas Resümierndes.

Genau gegenläufig verhält es sich in den Terzetten. Hier stehen Eingangs- und Mittelzeile blockhaft gegen die halbierten Schlußzeilen. Mit einem ähnlichen Resultat: nur haben wir durch die Kürze der Verse hier etwas Parolenhaftes.
Ein interessantes Gerüst.

Inhaltlich kann es mich sehr in seinen Bann ziehen.


Zitat:

Du lächelst und du zeigst der Welt
ein freundliches Gesicht,
das zu uns spricht:
Gebraucht mich, wie es euch gefällt!



LI empfindet angesichts des (dauer-?) freundlichen Auftretens von LD Verachtung, es liest, zusammen mit einer nicht näher genannten Anzahl Komparsen, aus dem Gesicht des LD ab: "Gebraucht mich, wie es euch gefällt"

Als Leser frage ich mich, wie man dieses Verlangen aus einem freundlichen Gesicht ablesen kann. Ich unterstelle, dass es sich um eine Interpretation der Masse handelt.
Hier findet also eine Verlagerung statt.
Erschien mir zunächst LD im Brennpunkt des Interesses zu liegen - wegen seiner Freundlichkeit - sehe ich nun, das die Masse damit nicht umgehen kann.
Wird hier die Begründung für Mobbing formuliert und problematisiert? Das -vielleicht überzogene- Freundlichsein des LD reicht aus, um in einer Gruppe Machtgefühle auszulösen,
Ich muß an Masse und Macht von Elias Canetti denken, mit dem vielzitierten Ausspruch:
„Nichts fürchtet der Mensch mehr als die Berührung durch Unbekanntes. […] Es ist die Masse allein, in der der Mensch von seiner Berührungsfurcht erlöst werden kann.“
Und muß sagen: Donnerwetter. Bereits in der ersten Strophe findest Du zu einer tiefen Thematik.


Zitat:

Mir ist dein Gutmenschsein vergällt.
Die Pose wird zur Pflicht,
sie rührt mich nicht.
Sie wirkt nur fratzengleich entstellt.



Mit S2 werden aber nur mehr LI und LD aufgeführt. Das überrascht mich zwar beim ersten Durchlesen nicht, wohl aber beim zweiten. Vielleicht sollte mit S1 nur der Rückhalt angedeutet werden, den LI in der Masse findet, so, wie es sprachlich einfach herausrutscht? So in der Art: " Hey, du Arsch, hier kann dich doch sowieso keiner leiden" Also sprackliche Masseerzeugung?
Indes, ich glaube nicht, das es absichtslos geschah.

LI wird gallig, wenn es an das Gutmenschsein des LD denkt. Was bedeutet das? Ich bin ja nur allzu gerne bereit, Feindbilder zu installieren, die ich völlig unklar vor mir hertrage und nach Gutdünken, wie eine Tüte, dem Feind überstülpe. Er wird zum Delinquenten und darf vernichtet werden.
Was ist ein Mensch, der sich durch sein Gutmenschentum definiert? Da sollte der Leser wohl innehalten und sein Denken auf zwei Beine stellen.
Ich für mich finde dann heraus, dass ich allen möglichen Menschen die Pest an den Hals wünsche, und im Nachhinein auch ganz gerne begründe, warum. "So ein Arschloch", "So ein verdammter Querulant" etc, Geschichte und Sprache bieten da genug zur Auswahl- Warum nicht das "Gutenschentum" ?

Dieses Arschloch ist ein "Gutmensch". Mensch, jetzt guck' ich mal nach, ob ich dazu was im Internet finde.
na, das fängt bei Wikipedia schon ganz aussichtsreich an:

Zitat:

Gutmensch ist in der politischen Rhetorik ein Kampfbegriff zur Abwertung von Personen,...

Im folgenden wird mehrfach darauf verwiesen, das es sich um die" Unterstellung" von "Fehlgeleitet sein" und "Zweifelhaftigkeit" handelt.
Das sollte hier reichen, der Artikel ist wesentlich umfangreicher, bespricht die verschiedenen Bereich, die Herkunft etc.

Ich greife das heraus, was mir am treffendsten schein: "Kampfbegriff" und "Abwertung von Personen". Es geht hier anscheinend um eine Aversion, die begründet sein will. Ob es sich um die Aversion gegen "Gutmenschentum" im allgemeinen handelt, oder die Figur des LD im Vordergrund steht, erfahre ich in der resümierenden Langzeile. Hier wird zusätzlich die Fratzenhaftigkeit herauf beschworen. Da wird also Muniton zusammengetragen, gegen das LD.

Das LI ist zur Überzeugung gelangt, dass das Verhalten des LD: - freundlich fratzengleich - eine Pose einzunehmen kein Mitleid verdient, LI wird dadurch nicht gerührt.


Zitat:

Ich dachte einst, es tät’ mir leid,
wie du zum Kuscheltier mutierst
im roten Kleid,



Hier erfahre ich, das ursprünglich mal ein Denken darüber stattgefunden hat, Mitleid mit LD zu haben. Es wurde erwogen, ob die Mutation des LD - es war also einmal anders, aber mehr wird mir nicht zur Kenntnis gebracht - möglicherweise angemessen war, Mitleid zu haben.

Das rote Kleid ergibt für mich keinen rechten Sinn. Es deutet ja gewissermassen auf eine Bluttat oder eine Verletzung hin, ob am LI am LD durch wen... völlig offen. Vielleicht ist auch die Bekleidung einer Prostituierten angesprochen.. Keine Ahnung. Dies bleibt verborgen, obwohl dem Kleid durch Dich, nizza, eine besondere Schlüsselposition zugesprochen wird.

Ich erfahr im Grunde nur, das LD mutierte und LI sich dazu bereits frühzeitig Gedanken machte. Da die Mitleids-Konsequenz nicht vollzogen wurde, hat dies hier etwas Alibihaftes. Zu Mitleid reichte es nicht.


Zitat:

doch da du nichts dabei riskierst,
wird es ganz einfach höchste Zeit,
dass du krepierst.



Nicht nur wegen des Wunsches, das LD möglichst bald in der Grube verschwinden zu sehen ist diese Strophe als abschließende Synthese und Schlüsselstrophe anzusehen.
Es wird das baldige Ableben des LD heraufbeschworen, weil es nichts dabei riskiert.
Bei was? Beim Gutmenschsein? Da beißt sich aber die Katze in den Schwanz. Immerhin hat es lebensgefährliche Konsequenzen.
Oder geht es einzig um das Risikofreie, das dem unterstellten Gutmenschentum unterstellt wird. Es will sich nicht verbrennen und soll deshalb verbrannt werden ?? So in der Art?

Das ist natürlich kolossal gedacht. Derartiges, glaube ich mich zu erinnern, schon gehört zu haben, von früher etc.

Damals hatten andere Menschen - sie wurden nicht Gutmenschen genannt, etwas an sich, unklar zu finden, aber Personen waren darauf bedacht, Fratzenhaftigkeiten zu definieren.

Diese Tirade bereitet mir ganz eindeutig Magenschmerzen.
Aber ein Gedicht, das ganz eindeutig darauf angelegt ist, sich Gedanken zu machen..ein sehr boshaftes Gedicht
Und ich persönlich finde, dass es hier nichts zu suchen hat, es wäre mir zu missverständlich. Meine Meinung.
Edit: Auch wenn der Titel ggf. dazu auffordert, hierin eine ätzende, zynische Denkweise zu sehen und deshalb als Hinweis dienen kann.


LG

Ulrich
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#10

Hinreichend

in Gesellschaft 22.08.2007 21:36
von Simone • Mitglied | 1.674 Beiträge | 1674 Punkte

Zitat:

Zitat: Erebus
Das rote Kleid ergibt für mich keinen rechten Sinn. Vielleicht ist auch die Bekleidung einer Prostituierten angesprochen.. Keine Ahnung.


Das Stichwort Prostitution finde ich sehr interessant und passend, denn das LD prostituiert sich meiner Meinung nach in der Tat. Es verkauft sich zwar nicht für Geld aber es lässt sich benutzen. Was aufs selbe heraus kommt aber noch schlimmer ist, eine Prostituierte ist wenigsten ehrlich, das LD täuscht etwas vor was es nicht ist. Nicht sein kann.

LG Simone
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#11

Hinreichend

in Gesellschaft 22.08.2007 22:01
von bipontina (gelöscht)
avatar
Gehört eigentlich die Zeile Gebraucht mich, wie es Euch gefällt!
nicht in Gänsefüßchen, da persönliche Aussage des LD?
Ansonsten scheint es sich da um seltsame sado-masochistische (Sch)Nullriche zu handeln, die BLUT sehen wolln (rotes Kleid! Wie bei Marlitt!!). Das LD (seid mal ehrlich) wird doch nur dazu benutzt von andern LI's, sich fein intellektuell zu produzieren.Nach dem Motto: Mein Ekel ficht micht nicht: draus mach ich schnell noch ein Gedicht!!
Da lachen die Hühner und ich mit ihnen.
In diesem Sinne: bipontina
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#12

Hinreichend

in Gesellschaft 22.08.2007 22:16
von Maya (gelöscht)
avatar
Ich habe es auch mit Prostitution in Verbindung gebracht, dafür sprechen m.E. mehrere Dinge: "Gebraucht mich, wie es euch gefällt!/Die Pose wird zur Pflicht" (posiert man nicht, kommt kein Freier, daher Pflicht) und die gesamte S3:

Ich dachte einst, es tät’ mir leid,
wie du zum Kuscheltier mutierst
im roten Kleid,


Kuscheltier impliziert ja Körperlichkeit und das rote Kleid ist auch für mich ein Hinweis auf das Rotlichtmilieu. Doch scheint das lyrI die Lust verloren zu haben, weil das Du nichts riskiert. Ich musste da gleich an Präservative denken, auf welche die Nutte nicht verzichten wollte. Warum die Hure nun gleich krepieren soll, ist mir auch unverständlich und zu krass ausgedrückt.

Insgesamt gesehen kann ich dem Text nichts abgewinnen, für mich ist das nicht mehr als solides Handwerk. Ich täte mich auch schwer, dies als Sonett zu bezeichnen, es klingt aufgrund des verkürzten Versmaßes nicht so erhaben, wie die klassisch angelegten Sonette. Klar hast du recht, wenn du jetzt meinst, dass man davon loskommen sollte, das alles so eng zu sehen und auch ein wenig Moderne in diese Gedichtform einfließen zu lassen, mit ihr zu spielen. Aber so oder so: Es klingt einfach nicht.

Gruß, Maya
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