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#1

Fragment

in Liebe und Leidenschaft 11.08.2007 14:04
von bipontina (gelöscht)
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Werd ich gesunden? Mich befreien?
Dieser Ketten wieder ledig sein?
Wenn sich der neue Winter zeigt:
Werd ich die Stunden dann bereuen,
die ich in süßem Widerschein,
Dir allzu zärtlich hingeneigt,
verbrachte?

Und doch will ich in diesen Banden liegen!
Was soll mir Freiheit, wenn sie mich
in neue Leere stößt?
Wie kann ich d i e s e n Schatten je besiegen?
In diesem Schatten ahnt' ich Dich:
der alle Sinne löst'
von irdischem Begehren.
Was nützt mein Wehren?
Du bist das Große "Ich verachte"
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#2

Fragment

in Liebe und Leidenschaft 11.08.2007 15:39
von roux (gelöscht)
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Liebe Bipontina,

dein Gedicht hat, bis auf ein paar Stellen, eine schöne Satzmelodie, zeigt ein schönes Stimmungsbild. Das lyrische Ich scheint sich selber gut zureden zu wollen, die Hände rein waschen zu wollen von der Verachtung aus dem letzten Vers, sich selbst gedanklich zu bestätigen, dass es richtig ist, was es fühlt und denkt, wobei mich das "der" in V13 ein wenig irritiert.

An manchen Stellen stolperte ich beim Lesen, was zum einen daran lag, dass dir in Vers 2 einmal ein Trochäus in die sonst unbetont beginnenden Verse geraten ist, vermutlich der (absichtliche?) Kettenbruch, zum anderen am unterschiedlichen im Versmaß in S1 und S2.

Das Reimschema abcabcd in der ersten Strophe wechselt in der 2. zu abcabceed, ist an sich innovativ und spannend, leidet nur auch ein wenig unter der unterschiedlichen Silbenanzahl, so dass man, zumindest ich, beim lauten Lesen leicht stockt.

Werd ich gesunden? Mich befreien? (9 Silben)
x X xXx X xXx
Dieser Ketten wieder ledig sein? (9, Trochäus)
Xx Xx Xx Xx X
Wenn sich der neue Winter zeigt: (8)
x X x Xx Xx X
Werd ich die Stunden dann bereuen, (9)
x X x Xx X xXx
die ich in süßem Widerschein, (8)
x X x Xx XxX
Dir allzu zärtlich hingeneigt, (8)
x Xx Xx XxX
verbrachte? (3)
xXx

Und doch will ich in diesen Banden liegen! (11)
x X x X x Xx Xx Xx
Was soll mir Freiheit, wenn sich mich (8)
x X x Xx X x X
in neue Leere stößt? (6)
x Xx Xx X
Wie kann ich d i e s e n Schatten je besiegen? (11)
x X x Xx Xx X xXx
In diesem Schatten ahnt' ich Dich: (8)
x Xx Xx X x X
der alle Sinne löst' (6)
x Xx Xx X
von irdischem Begehren. (7)
x XxX xXx
Was nützt mein Wehren? (5)
x X x Xx
Du bist das Große "Ich verachte" (9)
x X x Xx X xXx


Auch die Wortwiederholung bei "Schatten" stört mich persönlich ein wenig, ebenso, wie die beiden "in-Auftakte".
Insgesamt finde ich dein Gedicht sehr interessant und mag es, nicht dass dies jetzt in der ganzen Mäkelei untergeht.

Liebe Grüße,
roux
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#3

Fragment

in Liebe und Leidenschaft 11.08.2007 15:54
von bipontina (gelöscht)
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Vielen Dank für diesen ausführlichen Kommentar, den ich als konstruktive Kritik sehe.Das LyrI hat sich angesichts einer total schlimmen Bedrohung versucht gefühlt, sich Mut zu machen, das ganze "poem" ist ja fatalistisch. Stelle Dir als Hintergrund ein Gefängnis vor (Ketten), aus dem man einerseits ausbrechen möchte, FREIHEIT!!! , das andererseits verlockt, in den Mauern zu bleiben, weil da ein angebetetes LyrD wirkt (Lehrer).
Ich hab mir das Gedicht oft selber noch mal durch/vorgelesen, bevor ich es einstellte.Das Original trägt den Titel "Fragment-Versuch". N o c h kann ich es zur Lyra singen, aber ich werde, dank Deiner Krtitk, daran arbeiten.
Vielen Dank ! bipontina
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