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#1

Der letzte Weg

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 29.07.2007 20:00
von Michael Lüttke (gelöscht)
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Ich war schon seit ewiger Zeit unterwegs, meine Füße taten weh und meine Haut war angegriffen von der Sonne, die mich gnadenlos verfolgte.
Nichts schien auf ein Ende der Qualen hinzuweisen. wohin ich auch sah, blickte ich gegen dichtes Laub und nicht endendes Grün. Ich hatte nichts zu trinken dabei und der Durst trieb mich an den Rand des Wahsinns. Die Angst kam erschwerend hinzu. Wenn ich nicht in nächster Zeit was zu trinken bekam, dann war es leicht abzusehen, wie lange ich noch weiter gehen konnte. Aber irgendetwas tief in mir verweigerte sich der Situation, irgendetwas in mir schrie nach Auswegen, nach Rettung.
Ich irrte umher und hatte oft das Gefühl, schon mal an der gleichen Stelle gewesen zu sein. Aber ich wußte es nicht genau. Alles sah gleich aus, nichts deutete darauf hin, dass ich wirklich vorwärtsgekommen war. Langsam stieg die Verzeiflung in mir und verdängte jegliches Gefühl von Hoffnung. Ich dachte an meine Frau und an die Jahre die wir zusammen verbrachten. Sollte das alles Vergangenheit sein. War das die Situation, die mir alle Träume zeschlagen sollte. Ich war am Boden zerstört und merkte wie ich anfing zu weinen. Es befreite mich und ich setzte mich in einen kleinen schattigen Winkel. Dort saß ich und verzweifelte an der Situation, als meine Tochter auf mich zukam." Komm Papa, ich möchte noch zur Achterbahn." Sie nahm meine Hand und führte mich aus dem Irrgarten. Meine Frau saß auf einer Bank und winkte uns zu.
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#2

Der letzte Weg

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 29.07.2007 20:55
von bipontina (gelöscht)
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wie deprimierend! Aber kann ein Befreiter aufs neue verzweifeln? Und wofür steht die Allegorie "Irrgarten"? Für das bisher gelebte Leben oder auch für die be-/gefürchtete Zukunft?
Mich macht der Text sehr traurig.
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#3

Der letzte Weg

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 29.07.2007 23:24
von Joame Plebis | 3.476 Beiträge | 3363 Punkte
Guten Tag Michael!

Die Pointe habe ich nicht erwartet. Ob ich es ganz verstehe und meine Auslegung die richtige ist, kann ich nur vermuten.

Jedenfalls scheint der Papa eine sehr gute Phantasie zu haben und außerdem psychisch nicht sehr belastbar zu sein.
Beim Ausflug in den Vergügungspark mit seiner Familie, wo sie auch den Irrgarten versuchten, da war er der letzte, der herauskam. Das auch nur mit Hilfe seiner kleinen Tochter.
Für ihn war im Irrgarten dieser zur Realität geworden, er kämpfte förmlich ums Überleben. Dazu hatte auch die Sonne und der Streß der letzten Zeit beigetragen. Durst hatte er auch, womöglich hatte er bei der sommerlichen Hitze zu wenig getrunken und war etws dehydriert, dann kann einiges passieren.

Geduldig warteten inzwischen seine Frau und die kleine Tochter auf ihn, genehmigten sich womöglich noch ein Eis.
Dann aber wurde es der Kleinen zu viel, die unbedingt noch zur Achterbahn wollte und sie holte ihren Vater heraus.

Schlagartig war sein Alptraum beendet und mit Erleichterung war er wieder im Jetzt.

Ob psychisch traumatisiert oder eventuell ein in ihm tief sitzendes böses Erlebnis (Kriegserlebnis eventuell), darauf muß gar nicht näher eingegangen werden.

Ungefähr so könnte es gewesen sein. Aber der Schreiber bist Du und kannst jede Situation und Möglichkeit herbeiführen und Hineinlegen, die Du magst.
Eine Pointe hat es jedenfalls. Die Geschmäcker sind verschieden; mir gefällt diese Kurzgeschichte!

(Die Ausweglose Situation im Irrgarten könnte man vielleicht noch besser gestalten, im Moment aber nicht so wesentlich.)

Mit Gruß
Joame
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