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#1

Verführt

in Diverse 20.06.2007 09:05
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Verführt

Der Führende hat sich verführt
und ist verirrt in seinem Tanz.
Die Folgende ist irritiert;
sie folgte wie ein Katzenschwanz
und fühlt sich nun wie amputiert.
Zwar weiß er auch nicht mehr so ganz
genau, ob er die Frau noch spürt,
doch blind gestrahlt vom eignen Glanz,
versäumt er, dass er sie verliert.

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#2

Verführt

in Diverse 20.06.2007 10:34
von Erebus (gelöscht)
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Hallo GW,

das ist kurz und präzise, eine Art Statement, eine Lagebestimmung.
Der Tanz und die Übertragbarkeit auf eine Beziehung erhalten eine ausgewogene Gleichwertigkeit.
Bis auf die Inkonsequenz in der verwendeten Zeit bei "sie folgte wie ein Katzenschwanz" (sie folgt ihm wie ein Katzenschwanz ?) sauber gelöst.
Ich habe die Metrik nicht nachgemessen, es liest sich durchghend leicht.
Allerdings ist es auch nicht sonderlich ergiebig - irgendwie "knapp" ?

den "folgenden Katzenschwanz" sehe ich jetzt übrigens direkt vor mir. Zunächst mußte ich ihn mir zusammenzoomen. Ein sehr gelungenes Bild.

LG Ulrich
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#3

Verführt

in Diverse 20.06.2007 19:05
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Hallo Ulrich,

lieben Dank für Deinen Kommentar.
Ja, das mit der Zeit ist zwar nicht ganz präzise, aber es muss schon die Vergangenheitsform sein, weil sie ja vorher gefolgt ist, sie sich nun ja aber abgehängt fühlt. Daher wäre es irreführend, wenn beides Präsens wäre.
Aber ich räume ein, dass ein schickes Perfekt hier besser wäre als das Imperfekt, aber das kriege ich metrisch beim besten Willen nicht unter.

Und ja, es ist nicht gerade superlang, aber zum einen hatte ich gerade gar nicht mehr Gedanken dazu und zweitens sind mir hier die Reime ausgegangen. Sowas sollte man als Dichte ja nie sagen, ist aber gerade so gewesen. Aber bevor ich weiter reimen würde müsste ich das auch weiterdenken.

Danke jedenfalls für die wiedermal orientierung gebende Rückmeldung.

Viele Grüße,
GW

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#4

Verführt

in Diverse 21.06.2007 10:17
von Erebus (gelöscht)
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Hallo GW,

ich sehe, wo die Schwierigkeit liegt: der Katzenschwanz hängt ja an der Katze, ich sehe, wie er sich biegt und wellt und eine Art Eigenleben hat.
Dieses Bild übertragen auf das Paar auf der Tanzfläche sehe ich dann so: äusserlich verbunden - innerlich getrennt.

Ich meine, ich sehe die beiden schon noch mit einander tanzen. Doch gibt es nichts mehr, was sie in Harmonie zusammen bringt.
Eine Verbindung mit beidseitigem Eigenleben.

Deshalb geht m.E. auch der Präsens, der diese Überlagerung von Folgen und gleichzeitigem Amputiertsein als Gleichzeitigkeit transportiert.

Allerdings hast Du Recht, wenn ich den folgenden Vers "und fühlt sich nun wie amputiert." betrachte, der bekommt mehr Stringenz, wenn es ein geordnetes Nacheinander gibt, was ausschließlich an dem "nun" liegt.
Dennoch geht m.E. immer noch der Präsens. Warum ich so darauf beharre? Weiß auch nicht, irgendwie will der Imperfekt nicht richtig mit..

Gruß
Ulrich

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