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#1

Metamorphosen

in Natur 19.05.2007 11:46
von Albert Lau (gelöscht)
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Metamorphosen


Selbst auf den zweiten Blick kaum zu erkennen,
changierend täuscht die Farbe die Natur,
hast du gelebt zu einem Zwecke nur:
mit deinem Tod das Glück vom Traum zu trennen.

Es schien, als lebtest du, um zu verbrennen.
Tagtäglich auf der Suche, auf der Spur
totaler Existenz, alleine zur
Erfüllung schien Gott keinen Weg zu nennen

Rief dich die Zeit, rief eine zweite Sphäre?
Ließ dich die Sehnsucht nach Entwicklung streben?
In Agonie erschien ein Bild, als wäre

nur einen Tod entfernt ein bessres Leben.
Gib du das deine, wenn die Schöpfung spricht: Gebäre!
Ein Phönix wird sich aus der Asche heben.
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#2

Metamorphosen

in Natur 19.05.2007 15:38
von Alcedo • Mitglied | 2.477 Beiträge | 2351 Punkte
hallo Albert

vom kleinen blauen Falter bis zum großen segelnden Schwalbenschwanz - alle Schmetterlinge (Akrostichon) sind hier auf den Plan gerufen.

mit der Mimikry in den ersten beiden Zeilen, sind da dir Larven gemeint, also die Raupen? ansonsten sind wohl durchgehend eher die Imago angesprochen. das Puppenstadium wird vielleicht durch den "Tod" in Z4 tangiert, dachte ich. aber auch da wird ja das flatterhafte Endstadium der Metamorphose gezeichnet.

nun, ein perlmutterner Schauer bleibt mir dabei erspart, zumal ich den Phönix-Vergleich als äußerst unpassend erachte. wahrscheinlich ist damit auch eine Anspielung an die "Selige Sehnsucht" des Altmeisters gemeint, der damit ja die persische Dichtung ausschlachtete. aber lassen wir das. das waren eh nur Motten.

hier brennt keine Lampe, hier brennt der hellichte Tag aufs Chitin. "totale Existenz" gefällt mir vom gebrauchten Repertoire noch am Besten, aber letztlich überzeugts mich nicht. die intendierten, oder die beim Lesen einfach entstehenden Bezüge überfrachten. das kann die formale Perfektion auch nicht verhindern.

Gruß
Alcedo


e-Gut
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#3

Metamorphosen

in Natur 19.05.2007 16:01
von Steppenwolf (gelöscht)
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hallo albert,

da hätte ich das akrostichon doch beinahe wieder übersehen! daran muss ich mich erst gewöhnen
ach ja, am ende der zweiten strophe scheint ein punkt davongeflattert zu sein. und der kritik an der letzten zeile schließe ich mich an - das bild des phönix ist schön, aber altbekannt. mir gefällt es immer besser, wenn es nur angedeutet wird.

"metamorphose" und "schmetterlinge", mit titel und saum erreichst du eine gewisse erwartungshaltung beim leser. trotzdem - auch wenn es unter "natur" steht - hat es für mich zumindest eine zweite ebene. für mich ist es kein gedicht über schmetterlinge, es handelt von suchenden menschen... oh ja, vielleicht (wahrscheinlich) interpretiere ich vollkommen falsch (vermutlich weil ich gerade siddharta lese *lach*)...
trotzdem: für mich ist und bleibt es das bild eines suchenden, der in einer metamorphose (ob durch den realen tod oder den tod eines wesenszuges) seine sehnsucht erfüllt.
oje, ich merke schon, ich schreibe wirr
im moment weiß ich selbst nicht genau, was ich zu sagen versuche, aber besser eine verwirrte rückmeldung als keine

abgesehen von der letzten zeile gefällt es mir nämlich ausgesprochen gut. was auch daran liegen kann, dass ich es durch meine interpretation vollkommen verdreht habe aber es hat etwas leichtes und zugleich sehnsüchtig melancholisches, das mich sehr anspricht. ich finde es gelungen.

es grüßt
ein wölfchen mit virtuellem kater


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#4

Metamorphosen

in Natur 19.05.2007 19:55
von Brotnic2um • Mitglied | 645 Beiträge | 645 Punkte
Die totale Existenz, die Alcedo schon gefiel, gefällt mir auch. Total im Sinne von ganz und eindeutig. Eine Raupe frisst, kackt, wächst und stirbt und Schluß.
Kann eine solche Existenz umfassender sein?

Nur muss ich innehalten, denn in Strophe Eins Zeile Zwei stört mich, dass die Farbe die Natur stört. Welche Farbgebung? Ich bin bei den Raupen, die ihre Farbgebung eincodiert bekommen haben und die sie sich nicht aktiv auswählen können. Wohlmöglich sind Raupen nicht gleich Raupen.

Dass aber die kleine hässliche Raupe im totalen Glück des Fressens und des Saufens (S1Z4) für einen schönen Traum -den Schmetterfink - stirbt, ja dass will mir gefallen. Wäre es doch immer so! Bei Raupen schon. Ich weiß. Der Schmetterling ist Zeuge.

Strophe Zwei, Zeile Vier: Das ist ein deutlicher Fingerzeig für alle Fetten, Glücklichen und Zufriedenen, die sich, egal wie, am Leben satt fressen können, aber außer satt zu werden nicht erfüllt sind und das auch merken.

Die doofe Raupe, die frisst, kackt und wächst, die muss ihren Plan erfüllen, um ihr vollgestopftes Sein hingeben zu können und wie ein Phoenix wiederzukehren.

Aber in Agonie wird der Raupe kein Bild erscheinen. Es gibt auch keine Agonie für sie. Selbst wenn. Sie wird sich schon in der nächsten Millisekunde nicht mehr daran erinnern können, denn sie wird sekündlich neu erschaffen. Permanenter Phoenix. Schon als Raupe.

Als Betrachter, der das alles erinnern kann, schaue ich mir auf des Dichters Wort die Larve an. Bin seltsam berührt und hoffe auch, ein Schmetterling zu werden. Darauf wetten würde ich aber nicht. Trotzdem: so ein Schmetterling und sein Werdegang kann trösten und mit Sicherheit faszinieren.
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#5

Metamorphosen

in Natur 20.05.2007 08:09
von Albert Lau (gelöscht)
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Hallo und Danke für die Rückmeldungen. Immer wieder tappe ich in die Fallen der Rubrizierung. Wenn auch am Gerüst der Verpuppung gehangelt und in erster (und zudem brüchiger) Sinnebene bei den Schmetterfinken, so ist es doch eher Liebesgedicht, als Naturbeschreibung.

Insofern alles sehr schön interpretiert, insbesondere der Wolf (auch ohne Buddha). Die Überfrachtung trifft zu, vor allem überfrachtete ich mich selbst mit einer Aufgabe, an der ich scheiterte. Zufrieden konstatiere ich, dass wenigstens die totale Existenz der zweiten Strophe nachhallte.

Danke für die Richtigstellungen.

DG
Mattes
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