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#1

Beim Griechen

in Diverse 28.02.2007 09:01
von Fabian Probst (gelöscht)
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Beim Griechen

Sie stand wie jeden Freitag an der Bar;
mir war, als lutschte sie an der Limette,
wie eine, die noch viel zu geben hätte,
und ihr Metaxablick, lasziv und klar,

gebar in mir den Wunsch nach einem Kuss.
Ich saß am Tisch beim (siebten?) Elixiere,
trank aus und fühlte, dass ich existiere;
erhob mich, das zu tun, was Mann tun muss,

wenn Dunst auf den Synapsen kondensiert.
Sie selbst hing schon ein wenig schräg am Tresen,
da traf ich sie gezielt mit ein paar Thesen,
von Anmut, Glanz - das hat sie austariert;

sie war oral fixiert, der Dialog
banal, sie machte Dinge mit der Zunge
als bräuchte sie den Abdruck meiner Lunge,
dann zahlte sie! (gleich für mich mit) und zog

mich heftig Richtung Ausgang, bog dann doch
noch ab auf die Toilette (die der Damen)
und presste mich behände an den Rahmen
der Klotür - dann war da nur noch ein Loch …

Ich schreckte hoch, saß auf der Nebelbank,
war krank vor Selbsthass, Ekel, im Ermessen,
die letzte Nacht im Kopfschmerz zu vergessen -
mich selbst! Wie immer, wenn ich Lethe trank.
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#2

Beim Griechen

in Diverse 04.03.2007 01:15
von Joame Plebis | 3.402 Beiträge | 3363 Punkte
Vielleicht steckt in zu vielen noch der moralische
Katzenjammer, der aus einer ähnlichen durchlebten
Begegnung herrührt.

Verdrängen sehen viele als einzigen Ausweg,
ja nicht daran erinnert werden,
auch nicht durch ein Gedicht.

Ob das der Grund für die vielen Kommentare ist?

Auch mich hat die Realität erschreckt.

Wenn Du so weitermachst, werde ich Dir
den Beinamen ' Könner ' geben.

Mit Gruß: Joame

p.s.:(Limette war mir ein unbekannter Ausdruck,
was sich rasch beheben ließ.)

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#3

Beim Griechen

in Diverse 08.03.2007 10:22
von Fabian Probst (gelöscht)
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Danke, Joame.

Den Grund kann ich mir persönlich nicht so vorstellen, aber es ist nett, dass du mir helfen möchtest.
Die kürzlich geäußerten Gedanken und Aussage waren zwar eher in Weinlaune entstanden, aber es ist schon interessant, wie man seine Werke manchmal falsch einschätzt. Was man eher mittelmäßig sieht, wird hoch gelobt und was man für gelungen hält, wird abgewatscht.
Aber es hilft ja auch.

Dass du keine Limette kennst, verwundert mich aber. Die ist doch heutzutage als Zitronenersatz omnipräsent.

Gruß, Fabian
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#4

Beim Griechen

in Diverse 08.03.2007 10:38
von Don Carvalho • Mitglied | 1.880 Beiträge | 1880 Punkte
Hi Fabian,

da gehts zur Sache, ich war überrascht, hätte ich derartiges außerhalb der Rubrik "Leidenschaft" nicht erwartet. Ich habe Deine Zeilen schon vor Tagen gelesen, aber weder Zeit und Muße für einen Kommentar gehabt. Viel besser ist es auch jetzt nicht, aber so ganz ohne wollte ich Dich auch nicht davonkommen lassen...

Deine Zeilen sind sehr schwungvoll gedichtet und Du verwendest zudem einige eher ungewöhnliche Reime; insgesamt tritt das Formale aber doch in den Hintergrund, da Du so entspannt erzählst, Reim und Metrik funktionieren (das Aufgreifen von Reimen ab und an zu Anfang der nächsten Zeile gefällt mir sehr gut) und man achtet eigentlich nur auf den Inhalt. Sehr gelungen...

Die letzte Zeile Strophe 5 liest sich etwas schlecht, vermutlich sind da die vielen Einsilber dran schuld. Vielleicht lässt sich das noch ein wenig bügeln. "Lethe" musste ich erst mal googlen (müsste man sowas in meinem Alter wissen? ); die Doppeldeutigkeit der Lethe - das Wasser des Vergessens einerseits und das Vaginalsekret andererseits - macht das natürlich spannend.

Hübsch ist, wie die schräg sitzende Dame an der Bar durch ein paar Thesen austariert wird; auch der kondensierende Dunst auf den Synapsen ist ein schönes Bild! Der Versuch, mit der Zunge einen Abdruck von der Lunge zu erhalten, ist ebenso unappetitlich wie plastisch. Und bereits das Limettenlutschen hat eine Hauch billiger Erotik, der sich dann ja auch bestätigt.

Gern gelesen, Fabian.

Grüße,

Don

P.S.: Was meinst Du mit der Nebelbank? Hat diese mit Ouzo (+ Wasser) zu tun?

edit (hat sich überschnitten): Keine Kommentierung ist ja nicht unbedingt ein Zeichen des "Abwatschens"... insgesamt ist es hier ja insgesamt etwas ruhiger .

Des Paten Missetaten

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#5

Beim Griechen

in Diverse 13.03.2007 09:30
von Fabian Probst (gelöscht)
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Danke dir, Don.

die fünfte Strophe ist mir persönlich auch noch verbesserungswürdig, da hast du absolut Recht.
Die Nebelbank steht einfach für den Kater und die Verschwommenen Erinnerungen, wenn man nach einer durchzechten Nacht aufwacht. Danke für den Hinweis, dass das unklar ist.

Die andere Bedeutung von Lethe wusste ich bis vor ein paar Monaten auch nicht. Gerade die Doppeldeutigkeit war für mich spannend im Gedicht zu verarbeiten.

Ja, Abwatschen war mal wieder übertrieben. Letztlich ziehe ich aber auch die schlechte Kritik gar keiner vor, weil man sonst überhaupt keine Ahnung davon hat, wie der Leser das Gedicht einschätzt.

Gruß, Fabian
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