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#1

Der Weg

in Philosophisches und Grübeleien 13.11.2006 10:21
von Fabian Probst (gelöscht)
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Der Weg

Was wir auch finden oder je zu sein
vermögen, zieht sich aus den alten Spuren,
so wie Ballast und Balsam, wo Frakturen.
sich neu verfugen wie ein Pflasterstein.

Die Wege winden sich und fällt auch dein
vertrautes Kind zurück, dreht es an Uhren,
beschenkt dich mit Kastanienrandfiguren
und renkt die alten Träume wieder ein.

Was auch passiert, es findet sich ein Lachen,
und was wir sein zu werden wollen, bringt
uns immer wieder still an einen Ort,

der mit uns wächst. Nichts kann uns kleiner machen
als dieser Stillstand, der uns starr umringt.
Ich lauf dir zu, darauf hast du mein Wort.


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#2

Der Weg

in Philosophisches und Grübeleien 13.11.2006 10:51
von Joame Plebis | 3.408 Beiträge | 3363 Punkte
Guten Tag, Fabian!

Ich muß die Vorliebe, die ich schon oft bemerkte,
die auch hier angewandt wird, akzeptieren.
Ganz deutlich beschrieben, ist es die Art,
während des Leseflusses, das erwartete Wort bzw.
sinnmäßig dazugehörende, in die nächste Zeile zu plazieren.
Ich akzeptiere es auch, bin jedoch kein Freund
solcher Darbietungsweise.

Abgesehen von den Möglichkeiten tiefsinniger
Interpretationen, die individuell ausfallen
werden, fällt mir in S3Z2 diese Wortstellung auf:
Zitat:

und was wir sein zu werden wollen, bringt


Es ist sinngemäß was wir zu sein wünschen oder was wir sein wollen.
Elegant wirkt es nicht, mich aber soll es nicht stören.
Verständnisschwierigkeiten wird es bei Vortrag dieses Gedichtet,
das ob seiner Schwere bestimmt nicht schnell, eher langsam tragend sein wird,
vermutlich keine geben. Eine Audioversion wäre zusätzlich bestimmt interessant.

Keine Kost für fllüchtige Leser.
Stillstand, der uns starr umringt,finde ich besonders gut.

Freundlichen Gruß!
Joame

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#3

Der Weg

in Philosophisches und Grübeleien 13.11.2006 13:41
von Knud_Knudsen • Mitglied | 994 Beiträge | 994 Punkte
hi Fabian,
dann will ich mal.
optisch hat es die Form eines Sonettes. Inhaltlich bin ich nicht ganz sicher ob These-Antithese und Sythese stimmen.
Flüssig, mit wechselnden Kadenzen. Zwei Quartette, zwei Terzette und die freier in der Form. OK
Zum Gehalt:

Zitat:

Was wir auch finden oder je zu sein
vermögen


Die Aussage ist mir klar aber die Formulierung "was wir auch sein vermögen" etwas unglücklich ohne das fehlende "zu sein vermögen"
Also das lyr.I, trifft die Aussage, dass alles was wir anstreben oder erreicht haben irgendwie seine Substanz aus der Vita gezogen hat. Ist für mich schlüssig.

Zitat:

Die Wege winden sich

wohl ein Hinweis auf die Unwägbarkeit des Lebensweges. ok,aber dann kommt das vertraute Kind ins Spiel.
Zitat:

fällt auch dein
vertrautes Kind zurück

da stutze ich etwas. Ist Dein echtes Kind gemeint oder das Kind deiner Ideen,Deiner Ziele?
Dann macht dieses Kind , was alle Kinder machen, es verstellt Uhren, aber bereitet auch den Eltern durch kleine Zuneigung viel Freude.

Zitat:

dreht es an Uhren,
beschenkt dich mit Kastanienrandfiguren



Wenn es das Kind Deiner Träume, Ziele ist verstehe ich es auch. Das Verfolgen dieser Ziele kann Kummer und Sorgen bereiten. Ok und deshalb hast Du es besonders lieb.(wenn es ein reales Kind ist ebenso)

Zitat:

renkt die alten Träume wieder ein.



Die Freude macht den Kummer Vergessen. ok.
Das bekräftigt die Aussage vorletzte S.

Zitat:

Was auch passiert, es findet sich ein Lachen


Dann kommt aber für mich eine schröckliche Formulierung.


Zitat:

was wir sein zu werden wollen


Du meist sicher "was wir sein wollen", egal.
das kapier ich nicht so recht.
Die letzte S ist wieder schlüssig.
Interessanter Text, meine Interpretation passt wohl nicht,
Gruss
Knud

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#4

Der Weg

in Philosophisches und Grübeleien 13.11.2006 14:45
von Joame Plebis | 3.408 Beiträge | 3363 Punkte
Mein Vorgänger hat wesentlich mehr Mut als ich bewiesen,
geht auch leichter, wenn auf fundiertes Wissen und Können
zurückgegriffen werden kann.

Über die Kastanienrandfiguren, die mir unbekannt sind, mir nur quasi etwas vorstellen kann, habe ich auch nachgedacht.
Sie sind aber anscheinend nichts Wesentliches, eher Beispielhaftes.
Das Kind in S 2 deute ich nicht als Person, glaube eher, daß diese Strophe von Erinnerung/Rückblick spricht.

Aber glauben, das heißt ja, nichts wissen.

Gruß
Joame

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#5

Der Weg

in Philosophisches und Grübeleien 16.11.2006 13:41
von Fabian Probst (gelöscht)
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Ich dachte gar nicht, dass das so schwer zu verstehen ist.
Deshalb wollte ich warten, ob da jemand noch etwas zu äußert, aber scheinbar kommt nichts mehr.

Es geht eigentlich wieder um das, was uns ausmacht.
Erste Strophe: Hier wird nur ausgesagt, dass wir das sind und sein werden, was wir waren und uns die Erfahrungen bringen (alte Spuren).
Das sind glückliche (Balsam) und schwere (Ballast) Erinnerungen, die bestimmen, wie gut seelische Brüche (Frakturen) geheilt werden. Der Weg, den wir gehen, wird einfacher, je besser die Pflastersteine verfugt sind.

Zweite Strophe: Hier geht es um das Unbeschwerte, das Kind IN UNS (ja, vielleicht nervt das langsam, aber ich bin zur Zeit eben auf dem Trip).
Bleibt es zurück, wird es irgendwann in uns schreien und uns an früher erinnern (dreht an Uhren) als wir noch Kastanienmännchen gebastelt haben und all die Träume hatten, die wir mit dem Erwachsen werden vergessen haben.

Die Terzinen dürften klar sein, denke ich.
"Was wir sein zu werden wollen" beinhaltet den Prozess vom Sein zum Werden, nicht nur das Werden allein. Es muss nicht nur etwas in der Zukunft erreicht werden wollen sondern das "Jetzt sein" als Ausgangspunkt angenommen werden.

@Joame: Verstehe ich, die Zeilenumbrüche sind schwierig und man muss sie mögen.

@Knut: In der ersten Strophe geht es um das Erwachsene, in der zweiten um das Kindliche. Insofern denke ich, ist der Gegensatz da. Aber so genau sehe ich das gar nicht, was These und Atnithese angeht.

was ich nicht verstehe, ist deine Anmerkung zur ersten Zeile. Da steht doch "zu sein vermögen". Warum soll da was fehlen? *grübel*


Vielen Dank euch beiden für die Kommentare.

Gruß, Fabian


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