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#1

Die Weisheit des Rennfahrers

in Gesellschaft 19.09.2006 22:56
von kein Name angegeben • ( Gast )
Die Weisheit des Rennfahrers

Der Philosoph als Edelmann
Mit Hohem sich befassen kann.
Die Straßenmeisterei dafür
Scheint gänzlich frei von dem Allür.
Da prangen glänzend Muskeln auf,
viel Schweiß und Sonne klebt darauf,
während die schlaffe Denkerfresse
betrübt durch ihre Leichenblässe.

Den Unterricht total verpennt
ein Pickel-Abiturient.
Zu dieser Zeit hobelt seit Stunden
An Möbelleisten für die Kunden
Des Schreinermeisters junger Stift
-und der hat gestern auch gekifft.
Durch Alltag reif und durch Struktur
fehlt ihm des Schülers Freizeit nur.

Es ist, was den Studenten schert,
der Öffentlichkeit nicht von Wert.
Vom Schuften ausgebrannte Leute
schimpfen ihn Teil der faulen Meute,
weil er bloß ihre Gelder sahnt
und damit Urlaubsreisen plant.
Ob hier auch Neid ganz heimlich-feist
als Wurm sich seine Schneisen beißt?

Wo immer auch der Vorteil liegt,
ein Haken doppelt dabei wiegt.
Doch ER hat sich vom Joch befreit,
ich las es kürzlich in der ZEIT,
ernährt sich, ja wer fasst das schon,
vom fünf Millionen Monatslohn.
Dass den der Bleifuß ihm gebracht
Hätt’ er wohl selber nicht gedacht.

Dabei hat ihn kein Prof. gelehrt
noch Gott, wie man Ferrari fährt.

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#2

Die Weisheit des Rennfahrers

in Gesellschaft 21.09.2006 01:38
von Haselnuss (gelöscht)
avatar
Hallo Sophie!

Ein sehr scharfer Blick, in bitteren Zeilen wiedergegeben, die eine Wut nicht vertuschen können.

Früher sagte mir mal jemand, als ich mich auch so aufregte: "Jeder an seinem Platz." Da platzte ich erst recht. Es hat mir nichts genützt. Das Haben und das Nicht-haben sind in der globalen Gesellschaft sehr oft ungerecht verteilt. So sehen wir es. Den vollkommenen Ausgleich schaffen wir nicht.

Aber eines habe ich in meinem Leben gelernt: Selbst derjenige, der ganz oben steht, hat es schwer, manchmal sehr schwer, auch, wenn seine Probleme andere sein mögen. Die Umgebung merkt es aber allzu oft nicht, weil sie nur die Fassade sehen kann und danach urteilt.

Was für ein Gesetz steht hinter dieser Struktur? Ich habe es immer noch nicht gefunden. Vielleicht sind wir alle ja auch nur Spielbälle von etwas, was sich mit unserem Verstand nicht erklären lässt.

Das Schlimmste, was wir bei unseren sozio-kritischen Beurteilungen tun können, ist das Pauschalieren. Damit treiben wir die Gedankenschere noch weiter auseinander. Die Probleme der 'Großen' und 'Kleinen' in der Gesellschaft zu verstehen, erfordert beidseitige Kommunikation. Die Probleme zu lindern, erfordert beidseitigen Einsatz, so weit es irgend möglich ist.

Ohne jetzt 'schwülstig' klingen zu wollen - ich denke bei der Schicksalsverteilung immer an einen Masterplan, auf den wir Menschen fast keinen Einfluss haben und den wir nie erfassen werden. Wir sind 'verdammt' dazu, Teil dieses für unseren Verstand so oft sinnlosen Gefüges zu sein. Dabei bin ich sicher, dass ich nicht der einzige Mensch bin, der sich auf diese Weise eine Erklärung baut, mit der er mehr oder weniger beschwerlich seinen Lebensweg gehen kann, ohne zu verzweifeln.

Nachdenkliche Grüße,
Haselnuss

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#3

Die Weisheit des Rennfahrers

in Gesellschaft 22.09.2006 15:25
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte


Hallo Sophie,

wieder ein relativ knackiges Stück und sehr lang. Wobei mich hier die kleinen wirklich überflüssigen metrischen rumpler etwas nerven. Ich hab hier mal einpaar Behebungsvorschläge:

Strophe 1:
xXxXxXxX
xXxXxXxX
xXxXxXxX
xXxXxXxX
xXxXxXxX
xXxXxXxX
XxxXxXxXx (Autsch)
xXxXxXxXx

S1Z7: Nimm hier einfach statt "während" "derweil" und schon passts.

Strophe 2:
xXxXxXxX
xXxXxXxX
xXxXXxxXx (Aua!)
xXxXxXxXx
xXxXxXxX
xXxXxXxX
xXxXxXxX
xXxXxXxX

S2Z3: Und zeitgleich hobelt schon seit Stunden

Strophe 3:
xXxXxXxX
xXxXxXxX
xXxXxXxXx
XxxXxXxXx (Aaargh!)
xXxXxXxX
xXxXxXxX
xXxXxXxX
xXxXxXxX

S3Z4: zähln ihn zum Teil der faulen Meute

Nicht schön, aber metrisch etwas vertretbarer, denke ich.

Die 4. Strophe ist durchgehend reiner Jambus und somit flutschig lesbar, daher werd ich hier mal nicht so meine X-Taste strapazieren.

Soviel von mir.

Grüße,
GerateWohl

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