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#1

Typisch!

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 16.09.2006 15:26
von Peter Graedel (gelöscht)
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‘Die freundliche Dame meinte beim Vorbeigehen mit leicht angerauhter Stimme: “Hey sweet honey, this way my room!”, was nach meinen fundierten Sprachkenntnissen, bestätigt durch den Diktionär, und von vernakulären Kapriolen bereinigt in etwa heissen mag, “(A)hoi, honigsüss ist der Weg zum Ruhm!”

Als ob ich das nicht schon längst aus eigener Erfarhrung gewusst hätte! Aber eben, in diesen Ländern wird offensichtlich Lapidares als Höflichkeitsfloskeln gebetsmühlenartig dargeboten. Typisch!

Ich verneinte höflich indem ich ihr mit angeborenem Humor klar machte, dass ich Diabetiker sei – ein dibetician also – und ausserdem nicht nach Ruhm, sondern eher nach Rum strebe.

“Wow! – the perfect match; you are a diabetician and I’m an erectrician. Welcome to my room, let’s go!”

Es war zunächst leicht verwirrend der Fülle von Anglizismen im koherenten Zusammenhang die richtige Bedeutung zuzuordnen, angefangen beim wau. Weshalb wau, wie kommt sie denn darauf? Hält sie etwa einen diabetician für eine exotische, eher gotische Hunderasse? Könnte schon sein, denn hier in der dritten Welt besteht scheinbar das einzige Interesse an Hunden im Zusammenhang mit dem Kochtopf.

Was hat ferner das perfekte Streichholz mit einem Elektriker zu tun? Obschon sie mir irgendwie nicht wie ein solcher vorkommt. Aha, mir geht ein Licht auf! Bei den vielen Stromausfällen ist das perfekte Streichholz instrumental für den im Dunkel tappenden Elektriker.

“OK, room! – my room, come!”, so hob die ruhmvolle Kulturbegegnung an, indem sie mir von ihrem Rum zu kosten versprach.

“How much rum?” sie mir so freizügig anbot wollte ich dennoch wissen, bevor mich das schlechte Gewissen ob derart typisch nobler Gastfreundschaft beschleichen konnte.

“Oh, room not much, only five bucks”, flötete es.

Um Himmelswillen! – fünf bucks, Abkürzung für buckets = Kessel, sei nicht viel! Tja, allerdings andere Länder, andere Sitten, eben.

Ohne wiederholt im Detail auf den weiteren Verlauf dieses Kulturaustausches einzugehen, (von einer gewissen Phase an in Zeichensprache, speziell Handzeichen geführt um etwaige Missverständnisse im Keim zu ersticken) haben meine Reisekollegen in typisch überzogener Häme die Quintessenz dieses abends teuren Abenteuers poetisch kryptisch missinterpretiert:

Spät merkte der Schürzenjäger,
dass er jagte Hosenträger,
als er am Hort der Schwelle fand,
ein Chipolata mit Sachverstand.


Als ob...ich zu Hause nicht einen ganzen, ganz dick und langen Salami Cliterio für den geforderten Preis dieses mikrigen Dings erhalten hätte. So wurde aus dem culture shock unweigerlich ein cultural cock – ein kultivierter Hahn. So typisch in diesen unterentwickelten Ländern, sich, bar jeglicher Englischkenntnisse, aufzuspielen und grossartig in Szene zu setzen. Wobei ich nicht behaupten will, dass mein Englisch perfekt sei. Doch für die raren Sprachlücken habe ich schliesslich meinen Polyflott dabei.’

Ja, diese Geschichte des nervierten deutschen Grünschnabels hat mich köstlich und nachhaltig amüsiert, bis ich am nächsten Morgen mit dem feinsten BBC-Englisch gewappnet weltmännisch zum Haustelefon griff:

Room Service: Morny, rune sor-bees.
Ich: Oh sorry, I thought I dialed room service.
Room Service: Rye, rune sore-bees. Morny. Jewish to ordor sunteen?
Ich: I'd like some bacon and eggs.
Room Service: Ow July then?
Ich: What?
Room Service: Aches. Ow July then? Pry, boy, pooch..?
Ich: Oh, the eggs! How do I like them? Sorry, Scrambled please.
Room Service: Ow July thee Baycome? Crease?
Ich: Crisp will be fine.
Room Service: Okay. An Santos?
Ich: Ugh.....I don't know....I don't think so.
Room Service: No? Judo one toes?
Ich: Look, I really feel bad about this, but I just don't know what judo- one toes means, I'm sorry.
Room Service: Toes! Toes! Why Jew Don Juan toes? Ow bow eengligh mopping we bother?
Ich: English Muffin! I've got it! Toast! You were saying toast! Fine. An English Muffin will be fine.
Room Service: We Bother?
Ich: No, just put the bother on the side.
Room Service: Wad?
Ich: I'm sorry. I meant butter. Butter on the side.
Room Service: Copy?
Ich:I feel terrible about this, but ....
Room Service: Copy. Copy, tea, mill.
Ich: Coffee! Yes coffee please. And that's all.
Room Service: One minnie. Ass rune torino-fie, strangle aches, crease Baycome, tossy eengligh mopping we bother honey sight, and copy. Rye?
Ich: Whatever you say.
Room Service: Okay, Tenjewberrymud.
Ich: You're welcome.

Tja, wenn reisen nicht bildet – Magengeschwüre vor allem!


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#2

Typisch!

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 28.10.2006 19:17
von Roderich (gelöscht)
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Hallo Peter,

das steht ja nun schon eine Zeit lang unkommentiert da, aber das hat deine wirklich köstliche Parodie nicht verdient. Ich kann nur darin eine Begründung finden, dass vielleicht ze riddas didnd nu watt ju mien.

Aber wenn man sich erst einmal eingelesen hat, geht es so halbwegs. Dennoch möchte ich nicht wissen, was der Erzähler in diesem Fall dann letztendlich wirklich bekommen hat ...

Viele Grüße

Thomas

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#3

Typisch!

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 29.11.2006 06:05
von Peter Graedel (gelöscht)
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Hallo Thomas,

Butt Ei no watt U mien, though it was a little mean. Danke fuer die Anteilnahme. Obschon der Erzaehler den Protagonisten per Steilpass ins Offside laufen liess, spielte er weiter bis zum bitteren Ende. Begruendung: "Peter, Du brauchst doch einem Casanova (so heisst er tatsaechlich) den Unterschied zwischen Mann und Frau nicht zu erklaeren."

Liebe Grüße
Peter

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