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#1

Knechtschaft

in Gesellschaft 23.08.2006 11:45
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
Knechtschaft


„Nun hör mal“, fragst du mahnend im Vorbeigehn,
„muss das denn sein, dass du dich mit dem Chef
auf diese Weise misst? Das will kein Mensch sehn.
Das wirkt auf mich, wie bei den Kötern. Kläff
nur weiter, doch erreichen wirst du nichts.

Ich will ja gerne glauben, dass du Recht hast,
doch er begehrt das selbe auch für sich.
Er ist nun einmal Boss und wem das nicht passt,
wer immer lauter klagt, wirkt jämmerlich
und strahlt nicht, wie wir Günstlinge des Lichts.“

So sprichst du, eilst dann weiter und entwischt glatt
und sonnst dich in dem Abglanz seiner Pracht,
leckst Speichel voller Inbrunst. Wirst du nicht satt,
dann kriechst du noch für Brosamen der Macht,
empfängst, was dir doch zusteht, als Geschenk.

Und wenn ich kläffe, ist es doch mein Leben
und nicht von seiner Gnade. Denn, dein Herr,
der gibt und nimmt, wie’s ihm gefällt. Ergeben
beugst du dein Knie, so tut es das Gescherr,
bleibt immer schön geschmeidig im Gelenk.

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#2

Knechtschaft

in Gesellschaft 23.08.2006 13:22
von Krabü2 | 797 Beiträge | 797 Punkte
Hi Mattes,
das gefällt mir sehr gut, die letzten beiden Zeilen finde ich am 'knackigsten', so schön bissig. Ich hab erst den Reim vermisst in der vorletzten Strophe, aber die letzte ist ja genauso aufgebaut... ;-)
Insgesamt empfinde ich die Wortwahl sehr gut durchdacht, obwohl ich - trotz Reims - versucht bin, in anderer Melodie, überhaupt in einer bestimmten Melodie zu lesen/sprechen.
Würde mich interessieren, wie sich das von Dir gelesen anhört. Aber ich hab' eh Probs mit Audios... müsstest Du dann in ner Kneipe in Berlin mal live vortragen :-)
Von der Thematik her empfinde ich es eigentlich zu lang..., aber das ist meine ganz persönliche Meinung. Wohl, weil ich Schleimerei nicht mehr den Wert beimesse, außer es beträfe Jemanden, von dem ich das nicht erwartet hätte, dann würde ich wohl so viel darüber nachdenken...

LG Uschi

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#3

Knechtschaft

in Gesellschaft 23.08.2006 19:46
von Ulli Nois | 554 Beiträge | 554 Punkte
Hallo Mattes, zurück aus Syrakus? (Wo immer das bei dir sein mag.)

Fangen wir - ganz gegen meine Art - mal mit dem Formalen an:
Die dritte Zeile holpert schwer: "Das will kein Mensch sehn" wird landläufig so betont: XxXxX vielleicht noch xXxxX . Die Betonung auf MENSCH jedenfalls kriege ich nicht hin.

Grober Stockfehler, dachte ich also, und hatte dasselbe Problem in der zweiten und dritten Strophe. Aha, dachte ich dann, das passiert einem Mattes höchstens einmal. Kann doch kein Zufall sein. Eher ein Einfall - und kein schlechter. Eine Art Ausheber. Passend zum Inhalt vielleicht ein metrisches Zeichen von Aufbegehren und Ungehorsam?


xXxXxXxXxXx
xXxXxXxXxX
xXxXxXXxXxX
xXxXxXxXxX
xXxXxXxXxX

xXxXxXxXxXxX
xXxXxXxXxX
xXxXxXxXxxX
xXxXxXxXxX
xXxXxXxXxX

xXxXxXxXxXx
xXxXxXxXxX
xXxXxXxXxxX
xXxXxXxXxX
xXxXxXxXxX

Ich weiß nicht, ob es eine Möglichkeit gibt, den Leser nicht ganz in die Falle laufen zu lassen. Mit Absatz oder Bindestrich - ich vermute aber, dass du hier mit voller List und Tücke diese Lücke ins Parkett gesägt hast und uns Metrikknechte gerne stolpern siehst. "Du" ist selbstverständlich das "lyrische Ich", das in der vierten Strophe - übrigens ohne zu stolpern - ein Plädoyer für das Kläffen hält bzw. seinen Appell gegen die Unterwürfigkeit fortsetzt.

Die Pointe des Gedicht finde ich eher schwach. Die Replik auf den Moralisten kommt selbst moralisch, bieder und wenig originell daher.

Während das Reimchema ababc über vier Strophen natürlich erste Sahne ist.

Also Inhalt: 3-4
Form: 1- (wegen der abweichenden 4. Strophe)

Gesamtnote 2-.

Setzen. Weitermachen. Und nicht mehr so viel schwänzen wie in den letzten Wochen.

U.N.





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#4

Knechtschaft

in Gesellschaft 24.08.2006 15:16
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
Jo, danke also. Ist sicher nicht ganz so einfach zu intonieren, geht aber. Hat mit Stockfehlern auch nichts zu tun, sondern eher mit echter Größe.

Ach, ich weiß nicht, ich habe wochenlang nichts geschrieben, nichts schreiben wollen, nichts schreiben können. Dann habe ich mich schwerst über jemanden geärgert und als oller Epimetheus hatte ich natürlich die Gelegenheit verpasst, der Person sofort eins reinzuwürgen. Dann bietet sich als Mittel der Magengeschwürvermeidung das Dichten eben an und so entsteht dann so etwas.

Ich war und bin damit ganz zufrieden und mit der Note kann ich auch leben. Gelegentlich werde ich mal eine Audioversion einstellen, denn das reizt mich jetzt auch.

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#5

Knechtschaft

in Gesellschaft 25.08.2006 10:12
von Knud_Knudsen • Mitglied | 994 Beiträge | 994 Punkte
hi Mattes,
das ist nicht der Herr Puntilla und sein Knecht
Interessanter Ansatz aus dem Leben eines Stadtneurotikers.
Mir gefällt es.
Gruss
Knud

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