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#1

wund gerieben

in Düsteres und Trübsinniges 07.07.2006 14:49
von Don Carvalho • Mitglied | 1.880 Beiträge | 1880 Punkte
wund gerieben
oder: Konditioniertes Karma

Die Ecken, die ihr rund gerieben,
sind bis heute wund geblieben.
Kleine feine Nadelstiche
quälen mich noch heut.

Mein Lächeln ist nie echt gewesen,
eure selbstgerechten Thesen
waren meistens unredliche...
Schmach, die heut noch dräut!

Ich wurmgebliebner Jammerlappen
lass mich dankend dann ertappen,
wenn die Wunden tief zu schlagen
- leichtes Spiel für euch!

Und füge mich in Schicksalsfluchten,
die mein eignes Karma fruchten.
Letztlich muss ich so nichts wagen,
wenn ich euch entfleuch.

(c) Don Carvalho
- Juli 2006

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#2

wund gerieben

in Düsteres und Trübsinniges 08.07.2006 15:41
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Hi Don

Wunderbare zwei erste Zeilen! Da weiss man praktisch schon den ganzen Inhalt.
Ne, natürlich nicht, aber sie verraten bereits viel. Nämlich dass das lyr. Ich ein Unbequemer ist/war, der geschleift wurde, damit er passt und dies - entweder nur oberflächlich - zu liess, oder dieses Zurechtstutzen ihn bis heute schmerzt. Du siehst, sie könnten doch alleine stehen .... *g

Was die Punkte in S2 sollen, entzieht sich meinem Verständnis. Hattest du da Angst vor dem Enjambement?

Gruss
Margot

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#3

wund gerieben

in Düsteres und Trübsinniges 08.07.2006 16:09
von Knud_Knudsen • Mitglied | 994 Beiträge | 994 Punkte
Hi Don,

interessante Überlegung, das konditionierte Karma (oder Karman aus der Bud. Lehre, die besagt, dass die Taten im Diesseits das weitere Fortbestehen im neuen Leben ,Wiedergeburt, bestimmen.)
AQlso die erste St bezeichnet den Zustand des lyr.I. Entgegen seiner inneren Neigung wurde es verbogen. Diese Wunden sind zwar verheilt aber der Phantomschmerz bleibt, dass Karma hat eine, gegen seine Bestimmung gerichtete ,Richtung erhalten.
St 2 beschreibt die dadaus resultierenden Leiden und innere Verzweiflung, zur Wut reicht es dem zerbrochenen lyr. I nicht.
St3 giebt Auskunft über das Selbstwertgefühl des lyr.I. Es weiss, dass es die Opferrolle angenommen hat.
St4 dann das Bekenntnis zur Selbstaufgabe und Hinwendung zur Passivität.
Gern gelesen,
Gruss
Knud

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#4

wund gerieben

in Düsteres und Trübsinniges 09.07.2006 11:51
von Don Carvalho • Mitglied | 1.880 Beiträge | 1880 Punkte
Hallo Ihr Zwo,

inhaltlich passt das schon ganz gut, was Knud geäußert hat, ungeheuerlich verklauselt ist das Gedicht ja allerdings auch nicht. Wie Margot schon schrieb: die ersten beiden Zeilen geben das Thema schon recht gut wieder.

Zu den Pünktchen: Angst vor Enjambements habe ich eigentlich nicht, ich hatte allerdings hier überhaupt keines angedacht und hatte auch überlegt, stattdessen einen Gedankenstrich oder gar einen Punkt zu setzen. Denn das "unredliche" bezieht sich auf die "Thesen", diese fügten Schmach zu, die noch heute wirkt. Aber Du hast Recht, man könnte das unredliche auch auf die Schmach beziehen. Eigentlich hatte ich da grammatikalische Bedenken, aber von der Schmach gibt es anscheinend keinen Plural, insofern müsste das auch gehen. Aber inhaltlich ist ja dennoch nicht die Schmach unredlich, ein Enjambement scheidet dann doch eher aus... vielleicht setze ich auch stattdessen ein Semikolon .

Danke fürs Lesen und Eure Kommentare,

Don

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