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#1

Reduktion

in Diverse 23.06.2006 09:44
von Roderich (gelöscht)
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Reduktion


Ihr oszilliert uns in den
Garten hinein um den Vögeln beim
Zwitschern zuzusehen und mich
zum nachschlagen zu treten.

Nachschlag gefällig?


Und alles, was ihr wisst, ist
alles, was ich niemals wissen
möchte in meinem fieberhaften Wahn,
dem Rausch der Reduktion.

Induktion gefällig?


Wortverfallen gefalle ich mir in
dem Streben nach simplen
Gedanken, wankend schwebe
ich über meinem Selbst.

Selbstgefällig.

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#2

Reduktion

in Diverse 23.06.2006 21:02
von sEweil | 654 Beiträge | 654 Punkte
Hi Rod.

Ich versteh's nicht ganz.

Ich meine, hier rechnet der Dichter mit sich selbst ab.
Aber wer diejenigen sind, die das Lyr. Ich in den Garten hinein oszillieren - Akademiker? Klassische Dichter?

Dann meine ich hier die Vieldeutigkeit der Sprache zu sehen, selbst im reduzierten Sinne. Einerseits scheint dem Lyr. Ich angeprangert zu werden nur zu reduzieren, es selbst sieht sich aber dadurch perfekt und wird überheblich. Die Einschübe sind dann wieder für die Vieldeutigkeit und geben dem Lyr. Ich ein wenig "recht".

Wortverfallen gefalle ich mich
Das "mich" passt doch nicht?
Auch nicht mit dem Rest, der noch dran hängt.
Mir deucht es gehört ein mir hier.
(Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod.)

Sag, Irre ich?

Lg sEweil

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#3

Reduktion

in Diverse 24.06.2006 11:52
von Ulli Nois | 554 Beiträge | 554 Punkte
Hi Rod,

auch ich bin ziemlich überfordert mit diesem Gedicht, vermute aber, dass das "gefalle mich" einer Absicht entspringt. Denn das Fallen scheint mir der rote Faden des Gedichts zu sein. Fällt hier der Geist in die Materie? Meinst du den in den Garten Eden gefallenen göttlichen Geist, der den Vögeln beim Zwitschern zusehen muss, der reduziert wird auf empirisch erworbenes und in Büchern festgehaltenes Wissen? Meinst du den kleingeistigen vergesslichen Menschen, der sein Wissen nach-schlägt, aber auch Menschen nach-schlägt, weil er meint sich behaupten zu müssen?

Der seinem Denken und seinen Worten verfällt? Das heißt: sich selbst gegenüber ge-fällig wird, so dass das Ich sagen kann, ich ge-falle mich (aktivisch), bringe mich selbst zum Fallen ...? -

Ich fürchte, diesen Freistoß habe ich verschossen, da steht etwas viel Konkreteres dahinter ...

Das Gedicht ge-fällt mir. Trotzdem ist jetzt eine Erklärung fällig!!

Lieben Gruß, Ulli

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#4

Reduktion

in Diverse 11.07.2006 16:13
von Roderich (gelöscht)
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Hallo,

sorry für die lange Pause. Einen Teil kann ich mit Wien begründen, der andere war schlicht und ergreifend Sommerpause. Vielen Dank jedenfalls für eure Kommentare und Interpretationen.

@ sEweil: Mit deiner Interpretation hast du schon ziemlich gut getroffen. Ja, das lyr. Ich ist überheblich, resultierend allerdings aus einer wahrgenommenen scheinbaren Überheblichkeit der anderen. Es fühlt sich angesichts der Wortgewalt der anderen reduziert und kaschiert das mit Attacken seinerseits. Quasi: Bildung? Ist was für Weicheier. Das lyr. Ich wählt für sich den Weg der Einfachkeit und Reduktion, quasi ein selbsternannter Forrest Gump. Und dadurch erhebt er sich (für sich selbst jedenfalls) über die anderen. Und landet im Prinzip da, wo er eigentlich gar nicht sein möchte - nämlich bei den Überheblichen.

Zudem war es natürlich ein kleiner Versuch, mit der Vieldeutigkeit der Sprache zu spielen, wie du schon erkannt hast. Für mich entsteht aus Inhalt und gewählter Sprache ein interessanter Widerspruch, der mich einfach gereizt hat.

Was das mich/mir betrifft: Da habe ich wohl ordentlich daneben gehackt, aber uns Österreichern sollte man so etwas nachsehen. Wie mein Vater immer so schön sagt: Ich kann nur eine einzige Fremdsprache: Deutsch!

@ Ulli: Deine Interpretation ist hier sehr passend, gerade das "nachschlagen" hast du in seiner Doppeldeutigkeit gut erfasst. Deshalb auch das "oszillieren" - ein Wort, das ich sonst nie im Leben verwenden würde. Hier in der ersten Strophe kommt die Wut des lyr. Ichs zum Ausdruck über die sprachliche Überlegenheit der anderen.

Was das "gefalle mich" betrifft: Das war, wie oben erwähnt, wirklich nur ein grammatikalischer Fauxpas. Ich könnte jetzt natürlich sagen: Das war so gewollt, genau das habe ich ausdrücken wollen, gut erkannt, Ulli - aber dafür würde ich wahrscheinlich in die Hölle kommen.

Freut mich, wenn das Gedicht gefallen konnte. Ich weiß, dass es sich hierbei nicht um leicht verdauliche Kost handelt und umso mehr freuen mich die positiven Reaktionen.

Viele Grüße

Thomas

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