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#1

Abbrechend

in Düsteres und Trübsinniges 18.06.2006 10:23
von sEweil | 654 Beiträge | 654 Punkte
Abbrechend

Ich setze den Stift an
Das Papier ist zu weich
Zum Schreiben

Ich drücke durch
Wie bei einer Matratze
Bis meine Miene bricht

Ein Stein an einer Schnur
Im Innersten, mehr nicht

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#2

Abbrechend

in Düsteres und Trübsinniges 18.06.2006 10:27
von Roderich (gelöscht)
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Hallo sEweil,

aus deinem Gedicht werde ich nicht so ganz schlau.

Erstens: Kann ein Papier wirklich zu weich zum schreiben sein? Was hast du denn da, ein Taschentuch?

Zweitens: Bricht wirklich die Miene oder nicht doch eher die Mine? Und wenn's die Mine ist, wie kann die brechen, wenn das Papier doch so weich ist? Ich denke da eher an ein Durchstechen durch das Papier, aber nicht an ein Abbrechen des Stiftes.

Und den Stein an der Schnur verstehe ich auch nicht so wirklich. Mir ist nicht klar, was du damit meinst.

Ich nehme (gefühlsmäßig) an, dass du über eine Schreibblockade schreibst. Das weiche Papier, der brechende Stift, der Stein an der Schnur, auch wenn ich ihn nicht deuten kann, ist für mich auch so ein hilfloses Bild - all das deutet für mich auf die Schreibblockade hin. Rational begründen kann ich es aber nicht.

Du siehst, dass dein Gedicht mich immerhin sehr zum grübeln gebracht hat, nur sind mir noch ein paar Unstimmigkeiten drin, über die ich gerne aufgeklärt werden würde.

Grüße

Thomas

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#3

Abbrechend

in Düsteres und Trübsinniges 18.06.2006 10:35
von sEweil | 654 Beiträge | 654 Punkte
Hiho Rod.

Teufel, das ging aber schnell.

Du hast mit deinem Gefühl schon recht, dass es um eine Schreibblockade geht.
Es ist auch wirklich die Miene gemeint, nicht die Mine.

Und der Stein an der Schnur soll, zur Miene passend, das Gefühl darstellen, nach unten ziehend.

Ich hoffe ein wenig bei der Aufklärung geholfen zu haben.

Jetzt liegt es an dir zu sagen, ob das für dich als Leser so rüber kommt, oder nicht, büdde.


Danke dir und Lg
sEweil.

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#4

Abbrechend

in Düsteres und Trübsinniges 18.06.2006 10:35
von Gemini • Long Dong Silver | 3.067 Beiträge | 3067 Punkte

Zitat:

sEweil schrieb am 18.06.2006 10:23 Uhr:
Abbrechend

Ich setze den Stift an
Das Papier ist zu weich
Zum Schreiben

Ich drücke durch
Wie bei einer Matratze
Bis meine Miene bricht

Ein Stein an einer Schnur
Im Innersten, mehr nicht




Dies Gedicht klingt einem der Meinigen sehr ähnlich. Aber das ist ja gut so.

Das Versagen beim Akt der Schöpfung. Das Papier ist zu weich. Die Gedanken sind zu zerbrechlich um widergegeben zu werden. Ein fragiles Konstrukt, welches mit der harten Spitze des Stifts nicht an die Oberfläche gebracht werden kann. Die zweite Strophe. Man könnte die Matratze als "eingebettet" anerkennen. Man will nun die Gedanken auf das Papier betten. Die Miene bricht: Versagen. Unfähig etwas zu Papier zu bringen. Der Stein an der Schnur. Was kann das sein? Es ist nur ein Bild? Woran hängt aber der Stein. DEr Stein an der Schnur zieht die Gedanken in das Bodenlose. Sie bleiben verloren. Der Stein mit der Schnur hängt aber an nichts. Somit ist er als eine Drohung zu verstehen. Das LYri bleibt in demut, weil es Angst vor dem Versagen hat. Auch die Gewalt ist durch das Brechen der Spitze hier vertreten. Der Eigenhass wird durch diese Abrundung beschrieben.
Sehr schön

LG Gem

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#5

Abbrechend

in Düsteres und Trübsinniges 18.06.2006 10:38
von Roderich (gelöscht)
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Hallo noch einmal,

ihr beide zusammen habt mich blinden Hund sehen lassen, was wirklich in den Zeilen steckt. Mit der Schreibblockade war ich ja schon gut unterwegs, aber im Gegensatz zu Gem bin ich derzeit interpretativ etwas schwachbrüstig drauf. Durch vereinte Kräfte habt ihr mich aber ans Licht geführt (und nicht hinters Licht ) Danke euch dafür - kann nur sagen: Klare Sicht!

Grüße

Thomas

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