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#1

der ominöse

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 18.04.2006 22:13
von kein Name angegeben • ( Gast )
Wie jeden sonntagabend sitze ich in der selben tuntigen jazzbar und sinniere über mein dasein. Je mehr martini ich mir einverleibe, desto mehr fühle ich wie meine seele sicht mit der rauchigen umgebung verbindet. Sex liegt in der luft. Es singt dieselbe schlechte sängerin wie jeden Sonntag, und wie jedes Mal verhaut sie die letzten töne weil der noch schlechtere pianist gegen ende immer zu langsam wird. Ich bestelle mir noch einen drink bei dem ich mir, wie bei den vorherigen 4 vornehme es sei mein letzter. Der stuhl auf dem ich sitze ist unbequem, er wackelt wenn ich mein gewicht nach links verlege, es der stete kampf des tischbeins gegen das gewicht meiner linken arschbacke… langsam zünde ich mir eine zigarette an und schaue zu wie der rauch aufsteigt und sich mit den restlichen wolken seiner art verdichtet, die luft lässt einem schlecht werden wenn man vom draussen kommt, aber nach wenigen minuten beschreibt sie pure befriedigung. Es ist eine unglaubliche mischung aus schweiss, ausgeleertem alkohol, altem zigarretenrauch, dem polieröl mit welchem der pianist seinen flügel jeden abend einreibt -damit anstatt seinem spiel wenigstens sein instrument glänzt-, dem schlechten eau de cologne des barkeepers dass penetrant in meine richtung strömt weil der alte ventilator nicht mehr rotiert und dem ranzigen croque monsieur mit dem sich dieses etablishement ernsthaft als „bar et bistrot“ betiteln will. Wie schon gesagt, es riecht nach sex. Es ist jetzt 20 nach elf, in etwa zehn minuten beginnt die show. Die show ist er, den niemand kennt und der jeden sonntag hier etwas trinkt. Er scheint genauso routinebedürftig zu sein wie ich, denn ausser mir und ihm ist wohl noch kein gast mehr als einmal hierhergekommen… verständlich bei dieser depressiven art dieses lokals, es ist erdrückender als mit einer ungeliebten person mit dem aufzug in den zehnten stock hinauffahren zu müssen, sekunden werden zu unerträglichen ewigkeiten.. masochismus im hochquadrat? aber zurück zu ihm… immer, jeden gottverdammten Sonntag sitzt er, der ominöse, in derselben ecke, raucht seine havanna und trinkt sein glas cognac in einem schluck um nachher noch eine halbe stunde unentwegt die spinnweben an einem zersprungenen spiegel anzustarren. Ist er auch so eine bemitleidenswerte kreatur wie ich oder ist es eine art selbsthilfe(be)handlung? Jedes Mal wenn er durch die quietschende tür eintritt und den barkeeper mit einem kleinen aber ausdrucksvollen nicken begrüsst, weiss ich wieder wie er aussieht. Sein alter ist unschätzbar, seine miene unergründlich und sein gang angenehm. Er ist unspeziell und einzigartig in einem. Er gerät schneller in vergessenheit als dass sein anlitz ins gedächtnis einzuprägen ist, und trotzdem vergesse ich nie wie er eigentlich aussieht. Die tür knarrt, er kommt, nickt und setzt sich, bestellt cognac und zieht die havanna aus der tasche, bevor er seinen mantel ablegt, bittet um ein streichholz, raucht. Der kellner bringt im den cognac und er setzt an, gleich wird er trinken… doch dann geschieht etwas sehr unerwartetes. Er setzt den cognac ab. Dann winkt er den barkeeper noch einmal zu sich hin und sagt ihm leise etwas, dass ich nicht verstehe. Der mann hinter der bar schaut ihn einen moment überrascht an und kehrt sich dann um und füllt ein weiteres glas mit cognac. Der ominöse nimmt beide gläser, steht auf und dreht sich zu mir. Fassungslos begreife ich dass er auf mich zugeht… von dem zeitpunkt an als er vor mir steht und mir mit einem lächeln das glas in die hand drückt ist er kein einfacher unbekannter mehr sondern nur noch vertraut und anziehend. Er zieht mich in eine mir ferne und urbane welt. Jetzt nehme ich den geruch der luft die uns umgibt plötzlich viel stärker wahr, ich werde umhüllt von seiner einschläfernden und doch lüsternen stimme, die sich wie ein seidenschal um meinen hals, dann um meinen ganzen körper schmiegt… nur noch durch eine dicke, watteartige wand nehme ich wahr was um mich herum geschieht, alles scheint urplötzlich richtig, und gut so wie es ist…
3 stunden später sitze ich nackt am fenster seiner altbauwohnung und schaue in die sterne… Der ominöse ist es nicht mehr, und ich, die bemitleidenswerte kreatur bin zum mensch geworden…


ps: mit gross-klein-schreibung hab ichs nicht so...

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#2

der ominöse

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 18.04.2006 22:27
von Nonverbal • Mitglied | 407 Beiträge | 407 Punkte
hallo querdenkerin,

willkommen bei uns im tümpel
ich hoffe du wirst hier viel spaß haben....

ich zumindest hatte freude an deinem text, ich konnte jede einzelne zeile fühlen und habe den geruch nach sex und zigarettenrauch fast in mir aufgesogen...
und deine bildlichen beschreibungen, wunderbar, sowas will der leser hören..

"ich werde umhüllt von seiner einschläfernden und doch lüsternen stimme, die sich wie ein seidenschal um meinen hals, dann um meinen ganzen körper schmiegt… nur noch durch eine dicke, watteartige wand nehme ich wahr was um mich herum geschieht, alles scheint urplötzlich richtig, und gut so wie es ist… "

sowas ist ach.. einfach wunderbar

und am ende hat die protagonistin wieder gefühlt, nackt am fenster mitten in der nacht...

Alles in allem: Klasse!

ps: ich habs auch nicht so mit groß und kleinschreibung, aber das stört hier sicherlich niemanden... ich finds nur immer so umständlich im "tippverlauf"

Liebe Grüße Franzi

und schönen abend noch



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#3

der ominöse

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 18.04.2006 23:31
von Maya (gelöscht)
avatar
hi querdenkerin,

auch von mir ein herzliches Willkommen im Tümpel. ...

Vom Inhaltliches gefällt mir der Text ganz gut, nur fehlt mir eine ordentliche Textgliederung. Ich mag Blocktexte nicht, verrutsche da ständig in den Zeilen.
An einigen Stellen könnte man durch geschickte Absätze die Spannung erhöhen und dem Leser auch mal eine Pause gönnen.
Vor allem diese Stelle hier schreit geradezu nach einer Pause:

"Der ominöse nimmt beide gläser, steht auf und dreht sich zu mir."

Lass die Stelle auf den Leser wirken, wie würde man selbst in dieser Situation reagieren. Es bleibt kein Platz zum Denken, weil man sofort in die nächsten Sätze stolpert.

Sehr gerne gelesen...

LG, yamaha


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#4

der ominöse

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 19.04.2006 09:11
von kein Name angegeben • ( Gast )
halli hallo und danke für die willkommensworte und das lob... =)
bin so zufällig hier drauf gestossen und hab mir gedacht ich klink mich einfach mal ein.

an yamaha: da hast du absolut recht... hab das mal probiert und es hört sich -à mon avis- sehr, sehr, seeeeehr vil besser an
als junges schreiberleinchen bin ich um kritik teilweise fast noch dankbarer als um lob. =)

mfg an alle,

querdenkerin

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#5

der ominöse

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 19.04.2006 09:33
von Nonverbal • Mitglied | 407 Beiträge | 407 Punkte
reife einstellung

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#6

der ominöse

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 19.04.2006 12:19
von Gemini • Long Dong Silver | 3.067 Beiträge | 3067 Punkte
Hallo querdenkende

Willkommen im Tümpel.

Deine Geschichte sagt mir etwas weniger zu, warum kann ich dir sagen.
Ich halte es für ein Zeichen von Unreife, wenn man die Dinge so überschwenglich darzustellen versucht.
Man sollte mit Beschreibungen etwas sparsamer umgehen, damit die Wenigen dann eine stärkere Wirkung erzeugen.
Hier, stellst du eigentlich nur die Begegnung zweier Menschen dar.
Die Bar und all das Drumherum wäe also zu vernachlässigen. Eher solltest du dich auf die Emotionen der Protagonistin konzentrieren.
Das Ende geht dann doch etwas zu abrupt von Statten.
Alles in allem eine nette kleine Story, die um einiges gekürzt hätte werden können.
Aber das ist nur meine Meinung und soll dich nicht kränken. Möglicherweise sieht das ja auch jemand anders.
Die Kleinschreibung ist mir auch ein Dorn im Auge.

LG Gem

Ps.: Es würde dir zu Gute kommen, wenn du im Forum auch andere Werke kommentierst, da sich dadurch natürlich auch bei deinen Werken die Antworten vermehren würden.
Ich antworte ab nun nur mehr denen, die auch mir etwas unter meine Gedichte schreiben und die auch auf meine postings reagieren.



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#7

der ominöse

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 19.04.2006 21:55
von kein Name angegeben • ( Gast )
@ Gem - extra in Gross-Klein =)

Find ich irgendwie toll dass du das sagst, weil ich mir ähnliche Gedanken um die Geschichte gemacht habe. Aber manchmal finde ich es sinnvoll auch einmal gegen das "weniger-ist-mehr-Gebot" zu verstossen wenn du weisst was ich meine. Mag sein, dass so was schnell in die Hosen gehen kann, aber probieren geht ja bekanntlich meist über studieren ;)!
Wie Geschmäcker verschieden sind zeigt sich hier mal wieder mit Nachdruck... aber das ist ja auch gut so!

Auf jeden Fall danke ich, denn deine Kritik kränkt ja nicht sondern hilft!

Das mit dem Meinung-abgeben versteht sich für mich von selbst, für was ist ein Forum sonst auch gut?! Habe mich bis jetzt zwar schon ein bisschen "(r)eingelesen", bin aber noch nicht zum kommentieren gekommen, das Ganze muss schliesslich auch etwas Gehalt haben! (Zieh mir jetzt aber als Erstes gleich mal eines deiner Gedichte rein!)


MFG, querdenkerin

PS: Nur dass ihrs alle wisst, ich kann auch anders *grins*!

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#8

der ominöse

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 19.04.2006 22:25
von Gemini • Long Dong Silver | 3.067 Beiträge | 3067 Punkte

Zitat:

querdenkerin schrieb am 19.04.2006 21:55 Uhr:
(Zieh mir jetzt aber als Erstes gleich mal eines deiner Gedichte rein!)



Das lob ich mir.

Nein, das hatte auch gar nichts mit dir zu tun. Das wollte ich schon länger einmal anbringen und hier war eben gerade die Gelegenheit.
Keine Angst.

LG Gem

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#9

der ominöse

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 20.04.2006 12:36
von kein Name angegeben • ( Gast )
...also wenn du willst dass ich Angst krieg brauchts ein bisschen mehr mein Lieber... vielleicht ein düsteres gedicht mit raffzähnigen Vampiren und verwunschenen Kreaturen? *hehe*

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