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#1

Nächstenliebe

in Liebe und Leidenschaft 07.03.2006 13:46
von Feaníl (gelöscht)
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Nächstenliebe

Beständig suchen meine Hände
nach deinem Lebenselixier.
Du trägst es tief in deinem Herzen,
öffne dich, komm zeig es mir!

Ein kurzer Blick soll mir gestattet,
unter Glashaut weiß und rein.
Etwas in dir sacht ermattet,
legt sich mild um dein Gebein.

Du stirbst nur laut, mit einem Schrei
wickelst Blut um taube Finger.
Was ich suchte und noch immer,
bricht in meinem Arm entzwei.


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#2

Nächstenliebe

in Liebe und Leidenschaft 07.03.2006 15:29
von Ulli Nois | 554 Beiträge | 554 Punkte
Hallo Feanil,

die Nächstenliebe als Geste zu beschreiben, die immer wieder mißlingt (vielleicht sogar scheitern muss), gefällt mir. Bei der Umsetzung fallen mir jedoch einige (wie Gerd Rubenbauer sagen würde) "Stockfehler" auf. Das Reimschema ist sehr frei: abcb dede fggf - wobei "Finger" und "immer" nur als Assonanz durchgehen. Mehr noch als die reimlichen udn metrischen Unebenheiten (Wechsel von Jambus und Trochäus) und syntaktische Verkürzungen (z.B. S2Z1) irritiert mich jedoch das Bild des tief im Herzen unter einem matten Glas verborgenen Elixiers - in Kombination mit etwas Ermattenden, das sich um Gebein, also um Knochen, legt. Da komme ich nicht mit, außer dass ich verstehe, dass das "Du" in jeder Hinsicht verschlossen ist, und statt sich zu öffnen mit lauten Schreien und dramatischen Gesten seine eigene Taubheit übertönt. Der Schlußvers (grammatisch bedenklich: der Anschluß von "und noch immer") ist pointiert, aber mir auch nicht ganz klar. Zerbricht dem Ich das im Glas verborgene Elixier oder ist es das Gebein, oder etwas ganz anderes?

Hoffentlich hab ich dich nicht gänzlich mißverstanden und du kannst mich etwas aufklären.

Beste Grüße,

Ulli

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#3

Nächstenliebe

in Liebe und Leidenschaft 07.03.2006 18:45
von Feaníl (gelöscht)
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Hallo Ulli

erstmal danke für deinen Kommentar, freut mich dass das Thema gefällt.

Ich habe mich schon vor langer Zeit von Metrik getrennt, das beruhte auf Gegenseitigkeit. Ich kam mit ihr nie klar, in Wirklichkeit waren wir nie mehr als Freunde, die hofften miteinander glücklich werden zu können. Dass das nicht klappen würde haben wir rechtzeitig erkannt und gehen nun getrennte Wege.

Insofern: solange du nicht gänzlich aus der Bahn geworfen wirst, würd ich sagen basst des scho. Zu spät sehe ich nun das 2x 'matt' in S2 Z3&4, wird gleich korrigiert, liest sich unschön so kurz hintereinander. Für die Verkürzung ein Vorschlag:

Ein kurzer Blick soll mir gestattet,
unter Glashaut weiß und rein.


ist zwar immer noch verkürzt, aber nich mehr so schlimm vielleicht?

Ganz allgemein ist das Elixir nicht so wörtlich zu nehmen, sondern mehr als etwas, das dem LyrDu Lebenssinn gibt, was wiederum das LyrI erstrebt. Wenn das nicht so rüberkommt wie ich mir dachte, dann hat das Gedicht wohl seinen Zweck nicht erfüllt. Schade.

Danke fürs Kommentieren Ulli

Grüße
Fe

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#4

Nächstenliebe

in Liebe und Leidenschaft 08.03.2006 09:58
von Fabian Probst (gelöscht)
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ich finde es metrisch gar nicht so schlecht. Nach dem zweiten Lesen hat man die Wechsel zwischen Jamben un Trochäen gecheckt und kann es gut lesen.

Inhaltlich finde ich es auch etwas schwierig. Die ersten beiden Zeilen suggerieren mir, dass hier das Lebenselixier herausgerissen werden soll.
Jedenflass entsteht bei mir der Eindruck.
Warum suchen denn die Hände danach und nicht der Geist? Das klingt doch nach wegnehmen.

Der Gedanke ist klasse, nur die inhaltliche Umsetzung hat noch einige Ungereimtheiten, meinem Empfinden nach.

lg,Fabian

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#5

Nächstenliebe

in Liebe und Leidenschaft 09.03.2006 21:58
von Feaníl (gelöscht)
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es sollte der Irrglauben des LyrI's sein, etwas finden zu können, dass materiell greifbar ist.

Ich finds gar nicht so schwer zu verstehen

danke für den comment Fabian, und hallo im Tümpel

Grüße
Fe

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#6

Nächstenliebe

in Liebe und Leidenschaft 08.08.2007 21:12
von bipontina (gelöscht)
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guten Abend, habe das Poem jetzt erst (als Neuling) gelesen. Über Jamben, Trochäen, Metrik und Reim kann ich kein Urteil abgeben, aber ich würde aus "ein kurzer Blick soll mir gestattet..." ein
"ein kurzer Blick wurd mit gestattet..." oder
"ein kurzer Blick sei mit gestattet..." machen, dennn nach dem "...soll.." fehl teigentlich das "sein", oder seh ich dsas völlig falsch!?

Lieben Gruß von bipontina
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