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#1

Der Vagabund

in Gesellschaft 31.01.2006 14:20
von Velazquez | 315 Beiträge | 315 Punkte
Der Vagabund

Er ist genügsam und ihm reichen kleine Gaben,
nach mehr verlangt ihm nicht; nur was er für sich braucht:
Ein kleines Frühstück, etwas Wein und weil er raucht,
ein paar Gramm Tabak, seine Sorte, wenn sie haben.

Wo seine Heimat ist, da gibt es keine Fenster,
da stört kein Dach den freien Blick zum Himmelszelt,
nur in der Nacht erscheinen manchmal die Gespenster,
die ihn verfolgen. Doch die haben längst sein Geld.

Sein ganzer Reichtum, meint er, läge eh im Kleinen
und der Bescheidenheit. Er ist jetzt Vagabund.
Mit einem Rucksack und dem kleinen Mischlingshund,
der ihm am Herzen liegt und nachts an seinen Beinen.

So zieht er weiter mit der abgewetzten Weste,
die er schon lange trägt, genau wie seinen Hut
und seinen Mantel mit den dunklen Flecken, Reste.
Denn manchmal hustet er. Dann spuckt er etwas Blut.

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#2

Der Vagabund

in Gesellschaft 31.01.2006 18:31
von Ulli Nois | 554 Beiträge | 554 Punkte
Hi Vel,

schön, dass du mal wieder reinschaust. Ich freue mich immer auf deine Gedichte. Leider bin ich gerade ziemlich erkältet und innerlich beschlagen, so dass ich dir keine tiefergehende Analyse liefern kann, nur einen kleinen Gefallensgruß. Ich musste spontan an Baudelaire denken, nicht nur wegen der Thematik. Am stärksten finde ich die Stelle mit den Gespenstern, die das Geld schon haben, am schwächsten das - was kann das arme Wort dafür, dass es so abgenutzt wurde - "Himmelzelt". Trotz des Endes, das einer Idealisierung des Vagabundenlebens alias Pennerdaseins entgegenarbeitet, verstehe ich nicht ganz, warum du dieses Gedicht unter "Düsterem" gepostet hast. Die Genügsamkeit des Vagabunden, auch wenn es vielleicht nur eine Schutzbehauptung ist (wie du andeutest mit der Wendung "meint er"), ist sie nicht eher hell und lebensbejahend?

Beste Grüße, Ulli

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#3

Der Vagabund

in Gesellschaft 02.02.2006 20:11
von Velazquez | 315 Beiträge | 315 Punkte
Hi Ulli.

Vielen Dank für die Beschäftigung mit dem Gedicht.
Der Gefallensgruß ist angekommen, wie auch deine übrigen Gedanken dazu. Ja, das 'Himmelszelt' ist mindestens so abgenutzt, wie die Weste des Vagabunden, das stört mich aber gemeinhin überhaupt nicht .
Und: Der Text beinhaltet natürlich auch lebensbejahende Elemente...

Ansonsten hast du Recht, es muss in die Rubrik 'Gesellschaft'
verschoben werden - wenn es jemand von der Exekutive liest:
Vielen Dank.


LG, Vel




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#4

Der Vagabund

in Gesellschaft 03.02.2006 01:15
von Don Carvalho • Mitglied | 1.880 Beiträge | 1880 Punkte
[auf Wunsch des Autors verschoben]

Don
-Moderator-

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#5

Der Vagabund

in Gesellschaft 03.02.2006 11:00
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Hi Vel

Im Gegensatz zu "meinem" Vagabund, siedle ich deinen eher in der heutigen Zeit an. Die Gespenster, die ihn des Nachts heimsuchen, sind für mich evtl. Forderungen, die ihn um seinen Besitz gebracht haben. Steuern, eine Scheidung ... oder Ähnliches. Man liest ja ab und zu solche Schicksale in Zeitungen. Obwohl du ein paar Klischees in den Zeilen hast, wirkt es doch charmant. Mir gefällt die Formulierung mit dem Hund, der ihm am Herzen und den Beinen liegt. Mit den Resten in der letzten Str. komme ich nicht ganz klar. Worauf beziehen die sich?

Gruss
Margot

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#6

Der Vagabund

in Gesellschaft 03.02.2006 11:04
von Gemini • Long Dong Silver | 3.067 Beiträge | 3067 Punkte
Ich glaube es sollte "der dunklen Flecken, Reste" heißen.

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#7

Der Vagabund

in Gesellschaft 03.02.2006 11:20
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
Quatsch. Der Mantel hat schlicht dunkle Reste-Flecken. Reste von Erbrochenem, z.B. Blut. Lest doch, was da steht.

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#8

Der Vagabund

in Gesellschaft 03.02.2006 11:22
von Gemini • Long Dong Silver | 3.067 Beiträge | 3067 Punkte
Hm, ja stimmt sry.

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#9

Der Vagabund

in Gesellschaft 03.02.2006 12:08
von Velazquez | 315 Beiträge | 315 Punkte
Hi ihr.

Also, wie Mattes schon richtig erkannte, die dunklen Flecken sind Reste, eben die blutigen, ausgespuckten. Das Komma am Ende der vorhergehenden Zeile ist allerdings nicht richtig. Werde es ändern.
Auf jeden Fall Danke für’s Feedback, in kargeren, dichterischen Zeiten müssen eben auch manchmal Klischees herhalten, das reicht dann wenigstens, um als charmant durchzugehen .

LG, Vel

P.S.: Den Titel wollte ich nicht klauen, habe schlicht vergessen, dass der schon existierte…Shit happens .



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#10

Der Vagabund

in Gesellschaft 04.02.2006 14:49
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte

Zitat:

Velazquez schrieb am 03.02.2006 12:08 Uhr:
P.S.: Den Titel wollte ich nicht klauen, habe schlicht vergessen, dass der schon existierte…Shit happens



Hey, das war nicht die Botschaft. Ich wollte lediglich den Unterschied von deinem zu meinem aufzeigen. Schliesslich hat keiner ein Monopol auf dieses Wort. Man kann das Rad ja auch nicht neu erfinden.


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