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#1

Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)

in Rumpelkammer 19.10.2005 09:01
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Für Mattes, damit er nicht unwissend gehen muss .....




Der König von Thule

Es war ein König in Thule
Getreu bis an das Grab,
Dem sterbend seine Buhle
Ein goldnen Becher gab.

Es ging ihm nichts darüber,
Er leert ihn jeden Schmaus;
Die Augen gingen ihm über,
So oft er trank daraus.

Und als er kam zu sterben,
Zählt er seine Städte im Reich,
Gönnt alles seinen Erben,
Den Becher nicht zugleich.

Er saß beim Königsmahle,
Die Ritter um ihn her,
Auf hohem Vätersaale
Dort auf dem Schloß am Meer.

Dort stand der alte Zecher,
Trank letzte Lebensglut
Und warf den heil'gen Becher
Hinunter in die Flut.

Er sah ihn stürzen, trinken
Und sinken tief ins Meer.
Die Augen täten ihm sinken,
Trank nie einen Tropfen mehr.


Johann Wolfgang von Goethe

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#2

Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)

in Rumpelkammer 19.10.2005 10:15
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
Mensch, danke, das ist aber auch wirklich ein völlig unbekanntes Werk von olle Wolle, oder?

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#3

Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)

in Rumpelkammer 19.10.2005 22:22
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Wir hatten das (in der Schule) in einem Liederbuch, aber bekannt ist es wohl nicht gross, stimmt. Die Musik dazu stammt übrigens von Karl Friedrich Zeltner (1812), aber das interessiert wohl eh kS.

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#4

Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)

in Rumpelkammer 20.10.2005 09:19
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
Wenn ich schon mal versuche, ironisch zu werden...
Ehrlich, Marge, ich dachte, du wolltest mich verarschen. Den thulischen König kennt doch jeder alte Zecher!

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#5

Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)

in Rumpelkammer 20.10.2005 09:24
von Arno Boldt | 2.759 Beiträge | 2758 Punkte
tja... aber da sind dem ollen jöte wohl so einige fälle wechgeschwomme... (bsp. str1/zeile4) .. zumindest nach heutigen Regeln.

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#6

Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)

in Rumpelkammer 20.10.2005 09:26
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Tja, Mattes, fühl dich jetzt nur etwas unwohl. Weshalb musst du mich auch ständig verarschen .... geschieht dir ganz Recht!

btw. .... wenn du schon mal denkst!

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#7

Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)

in Rumpelkammer 20.11.2007 15:36
von Fabian Probst (gelöscht)
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Wanderers Nachtlied
(Ein Gleiches)

Über allen Gipfeln
ist Ruh,
in allen Wipfeln
spürest du
kaum einen Hauch;
die Vögelein schweigen im Walde,
warte nur, balde
ruhest du auch.

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#8

Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)

in Rumpelkammer 20.11.2007 15:38
von Fabian Probst (gelöscht)
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Die Zweifelnden und die Liebenden


Die Zweifelnden

Ihr liebt, und schreibt Sonette! Weh der Grille!
Die Kraft des Herzens, sich zu offenbaren,
Soll Reime suchen, sie zusammenpaaren!
Ihr Kinder, glaubt, ohnmächtig bleibt der Wille.

Ganz ungebunden spricht des Herzens Fülle
Sich kaum noch aus: sie mag sich gern bewahren,
Dann Stürmen gleich durch alle Saiten fahren,
Dann wieder senken sich zu Nacht und Stille.

Was quält ihr euch und uns, auf jähem Stege
Nur Schritt vor Schritt den läst'gen Stein zu wälzen,
Der rückwärts lastet, immer neu zu mühen?

Die Liebenden

Im Gegenteil, wir sind auf rechtem Wege!
Das Allerstarrste freudig aufzuschmelzen,
Muss Liebesfeuer allgewaltig glühen.
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#9

Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)

in Rumpelkammer 20.11.2007 15:46
von Fabian Probst (gelöscht)
avatar
Mädchen und Dichter]


Mädchen

Ich zweifle doch am Ernst verschränkter Zeilen!
Zwar lausch ich gern bei deinen Silbespielen;
Allein mir scheint: was Herzen redlich fühlen,
Mein süßer Freund, das soll man nicht befeilen.

Der Dichter pflegt, um nicht zu langeweilen,
Sein Innerstes von Grund aus umzuwühlen;
Doch seine Wunden weiß er auszukühlen,
Mit Zauberwort die tiefsten auszuheilen.

Dichter

Schau, Liebchen, hin: wie geht's dem Feuerwerker?
Drauf ausgelernt, wie man nach Maßen wettert,
Irrgänglich-klug miniert er seine Grüfte;

Allein die Macht des Elements ist stärker,
Und eh er sich's versieht, geht er zerschmettert
Mit allen seinen Künsten in die Lüfte.
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#10

Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)

in Rumpelkammer 22.05.2008 22:19
von Alcedo • Mitglied | 2.529 Beiträge | 2351 Punkte


Prometheus


Bedecke deinen Himmel, Zeus,
Mit Wolkendunst!
Und übe, Knaben gleich,
Der Disteln köpft,
An Eichen dich und Bergeshöhn!
Mußt mir meine Erde
Doch lassen stehn,
Und meine Hütte,
Die du nicht gebaut,
Und meinen Herd,
Um dessen Glut
Du mich beneidest.

Ich kenne nichts Ärmeres
Unter der Sonn als euch Götter.
Ihr nähret kümmerlich
Von Opfersteuern
Und Gebetshauch
Eure Majestät
Und darbtet, wären
Nicht Kinder und Bettler
Hoffnungsvolle Toren.

Da ich ein Kind war,
Nicht wußte, wo aus, wo ein,
Kehrte mein verirrtes Aug
Zur Sonne, als wenn drüber wär
Ein Ohr zu hören meine Klage,
Ein Herz wie meins,
Sich des Bedrängten zu erbarmen.

Wer half mir wider
Der Titanen Übermut?
Wer rettete vom Tode mich,
Von Sklaverei?
Hast du's nicht alles selbst vollendet,
Heilig glühend Herz?
Und glühtest, jung und gut,
Betrogen, Rettungsdank
Dem Schlafenden dadroben?

Ich dich ehren? Wofür?
Hast du die Schmerzen gelindert
Je des Beladenen?
Hast du die Tränen gestillet
Je des Geängsteten?
Hat nicht mich zum Manne geschmiedet
Die allmächtige Zeit
Und das ewige Schicksal,
Meine Herren und deine?

Wähntest du etwa,
Ich sollte das Leben hassen,
In Wüsten fliehn,
Weil nicht alle Knabenmorgen-
Blütenträume reiften?

Hier sitz ich, forme Menschen
Nach meinem Bilde,
Ein Geschlecht, das mir gleich sei,
Zu leiden, weinen,
Genießen und zu freuen sich,
Und dein nicht zu achten,
Wie ich.


e-Gut
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#11

RE: Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)

in Rumpelkammer 18.04.2016 21:05
von Alcedo • Mitglied | 2.529 Beiträge | 2351 Punkte

.
.
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Gefunden


Ich ging im Walde
So für mich hin,
Und nichts zu suchen,
Das war mein Sinn.

Im Schatten sah ich
Ein Blümchen stehn,
Wie Sterne leuchtend,
Wie Äuglein schön.

Ich wollt es brechen,
Da sagt es fein:
Soll ich zum Welken
Gebrochen sein?

Ich grub's mit allen
Den Würzlein aus.
Zum Garten trug ich's
Am hübschen Haus.

Und pflanzt es wieder
Am stillen Ort;
Nun zweigt es immer
Und blüht so fort.


vom 26.8.1813

.
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e-Gut
zuletzt bearbeitet 18.04.2016 21:07 | nach oben


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