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#1

Und dazwischen ich

in Düsteres und Trübsinniges 13.09.2005 11:26
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
Und dazwischen ich


Innen klingen
unumwunden
tönern tönend
Schicksalstunden

Schlagend klagend
Seelensteuer
Herz und Hirn
im Fegefeuer

Außen stoßen
Wachsgestalten
auf und ab
in Zeitungsspalten

Ringend zwingend
Vollnarkose
Emotionen
aus der Dose

und dazwischen
ich


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#2

Und dazwischen ich

in Düsteres und Trübsinniges 13.09.2005 11:46
von Arno Boldt | 2.759 Beiträge | 2758 Punkte
hallo muh.

zuerst: es kommt mir - so wie du - bekannt vor...

die 5 strophen - schnellgedacht:
1 - die stunde ist gekommen (für das lyr. ich? oder einfach die gesellschaft?)
2 - vertiefung der str.1 (mit drastischeren worten: religiös-existentielle worte)
3 - meine ersten gedanken gehen in richtung politik. man kann es aber auch einfach auf den begriff "promineten" ausweiten.
4 - vertiefung der str.3
5 - zeigt die position des lyr. ich. allerdings kann ich nicht genau erkennen, dass mit der ersten und zweiten strophe nicht das lyr. ich gemeint ist. ich dachte zuerst das lyr. ich steht zwischen den blöcken 1+2 und 3+4. aber ich denke jetzt, dass dies anders ist: zuerst kommt eine beschreibung des lyr. ichs und dann die der prominenten. man muss also die str5 auf die emotionen, die durch die prominenten aufbereitet werden, setzen. was ein noch besserer gedanken wäre, wäre, wenn das lyr. ich auch zwischen die zeitunsspalten sitzt und gezwängt wird.

soweit in aller schnelle.

grüße.

ps. die fehlende interpunktion kann man als ausdruck des "nicht-geordneten" sehen. das lyr. ich ist durcheinander und achtet nicht darauf, wie es was setzen könnte.. allerdings stehen dann die reime dem entgegen, die eine ordnung (str1-4: xbyb) vermitteln. lediglich die letzte strophe geht da andere wege. hier kann man das allein-sein und auch das nicht-durchdachte.. sondern einfach das angedachte sehen: "und dazwischen/ich". wenn ich allerdings str.1+2 das lyr ich sehe, dann greift meine kritik der ordnung wieder.
aber: gern gelesen.

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#3

Und dazwischen ich

in Düsteres und Trübsinniges 13.09.2005 13:42
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Hallo Muh,

Reize aus vier Richtungen und das Ich dazwischen.
Die ersten beiden Strophen beziehen sich auf Inneres, die letzten beiden auf Einwirkung von aussen.
In den Schicksalsstunden der ersten Strophe sehe ich das, was "Ich" erdulden muss, in dem Fegefeuer der zweiten das, was "Ich" anderen antat und daher (vielleicht auch religiös motivierte) Schuldgefühle hat.
Die Außenwirkungen in der 3. und 4. Strophe würde ich jetzt so deuten als eine orientierung des "Ichs" zur Betäubung der durch das Leid der ersten Strophen durch Orientierung der Glitzerträume von Boulevardmedien (3. Strophe) und Alkohol stellvertretend für Betäubung durch Drogen allgemein in der 4. Strophe).
Zusammenfassend meine Diagnose: Das ich hat gerade eine kleine Krise und hängt ganz schön durch.

Diese schlagend/klagend und ringend/zwingend Reime mag ich ja gerne. Hätte das aber gerne noch etwas konsequneter in jeder Strophe gehabt. Dann wäre der Effekt besser.
Diese Symmetrie, die ich oben beschrieben habe, gefällt mir sehr gut. Hoffe, sie war auch so von Dir angelegt.
Gerne gelesen.

Schöne Grüße
GerateWohl

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#4

Und dazwischen ich

in Düsteres und Trübsinniges 13.09.2005 15:51
von Velazquez | 315 Beiträge | 315 Punkte
Hi muh,

das lyr. Ich versucht hier seinen Platz zu finden, den es eigentlich gar nicht gibt. Im Raum schwebend, zwischen Innen und Aussen. Insofern nicht miteinander vereinbar, bleibt es bei dem Versuch einer Klärung, auch zwischen innerer und äusserer 'Wahrheit'. Schicksalstunden = Seelensteuer (?), für mich der Tribut ge- und erlebter Zeiten und mit nagenden Zweifeln verbunden ('Herz und Hirn im Fegefeuer').
Dann tritt ein 'Aussen' in Erscheinung. Wachsfiguren die aufstossen und das lyr. Ich abstossen, wie ebendiese aus den (Klatsch)kolumnen einer Boulevardzeitung. Oder auch politisch, je nach Platt- bzw. Blattform.
Zwischen den Welten taumelnd, dem (vom Leser erfühlten) Wahnsinn nahe, was auch die Reime unterstreichen, bleibt nur Betäubung als letzter Schluss und die 'Emotionen aus der Dose' (obwohl im Widerspruch).
Insgesamt empfinde ich die Zeilen (auch rhythmisch) wie ein paar tiefe Schlucke aus der Bierdose.
Und am Ende: 'Rülps'.
Denn genau das bleibt dem lyr. Ich übrig.

Gern gelesen,


Vel

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