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#1

Fixierung

in Ausgezeichnete Lyrik 31.07.2005 11:52
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte

    Fixierung


    Die Stirn ans kalte Glas gedrückt,
    den Kopf noch voller Rauch,
    ist er mir wieder nicht geglückt;
    der Sprung voran. Ich hauch

    verdrehte Worte in die Nacht.
    Kein Echo hallt zurück.
    Nur eine Uhr, die Stunden lacht,
    erklingt. Ein kleines Stück

    Papier, vergilbt und korrigiert,
    wärmt meine Hand; dafür
    erhellt ein Blitz und archiviert
    die Namen an der Tür.



    (c) Margot S. Baumann

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#2

Fixierung

in Ausgezeichnete Lyrik 31.07.2005 20:22
von sEweil | 654 Beiträge | 654 Punkte
Hallo Margöttin, du, oh du, meine Margöttin.

Ich bin verblüfft.
Einerseitz, weil ich noch nie etwas in solcher Form von dir las, anderersetis, weil es mich still und unergründlich verblüfft. (dich jetzt auch? )

Wirr hin, wirr her.

btw: Ab morgen wirst du dich ja entweder komplett auf die neue Rechtschreibung umstellen müssen, oder, was ich eher glaube, drauf scheißen. Verrats mir doch bitte.

zum Text:

xXxXxXxX
xXxXxX
xXxXxXxX
xXxXxX (x3)

durchgehendes Muster.
3,4 hebige Jamben, ein kreuzle Reim. (Huch, hab mein brot im käse verloren.)

Der Name des Gedichtes, "Fixierung" verrät zwar einen Teil, den ich zu erläutern versuchen will, der vor allem die Motivation des Lyr. Ichs aus meiner Sicht beschreibt, oder zumindest die Verbissenheit, auf das Gewünschte.

Für mich scheint es sich bei deinem Gedicht um eine Person zu handeln, eine Schreibende, die, wie so viele (von uns) versucht Fuß zu fassen, in der Welt des Schreibens.
Der Kopf raucht, eine Idee wurde aufs kleinste durchdacht und auf Papier gebracht - jedoch ohne Erfolg. Er haucht Worte in die Nacht und kein Echo kommt zurück deutet darauf hin, dass er einfach unkommentiert, weil nicht erwähnenswert, gut genug, geblieben ist.

Ein verkanntes Genie!

Dazu kommt noch die Zeit, die vergebens war. Stunden um Stunden und am Ende noch der Schluss mit den Namen: Hier glaube ich den Sinn des Namens zu finden. Er ist einerseits darauf fixiert voran zu kommen, den Sprung zu schaffen, anderseits aber auch darauf seinen Namen dort zu lesen. Das ist es, so glaube ich, worauf er letztendlich hinaus will.
Das ans Glas drücken erinnert mich an faszinierte Kinder, die was sehen was sie unbedingt haben wollen. Der zeitliche Aspekt scheint mir nicht nur die vertane Zeit zu sein, sondern, dass sie verrinnt und irgendwann keine mehr da ist.

Also alles in allem gefällt mir der Text inhaltlich, sprachlich und formal sehr.
Ich hoffe ich liege nahe an deiner Intention.

Liebsche Grüße ausm Ösiland.
sEweil.

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#3

Fixierung

in Ausgezeichnete Lyrik 31.07.2005 20:55
von kein Name angegeben • ( Gast )
der text, die brüche,
die sich sogar wundersam fügen, wenn absätze folgen

genialgut 1+++

chapeau
noel

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#4

Fixierung

in Ausgezeichnete Lyrik 01.08.2005 09:37
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Hi sEweil, hi noel

Besten Dank für die Kommentare.

Ja, die Enjabements sind vielleicht etwas ungewöhnlich für mich (obwohl ich doch solch ein Fan davon bin), jedoch füge ich doch ab und zu eines ein, hier haben sie sich halt gehäuft.

Schlüssige Interpretation sEweil - danke bestens - nicht ganz an meiner Intention, aber das macht ja nüscht.

Freut mich, wenn ihr auch mal ein a-typisches Gedicht von mir mögt.

Beste Grüsse
Margot

P.S. Ah ja, die neue Rechtschreibung ... ehm.... ich schreibe seit jeher nach meinem Gefühl.

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#5

Fixierung

in Ausgezeichnete Lyrik 01.08.2005 11:30
von Arno Boldt | 2.759 Beiträge | 2758 Punkte
schließe mich - mit kleineren tönen zwar, aber doch bestimmt - noel und sEweil an.

grüße.
arno.

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#6

Fixierung

in Ausgezeichnete Lyrik 01.08.2005 12:55
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Danke Arno.

Gruss zurück
Margot

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#7

Fixierung

in Ausgezeichnete Lyrik 03.08.2005 20:45
von kein Name angegeben • ( Gast )
Die Bilder sind wahrlich genial, Margot.
Und als eingefleischtem Enjambement-Hasser ist es mir dennoch ein Vergnügen zu sagen, dass ich diese nie trefflicher eingesetzt gesehen habe. Endlich sind sie mal angewandt, ohne einen Text kaputtzumachen.

Ich gestehe Dir hiermit meinen unverhohlenen Neid.

Ich finde es toll!

liebe Grüße,
Flam

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#8

Fixierung

in Ausgezeichnete Lyrik 03.08.2005 22:50
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Danke Flam

.... und ich dachte mir noch beim Posten; das werden sie jetzt in Grund und Boden stampfen! Kenne sich da einer aus ....

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#9

Fixierung

in Ausgezeichnete Lyrik 08.08.2005 10:51
von Don Carvalho • Mitglied | 1.880 Beiträge | 1880 Punkte
Hallo Margot,

ich muss Dich enttäuschen: auch ich werde Deine Zeilen nicht in Grund und Boden stampfen.

Die Interpretation von sEweil ist schlüssig, auch wenn ich die Deutung einige Bilder für etwas gewagt halte. Das Problem: ich habe nichts besseres anzubieten! Ich war bei meinen Überlegungen schon beim Atombombenabwurf über Hiroshima angelangt (der Blitz, der die Namen an die Tür brennt ließ mich an das Bild der in die Wände gebrannten Schatten denken)... Du siehst, wie weit Du mich getrieben hast!

Einen Ansatz habe ich jetzt doch noch (mehrmaliges Lesen hilft manchmal), allerdings ist es mehr eine Ahnung, eine schlüssige Interpretation bekomme ich nicht hin:

Das lyrische Ich ist wieder einmal gescheitert beim Versuch sich umzubringen. Der Kopf lehnt am (noch? wieder?) geschlossenen Fenster, der Sprung in den Abgrund wurde wieder nicht gewagt. Der Rauch im Kopf ist vielleicht durch Zorn entstanden? Hm... Die verdrehten Worte irritieren mich - wie können sie in die Nacht entsendet werden, wenn das Fenster doch zu ist? Oder ist das der Grund für ihre Verdrehung? Hm hm... Vielleicht ist es mit der geistigen Gesundheit des lyrIchs auch nicht allzu weit her.

Das Papier in der Hand könnte hier ein Abschiedsbrief sein, warum er jedoch so viel Wärme versprüht, obwohl das Unterfangen doch gescheitert ist, bleibt fraglich. Womöglich weil es Mut gibt, das selbstmörderische Unterfangen doch irgendwann zu schaffen? Die Namen an der Tür bleiben - trotz Blitz - im Dunkeln. Vielleicht läuft das lyrIch tatsächlich nicht ganz rund und ist in einer psychatrischen Klinik, den eigenen Namen an der Tür. Selbstmordkanditaten haben ja durchaus Chancen, dort zu landen. Ist so auch der Titel einzuordnen? Denn Patienten werden ja ab und an fixiert, wenn sie sich selbst (oder andere) gefährden.

Auch wenn bei dieser Interpretation einige der Bilder untergebracht werden konnten, bleiben noch mehr Fragen offen, zuvieles passt hier nicht. Somit bleibt in meinen Augen sEweils Ansatz der Nachvollziehbarste. Unabhängig davon regen Deine Zeilen angenehm zum Grübeln an...

Die Enjambements über die Strophen hinweg sind Dir sehr gelungen, insbesondere da sich hier Hebungen und Senkungen konsequent abwechseln wird der Lesefluss nicht gestoppt, im Gegenteil wird man bequem zur nächsten Strophe getragen. Fast erwartete ich, dass die letzte Strophe kürzer bzw. der letzte Satz ebenso kurz wie die vorhergehenden endet - so möchte man eigentlich in die nächste Strophe gebracht werden... war doch zuvor doch immer der Fall^^.

In Str.3 solttest Du dem Relativsatz "die Stunden lacht" ein Paar Kommata spendieren. Außerdem würde ich hier, vor allem der Enjambements wegen darüber nachdenken, die Zeilenanfänge nicht konsequent groß zu schreiben, sondern da entsprechend den normalen Orthographieregeln zu verfahren... das würde den Fluss noch verstärken.

Auch wenn ich es nicht so recht verstehe: gefällt mir sehr gut, habe ich gern gelesen,


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#10

Fixierung

in Ausgezeichnete Lyrik 08.08.2005 13:02
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Hi Don

Auch dir ein Dankeschön für die Zeit, die du in meine Zeilen investiert hast. Und *Schweiss-abwisch*, dass es auch dir zu gefallen vermag. Als ich, bei der Benachrichtigung, deinen Namen las, dachte ich: Oha, jetzt kommt’s dicke!

Ich habe Satzzeichen vergessen? Wie ungewöhnlich, normalerweise schreibe ich eh immer zu viele. Danke für den Tipp, werde das gleich korrigieren und die Zeilenanfänge klein schreiben. Stimmt, das passt besser.

Betreffend der Interpretation: Ich dachte nicht an Atombomben, weder will sich da jemand vom Hochhaus stürzen. Nein, nein, viel trivialer (für mich), aber, wird sich leider wohl keinem so recht erschliessen – lach – quere Gedanken, as usual.

Beste Grüsse
Margot

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#11

Fixierung

in Ausgezeichnete Lyrik 08.08.2005 13:07
von Nonverbal • Mitglied | 407 Beiträge | 407 Punkte
hallo margot,

am besten gefällt mir die uhr, die stunden lacht. ein wirklich gelungenes werk! die situation kann ich wirklich gut nachvollziehen, weil es mir auch oft so geht.

und eine fixierung ist da der perfekte vergleich, man fühlt sich festgehalten,kann sich dem nicht entziehen...obwohl ich zuerst an die fixierung der hände und füße gedacht habe ( die ich im altenheim miterlebt habe)

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#12

Fixierung

in Ausgezeichnete Lyrik 08.08.2005 16:13
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Danke, Nonverbal. Freut mich, dass es dir gefällt. Ist immer schön für den Autor, wenn andere sich in die beschriebene Situation hineinfühlen können.

Grüsse
Margot

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#13

Fixierung

in Ausgezeichnete Lyrik 08.08.2005 17:27
von Don Carvalho • Mitglied | 1.880 Beiträge | 1880 Punkte

Zitat:

Margot schrieb am 08.08.2005 13:02 Uhr:
Als ich, bei der Benachrichtigung, deinen Namen las, dachte ich: Oha, jetzt kommt?s dicke!



?

Bin ich so schlimm?

Dass die Atombomben den Kern der Sache wohl nicht treffen, dachte ich mir ja schon. Neugierig, was es nun ist, bin ich dennoch... es ist also mal wieder alles viel einfacher, simpler? Grrr, ich hasse es, wenn Du so trivial bist .

Die veränderte Groß-/Kleinschreibung gefällt mir übrigens auch viel besser.


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#14

Fixierung

in Ausgezeichnete Lyrik 08.08.2005 21:42
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Schlimm? Nein, nein ..... *schmeichel*

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#15

Fixierung

in Ausgezeichnete Lyrik 12.08.2005 23:45
von Arno Boldt | 2.759 Beiträge | 2758 Punkte
Herzlichen Glückwunsch, Margot!!




Dein Gedicht "Fixierung" wurde zum


Gedicht des Julis 2005


gewählt.


Es darf gefeiert werden.....

Beste Grüße,
Moderation/Administration

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#16

Fixierung

in Ausgezeichnete Lyrik 18.08.2005 10:29
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
Hallo Margot!

Ich muss dir sagen, dass ich dein Gedicht mittlerweile heftig ablehne, obwohl ich, so glaube ich mich zu entsinnen, nicht unbeteiligt daran bin, dass es zum Dickfisch des Monats gewählt wurde.

Ja, natürlich hat mich das auch sofort gefangen, weil es sprachlich und formal großartig ist. Gleich in der ersten Strophe powerst du einem die Assonanzen um die Ohren, um das dann mit einem gewagten, strophenübergreifenden Enjambement noch zu toppen. Mit derartiger Fahrt in die zweite Strophe gestolpert, wird dort heftig gebremst, ohne dass das Werk insgesamt an Schwung verliert. Dafür sorgen die anhaltenden Wortspiele und Metaphern und wieder wird man in die nächste Strophe geschoben und in der versteht man dann immer weniger aber es macht einem (fast) nichts mehr aus.

Worum geht es? Nach vielfachem Lesen und Studieren, bin auch ich hinsichtlich der poetologischen Sichtweise fixiert. Wie das lyrische Ich hänge ich fest. Auch ich saß nächtens da und fixierte meine heiße Stirn an das kalte Glas meines Getränkes, den Kopf noch voller echtem Rauch und auch dem Rauch der Namen, die ich dem Kinde geben wollte. Namen sind Schall und Rauch, Schall gab es nicht, ich war allein und daher war nur Rauch in meinem Kopf. Und wieder kam ich nicht voran: So wie das lyrische Ich sich keinen tatsächlichen, so konnte ich mir keinen Reim auf das Gedicht machen.

Dann trug ich mir das Gedicht halblaut vor, drehte und wendete die Formulierungen, um ihnen so auf die Spur zu kommen und musste dabei an das lyr. Ich denken, wie es verdrehte Worte in die Nacht hauchte und kein Echo, keine Muse antwortete. Damit verbringt man Stunden, ohne voranzukommen. Man ist so fixiert und selbstvergessen, dass nicht einmal die Stundenschläge der Uhr einen zurückholen können. Das lyrische Ich ist auch in einer Art Trance, das Stück Papier in seiner Hand, vergilbt und vor allem korrigiert kann doch nur literarisch sein, wozu sonst die Korrekturen. Dieses Signal ist so stark...

...und ich merke gerade, dass ich ein rechter Idiot bin. Warum fange ich eigentlich nicht an, einen Kommentar zu schreiben, selbst wenn ich noch keine durchgängige Erklärung habe? Dann fällt es mir nämlich immer wieder wie Schuppen aus den Haaren. Nix mit Poetologie, schlicht um Abschied geht es hier. Nicht gleich komplett, aber doch aus dem bisherigen Leben. Und das Traurige ist, dass das lyrische Ich es einfach nicht schafft, es kommt nicht weg. Der Abschiedsbrief ist seit Jahren mehrfach überarbeitet, natürlich wärmt er die Hand, weil er das einzige Bisschen Hoffnung darstellt und in manchen Stunden gestattet sich das lyr. Ich die Tagträumerei, bis...

...da draußen im Leben oder meinetwegen in realiter ein Blitz niedergeht, es aus den Gedanken reißt und allegorisch die bisherigen Namen an der Tür festschreibt. Es könnte also um den Wunsch nach Trennung gehen und dieser sinnbildliche Blitz schreibt die tatsächlichen Namen an der tatsächlichen Haustür fest. Das kann aber auch alles nur sinnbildlich sein. Mir gefiel besonders das Zurückkehren zu den Namen nach meiner ersten Deutung, aber egal. Auf die Fixierung kommt die Dichterin ja tatsächlich zurück und schließt den Kreis.

Es ist wirklich von besonderer Traurigkeit, da das lyrische Ich doppelt fixiert ist: Auf seine eigene, als negativ erlebte Situation und auf den offenbar unerfüllbaren Wunsch nach Aufbruch. Da ist leider kompletter Stillstand.

Ein wirklich gutes Gedicht, mit dem ich mich so lange befasst habe, wie noch mit kaum einem anderen. Warum um Himmels willen lehne ich es ab? Ganz einfach, wegen S3Z2+3: „dafür erhellt ein Blitz und archiviert ...“. WOFÜR? Und der Blitz erhellt die Namen zunächst und dann archiviert er sie?

Meine These: Schwyzerdütsch. Das „dafür“ hat mit dieserhalb und desterwegen gar nichts zu tun, sondern soll nur den Gegensatz zu der wärmenden Hoffnung ausdrücken oder – noch wahrscheinlicher für mich – lediglich eine zeitliche Abfolge im Sinne von „dann“... Und der Blitz in der Schweiz, der zuckt und/oder erstrahlt nicht, nee, der erhellt. Nicht wen oder was, der erhellt schlicht.

Und jetzt bin ich gespannt, ob das so ist, denn dieser vermaledeite Halbsatz hat mir wochenlanges Grübeln (nicht ununterbrochenes, das stimmt) bereitet.

Fazit: Ein erneuter Beweis, dass in der Kürze Würze liegt, wenn es um Verdichtung geht. Ein schreckliches* Gedicht!

Digitally Yours

Muh


*stimmt nicht.

P.S.: Wer die Smilies vermisst: Das Programm verbot mir, solche zu benutzen. : (

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#17

Fixierung

in Ausgezeichnete Lyrik 18.08.2005 11:30
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Hi muh

Bezeiten „vorgewarnt“, dass da - von deiner Seite – noch was kommen würde, habe ich natürlich gezittert. ;-) Vielen Dank schon mal im Voraus für die Zeit und Mühe, die du dir für meinen Text genommen hast. Es tut mir natürlich wahnsinnig leid, dass du dir die Nächte um die Ohren geschlagen hast, um die Verse zu entwirren. Übrigens eine glatte Lüge, natürlich ist das ein schönes Kompliment für den Autoren, will er doch, dass „etwas“ beim Leser hängen bleibt.

Die letzte Strophe – bzw. die letzten Zeilen – sind der Knackpunkt an diesem Text. Schon an anderen Orten wurde darüber gerätselt, was ich damit meine. Vielleicht habe ich auch einfach Mist produziert, wa? :-D Und ich könnte mich jetzt in Stillschweigen hüllen, damit ich nicht blöd dastehe. Aber, das ist nicht meine Art. Sollte ich da Scheisse verfasst haben, dann darf man mich gerne dafür rügen. Ich werde einfach mal erklären, welchen Gedanken ich versuchte, zu Papier zu bringen.

Wie gesagt, ganz trivial, geht’s um Abschied und darum, dass das lyr. Ich den Absprung – wieder nicht – schafft. Gut gefunden und erklärt Sherlock. Die letzte Strophe ist so zu verstehen. Das Papier in der Hand ist der Abschiedsbrief (wurde bereits erwähnt). Er ist vergilbt und korrigiert, weil das lyr. Ich wohl schon mehrmals versuchte, zu erklären, weshalb es Zeit ist, einen Schlussstrich zu ziehen. Er wärmt, weil – wer je Abschiedsbriefe verfasst hat, kennt das vielleicht – man immer „Gefahr“ läuft, nicht nur das Schlechte und die Gründe aufzuschreiben, weshalb es zu einer Trennung kommt, sondern auch das Schöne und was alles in Erinnerung bleiben wird. Aber, natürlich bringen diese Zeilen, weder dem lyr. Ich noch dem Du eine Erkenntnis oder ein Weiterkommen, DAFÜR der Blitz. Der Blitz der Erkenntnis ist in der Lage, dem lyr. Ich seine Ausweglosigkeit zu zeigen. Er fixiert die Namen – ganz unoriginell, die Namensschilder der Türe – im hellen Licht. Es wird keinen Sprung voran geben, es wird kein Ausbrechen aus dieser Beziehung möglich sein. Die Situation lässt es nicht zu. Kapitulation. Über die Gründe bleibt der Leser im Dunkeln.

Ich hoffe, ich konnte mit meinen Erklärungen vermitteln, wie ich das meinte. Kann sein, dass es CH-Dialekt ist, für mich ist die Zeile – auch jetzt noch – eigentlich sinnig. Ich kann es auch nicht umschreiben, um mehr zu gefallen, sorry. :-/

Vielen Dank für das feedback muh, ich weiss das zu schätzen. :-)

Liebe Grüsse
Margot

P.S. Und danke an die 3 Abstimmer ;-)

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#18

Fixierung

in Ausgezeichnete Lyrik 18.08.2005 15:03
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Hallo Margot,

kann mich den Vorrednern nur anschließen, dass ich das Gedicht sprachlich, formal und von der Stimmung toll finde.

Mich läßt auch nur die letzte Strophe zucken, weil ich zum einen irgendwie fürchte, dass die Formulierung "die Namen an der Tür" - möglicherweise auch unbewußt - einem einem von mir mittlerweile verhassten Lied von Marianne Rosenberg entspringt. ;-) Zum anderen, weil mir trotz Deiner Erläuterung nicht einleuchten will, was Du mit Archivieren meinst und wie ein Blitz das vollführen soll. Ein Blitz erhellt den Raum und verschwindet dann. Alles ist so wie vor dem Blitz, es sei denn er schlägt irgendwo ein, was hier nicht der Fall ist. Archivierung ist aber eine Veränderung (Man nimmt etwas fort und steckt es ins Archiv). Wie vollzieht der Blitz die? Ich kann dieses Bild in meinem Kopf leider nicht zum Leben erwecken, weil es für mich nicht stimmig ist. :-(

Ansonsten wunderschön. :-)

Grüße
GW

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#19

Fixierung

in Ausgezeichnete Lyrik 18.08.2005 17:53
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Hi GW

Danke schön. :-) .... Nun, es ist natürlich schwierig, dir meine Bilder erklären zu wollen, auch wirkt das immer etwas hilflos ... *g ... aber ich kann dir gerne sagen, wie ich das meinte. Der Blitz ist nicht einfach ein Blitz, wie er während eines Gewitters vor kommt, sondern eben der Blitz der Erkenntnis. Die Archivierung erfolgt also durch das Begreifen, dass es keine anderen Namen an der Tür geben wird. Verständlicher? Wohl kaum - lach. Anyway. ;-)

Danke fürs Kommentieren.

Beste Grüsse
Margot

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