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#1

Der Gnom

in Düsteres und Trübsinniges 06.06.2005 14:02
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
Der Gnom


Hinter meterdicken Mauern hockt er auf dem Zwergenthron.
Seine Einsicht wird noch dauern, doch das Wissen hat er schon.
Manchmal späht er durch die Scharten, wer da an der Mauer pickt
und er kann es kaum erwarten, wen das Schicksal zu ihm schickt.

Doch was ist, wenn sie ihn sehen, die gedrungene Gestalt ?
Kann er je mit ihnen gehen ? Ängstlich starrt er auf den Spalt.
Schließlich stopft er alle Löcher, schmäht die Menschen an der Wand,
gibt sich als der Weisheit Rächer und bleibt lieber unerkannt.

Aber heimlich will er hoffen, dass es einen Menschen gibt,
der von Flüchen unbetroffen, diesen Wall beiseite schiebt.
Wer zu solcher Tat imstande, mag den Gnom als Mensch erkennen
und wenn nicht, dann wird die Schande ihm das heiße Herz verbrennen.

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#2

Der Gnom

in Düsteres und Trübsinniges 07.06.2005 00:14
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte
Hier bekommst du mal eine Kritik von mir:

Zwar ist die Wortwahl angenehm, der Rhythmus klar und das Thema ungewöhnlich und bis zur 2. Strophe auch interessant.
Doch in der 3. Strophe sackt das ganze zur Banalität ab, vor Allem die doch sehr simple und fast schon tragikomische letzte Zeile und man fragt sich ehrlich: Und?

Konnte mich nicht überzeugen.

Liebsten Gruß
Richard

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#3

Der Gnom

in Düsteres und Trübsinniges 07.06.2005 09:18
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
Hallo Richard!

Die Politik bekommt dir nicht, du bist so spitzzüngig geworden. Oder liegt es an mir?

Aber wie dem auch sei, dein Gespür hast du dir erhalten. Die dritte Strophe ist besch...eiden. Ich bin im Moment offenbar reichlich impotent, ich stehe die Gedichte nicht mehr bis zum Ende durch. Vielleicht sollte ich auch mal einen Abstecher in die Politik machen, dann könnte ich wieder herrlich böse sein.

Nicht nachvollziehen kann ich, dass das Gedicht inhaltlich zunächst gefällt und erst ab Strophe 3 nicht mehr. Für meine Begriffe ist der Spannungsbogen kongruent abgebildet. Gefällt dir die conclusio auch inhaltlich nicht oder ist sie nur banal beschrieben?

Die letzte Zeile ist allerdings tatsächlich schrecklich, ich werde das beizeiten umbauen (wenn ich kann). Danke für deine Kritik.

Digitally Yours

muh-q wahn

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#4

Der Gnom

in Düsteres und Trübsinniges 07.06.2005 23:56
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte
Mir gefällt an der dritten Strophe eigentlich in erster Linie nicht, dass es ein Thema aufgreift, dass etwas abgenutzt ist. Doch will ich damit nicht alte Antwortmuster aufwärmen, sondern das Thema könnte interessant ausgestaltet werden, wenn es nicht in so abgeflachte Worte verpackt wäre.
Hier haben wir am Ende dieses typische: Ich Armer, käm doch wer und erkenne meinen wahren Kern, unabhängig von meinem hässlichen Äusseren, denn schließlich hab ich doch eine goldene Seele. Ich stehe nicht so auf diese Mitleidstour. Ich steh auf Tat und nicht auf Rumgeheule.
Aber abgesehen davon ist die letzte Zeile inhaltlich und sprachlich einfach nur Banane.
Vielleicht würde eine gute letzte Zeile, die einen wirklich aufhorchen lässt, das Gedicht zu einer phantasievollen Metapher machen.
Aber du musst wissen, ob es dir das wert ist. Mich würde es interessieren, wie es wirkt mit einer interessanten letzten Zeile.

LG Richard

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#5

Der Gnom

in Düsteres und Trübsinniges 08.06.2005 00:00
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
Ja, interessiert mich jetzt auch. Und nur damit das klar ist: Der Gnom ist nicht mein alter ego! Phew.

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#6

Der Gnom

in Düsteres und Trübsinniges 08.06.2005 00:02
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte
Vermutete ich auch nicht-weder Oben noch Unten...

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#7

Der Gnom

in Düsteres und Trübsinniges 08.06.2005 00:04
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
Du royalistisches Schandmaul.

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#8

Der Gnom

in Düsteres und Trübsinniges 08.06.2005 10:16
von sEweil | 654 Beiträge | 654 Punkte
Es ist der muh, der mich umgibt
der böse Worte in mich siebt
der Mauern baut und Lämmer reißt
und auf die Royalistik scheißt.


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#9

Der Gnom

in Düsteres und Trübsinniges 16.06.2005 13:20
von Nonverbal • Mitglied | 407 Beiträge | 407 Punkte
eine traurige vorstellung... hoffentlich blickt bald jemand hinter die gedrungene gestalt, und blickt auf seine seele sobald.

Deine wortwahl finde ich sehr gelungen,obwohl mich die vorletzte zeile irgendwie stört... ich hätte nicht erwartet das hinter dem kleinen gnom ein mensch steckt.. wäre gern in der fantasy-vorstellung geblieben... ( ich habe an Gollum denken müssen)

liebe grüße franzi

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#10

Der Gnom

in Düsteres und Trübsinniges 16.06.2005 13:29
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
Danke, Nonverbal. Es freut mich, wenn es doch nicht ganz unerträglich ist. Allerdings ist die Bezeichnung Gnom hier nur allegorisch verwendet: Es geht um einen seelischen/charakterlichen Zwerg. Deine Assoziation gefällt mir: Gollum ist ja auch nur ein Halbling wie du und ich, insofern kann man auch diese Person als Allegorie verstehen.

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#11

Der Gnom

in Düsteres und Trübsinniges 16.06.2005 13:37
von Nonverbal • Mitglied | 407 Beiträge | 407 Punkte
Ähm.... kannst du mir den Begriff Allegorie genauer erklären?
ich weis damit überhaupt nichts anzufangen... sorry..

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#12

Der Gnom

in Düsteres und Trübsinniges 16.06.2005 13:40
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
Eine Allegorie ist im Prinzip nichts anderes als ein Bild. Wenn du etwas abstraktes plastisch und möglichst einleuchtend darstellen willst, bedienst du dich einer Allegorie: hier also der körperlich missgestaltete Mensch als Sinnbild des Charakterkrüppels.

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#13

Der Gnom

in Düsteres und Trübsinniges 16.06.2005 13:48
von Nonverbal • Mitglied | 407 Beiträge | 407 Punkte
achso okay... also ist das sowas ähnliches wie eine Metapher... danke dir!

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