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#1

Die gewachsene Maske oder der alte Held

in Philosophisches und Grübeleien 22.05.2005 22:06
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte


    Die gewachsene Maske oder der alte Held
    (für M.)


    In all den vielen, langen Jahren,
    da alterte bloss mein Verstand,
    schien manches mir auch festgefahren,
    so sucht ich stets doch neues Land.

    Ich liess mich schleifen, formen, runden -
    verlor zuweilen Wort und Laut -
    und oft, in stillen, wehen Stunden,
    da hab ich kurz zurückgeschaut.

    Zu jenen Tagen, fern vom Heute,
    wo Mut und Kühnheit grenzenlos,
    und Falschheit eine leichte Beute,
    die ich enttarnte - mühelos.

    Die Maske wuchs, erst leicht und flüchtig,
    ein Hauch nur auf der jungen Haut,
    doch bald schon hielt sie eifersüchtig,
    mit eisern Hand, was sie gebaut.

    Heut sitz ich hier, bin eingefroren,
    in etwas, das mich bald zerdrückt.
    Kein Mensch entkommt dem ungeschoren,
    selbst mir, dem Held, ist’s nicht geglückt.



    (c) Margot S. Baumann





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#2

Die gewachsene Maske oder der alte Held

in Philosophisches und Grübeleien 23.05.2005 12:55
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Hallo Margot,

spricht mich formal und inhaltlich sehr, sehr an.
Was mir besonders gefällt ist, dass das Gedicht durch die einheitliche Sprache und Form schön fließt und zusammengehalten wird, du dennoch in jeder einzelnen Strophe jeweils einen anderen Aspekt des behandelten Themas beschreibst bzw. eine andere Entwicklungsstufe, und alles ergibt dann ein schlüssiges Ganzes.

Ich bin bloß in der vierten Strophe über den letzten Vers gestolpert. Das Bild der wachsenden Maske, die bald eifersüchtig festhält, was sie umschließt finde ich sehr gut. Rein vom Gefühl her funktioniert das Bild bei mir aber nicht so recht von der Maske, die auch etwas wächst, was sie am Schluß aber selber gebaut hat. Die Maske konserviert etwas, das vorher schon da war und am Schluß hält sie das was sie gebaut hat und nicht das, was sie bewachsen hat.
Ich weiß nicht, ob ich mich verständlich ausdrücke, aber ich nehme mal an das diese Formulierung im vierten Vers auch ein wenig dem Reim geschuldet ist. Ist vielleicht auch etwas pingelig von mir.

Aber sonst find ich's super.

Grüße
GerateWohl

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#3

Die gewachsene Maske oder der alte Held

in Philosophisches und Grübeleien 23.05.2005 21:18
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Hi GerateW.

Vielen Dank für die netten Worte.
Bezüglich der angesprochenen Stelle. Ich wollte dadurch verdeutlichen, dass die Maske sich ihre Umgebung - also ihr Revier - bewusst aufgebaut hat. Zuerst war's wohl kaum zu merken, vielleicht sogar natürlich. Erst mit der Zeit wurde dem Protagonisten klar, was sich da tut und da war es schon zu spät, weil die Fessel bereits zu stark war. Ich hoffe, ich konnte mich verständlich machen.

Beste Grüsse
Margot

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