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#1

Trennung und Hoffnung

in Liebe und Leidenschaft 09.05.2005 09:41
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Hallo allerseits,

als Neuling in dem Forum stelle ich zur Begrüßung einen lyrischen Ausguss meines letzten Wochenendes ein:

Trennung und Hoffnung

Noch immer mich die Frage quält,
die mündete in uns zwei Neins.
Ihr Schweigen quält - wie Du - so stur.
Mit Anlauf und mit Rückenwind
alleine der Gedanke zählt,
doch zählt er gerade mal bis eins,
und zwar allein sich selber nur
wie ein kleines, dummes Kind.

Geliebter und gelebter Wunsch,
erfüllt nun bis zum Rand mit Gram,
längst vergangen an uns beiden,
hat sich und uns zugesetzt.
Lichtschein trügte manchen Flunsch,
gezogen und zurück in Scham.
Hoffnung konnte nichts vermeiden,
doch ganz brav stirbt sie zuletzt.


(c) Gunter Scholtz

Für mein Gefühl bin ich in der Kategorie hier richtig. Oder gehört sowas eher in "Düsteres und Trübsinniges"?

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#2

Trennung und Hoffnung

in Liebe und Leidenschaft 09.05.2005 21:46
von Feaníl (gelöscht)
avatar

hallo, guten tag, herzlich willkommen.

natürlich kannst du selbst entscheiden wo ein gedicht hin soll, hier ist es bestimmt nicht ganz falsch

zu den zeilen:
die frage, ja sie quält und mählt die kinderhorden rückenwind. hm, mein 'problem' mit deinen zeilen ist die breite weite der assoziazionsmöglichkeiten. frage / wunsch / hoffnung / lichtschein / rückenwind - schweigen / Gram / Flunsch / Neins / Scham / stirbt. mag sein dass ich es einfach nicht fassen kann, aber ich kanns nicht fassen!

inhaltlich sehe ich ein du und ein ich, wobei das du sowohl person als auch der wunsch (die frage) ist. nebenbei wird er auch mal gedanke. und da ist dann der wunsch der geliebt und gelebt wurde, bis er sich doch nur als hoffnung entpuppt die ganz ordentlich ihre arbeit tut.
falls mir noch was kluges (klügeres) einfällt wirst du's merken, bis dahin..

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#3

Trennung und Hoffnung

in Liebe und Leidenschaft 10.05.2005 02:05
von Wilhelm Pfusch • Administrator | 1.955 Beiträge | 1940 Punkte
Aufs Geratewohl muss ich doch auch mal etwas hierzu schreiben Erst mal herzlich Willkommen im Tümpel, wohlgeratener Welchiger, schön, dass du wohlbehalten in den Tümpel gerietst. Um mich deinem hiesigen Erstlingswerk zu widmen, musste ich doch glatt den Flunsch nachschlagen.... Wer also einen Flunsch zieht, zieht, (um es hochdeutsch auszudrücken) ne Fresse, als hätte er einmal zu oft Nachschlag bekommen, mit dem Vorschlaghammer z. B.

zum Inhalt: Hier scheint eine Beziehung an einer wichtigen Frage zerbrochen zu sein (Kinder oder Indien z. B. ) Ganz auffällig gleich zu Beginn: Das lyr. Ich führt sich ein, und dann als Teil zweier "Neins", auffällig auch deshalb, dass die Frage beide Partner zur selben Antwort brachte, also Übereinstimmung ? Mitnichten, dafür ist die Stimmung zu negativ. Weiter heisst es, die Frage schweigt, sie wurde also de facto totgeschwiegen. Nicht einmal Anlauf und Rückenwind zusammen können die verhärteten Fronten wieder mobilisieren. (Und selbst wenn er seine Front aktiviert, meistens sind doch die Männer unfruchtbar ) Doch, selbstkritisch und anklagend erkennt das lyrIch, dass der Gedanke keine der beiden Stirnmauern mehr durchbricht, beide sind zu egoistisch für Kompromisse.
Geliebter und gelebter Wunsch,
erfüllt nun bis zum Rand mit Gram,
Ich denke stark an den Kinderwunsch, man hatte schon ein Kinderzimmer eingerichtet etc. Doch selbst aller Rückenwind und Anlauf (Arzt Therapie... Unfruchtbarkeit unüberwindbar ?) half nichts und der Wunsch wurde mit Gram erfüllt, die Zeit drängte doch der Drang kränkte, der Schwangerschaftstest blieb negativ, und die Zeit lief davon, denn
längst vergangen an uns beiden,
hat sich und uns zugesetzt.

Dann hat man sich auch noch etwas vorgemacht, kurze schöne Momente reichten dazu schon aus.
Lichtschein trügte manchen Flunsch,
gezogen und zurück in Scham.
Hier ein Wortspiel, der Flunsch wird gezogen und dann doch zurückgezogen zu einem Gesicht der Scham. Lichtschein selbst ist da ja auch ein berühmtes Wort, der Schein des Lichts kann in diesen beiden Versen seine beiden möglichen Bedeutungen voll auskosten, sehr geschickt arrangiert. Der Flunsch, das Verzweifeln also, wurde noch zurückgezogen, da war also noch Hoffnung, die jedoch mit den letzten beiden Zeilen endgültig stirbt. Es wird kein Kind geben, und die Partnerschaft ist an diesem Manko wohl zerbrochen.

Du hast ein recht seltenes Reimschema benutzt, um die Reime klingen zu lassen musste ich mehrmals ansetzen, da ein Reim nach 4 Zeilen ein wenig Übung braucht um zu klingen, und er erklingt dazu noch so selten. Gerade deshalb gefällt mir das Schema, es hebt sich ab. Da ich in der ersten Strophe die ersten 5 Verse jambisch betone, holpere ich leider ab dem 6.

Noch immer mich die Frage quält, xXxXxXxX
die mündete in uns zwei Neins. xXxxxXxX oder xXxXxXxX
Ihr Schweigen quält - wie Du - so stur. xXxXxXxX
Mit Anlauf und mit Rückenwind xXxXxXxX
alleine der Gedanke zählt, xXxXxXxX
doch zählt er gerade mal bis eins, XxXxXxXxX
und zwar allein sich selber nur xXxXxXxX
wie ein kleines, dummes Kind. XxXxXxX

(Ich komme mir fast vor als zählte ich hier Silben wie ein dummes kleines Kind )
Ich unterstelle fast Absicht, aber der Bruch und Umschwung erschliesen sich mir nicht an diesen Stellen, schliesslich erfolgt die Beschreibung fortlaufend, vielleicht soll aber auch die Sturheit/Dummheit unterstrichen werden.

Abschliesend kann ich sagen; es machte Spaß sich mit deinen Zeilen auseinanderzusetzen, sie sind leicht geschrieben, (leicht ganz im Gegensatz zum Inhalt,) und gut zu erschliessen, wie auch in der richtigen Kategorie
Einzig und allein der Schluss stößt mir etwas auf, die Hoffnungsphrase ist zwar absolut passend, aber eben doch etwas abgedroschen, doch das ist meine rein subjektie Meinung. Ich hätte mir einen etwas derberen Schluss gewünscht, vielleicht mit einer Prise schwarzem Humor, wieder subjektiv.

Auf eine frohe Tümpelzeit, mal gespannt was du als nächstes springen lässt

Grüßle,
Willi

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#4

Trennung und Hoffnung

in Liebe und Leidenschaft 10.05.2005 08:59
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Danke für das Feedback.

@Willi, danke für die detaillierte, wirklich gute Analyse. Vielleicht sage ich auch noch mal ein kleines Wort zu den Zeilen.
Es geht natürlich um eine gescheiterte Beziehung und die Trauer darüber, zudem um die Ratlosigkeit, woran es denn im Kern gescheitert ist, trotz Wunsch nach und Glauben an die große Liebe.
Das mit dem Kinderwunsch finde ich sehr interesant. Da werde ich nochmal in mich hineinhorchen.

Grüße
GW

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