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#1

Blaue Träume

in Düsteres und Trübsinniges 01.04.2005 16:12
von kein Name angegeben • ( Gast )
Hallo, Veni!

Die wenigen metrischen Unebenheiten vergibt Dir der Vortrag des Gedichtes sofort.
Bis auf eine einzige.

Zitat:

Auch in mir bricht so mancher dürre Zweig


Unter Auslassung des Wortes "so" wäre das ganze deutlich glatter geworden. Allerdings mag es sein, dass das von Dir beabsichtigt war, denn es geht ja mit dem Brechen der Zweige einher, mit dem persönlichen Stolpern über die Dinge, die man verloren hat.

Überdenke nochmal die inhaltliche Bedeutung des Wortes sehnsuchtsheischend. So, wie ich es verstünde, träfe es hier nicht wirklich den Sinn dessen, was Du sagen möchtest.

Gut gefallen hat mir der spärliche Umgang mit Reimen und Assonanzen. Im Schlussvers war der Reim deutlich zu spüren, ohne dass man sofort gewusst hätte, woher er denn nun kommt. Sowas finde ich schon ganz angenehm und doch interessant.

Von den Metaphern her ist die einleitende Zeile wohl die ungewöhnlichste und stärkste. Synästethisch arbeitend entfremdest Du den Leser direkt von den Bildern und er wird gezwungen zu erfassen, worum es Dir geht.
Die anderen Bilder verlieren daneben leider ein bisschen, obwohl deutlich zu spüren ist, dass Du Dich auch hier um Originalität jenseits des Gebräuchlichen bemühst.
Das wirkt zum Teil aber ein wenig erzwungen. So zum Beispiel bei
Zitat:

Kein leichter Atem kitzelt meinen Mut



Alles in allem sehr gefällig und doch dazu anregend über das bloße Lesen hinaus ein wenig tiefer einzudringen und sich weitere Schichten zu erschließen. Schön.

liebe Grüße,
Flam

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#2

Blaue Träume

in Düsteres und Trübsinniges 06.04.2005 13:52
von kein Name angegeben • ( Gast )
Hallo, Veni!

Also das "in" hätte ich gar nicht betont als Leser. Eher das "mir" aus dem vermuteten Sinnzusammenhang als Vergleich heraus. Aber ok.

Heischend bedeutet für mich bettelnd, suchend. Sehnsuchtsheischend würde also um Sehnsucht bettelnd bedeuten. Wahrscheinlich meinst Du "sehnsüchtig bettelnd" und ich war wieder nur zu sehr in den mir zu eigenen Wortbedeutungen gefangen um es sofort richtig zu verstehen.

Das mit der Metapher ist am schwierigsten zu erklären. Zuallererst ist es nur das Gefühl beim Lesen, das sie mir leicht unbeholfen erscheinen lässt. Ich versuche das zu konkretisieren, ist aber nicht einfach für mich:

Atem und Mut haben erstmal nichts offensichtliches miteinander zu tun. Dazu kommt, dass beide personifiziert werden. Der Atem kitzelt und der Mut hätte gekitzelt werden können. Die Vermutung, dass das lyrische ich nicht leicht zu atmen hat und deswegen ein wenig mutlos ist liegt nahe, aber es wirkt dadurch dann um so befremdender, uneleganter ausgedrückt. Ich habe nicht leicht zu atmen und deswegen fehlt mir der Mut. Ich kann das nur ganz schwer nachvollziehen. Eigentlich gar nicht. Alles in allem scheint mir das Bild in sich zu verdreht zu sein.
Hm. Wahrscheinlich ist es eher mein Erklärungsversuch hier, der verdreht wirkt?
Ich bin ganz schlecht im Erklären, fürchte ich.

liebe Grüße,
Flam


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