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#1

Abgang

in Düsteres und Trübsinniges 08.02.2005 02:37
von Ahsil (gelöscht)
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Nachtgewand von nun ade.
Ich ziehe dich vom roten Fleisch
und tarne schwarz, was einst geschah.

Kränze zieren jedes Grab,
dass deine Hände tief geschürft.
Es blühen alte Rosen schön,
verbannen fauligen Geruch.

Ewig wird wohl Stille sein
am Orte hier, voll Einsamkeit,
wo ihr, ihr Lieben, schlummernd liegt.
Seid jetzt des Schlafes Untertan.

Nachtgewand, warst Du mir Knecht,
so sei vom Tage an erlöst.
Mein Henker, Obdach, Treueschwur.

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#2

Abgang

in Düsteres und Trübsinniges 09.02.2005 10:45
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
Oha, ein unberührtes Gedicht blüht hier in voller Schönheit am Wegesrand. Zu früh
gefreut, mein lieber Ahsil, ich pflücke es doch, ich kann keiner Jungfräulichkeit widerstehen !

Zumal wenn sie so sprachlich gewandt und melodiös daherkommt. Was es an Reim entbehrt, macht es durch die Metrik wett. In ewigem Crescendo steht es wunderbar zum Titel in Konkurrenz: Der Abgang wird in diesem famosen Abgesang zu einem finale furioso. Der Dichter schwelgt förmlich in seiner Sprache und ich schwelge mit und schaue dadurch auch weniger kritisch auf den Inhalt. Der wird mir im Großen und Ganzen schon klar, zumal die direkten Hinweise Legion sind. Leider ist mir das Nachtgewand, um das der Kreis sich schließt, nicht klar geworden. Das lyr. Ich legt es ab, zieht es sich ab und tarnt das rote Fleisch schwarz. Das Nachtgewand ist ja wohl auch dunkel, warum also ablegen ? In S2 wird das lyr. Du angesprochen und das ist doch das Nachtgewand !? Wie hätte das die Gräber schürfen können ? Stirbt hier der Totengräber oder sogar der Sensenmann selbst ? Das wäre meine Lieblingsinterpretation.

Wie auch immer: Ich hatte und habe ästhetisches Vergnügen beim Lesen. Es macht einfach Spaß, noch mehr beim lauten Vortrag. Ich empfinde das als sehr gelungen, Ahsil und lasse es jetzt doch in aller Schönheit hier blühen. Vielleicht kommt ja doch noch ein Berufenerer vorbei und klärt mich weiter auf.

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#3

Abgang

in Düsteres und Trübsinniges 09.02.2005 15:32
von Ahsil (gelöscht)
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hui, mit solchen Worten rechne ich wohl am wenigsten. Aber Reime hielt ich, auf Grund der nur teilweisen Ordnung im lyr. ICh nicht für angebracht.
NA ja, nachdem ich in deinen Worten geschwelgt habe , werde ich etwas Inhalt abgeben...
Das Nachtgewand ist das lyr. Du und hat die Gräber gegraben. Eben eine Personifikation . Ich denke, dass das Grundsymbol das NAchgewand ist, und wenn man sich auf eine Bedeutung festlegt, bekommt man auch eine spezielle INterpretatio heraus.
Und das rote Fleisch wird nicht mit dem Schwarz des Gewandes getarnt. Das Fleisch wird ja gerade freigelegt.
Das Vergangne wird versteckt...
NA ja, ich sollte keinem die Freude an der Interpretation nehmen

Grüße und Danke für die schönen Worte

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