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#1

Wilhelm Busch (1832-1908)

in Rumpelkammer 16.01.2005 20:31
von Wilhelm Pfusch • Administrator | 1.989 Beiträge | 2007 Punkte
Ich suche von Wilhelm Busch ein Gedicht in dem es um seinen eigenen Tod geht. Ich kann mich noch erinnern das ein Rucksack erwähnt wird, sein Wanderstock und ein Stein über den er stolpert.

Denn dieses Gedicht würe ich hier gerne sehen, um auch diese Kategorie mal mit Leben zu erfüllen. Ich suche natürlich auch selbst schon fieberhaft danach, aber wenn jemand weiss welches ich meine ersparte mir das einen Haufen Sucharbeit.

Hat sich erledigt habe es gefunden^^ Ich wollte das es gelesen wird, da die einfache humorige Art vom alten Wilhelm mir oftmals lieber ist als allzu kryptische metrische Wortschnipsel^^ Manche sagen er war kein begabter Dichter, doch kann er dem Großteil der Hobbydichter ein Vorbild sein, denn auch einfache direkte Dichtung hat etwas charmantes für sich.
Dieses Gedicht spiegelt seinen Stil sicherlich hervorragend wieder.

Mein Lebenslauf ist bald erzählt. -
In stiller Ewigkeit verloren
Schlief ich, und nichts hat mir gefehlt,
Bis daß ich sichtbar ward geboren.
Was aber nun? - Auf schwachen Krücken,
Ein leichtes Bündel auf dem Rücken,
Bin ich getrost dahingeholpert,
Bin über manchen Stein gestolpert,

Mitunter grad, mitunter krumm,
Und schließlich mußt' ich mich verschnaufen.
Bedenklich rieb ich meine Glatze
Und sah mich in der Gegend um.

O weh! Ich war im Kreis gelaufen,
Stand wiederum am alten Platze,
Und vor mir dehnt sich lang und breit,
Wie ehedem, die Ewigkeit.


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#2

Wilhelm Busch (1832-1908)

in Rumpelkammer 17.01.2005 19:45
von MrsMerian (gelöscht)
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Zitat:

Wilhelm Bush schrieb am 16.01.2005 20:31 Uhr:
Manche sagen er war kein begabter Dichter, doch kann er dem Großteil der Hobbydichter ein Vorbild sein, denn auch einfache direkte Dichtung hat etwas charmantes für sich.




Das sehe ich ganz genau so. Es ist ja auch nicht so, dass man sich nach einem langen Tag noch immer den Kopf zerbrechen will über Metaphern, die einem dann die ganze Nacht schwer im Magen liegen.
Ja, so ein lockeres, witziges Gedicht, mit einer kleinen Moral oder Pointe am Ende, das hat auch was. Vorallem: Wie sollte man sinst die Kinderchen von Gedichten überzeugen?

Und wer auch immer ihm unterstellt, er sei kein guter Dichter gewesen, er kann wahrlich ein Vorbild sein, vorallem, was die anscheinende Leichtigkeit angeht... bei mir würden sich die Worte in den Zeilen biegen und zwischen den Kommas drücken, ...
Außerdem ist sein Lebenswerk und Ruhm schon ein Indiz dafür dass sein Schreibstil gemocht wurde/ wird und welches für sich spricht.

LG
Mrs.

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#3

Wilhelm Busch (1832-1908)

in Rumpelkammer 17.01.2005 23:43
von Wilhelm Pfusch • Administrator | 1.989 Beiträge | 2007 Punkte
Dafür könnte ich dich jetzt knutschen ^^ ich stimme 100%ig überein! Das tollste an ihm war sicherlich da er sozusagen den Comic erfunden hat der ja nach langem Kampf endlich teilweise als Kunst anerkannt wird

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#4

Wilhelm Busch (1832-1908)

in Rumpelkammer 17.02.2005 17:39
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
Kein großer Dichter ? Nach wessen Maßstab ? Es mag ja sein, dass ihn seine Bildergeschichten zu Recht weltberühmt gemacht haben, er hat aber sehr wohl auch "ernsthafte" Gedichte geschrieben, die denen vieler anderer Großer nicht nachstehen.

Aber selbst wenn nicht, so ist der Esprit seiner Verse gar nicht genug zu loben. Diese Schwerelosigkeit soll erst einmal erreicht werden !

Ist nicht der ein großer Dichter, dessen Worte/Phrasen/Verse in die Alltagssprache Einzug halten ? Wenn ja, kennt jemand neben Goethe einen Dichter, dem das mehr gelungen wäre, als Busch ? Ich nicht. Ich verehre Busch mindestens noch so sehr, wie ich ihn mit 8 Jahren geliebt habe. Und heute kenne ich ein paar Dichter mehr ...

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#5

Wilhelm Busch (1832-1908)

in Rumpelkammer 12.04.2005 16:29
von kein Name angegeben • ( Gast )
Diese Rumpelkammer ist ja eine richtige Schatztruhe mit einer Perle von Gedicht von Wilhelm Busch. Ich kannte es noch nicht und freue mich sehr, so etwas Schönes hier gefunden zu haben

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#6

Wilhelm Busch (1832-1908)

in Rumpelkammer 12.04.2005 23:01
von Wilhelm Pfusch • Administrator | 1.989 Beiträge | 2007 Punkte
Ja da verstecken sich doch zwischen all den Karpfen hier auch klammheimlich ein paar Kois

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#7

Wilhelm Busch (1832-1908)

in Rumpelkammer 13.04.2005 21:21
von kein Name angegeben • ( Gast )
Kois sind doch zum Essen zu schade. Aber so ein schmackhafter Karpfen - muss ja nicht blau sein - also, je zahlreicher desto besser

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#8

Wilhelm Busch (1832-1908)

in Rumpelkammer 01.03.2006 16:02
von Mattes | 1.141 Beiträge | 1141 Punkte
Aus aktuellem Anlass uns allen ins Stammbuch:

Fink und Frosch


Im Apfelbaume pfeift der Fink
sein: pinkepink!
Ein Laubfrosch klettert mühsam nach
bis auf des Baumes Blätterdach
und bläht sich auf und quackt: "Ja, ja!
Herr Nachbar, ick bin och noch da!"

Und wie der Vogel frisch und süß
sein Frühlingslied erklingen ließ,
gleich muss der Frosch in rauen Tönen
den Schusterbass dazwischen dröhnen.

"Juchheija, heija!" spricht der Fink.
"Fort flieg ich flink!"
Und schwingt sich in die Lüfte hoch.

"Wat!" ruft der Frosch, "Dat kann ick och!"
Macht einen ungeschickten Satz,
fällt auf den harten Gartenplatz,
ist platt, wie man die Kuchen backt,
und hat für ewig ausgequackt.

Wenn einer, der mit Mühe kaum
geklettert ist auf einen Baum,
schon meint, dass er ein Vogel wär,
so irrt sich der.

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#9

Wilhelm Busch (1832-1908)

in Rumpelkammer 02.03.2006 22:46
von Wilhelm Pfusch • Administrator | 1.989 Beiträge | 2007 Punkte
Bravo. Großartig!
Obwohl sie nicht an der großen Glocke hängen, sind diese Verschen mir lieber als die ganze Schiller(g)locke

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#10

Wilhelm Busch (1832-1908)

in Rumpelkammer 03.03.2006 17:23
von Knud_Knudsen • Mitglied | 994 Beiträge | 994 Punkte
Da wir gerade bei Vögeln sind:

Es sitzt ein Vogel

Es sitzt ein Vogel auf dem Leim,
er flattert sehr und kann nicht heim.
Ein schwarzer Kater schleicht herzu,
die Krallen scharf, die Augen gluh.
Am Baum hinauf und immer höher
Kommt er dem armen Vogel näher.
Der Vogel denkt: Weil das so ist
und weil mich doch der Kater frisst,
so will ich keine Zeit verlieren,
will noch ein wenig quinquillieren
und lustig pfeifen wie zuvor.
Der Vogel, scheint mir, hat Humor.

Wilhelm Busch


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#11

Wilhelm Busch (1832-1908)

in Rumpelkammer 04.03.2006 00:12
von Roderich (gelöscht)
avatar
Hallo Knud,

danke fürs Hineinstellen - ein wirklich großartiges Gedichtchen. Lese ich immer wieder gern und schön, dass es nun auch hier verewigt ist.

Grüße

Thomas

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#12

Wilhelm Busch (1832-1908)

in Rumpelkammer 28.09.2008 15:38
von Wilhelm Pfusch • Administrator | 1.989 Beiträge | 2007 Punkte
Gemartert

Ein gutes Tier
Ist das Klavier,
Still, friedlich und bescheiden,
Und muß dabei
Doch vielerlei
Erdulden und erleiden.

Der Virtuos
Stürzt darauf los
Mit hochgesträubter Mähne.
Er öffnet ihm
Voll Ungestüm
Den Leib gleich der Hyäne.

Und rasend wild,
Das Herz erfüllt
Von mörderlicher Freude,
Durchwühlt er dann,
Soweit er kann,
Des Opfers Eingeweide.

Wie es da schrie,
Das arme Vieh,
Und unter Angstgewimmer
Bald hoch, bald tief
Um Hilfe rief,
Vergess' ich nie und nimmer.



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#13

RE: Wilhelm Busch (1832-1908)

in Rumpelkammer 24.12.2010 09:16
von chip | 401 Beiträge | 386 Punkte

Der Stern

Hätt`einer auch fast mehr Verstand
als wie die drei Weisen aus Morgenland
und ließe sich dünken, er wäre wohl nie
dem Sternlein nachgereist, wie sie;
dennoch, wenn nun das Weihnachtsfest
seine Lichtlein wonniglich scheinen läßt,
fällt auch auf sein verständig Gesicht,
er mag es merken oder nicht,
ein freundlicher Strahl
des Wundersternes von dazumal.

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#14

RE: Wilhelm Busch (1832-1908)

in Rumpelkammer 20.09.2015 11:00
von gheggrun | 377 Beiträge | 377 Punkte

Die Affen v.W.Busch
Der Bauer sprach zu seinem Jungen: "Heut' in der Stadt, da wirst du gaffen.
Wir fahren hin und seh'n die Affen. Das ist gelungen, um sich schief zu lachen.
Was die für Streiche machen und für Gesichter, wie rechte Bösewichter.
Sie kraulen sich, sie zausen sich, sie hauen sich, sie lausen sich,
beschnuppern dies, beknuppern das und keiner gönnt dem andern was,
und essen tun sie mit der Hand, und alles tun sie mit Verstand,
und jeder stiehlt alswie ein Rabe. Pass auf, das siehst du heute!"
"Oh, Vater", rief der Knabe,"sind Affen denn auch Leute?"
Der Vater sprach:"Nun,ja, nicht ganz, doch so beinah."


Hastanirwana
GHEG
zuletzt bearbeitet 20.09.2015 11:02 | nach oben


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