Hallo Oliver,
ich empfinde das Ding als ganz passabel, 100 Punkte gibts nicht, aber doch mindestens wenn nicht noch mehr! Das hat nichts zu heißen und ist verdammt subjektiv, gerade wenn man sich auch selbstkritisch den Spiegel vor die Nase hält, was heißen soll: mir gefällt es, jedoch nicht ausnahmslos.
Die ersten 2 Strophen gefallen mir am besten, ja genau die, sie tropfen über vor Sarkasmus, ja was sag ich, Zynismus, aber ganz sanft, wie beginnende Übelkeit mit heftigen Folgeerscheinungen.
Zitat von oliver64
Die fette Laus am Wohlstandssack,
die keinen Blick für ihren Nachbarn hat,
muss sich nicht wundern,
wenn sie eines schönen Tages
zertreten wird.
...in der 2. Zeile holpert es, wenn ich es für mich lese, in meinem Rhythmus den ich dem Ganzen intern aufzwänge, beim "ihren"...
Zitat von oliver64
Ob Komasaufen, Amoklaufen,
Dum-dum gelaufen;
dieses Bisschen Blutzoll
ist kein zu hoher Preis
für Speck.
... da sich der Text moderner Sprache bedient, und eventuell auch sonst, würde hier vielleicht "das bisschen Blutzoll" gefälliger erscheinen, muss aber nicht...
Zitat von oliver64
In dem Moment
deines Entsetzens
über diesen Text
sind wieder 11
verhungert.
...HIER bekomme ich Probleme, ICH, der Leser wird direkt angesprochen, das würde jedoch voraussetzen, dass ICH entsetzt BIN. Bin ich aber nicht, und nun? -nicht so und auch nicht anders. Das liegt weder an der abgestumpften Sicht dieser unserer Realität, sondern eher daran, dass dieser Text mir hier seine Meinung aufzwängen will, das löst bei fast allen des Lesens fähigen eine emotionale Gegenreaktion aus, eben weil man es verwehren will.
Mal davon abgesehen ist hier auch sprachlich nicht alles so sauber, wie es könnte, das ginge durchaus runder.
Zitat von oliver64
Im nächsten auch.
Vielleicht sollte hier etwas unterstrichen werden? Aber es steht lose und irgendwie haltlos, im Kontext betrachtet natürlich nicht, aber das Auseinanderfallen des Gedichts, was durch den stilistischen Bruch nach der 2. Strophe geschieht, wird hier nochmals unterstrichen. Eventuell gilt auch an dieser Stelle: Weniger ist manchmal MEHR. Mit der dritten Strophe und dem Schlusssatz zu experimentieren, das Gemisch und damit die Verhältnismäßigkeit zu ändern, würde unter Umständen der Intention des Dichters entsprechen???
Das Gedicht besitzt durchaus einen doppelten Boden, allein durch die suggerierten Bilder. Die Laus, das Insekt am Sack... der Mensch in der Wohlstandsgesellschaft, allerdings könnte da ein wenig an mancher Stelle ausgebaut werden, was das Gedicht in sich schlüssiger machen würde, sowie Logiklücken schließen...
Allerbestens und gern gelesen,
GB.