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#1

Die Sitzung

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 23.04.2009 19:40
von autark (gelöscht)
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Die Sitzung
Ratter, ratter, ratter, ratter. Es ist mein Kopf der Rattert. Bedrohlich summt es, es macht mich wirr und ich weiß nicht wie mein Gesicht aussieht, ich stelle mir vor, dass sich meine Augen nach oben gedreht haben und jeder in weiße Augen schaut. Ratter, ratter, ratter, wie ein Automotor auf Standby. Stand by Me. Ich bin froh, dass wir uns nicht an den Händen halten müssen, neben mir sitzt ein fettes Arschgesicht, das Paranormale Laute hört. „Hörst du es auch“, widerlich grinst er, widerlich. „Du hörst es auch“, ich will ihn schlagen, will ihm die Geräusche aus dem Gesicht schlagen, will sein Gehirn vor mir liegen sehen, will hören wo es her kommt. Es kommt aus dem Gehirn, da bin ich mir sicher, irgendwo da drinnen, lass es mich hören. Der Doktor setzt sich. Wie Gott höchstpersönlich sitzt er da, legt sein rechtes Bein über das Linke und fummelt sich die Brille zu Recht. „Nun wie geht es uns“, er hat eine feste Stimme, ich hasse sie. Die Frau mit den zerzausten Haaren meldet sich, sie meldet sich immer. Sie lacht, zeigt ihre verfaulten Zähne, wie kann sie nur lachen. Sie wohnt zwei Zimmer weiter von mir und Nachts höre ich sie weinen. Jemand der am Tag soviel lacht hat es verdient Nachts zu weinen. „Gut, gut, gut“, es ist der kleine Mann mit der Hornbrille, er kann nicht einfach sagen „gut“, er muss sagen „gut, gut, gut“. Ich mag sie alle nicht, nur die Stille Frau, die ihren Stuhl immer ein wenig nach hinten schiebt um nicht im Kreis zu sitzen, die ist ok. Sie ist gespalten, darum mag ich sie. Ich glaube jeder Mensch ist gespalten, ich glaube es gab mal eine Zeit da war jeder Mensch nicht gespalten, ich glaube es gab mal eine Zeit da war der Mensch mehr Tier als Mensch, hat sich in Horden zusammengetan um zu jagen, um zu überleben. Aber heutzutage ist es besser gespalten zu sein, weil der Mensch, als er auf der Evolutionsleiter nach oben geklettert ist immer näher an Gott herangerückt ist und Gott ist doch gespalten. Mein Kopf dröhnt, ich habe das Gefühl er platzt gleich. Jeder ist ein kleiner Gott, wenn wir gespalten sind haben wir unsere Souveränität erlangt. Ich achte sie, die gespaltene Frau. Ob ich gespalten bin weiß ich nicht, sie haben es mir nicht gesagt, vielleicht dem der hinter oder vor mir steht. Ich kann es nicht zurückhalten, ich muss das dröhnen herausschreien. „Was ist mit ihnen Peter?“. Peter. Er sagt es, weil er eine Verbindung mit mir aufnehmen will. Peter. Ich will nicht Peter sein, ich scheiße auf Peter. „Wer wollen sie sein?“ Ich habe nicht gedacht, ich denke nie. Zumindest nicht still. Oder er ließt es, ich will nicht das er mich ließt, ich will weg, will versinken. „Wo wollen sie hin?“. Du verfluchter Arzt, ich will Tod sein. Ich spüre wie etwas Nasses an meinen Wangen herabläuft.“Nein, nein, nein“, ich höre mich sprechen, hasserfüllt, ich hasse mich mehr wenn ich weine, ich will nicht weinen. Jeder in diesem Raum, sieht mich an. Bis auf die kleine Göttin abseits des Kreises, sie schaut auf den Boden. Ich hasse sie dafür, sie macht es noch erniedrigender, es ist zu erbärmlich für sie. „Hält sie denn nichts am Leben?“, er hat sich nach vorne gebeugt und sich die Brille zurechtgerückt. Beschießende Fürsorge glitzert in seinen Augen. Er will in mich dringen, will etwas was ich nicht will. Meine Hände werden Feucht. „Was hält sie den am Leben Frau Maier?“, ich flüchte mich, weg von hier, weg von mir. „Warum stehen Sie den jeden Morgen auf?“. „Was hält Sie den am Leben Frau Maier?“ Er will mich unterbrechen, ich werde lauter. „Jeden Tag passiert das gleiche, sie stehen auf, gehen zum Bäcker, kaufen sich Brötchen, gehen zur Arbeit, verdienen ihr Geld, gehen nach Hause, nehmen ihren Freund in den Arm.“ Ich kann nicht mehr, ich spüre wie mein Blut pochend durch meinen Kopf läuft. „Wenn sie einen Freund haben, dann könnte man sagen die Liebe hält sie am Leben Frau Maier“. Ich will am liebsten tausend Mal den Namen Frau Maier sagen. „Aber die Liebe gibt es nicht Frau Maier, Frau Maier, eine Liebe die über die Befriedigung der Einsamkeit hinaus geht gibt es nicht Frau Maier. Eine Liebe, die über das Verlangen hinaus geht gibt es nicht Frau Maier.“ Der Arzt nickt ihr beschwichtigend zu, wie zwei Verschwörer sitzen sie da. „Es ist also nicht die Liebe die sie am Leben hält Frau Maier“, ich habe sie selbst gesucht, „ist es die Familie Frau Maier?“, das dröhnen lässt nach. „Sie wurden auf die Welt gebracht um entscheiden zu können ob sie Leben wollen oder nicht Frau Maier, nicht ihre Familie entscheidet Frau Maier.“ Ich spüre Konfusion. „Sie Eisen sich von der Familie ab Frau Maier, sie sind selber Mensch. Die Familie ist nicht ein Mensch Frau Maier, die Familie sind mehrere Menschen, sie sind einzig und allein Einzigartig Frau Maier?“ Die Finger werden ruhiger, der Schweiß trocknet. „Und weil Sie einzigartig sind, Entscheiden sie auch alleine, müssen sie sich von der Summe ihrer Bindungen abziehen Frau Maier. Sie entscheiden ob sie Leben oder nicht Frau Maier.“ Sie sitzt ruhig, doch in ihren Augen steht mit großen Lettern „IRRITATION“. Sie ist nicht der Arzt, sie ist nur Gehilfin, nur Gehilfin. Er sitzt ruhig, er sitzt immer ruhig. Ein Mensch der Birkenstocksandallen trägt, dem kommt nichts zu nahe, er ist fernab jeglicher Impulse. Impulse. „Was ist der Impuls ihrer Irritation Frau Maier?“. Ein leichtes zucken ihres Kopfes. Ich bemerke wie der Spast immer wieder „Dong“ ruft. „Sie haben nicht gemerkt, dass sie sind und nicht wir sind Frau Maier“. Ich muss mich schütteln, höre wie meine Backen gegen das Zahnfleisch schlagen. Die zerzauste Frau lächelt gequält, eigentlich lächelt sie immer so, aber sie lächelt. „Lach, lach, lach“, ich bewege meinen Kopf auf sie zu, als ob ich ihn in sie hineinbohren wollte. Der Arzt steht auf. „Beruhigen sie sich Herr Konstants“. Er geht weg von mir, dringt aus mir heraus und ich merke wie ich ruhiger werde. Ich setzte mich wieder gerade hin und schaue Frau Maier an. Sie schafft es nicht, sie schafft es nicht. Sie schaut weg. Die Gespaltene sieht mich immer noch nicht an, schaut immer noch auf den Boden. Ich will, dass sie mich ansieht, will, dass sie anerkennend lächelt. Ich bin, ich bin. Der Fette öffnet seinen Mund, ich sehe wie sich Wörter aus seinen roten Backen quälen, aber ich höre sie nicht, bin weg, höre mich immer weiter sprechen und schaue Frau Maier an. Sie hört mich auch, ich weiß, dass sie mich hört, Irritation ist Panik gewichen. Habe nicht gemerkt, wie sich der Arzt an die Gespaltene gewendet hat, höre nur noch „… zu kommen“ und sehe wie sie den Stuhl hinter sich her in Richtung Kreis zieht. „Nein, nein, nein“, der Spast wiederholt meine Worte. Nicht sie. Eine Bohrmaschine hat sich ein meinen Kopf gebohrt, meine Oberlippe zuckt und während ich nieße spüre ich wie der Kopf platzt.
zuletzt bearbeitet 26.04.2009 15:10 | nach oben

#2

RE: Die Sitzung

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 24.04.2009 12:47
von Alcedo • Mitglied | 2.558 Beiträge | 2420 Punkte

hallo autark

die Blockschrift-Irritation ist falsch geschrieben. bitte korrigieren. ansonsten kommt das Wort noch zwei mal, aber richtig.

in unserem Texthandbuch (hier -> http://www.e-literatum.de/t67935634f21-A...-einsetzen.html ) kannst du nachlesen wie Absätze gesetzt werden. dann würde der Text vielleicht einladender wirken. ansonsten erscheint er mir wie ein abschreckender Block.

Gruß
Alcedo


e-Gut
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#3

RE: Die Sitzung

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 26.04.2009 15:16
von autark (gelöscht)
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das ist natürlich irritierend. mit den absätzen werde ich mich, wenn es zeitlich passt, nochmals auseinandersetzten. bis dato wird es wohl abschreckend bleiben, was ja nicht ganz unpassend ist.

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