Hallo Katerchen,
in diesem wehmütigen Gedicht ist kein Werden, nur ein Vergehen. Es ist stimmungsvoll, keine Frage, und auch handwerklich gut gemacht. Da es inhaltlich jedoch wie das lyrI letztendlich ins Leere läuft, fallen ein paar Stockfehler um so mehr auf.
Der Augenblick begleitet nichts, der Augen Blick sehr wohl. Wenn schon dichterisch, dann eher so etwas wie „Im Augenblick der Weidenzäune steht Binsengras im besten Saft“. Denn auch Zeile 2 glänzt nicht gerade mit der Konstruktion von „Das Binsengras, es..:“ Zeile 3 halte ich für sehr schön formuliert, Zeile 4 kann mit der verdrehten Syntax und dem erneut gedoppelten „Das Tor, es…“ nicht gefallen.
Der Strophen übergreifende Zeilensprung führt leider ins Nichts, der Gedanke ist abgeschlossen, in S2V2 tritt das lyrI auf, dessen Blick sich jetzt offenbar nach innen richtet. Das Kompositum „Kindgesicht“ empfinde ich als missglückt, es wirkt zu arg dem Metrum geschuldet. Das ist schhade, weil diese Sequenz ansonsten sehr gelungen ist. Das Partizip in V4 mag ich nicht leiden und inhaltlich widerspricht es sich zudem: Wenn ich gedanklich in den Jahren reise, habe ich sie offensichtlich nicht vergessen und vergesse sie auch nicht gerade.
Das erneut die Strophe übergreifende Enjambement erfüllt nun seinen Zweck, da der Gedanke fortgeführt wird. Das empfinde ich als sehr gut gemacht, auch dass die gesamte Strophe aus einer Aufzählung besteht, unterstützt die Dramatik, bringt Fahrt hinein und führt damit treibend zum Schluss. Das gefällt mir. Das Verlegen des Grases auf das Dach klingt dagegen nicht gut und der falsche Artikel in V4 auch nicht. Mir ist zwar bewusst, dass das Alleinsein dem Tod folgte und daher sinnlogisch auch folgen muss, von der dramatischen Steigerung ist es etwas schade. Wenn das Gedicht auch in der Abschlusszeile mit dem Tod geendet hätte, wäre mein Lob deutlicher ausgefallen.
So bleibt es etwas verhalten, aber zu loben ist es.
Gruß
Oliver