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#1

Dichterklause

in Philosophisches und Grübeleien 12.12.2009 07:48
von Anton Üm | 28 Beiträge

Dichterklause

Am Ort, wo ich die Muße hüte
dort zieren Wände farbenfroh,
zwei Hundertwasser, ein Miró;
dort liegen Bücher erster Güte,

und treiben Verse schönste Blüte.
Bleibt manche Flause auch nur Stroh,
begeistert brenn ich lichterloh,
wenn ich mich mit Erfolg bemühte.

Hier wird mir Zeit noch ohne Uhr
zur Andacht innigster Natur.
Und manchmal, dann gelingt das Wort!

Dann ziehen alle Sorgen fort
und ich, erlöst, an einer Schnur
im Rausch zurück zur Hochkultur.


zuletzt bearbeitet 12.12.2009 08:16 | nach oben scrollen

#2

RE: Dichterklause

in Philosophisches und Grübeleien 14.12.2009 09:46
von hans beislschmidt | 104 Beiträge

Wer dichtend seine Zeit verbringt,
der kommt vom Dia bis zum Dochen.
Wenn zwischendurch kein Wecker ringt,
vergeh`n manchmal viele Wochen.

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#3

RE: Dichterklause

in Philosophisches und Grübeleien 19.12.2009 23:06
von Kjub • 476 Beiträge

herr anton, dieses gefällt mir viel, viel besser als das gedicht mit der einklammerung. (kann dir ja völlig egal sein, wie ich was finde). weißt du wieso? ich erzähls einfach mal: das andere wirkt fremd, es ist aus einem gedankenspiel entstanden, dieses aber dünstet realität, eine fein sublimierte, seltsame wirklichkeit. eine orchideen-wirklichkeit! schön, schön.
ich assoziiere einen schelm, der mit einigem geist und gleichzeitigem talent zum unfug denken begabt ist. einen, der luftschlösser baut, mit begeisterung stein auf stein in lüfte setzt und abwartet, was denn nun passieren wird.
natürlich nichts. aber darauf kommt es nicht an, nicht auf das ergebnis, sondern auf die sinnvolle unproduktivität in der dichterklause. der anachronistische titel passt auch hervorragend zu dem lyrischen ich, das in der konsumgeilen weihnachtszeit nichts weiter zu tun hat, als folgendes zu propagieren:

Zitat
Bleibt manche Flause auch nur Stroh,/ begeistert brenn ich lichterloh


ist ja völlig klar, was das bedeutet, aber weil ich grade ähnlich begeistert in wortschöpfungen schwelge, nehme ich auch diese verse zum anlass. denn genau das ist die wahre party, die individualistische non-profit-sause am tippbrett, während das restvolk wie

Zitat
an einer Schnur

aufgefädelt zu den klängen von rudolph, dem rotnasigen hysteriker, durch die karstadts dieser welt marionettiert.
dein text tickert scheinbar die richtigen stellen in mir an, wobei die letzten verse sogar die besten sind, so rund machen sie das amüsante gewebe.

Zitat
und ich, erlöst, an einer Schnur/ im Rausch zurück zur Hochkultur.

wieso an einer schnur?, will es in mir kopfschütteln, weil sich der inhalt dem endreim zu beugen scheint, aber es ist mehr. dieser freischwebende nonsens passt genau dorthin, in die dichterklause, wo miro und hundertwasser auf dem klo gelesen werden. dafür muss man auch nicht die kausalität bemühen.
kjubische grüße


Die größten Kritiker der Elche
waren früher selber welche

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