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#1

Der Hinweis

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 24.02.2010 12:11
von Joame Plebis | 3.574 Beiträge | 3551 Punkte

Der Hinweis

Bisher hatte ich mich nicht durchgerungen, sie nach irgendeinem Schema einzuteilen, wusste auch nicht, nach welchen Richtlinien ich hätte vorgehen sollen. Das änderte nichts an meiner felsenfesten Überzeugung, dass es sie gab! Es musste sie schon länger geben - und wie ich annahm, waren sie alleine die Ursache vieler seltsamer Vorkommnisse, die ich mir anders gar nicht erklären konnte.

Tagtäglich, sogar stündlich an jeder Ecke und Geraden und in vielen Situationen wurde ich mit der Nase darauf hin gestoßen. Nicht nur ich.
Viele meiner Bekannten und Freunde hatten mir schon darüber berichtet. Ich aber merkte es besonders stark, vielleicht weil ich schon sensibilisiert war, nur darauf wartete, ihnen ein Ereignis zuzuschreiben, das der Durchschnittsbürger als gegeben hinnahm, ohne es zu hinterfragen.

Das Gleichgültige, fast schon an Schläfrigkeit grenzende Desinteresse der Mitmenschen, das ärgerte mich. Es war einfach nicht zu fassen!
Während ich unter ständiger Spannung stand, jederzeit bereit, sie zu entlarven, schien niemand Notiz davon zu nehmen, wie sie immer mehr in unserem Alltagsleben breit machten. Warum nicht? Gehörten sie auch schon dazu?

Ich nahm mir fest vor, noch vorsichtiger und aufmerksamer zu sein, jedem kleinen Hinweis nachzugehen. Vielleicht konnte es mir doch gelingen, unseren Planeten für die Menschheit zu retten und diese getarnten Außerirdischen, die von der äußeren Erscheinung durch nichts zu unterscheiden waren, aufzudecken. Falls es noch nicht zu spät war und eine zu intensive Infiltration nicht schon stattgefunden hatte. Noch schien es mir nicht zu spät zu sein; vielleicht lag alles nur an mir. Dieses Wissen, diese schwere Verantwortung, war mir jederzeit allgegenwärtig.

Auf der Einkaufsstraße sah mich einer etwas ungewohnt länger an, wandte sogar seinen Kopf zurück, um mir nachzublicken. Ach nein, es war nur ein Tourist, wie ich dann feststellen musste, der einen Passanten suchte, um ihn nach einer Sehenswürdigkeit zu fragen.

Ungemein schwer war es, zu differenzieren und nicht in Panik zu verfallen. Nach außenhin wollte ich gelassen und nicht lauernd wirken. Eine verflixt schwere Aufgabe! Eine Zeit lang hatte ich vermutet, sie an den Pupillen erkennen zu können. Nein, dem war nicht so. Es waren eher Eigentümlichkeiten in der Sprache, die ihnen sehr gut geläufig zu sein schien, so wie uns. Vielleicht eine kaum merkbare Spur länger gezogener Vokale und ein Hochziehen der Mundwinkel zu nicht ideal passenden Situationen; das könnte schon ein Hinweis sein.

Da wäre ich doch fast mit dir zusammengelaufen. "Entschuldigung!" Einen Kopf kleiner als ich und zierlich, mit erschrockenen Augen sahst du mich an, ehe du weitergingst. - In diesem Augenblick hätte ich nie daran gedacht, dich irgendeinmal wieder zu sehen.

Es gibt viele seltsame Zufälle im Leben. Nun kennen wir uns bereits einige Wochen und verbringen jede freie Stunde miteinander. Wir sind sogar zusammengezogen und leben in einer kleinen Zweizimmerwohnung. Keine Stunde mit dir will ich missen! Du bist mehr als ein Magnet, bist zu meinem Inhalt geworden. Ich gebe zu, ich stehe in einem gewissen Abhängigkeitsverhältnis zu dir, deiner sanften Stimme, deinen weichen zärtlichen Armen – ach!

Ich habe den Hinweis gefunden, an dem sie eindeutig zu erkennen sind!
Es ist ein nicht sichtbarer Unterschied und der Hinweis unbeschreiblich. Ich bin davon abgekommen, die Erde retten zu wollen: ich habe mich retten lassen.

zuletzt bearbeitet 25.12.2018 23:45 | nach oben

#2

RE: Der Hinweis

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 24.02.2010 12:36
von Ralfchen (gelöscht)
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ein text, den ich mit vergnügen gelesen habe. dicht mit schöner wortwahl.

nur: der aufbau des plots lässt mich fragen, ob der prot ein etwas verwirrter und phobischer mensch ist. oder hast du die alien-fusselage nur in pointen-manier eingeflochten? denn damit verliert die idee für mich leider doch ein wenig.


da fehlt was:

Zitat
Das Gleichgültige, fast schon Schläfrigkeit grenzende

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#3

RE: Der Hinweis

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 24.02.2010 14:02
von Joame Plebis | 3.574 Beiträge | 3551 Punkte

Ich danke für das Lesen und den Kommentar; noch besser, wenn es halbwegs lesbar war.
Der Protagonist ist nichts weiter als ein kritischer Durchschnittsbürger, eben davon überzeugt, daß sie unter uns sind - ich überlege, ob ich mich seiner Meinung anschließen soll.

Danke und Gruß!
Joame

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#4

RE: Der Hinweis

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 24.02.2010 14:46
von Ralfchen (gelöscht)
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wenn du dich damit besser fühlst - schließ dich an. besser als religionen, denn vielleicht kommst du zu ner kostenlosen gesundheits-reise...

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