Platzhirsche oder: Bambis Ende
Zögerlich, vom fahlen Kunstlicht angelockt,
Halbmondschwachdurchschienen ist die Nebelnacht,
innenweltgetrieben tritt ein Spießerbock
aus dem Wald, genießend tauerfrischtes Gras.
Nicht achtend die Gefahr, die hochoben hockt,
hat’ er sich entschieden, den Freisprung gewagt.
Wedel klatschen laut Applaus auf manch Waidloch
Zeichen, den zu lieben, der verspätet kam.
Mutige zu grüßen, warten Ricken dort.
Dieses Spießbockexemplar ist unerfahr’n.
Weil’s ums Überleben nie ’nen Strauß ausfocht,
trifft ihn Endenstoß und -stich unmittelbar.
Körperschmerz verdrängend hilft dem Tier der Schock.
’s wankt zurück in das Dickicht, totkrank und lahm.
Blut, aus tiefgestoch’ner Wunde quellend, tropft.
Hilflos, hungrig und vor Schwäche furchtloszahm,
still das Jugendherz erschüttert klopft und hofft
zitternd, Heil zu finden, daß es leben kann.
Als scheint’s zu gelingen, trifft das Mordgeschoß.
Wohlgezielt! Der Schuß beendet alle Qual.
Spießerschmerz verstirbt am Jägerpflichtgenuß.
Ergeben dem Schicksal strömt’s zum letzten mal
aus einst hoffnungsvoller, lebensfroher Brust.
Fort spült nun der Strahl, was Gutgefühle war’n.
Eins, zwei der miesen Möchtegerngroßkotz
gibt’s in allen Paradiesen, machtformal,
pyramidal geschichtet, dem guten Plan zum Trotz.