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#1

tote tage

in Mythologisches und Religiöses 19.07.2010 21:27
von Rainek Radar | 309 Beiträge

leere straßenreihen reiben
sich an dunklen wohngebäuden
in den tiefen tälern heult die nacht
düster neigen winterlinden Ihre häupter
brausend brüllen blätter aufgebracht
in den gassen ecken haus an haus
wachen menschen unter decken
horchen bangend zu der jagd hinaus

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#2

RE: tote tage

in Mythologisches und Religiöses 27.07.2010 22:13
von Kjub • 476 Beiträge

hallo rainek, der text hat starke momente, du baust eine düstere atmosphäre auf, die sich zuerst mit den äußerlichkeiten beschäftigt und in den letzten beiden versen den bogen zum menschen schlägt. da horchen sie zu der (wilden?) jagd hinaus. da denke ich an die reiter der apokalypse, an todesboten, die durch straßen galoppieren. ein wirklich gelungener abschluss des gut vorbereiteten bildes und treffgenau hier ins mythologische gesetzt.
durch die decken fühle ich mich an den winter erinnert, da ruht ja auch ein großer teil der natur, sodass man als überhöhung durchaus von toten tagen sprechen kann. natürlich ist das auch ein stabreim, wie du ihn im text häufiger benutzt. wobei ich nicht sicher bin, ob in jedem fall zum inhaltlichen vorteil. tiefe täler bspw geht zwar gut über die zunge, wirkt aber fast zu simpel und mit sicherheit ist diese kombi sehr abgenutzt. aber das ist eine kleinigkeit und sicher ansichtssache. die zwei anderen punkte aber stören mich und meiner meinung nach die wirkung des gedichts erheblich:
1. brausend brüllen blätter aufgebracht gefällt mir überhaupt nicht. brausen oder brüllend. brüllen passt nicht zu brausen, dadurch verstärkst du die wirkung nicht, sondern baust einen widerspruch ein, der die wirkung reduziert.
und aufgebrachte blätter wirken, ob sie nun brausen oder brüllen... ein wenig albern.
okay, du hast die winterlinden (starker, spitzer klang; passt auch inhaltlich gut hinein) und gehst sozusagen ins detail des baumes. an sich ein guter gedanke, aber vllt könntest du an der ausführung nochmal feilen.
2. die ersten beiden zeilen. ich kriegs nicht hin, mir vorzustellen, wie sich (leere!) straßenreihen (was ist das überhaupt, eine leere straßenreihe?) an wohngebäuden reiben sollen.
das einzig für mich aus dem stegreif vorstellbare, was in die richtung dieses bildes ginge, wären dicht beieinander stehende häuser, vgl altbauten in engen gassen mittelalterlicher stadtkerne, deren obergeschosse sich zueinander neigen. die könnten in einer dunklen nacht durchaus so wirken, als rieben sie sich aneinander.
also ein wirklich guter text, der mich anspricht. allerdings hast du sein potential glaub ich noch nicht ausgeschöpft.
kjubische grüße


Die größten Kritiker der Elche
waren früher selber welche

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#3

RE: tote tage

in Mythologisches und Religiöses 31.07.2010 18:53
von Rainek Radar | 309 Beiträge

hallo kjub

danke für die wertvollen rückmeldungen

einige bilder fluten, die ich tatsähchlich nur zum stimmungsaufbau setzen wollte, sind wahrscheinlich übers ziel hinausgeschossen;
der text ist verhältnismässig alt und ist dementsprechend bereits in mir gesackt; so sehe ich deine einwände großteils genau wie du;
vor allem was die brüllenden blätter angeht; das brüllen sollte man eher dem wind anlasten, der durchs sie fegt, oder eben der wilden jagt, die umgeht, die man dann mit einem natürichen pendant gleichsetzt;
es reiben sich tatsächlich nicht die straßenreihen aneinander sondern, wenn schon, dann die häuser;

die toten tage sind übrigens keine erfindung meisnerseits, sondern altes volksbrauchtum

danke für das erwähnen vom potential;
ich habe momentan ziemlich viel am tisch, deswegen weiß ich nicht genau, wann ich zum umschreiben komme daß ich es machen will, ist aber sicher;
vielleicht gibts ja dann nochmal ein kurzes feedback zum geänderten text

lg
rainek

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