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#1

der herr ist dein hirte

in Mythologisches und Religiöses 16.02.2009 23:57
von perry • Mitglied | 834 Beiträge
der herr ist dein hirte

kurz eingenickt am krankenbett
träume ich wir fahren nach winterberg
wie du es dir immer gewünscht hast
das dunkle grün der tannen huscht
den schemen von staffelläufern gleich
neben uns her bleibt dann aber
an der grenze zu tschechien zurück
du ziehst die infusion aus dem arm
und wir entzünden eine kerze
in der kirche mariä heimsuchung
deren rauch kräuselnd aufsteigt und
sich im netz des kreuzgewölbes verliert
wie unsere blicke im halbdunkel
du wolltest immer deine wurzeln sehen
sie mit eigenen händen betasten
als brautpaar schreiten wir arm in arm
aus dem haus eines stummen gottes
der immer lauter deinen namen ruft
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#2

RE: der herr ist dein hirte

in Mythologisches und Religiöses 30.04.2009 08:22
von gheggrun | 228 Beiträge

Hallihallo perry! (Rhodan?)

Z11+13 -eine Frage (nur rethorisch):

Wolltest du sagen, daß der Rauch nur im
Inneren der Kirche aufsteigt,
"sich verliert, wie unsere Blicke
im Halbdunkel", also alles vergeblich
bleibt.
Wenn ja, dann finde ich das stark,
(oder hattes Du ein andere Absicht,
wofür der Titel spricht?).


Hastanirwana
GHEG
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#3

RE: der herr ist dein hirte

in Mythologisches und Religiöses 30.04.2009 09:56
von Margot • Mitglied | 3.048 Beiträge

Hallo perry

Obwohl ich ja mehr zu Klanggedichten neige, gefällt mir dieser - freie - Text. Die Stelle, die gh anspricht, ist natürlich etwas verwirrend, weil du ohne Satzzeichen arbeitest. Ich musste sie auch zweimal lesen, weil ich zuerst dachte, Marias Rauch kräusle sich. Kleine Blasphemie am Vormittag! Aus welchem Grund du die Gross- und Kleinschreibung, wie auch die Satzzeichen, jedoch aussen vor lässt, vermag ich nicht zu deuten. Magst du mir da auf die Sprünge helfen?

Inhaltlich kann man die Gedanken sicher nachvollziehen. Wer jemanden, vor allem jemanden, den man liebt, in den Tod begleitet, zweifelt oft an Gott und hinterfragt den Sinn. Wenn dann noch Leiden dazu kommt, tritt der 'Fairness-Aspekt' oft in den Fordergrund und es wird gehadert. In solchen Situationen ist es auch meist kaum möglich, Trost zu spenden bzw. zu versuchen, diese Umstände zu erklären. Aber ich schweife ab und will ja nicht predigen...

Wie gesagt, mir gefällt der Text. Er zeigt in anschaulichen Bildern, was verpasst wurde und welche Wünsche jemand am Ende seines Weges noch hat/hätte. Ich sehe darin auch einen Aufruf, gewisse Dinge nicht vor sich her zu schieben, sondern sie einfach zu tun, bevor es zu spät ist. Aber auch das ist, finde ich, etwas ganz Menschliches und man bedauert oftmals nicht das, was man getan hat, sondern das, was man versäumte.

Gruss
Margot

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