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Runner's High - Teil 4

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 17.12.2008 10:22
von Schreiberling (gelöscht)
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Franz recht spät zu einer Party, und die meisten Gäste hatten sich bereits mit Hilfe von in einem fort gedrehten und dann reihum weitergereichten Joints in andere Welten gebeamt, und Franz hatte an diesem Abend nicht sehr viel Zeit, Franz musste am nächsten Tag schon ziemlich früh raus, musste am nächsten Tag am Vormittag zu einer Pressekonferenz laufen, aber er wollte auch nicht auf das Dope verzichten, das ein Freund, was für ein verwegener Kerl!, von seinem Urlaub in Marokko mitgebracht hatte, und so rauchte Franz schnell vier Joints hintereinander, hektisch sich weniger mit den Joints als vielmehr mit den Aufgaben des vergangenen und des nächsten Tages beschäftigend, rauchend durchlief er all das Erlebte und all das, was es für ihn noch zu erleben galt, und dann hörte Franz von irgendwo irgendjemanden sagen, dass man sich eingeraucht eigentlich alles vorstellen könne, und mit einem Mal durchlief Franz im Geiste nicht mehr all das, was war, und all das, was sein würde, sondern Franz griff die Idee auf, sich eingeraucht wirklich alles vorstellen zu können, Franz zündete sich einen fünften Joint an, in dem fast nur noch Dope war, Franz inhalierte den Rauch, und Franz hielt den Rauch lange in seinen Lungen, und dabei überlegte sich Franz, was er sich so vorstellen könnte in seinem Rausch, und als sich das dritte Mal das in Rauch aufgegangene Harz in seine Bronchien schmiegte kam Franz zu dem Schluss, sich vorstellen zu können, wie es wäre, wenn er nun stürbe, und als der süßliche Duft ein viertes Mal seinen Brustkorb von innen umschmeichelte, befand sich Franz mitten in seinem eigenen Sterben, und als die letzten Rauchpartikel zurück in seine Mundhöhle empor schwebten, war sich Franz absolut sicher, dass er ihm nicht entrinnen könne, dem Tod, der ihn in seiner Vorstellung zu erfassen begann, in einer riesigen, dunklen Spirale befand sich Franz mit einem Mal, Franz lief im Kreis, immer schneller lief er, immer tiefer bewegte sich Franz in diese Spirale hinein, „ich sterbe“, flüsterte Franz, aber sein Flüstern ertrank im Gekicher der anderen Gäste, „scheiße, ich sterbe“ wiederholte er leise und kalter Schweiß bildete sich auf seiner Stirn, während Franz immer schneller immer tiefer in diese Spirale hineinlief, „ich muss mir etwas Schönes vorstellen“, versuchte Franz seinen vom süßen Duft benebelten Geist zu überlisten, denn wenn er sich den Tod vorstellen könne, so könne er sich auch etwas Schönes vorstellen, dachte sich Franz, und so stellte sich Franz eine Wiese vor, eine Frühlingswiese, Franz spürte Grashalme die Haut an seinen Beinen umkitzeln, Blumen waren auf dieser Wiese und Schmetterlinge flogen darüber hinweg, fast kitschig war der Anblick der Wiese, und für einen Augenblick empfand Franz so etwas wie Glücksseligkeit in seiner Vorstellung von dieser Wiese, wie im Paradies schien es für Franz auf dieser Wiese zu sein, wie im Paradies!, das Bild der Wiese zerbröckelte vor seinen Augen, und hinter dem Bild der Wiese erkannte Franz die Spirale, Franz wurde bewusst, er war über keine Wiese gelaufen, die Wiese war nur eine angenehme Spielart des Todes, ein Zufluchtsort, der einem hilft, sich in sein Schicksal zu fügen, der es einem ermöglicht, in Frieden und mit einem Lächeln auf den Lippen zu sterben, ein schlechtes Gewissen führt Menschen eben hinab in die Hölle und ein gutes Gewissen führt sie ins Paradies, aber gemeinsam ist beiden das Sterben, und während Franz über die Wiese laufend das Gras gespürt hatte, war er in Wirklichkeit immer tiefer in die Spirale gelaufen, anhalten wollte Franz, aber das Anhalten wollte Franz nicht gelingen, Franz lief weiter der Dunkelheit der Spirale entgegen, „Scheiße“ murmelte Franz immer wieder, während er nicht anhalten konnte, während er im Geiste immer schneller der Dunkelheit im Zentrum dieser Spirale entgegenlief, „Scheiße“, und Franz dachte an seine Eltern, dachte daran, was sie wohl sagen würden, wenn ihr Sohn sterben würde an einem Drogenmissbrauch, an einer von Drogen evozierten Illusion, „an so etwas stirbt man doch nicht“, versuchte sich Franz zu beruhigen, aber er starb, Franz spürte ganz deutlich sein Sterben, spürte sich dem Tode entgegenlaufen, unaufhaltsam, und jeder Gedanke, der ihm durch den Kopf ging, schien Franz sein letzter zu sein, „ich will nicht sterben“, wimmerte Franz, während er sich seinem Schicksal ergab und starb, zitternd saß Franz inmitten von sinnlos vor sich hin kichernder Freunden, zwischen Freunden, die sich allesamt etwas Lustiges vorzustellen verstanden, die sich nicht so wie Franz das eigene Sterben vorstellten, der nun tatsächlich starb, denn für Franz war dieses vorgestellte Sterben real, es war für ihn spürbar, und es war für ihn nicht zu verhindern, bis irgendjemand ein Fenster öffnete, frische Luft wehte Franz ins Gesicht, Franz fühlte sich mit einem Mal vom Leben gestreift, Franz lief zwar noch immer der Finsternis der Spirale entgegen, aber das Leben, er hatte es noch, und solange er kämpfte, so lange blieb er am Leben, war sich Franz mit einem Mal sicher, Franz musste nur kämpfen, Franz wusste, er hatte Kraft genug, um zu kämpfen, eine Weile zumindest, für einige Jahre würde seine Kraft sicher noch reichen, und mehr als einige Jahre würde Franz ohnehin nicht mehr leben, vierzig, fünfzig Jahre, wenn es optimal für Franz lief vielleicht sogar sechzig, und so atmete Franz ordentlich durch, „kämpfen“, sagte sich Franz leise vor und stand auf, und Franz taumelte hinaus in die Kälte der Nacht, und es fröstelte ihn, aber das störte ihn nicht, der Frost erschien ihm als Rettung, der Frost verhalf Franz dazu, seinen noch lebenden Körper zu spüren, und mit dem noch lebenden Körper auch das eigene Leben in ihm, „kämpfen“, permanent flüsterte Franz auf seinem Heimweg das Wort „kämpfen“, aus Angst davor umzufallen und auf dem Asphalt sich willenlos seinem Sterben ergebend zu verenden, „kämpfen“, stolpernd und unsicher bewegte sich Franz auf seinen sonst so sicheren Beinen, „kämpfen“, sagte sich Franz auch, als er am nächsten Morgen erwachte, grade rechtzeitig, um noch pünktlich bei der Pressekonferenz zu erscheinen, Franz kämpfte sich durch die Pressekonferenz, rang sich einen Artikel über die in der Pressekonferenz an die Journalisten kommunizierten Inhalte ab, die Überschrift war vielleicht nicht so gelungen, aber der Rest war mit Routine geschrieben und wurde von seinem Chef ohne Kritik akzeptiert, Franz kämpfte sich auf die Universität, immer wieder die Spirale erkennend, in der er sich noch immer befand, „das Leben ist der Tod“, das, so erzählte Franz seinen Freunden ein paar Wochen später, wäre ihm bewusst geworden an jenem Abend, „ich lebe also sterbe ich“, zu dieser Konklusion behauptete Franz, wäre er durch die gesteigerte Konsumation von Marihuana gelangt, „der Augenblick der Erkenntnis ist schlimm“, so berichtete er seinen Freunden von der von ihm als ganz außergewöhnlich dargestellten Drogenerfahrung, „aber danach“, so beschrieb Franz den durch seinen Marihuanakonsum evozierten Prozess, „ist man bereit dazu, die Dinge viel bewusster wahrzunehmen, da habe ich die Einmaligkeit jeder Handlung begriffen“, und Franz kam zu dem Schluss, er habe tatsächlich jene Erkenntnis gewonnen, die er stets vorgegeben hatte, durch die Konsumation von Marihuana gewinnen zu wollen, „ich sterbe“, sagte sich Franz, „ich sterbe, und das ist okay so“, und einmal scherzte Franz, dass er ein Sterbender sei, „aber dass ist kein Problem und dass es kein Problem für mich ist, das verdanke ich dem Marihuana“, aber wenn ihm seine Freunde von nun an etwas zu rauchen anboten, dann lehnte Franz ab, das könne er jetzt nicht mehr brauchen, so erklärte er ihnen, aber in Wirklichkeit hatte Franz Angst, sich endgültig in seinem Tod zu verfangen, sich nackt und alleine und immer schneller in einer dem Ende zustrebenden permanenten Bewegung zu verlieren, Franz war nicht daran interessiert, erneut zu erkennen, dass alles, an dem er vorbeilief, nichts weiter sind als Kulissen, als Trugbilder, die einem das Sterben erträglicher machten, die einem die Illusion des Lebens überhaupt erst erlauben, aber davon erzählte er nichts seinen Freunden, das behielt er für sich, „genießt es“ rief Franz seinen Freunden statt dessen aufmuntern zu, während Franz selbst versuchte, sich verzweifelt an die mühsam errichteten Kulissen seiner Existenz zu klammern, sich zurück zu kämpfen in sein Leben, „ich lebe“ schrie er eines Nachts, als er betrunken heimwärts wankte, „ich lebe“, als hätte er einen Sieg zu feiern über den Tod, „ich lebe“ rief er und rannte weiter und weiter und weiter, schneller und weiter, seinen Zielen entgegen, und Franz forschte und interviewte für seine Dissertation, durchblätterte Bücher, überflog hunderte Seiten bedruckten Papiers und kritzelte irgendwelche Notizen in sein Notizbuch, fing an zu schreiben, drei Seiten am Tag wollte Franz schreiben, und so schrieb er auch drei Seiten pro Tag, verfolgte auch dieses Ziel konsequent, wie er immer schon jedes seiner Ziele konsequent verfolgt hat, sein Freund Anton hat über diesen Wesenszug von Franz immer gelächelt, „wo bist du nun?“, fragte Franz seinen Freund Anton im Geiste, „jetzt lächle ich“, sagte Franz seinem Freund Anton im Geiste, „nein, ich lache sogar!“, und Franz lachte wirklich kurz auf, „ich habe es immer zu leben verstanden“, prahlte Franz vor seinem Freund Anton im Geiste, „zu leben!“, wiederholte Franz einige Male, „dir war das Leben ja immer zuwider!“, unterstellte Franz seinem Freund Anton im Geiste, „sonst hättest du ja nicht immer zuwider handeln müssen dem Leben, immer zuwider, hättest du nur einmal zu leben versucht, ganz normal zu leben versucht, nicht zuwider, normal, ganz normal…“, doch während Franz sich das dachte, zuckte er zusammen, denn plötzlich stürzten wieder all die Kulissen vor seinem geistigen Augen in sich zusammen und sein nacktes Sterben lag vor ihm, und Franz stolperte, aber er lief dennoch weiter, sich vorwärts hantelnd zu den nächsten Kulissen, durchatmend und weiter an seiner Dissertation arbeitend, „ich wollte doch nicht mehr denken an ihn“, erinnerte sich Franz und versuchte seinen Freund Anton erneut aus seinem Gedächtnis zu streichen, „er hat mir doch nie wirklich etwas bedeutet!“, Franz rannte weiter, ein wenig schneller und für einen kurzen Moment mit geschlossenen Augen, „zuwider war er mir, ja!, mein Freund Anton war mir zuwider!“, und zufrieden mit dem Schluss, zu dem er gekommen war, hieb Franz wieder in die Tasten seines Computers, nach jedem Tag war der Umfang seiner Dissertation um drei Seiten gewachsen, auch wenn manches, was er da schrieb, gar nicht stimmte, auch wenn mancher Standpunkt, den er vertrat, völlig unrichtig war, aber die Richtigkeit dessen, was er mit den drei Seiten pro Tag auf der Festplatte seines Computers abspeicherte, war Franz nicht so wichtig, wichtig war ihm allein, in der Zeit fertig zu werden, und wenn es seine Arbeit und seine Dissertation ihm erlaubten, und wenn er sich seinen täglichen Kinofilm bereits angesehen hatte, dann traf sich Franz mit seinen Freunden, durchlief Lokale mit ihnen und Nächte, und Franz begann sich umzusehen nach einer Frau, denn Franz war zu dem Schluss gekommen, dass es langsam an der Zeit war, sich ernsthaft zu binden, er hatte nun eine Freundin gehabt, und er hatte nun eine Liebe gehabt, und er hatte nun eine Nacht mit einer älteren Frau gehabt und auch mit einer „schwarzen“, und dazu hatte Franz noch viele Affären gehabt, und nun war es an der Zeit für Franz, sich zu binden, eine Frau auszuwählen, an deren Seite er dann alt werden würde, die die Mutter sein würde von seinen Kindern, und während die Freunde tranken und scherzten, sich zuprosteten und vor Lokaltüren kotzten, begann Franz, Ausschau zu halten nach der Frau für sein Leben, und in einer dieser Nächte saß Corinna neben Franz an der Bar und unterhielt sich mit einer Freundin, jung war Corinna, grade Mal neunzehn vermutete Franz und lag damit völlig richtig, und Corinna war schön, auch wenn sie mit ihrer Schönheit nicht prahlte, sie trug einen ganz normalen, weißen Pullover und Jeans, und ihre Füße steckten in Turnschuhen, ein wenig müde wirkte sie, als sie so neben Franz an der Bar saß, „langen Tag gehabt?“, fragte sie Franz, als die Freundin gerade am Klo war, „ja“, antwortete Corinna knapp, doch Franz ließ nicht locker, irgendwie meinte Franz schon zu ahnen, dass sie diese Frau war, „war viel zu tun auf der Uni?“, Medizin vermutete Franz, würde Corinna studieren, doch sie erwiderte, dass sie gar nichts studiere, „was machst du dann“, fragte Franz nach, sich kurz nicht ganz sicher, ob diese Frau doch die Richtige wäre für ihn, wo sie doch nicht studierte, wo sie nicht Ärztin wurde und nicht Juristin, nicht einmal eine Magistra der Wirtschaft oder der Soziologie, aber vielleicht ist sie Künstlerin, schoss es Franz durch den Kopf, „ich bin Krankenschwester“, „ah, interessant“, Franz war erleichtert, eine seiner Tanten war auch Krankenschwester, eine Krankenschwester konnte sich Franz sehr gut als Ehefrau vorstellen, Krankenschwestern sind wichtig, Krankenschwestern haben viel Gefühl für andere Menschen, eine Krankenschwester konnte ihn pflegen, wenn er einmal krank war, und Franz fragte Corinna, ob er sie einladen dürfe auf ein Getränk, irgendwas, was sie munterer macht, irgendwas, was sie bräuchte nach so einem langen Tag im Spital, und sie ließ sich auf ein Cola Barcadi einladen, „ist zwar ein Discogetränk, aber mich macht es munter“, erklärte sie Franz, als wollte sie sich entschuldigen für ihre Wahl, und als die Freundin zurückkam vom Klo sagte ihr Franz kurz „hallo“, aber sonst beachtete Franz diese Freundin nicht weiter, Franz schenkte seine ganze Beachtung Corinna, und Corinna meinte Franz erzählen zu müssen von sich und von dem, was er so mache, dass er Artikel für Zeitungen schreibe zum Beispiel, oder dass er bald ein Doktor sein werde, losstarten wolle er dann, um die große Karriere zu machen, um reich zu werden und vielleicht auch berühmt, reich und berühmt!, und lachend erklärte ihr Franz, dass er alles erreichen könne, wenn er nur wolle, und Franz versicherte Corinna „ich will“, und dabei blickte Franz Corinna tief in die Augen, und Franz war sich nun absolut sicher, dass er diese junge Frau haben wollte, „sie ist es“ murmelte Franz in sein Bierglas, als Corinna kurz austreten war, und Franz fing an, um Corinna zu kreisen, und Franz bemerkte, wie mit seinem Körper seine ganze Welt um Corinna zu kreisen begann, und die Freunde von Franz liefen weiter in andre Lokale, „die ist doch zu jung für dich“, versuchten sie Franz noch zu necken, und auch die Freundin, die nur irgendeine Arbeitskollegin war von Corinna, machte sich auf den Weg, und Franz blieb mit Corinna alleine zurück an der Bar, und Franz war fasziniert von Corinna, ihre Augen, ihr Mund, ihre Hände, ihr dunkles, lockiges Haar, ihre Stimme, ihr Lachen, von ihrer Jugend war Franz fasziniert, gerade erst dem Mädchenalter schien sie entwachsen, Corinna war wie jene Frauen, die Franz immer nur nach Haus gebracht hat, Franz hat mit jenen Frauen, die im Alter waren von Corinna, stets sein eigenes Versagen als Mann in Verbindung gebracht, und nun schien ihn eine solche Frau witzig zu finden und interessant, und als er mit Corinna aus dem Lokal hinaus in den werdenden Frühling aufbrach, da war es Franz, als würde er Corinna immer schon kennen, als wäre sie all jene Frauen, denen er zugehört hatte, als wäre sie all jene Frauen, mit denen er sich tausende Male vorgestellt hatte, wie es denn wäre, mit ihnen zu schlafen, und als Franz am nächsten Abend Corinna in ihrer kleinen Wohnung besuchte, die Eingangstüre ohne jedes Problem einfach durchschreitend, hatte Franz das Gefühl, als käme er endlich nach Hause, heim zu Corinna, und Franz glaubte Corinna gar nicht fragen zu brauchen, wer sie eigentlich sei, und Franz erkundigte sich auch nicht bei ihr, woher sie eigentlich kam und wohin sie eigentlich wollte, die Geschichten und Bedürfnisse von Frauen dieses Alters meinte Franz von all den Abenden aus seinem ersten Studienjahr bestens zu kennen, an denen er Frauen in diesem Alter nur zuhören hat dürfen, und Franz nahm Corinna als jene Frau an, nach der er sich immer gesehnt hat, es hat eben nur ein wenig länger gedauert, da hatten zuvor noch ein paar Erfahrungen gemacht werden müssen, so hatte Franz es schließlich auch eingeplant gehabt, und so war es schon in Ordnung gewesen, doch nun war er bereit, und Franz fragte sich, wie er es nur so lange hat aushalten können ohne Corinna, „wo bist du denn all die Jahre gewesen“, Franz strich Corinna zärtlich eine Locke aus ihrer Stirn, und dann antwortete sich Franz, ohne auf die Antwort von Corinna zu warten, selber auf seine Frage, „immer da“, behauptete Franz, und griff sich dabei auf sein Herz, „immer da“, wiederholte Franz voller Pathos, und Corinna musste über Franz lachen, doch als Franz fortlaufen wollte, da hielt sie ihn fest, „bleib da“, flüsterte Corinna, „bleib da“, und Franz blieb und schlief mit Corinna, ihre Brüste, ihr Po, ihre Haut, die Art wie sie küsste, wie sie ihn berührte, einfach alles war jung an Corinna, und da war kein „wenn“ und kein „aber“ und kein „ich will mit dir reden“, da war nur ein Begehren, und neugierig war Corinna auf alles, was Franz mit ihr ausprobieren wollte, „die wird mir nie zu bluten anfangen“, dachte sich Franz, glücklich war Franz mit Corinna, dabei war Corinna ganz anders als er, aber vielleicht war es gerade das, weshalb sich Franz so hingezogen fühlte zu ihr, dass Corinna einfach stehen bleiben konnte, vor einer Auslage oder irgendwo auf der Straße, um irgendwas zu betrachten, und wenn Corinna Zeit dazu hatte, dann studierte Corinna bald einmal ein Objekt, ein Gebäude, eine Landschaft, denn Corinna malte in ihrer Freizeit, „nur so zum Spaß“, wie sie gerne betonte, aber für Franz waren ihre Bilder genial, sie könne mehr aus sich machen, wurde Franz nicht müde Corinna zu sagen, auf der Kunsthochschule solle sie sich bewerben, aber Corinna schüttelte nur ihre Locken und lachte, „das gehört mir“, erklärte sie Franz, „und so soll es auch bleiben“, unbeirrt durch die von Franz immer wieder von neuem angestimmten Lobeshymnen auf ihr Talent, mit einem „halt doch den Mund“ beendete Corinna einmal sogar frech die Schwärmereien von Franz, lachte und begann ein Bild des sich in einem fort bewegenden Mannes zu malen, Corinna portraitierte Franz, ohne dass sie ihn zu überreden versuchte, sich nicht zu bewegen, völlig verschwommen war sein Portrait, mit Corinnas Speichel verschmierte Züge seines Gesichts, und während sie malte vereinigten sich ihr Speichel und sein Gesicht nicht nur auf dem Papier, und Franz schlief ein mit dem Duft von Corinna in seiner Nase, und als Franz am nächsten Tag frühmorgens erwachte, Corinna verließ gerade die Wohnung, um im Spital ihren Dienst anzutreten, war sich Franz endgültig sicher, die Frau seines Lebens gefunden zu haben, „Corinna“, nicht oft genug konnte Franz ihren Namen aussprechen, „Corinna“, und Franz fing an, mit Corinna zu laufen, und während sie saß oder stand lief Franz in einem fort um sie herum, selbst wenn sie malte kreiste Franz um Corinna, und in all ihren Bildern war von nun an ein verschwommener Streif zu entdecken, und als Onkel Eduard einmal Corinna besuchte, der versoffene Bruder von ihrem Vater, ein gescheiterter Künstler, der sein Unglück als Zeichenlehrer in einer Hauptschule und sein vermeintliches Glück in hochprozentigen Schnäpsen gefunden hatte, und dem als Einzigem - neben Franz – die Ehre zuteil war, die Bilder von Corinna betrachten zu dürfen, da wurde sie von ihm auf diesen neuen Streif in ihren Bildern angesprochen, und Corinna erklärte ihrem Onkel kokett, dass dies die Liebe sei, „warum ist die Liebe niemals konkret?“, murmelte daraufhin der Onkel, und seine Alkoholausdünstung legte sich schwer über den Geruch der Farben, Corinna zuckte nur mit ihren Schultern, „vielleicht weil sie nur jene erkennen können, die sie empfinden“, versuchte sich der Onkel im Philosophieren und fuhr Corinna mit seiner zittrigen, alten Hand durch die Locken, wie er es immer tat, wenn sie sich trafen, „ich sage dir, Mädchen, die Liebe ist nichts weiter als Farbe“, dann hielt der Onkel kurz inne und starrte auf das Bild von Corinna: „die Farbe gefällt uns, wenn wir sie betrachten, ja, ja“, Corinna musste schmunzeln über die Art ihres Onkels, und Franz dachte darüber nach, wie sehr der Alkohol einen Menschen kaputt machen kann, und dass er selber langsam beginnen müsse, seinen Alkoholkonsum zu reduzieren, schließlich wolle er nicht einmal werden wie dieser Onkel…, „aber hinter all der Farbe verbergen sich nur chemische Reaktionen“, setzte der Onkel seine Ausführungen fort und schlich dann mit seinen über den Boden schmierenden Füßen in Richtung des Kastens, in dem er die Rumflasche wusste, „willst du Kunst schaffen, Mädchen, dann lass mich deine Liebe erkennen!“, rief er mit überraschend klarer Stimme aus, während er die Flasche heraus nahm und sich ein wenig hilflos nach einem Glas umblickte, „ich will aber keine Kunst machen“, erwiderte Corinna und reichte dem Onkel ein Glas, „na dann“, grinste der Onkel, „ist es scheißegal“, füllte sich sein Glas als hielt er keine Rum- sondern eine Wasserflasche in seiner Hand, prostete Franz zu, „auf all die Gescheiten, die keine Kunst machen wollen!“, und kippte den gesamten Inhalt auf einen Zug, und als der Onkel gegangen war, warf sich Corinna Franz um den Hals und bat ihn um Entschuldigung für ihren Onkel, „er ist ein armer, kranker Mann“, erklärte sie ihm, und dass sie ihn immer schon sehr lieb gehabt habe, er habe so etwas Besonderes an sich, so etwas wie Franz, und als Corinna bemerkte, wie Franz über diese Bemerkung erschrak, da Franz bei sich keinerlei Gemeinsamkeiten mit diesem Alkoholiker erkennen konnte, meinte sie, dass sie die Willenskraft meinte, die sie in Franz genauso spüre wie in ihrem Onkel, nur die Willenskraft des Onkels wäre gebrochen worden durch eine Geschichte mit einer Frau und einem Kind und der Tatsache, dass er danach nicht mehr malen hat können, im Grunde auch nicht mehr unterrichten, und nun nütze er seine Kraft nur mehr dazu, sich selbst zu zerstören, der Onkel verfolge seit Jahren nur mehr ein einziges Ziel, so erklärte sie Franz, nämlich zu sterben, „und du willst eben leben“, und dann fügte Corinna hinzu, dass ihren Onkel eben das Sterben high mache und zu vergessen helfe, und Franz das Leben, und dann stockte Corinna und halb im Scherz fragte sie Franz, „was willst du eigentlich vergessen?“, und Franz wusste nichts anzufangen mit ihrer Frage, und letztlich erklärte ihr Franz, er brauche nichts zu vergessen, denn mit ihr habe sein Leben ohnehin völlig von Neuem begonnen, „genau das meine ich!“, Corinna blickte Franz in die Augen, „du bist high vom Leben, und irgendwie mag ich das an dir, dass du so überhaupt nie nüchtern bist“, und Franz flüchtete sich in ein Lachen und darin, dass er Onkel Eduard imitierte, tat als wäre er auch angetrunken, und letztlich flüchtete er sich in eine Umarmung und einen Kuss, ohne zu begreifen, was Corinna damit gemeint haben könnte, er wäre nicht nüchtern, Franz fühlte sich schließlich stets am Boden der Realität, gewiss, Franz hatte Ziele vor Augen, die vielleicht anderen Menschen etwas hoch gegriffen erschienen, aber Franz wusste nun einmal, dass es ihm möglich war, diese Ziele auch zu erreichen, und während er sich in die Umarmung und in den Kuss flüchtete, nahm er sich vor, auch Corinna davon zu überzeugen, dass er sich ganz nüchtern auf den Boden der Realität zu bewegen verstand, dass er im Gegensatz zu anderen Menschen eben nur wusste, was für ihn möglich war und was nicht, und dass er auch den Mut besaß, seine Möglichkeiten zu nennen, dass er sich im Gegensatz zu andern nicht durch Tiefstapelei zu schützen versuchte, er war, der er war, und er konnte, was er nun einmal konnte, und Onkel Eduard und er hatten nach der Ansicht von Franz nur gemein, dass Corinna sie mochte, und diese Gemeinsamkeit konnte Franz akzeptieren, und Franz und Corinna liefen von nun an gemeinsam Abends durch die Lokale, und die Freunde von Franz verstanden sich gut mit Corinna, und die Freunde von Corinna interessierten Franz nicht besonders, ihre Freundinnen waren für Franz unreife Gören und ihre Freunde erinnerten ihn an all die halbstarken Kerle, die ihm vor vielen Jahren die Mädchen weggeschnappt hatten, und alle wollten sie irgendetwas erreichen, Meter machen in ihrem Leben, die Franz längst hinter sich gebracht hatte, und letztlich bestätigten sie Franz nur darin, dass er sich zu beeilen hatte, um nicht überholt zu werden von ihnen, aber an einem Kontakt zu diesen andern war Franz nicht interessiert, „du bist doch viel weiter als die“, erklärte Franz nach einem Treffen mit ihren Freunden Corinna, und dann zählte Franz auf, weshalb Corinna überall besser und gescheiter wäre als „die“, und Corinna hörte Franz zu, und Corinna ließ sich umschmeicheln von Franz, und Corinna reduzierte nach und nach die Treffen mit ihren Freunden, nicht dass sie fand, dass Franz wirklich richtig lag mit seinen Ansichten über die Freunde, aber andere Termine wurden wichtiger in ihrem Leben, die Treffen mit den Freunden von Franz zum Beispiel, oder dass sie mit Franz gemeinsam ins Kino ging zwei- bis dreimal die Woche, soweit das ihr Beruf zuließ, die wichtigsten Filme, meinte Franz, müssten sie sehen, und dann hatte Corinna auch noch einige Klassiker der Filmgeschichte kennen zu lernen, mitreden solle sie schließlich können, wenn er von Filmen erzählte, und die Beziehung zu Corinna ging völlig geordnete Bahnen, und so luden die Eltern von Corinna Franz und ihre Tochter zu einem Mittagessen zu sich in die Wohnung, um Franz einmal kennen zu lernen, Corinnas Vater war ein Athlet, ein Ausdauersportler, ein aktiver Radprofi war er vor gar nicht so vielen Jahren noch gewesen, das eine oder andere Rennen hatte er bei den Amateuren gewonnen, bei den Profis war er dann ein so genannter „Wasserträger“ gewesen, wie er ein wenig verbittert betonte, wobei auf den Bergen, da hätte ihm kaum einer das Wasser gereicht, hätten sie ihn bloß gelassen, so wie er wollte, aber sein Vertrag ließ das nicht zu, da waren immer andere, für die er im Feld fahren musste, aber er hatte zumindest alle großen Touren mindestens einmal beendet, und einmal war er sogar unter die topp fünfzehn gekommen, nun trainierte er Führungskräfte und zeigte ihnen, wie man in einem Team für eine gemeinsame Sache zu arbeiten hat, darin hatte er schließlich sehr viel Erfahrung, und im Team hatte er auch seinen größten Erfolg heim gefahren, einen dritten Platz bei einer WM, niemand hätte geglaubt, so erzählte der Vater, dass sein Team dazu imstande gewesen wäre, auf einen Podestplatz zu fahren, aber sie fuhren einfach perfekt, sie hielten einfach zusammen, „zusammenhalten muss man, um erfolgreich zu sein“, wiederholte der Vater von Corinna mehrere Male sein Credo, und die Mutter saß daneben und musterte Franz, sie war eine schöne Frau Mitte vierzig, die ihr ganzes Leben in den Dienst ihres Mannes gestellt hatte, seine Managerin war sie geworden, ein wenig erinnerte sie Franz an seine eigene Mutter, die jeden Tag in der Ordination des Vaters stand und dort ebenfalls das Sein ihres Mannes organisierte, nur schien die Mutter von Corinna ein wenig selbstbewusster zu sein, sie war nicht von ihrem Mann zu ihrem Leben eingeteilt worden, weil es so billiger war für sie alle, weil es das Beste war für ihn und die Kinder, weil sie ohnehin woanders schon aus zeitlichen Gründen keinen vernünftigen Job finden konnte neben dem Haushalt und neben den Kindern, die Mutter von Corinna hatte sich als junge Frau für das Leben an der Seite dieses Mannes entschieden, sie wollte ein Leben führen mit einem Sportler, der die verschiedensten Länder bereiste, sie liebte es, in Hotels zu übernachten und aus Koffern zu leben, so beschrieb zumindest Corinna die eigene Mutter, und Corinna war die ersten sechs Jahre ihres Lebens ebenfalls überall hin mitgefahren, sie war nie im Kindergarten sondern ständig in irgendwelchen Fahrerlagern gewesen, ihre erste Erinnerung, so erzählte Corinna, wären Männer in bunten Trikots auf Rädern gewesen, die sich alle auf einmal zu entfernen begannen, sie habe ihnen immer nachgeblickt bis sie das letzte Begleitfahrzeug aus den Augen verlor, sie hatte diesen Aufbruch dieser vielen bunt gekleideten Männer immer geliebt, in ihrer Phantasie hat dann den ganzen Tag über das Rennen getobt, Berge hinauf und schnelle Abfahrten wieder hinunter, an die Zieleinläufe konnte sie sich kaum einmal erinnern, nur an die Starts und wie die Fahrer verschwanden, ein paar Mal war sie auch mit ihrer Mutter irgendwo an der Strecke gestanden, auf Passhöhen wahrscheinlich oder bei Sprintwertungen, sie war immer glücklich gewesen, wenn sie ihren Vater irgendwo im Feld ausmachen konnte, es war ihr nie wichtig gewesen, erzählte Corinna, ob ihr Vater vorne war oder ob nicht, sie war einfach fasziniert von der Kraft, die er hatte, „mein Vater“, soll sie einmal mit drei oder vier zu einem Gast in einem Hotel gesagt haben, „der ist nicht der Schnellste, aber ohne ihn, würde es die Schnellsten nicht geben“, ihr Vater, so erzählte Corinna Franz nach jenem Treffen mit ihren Eltern, behauptete immer, er habe sportlich nicht viel erreicht, aber sie bewundere einfach seine Hartnäckigkeit, ihr Vater hat immer weiter gekämpft, er ist immer in die Pedale gestiegen, auch wenn er wusste, dass er keinen Sieg heim fahren durfte, auch wenn er wusste, dass er sich für andere bis über die eigenen Grenzen anstrengen musste, ihr Vater liebte es einfach, vorwärts zu kommen, und er würde auch heute noch jeden Tag mindestens zwei Stunden auf dem Rad in der Gegend rumfahren, viele der Schnellsten von Damals, so behauptete Corinna, ließe ihr Vater heute weit hinter sich, die Schnellsten von Damals haben mit ihren Siegen ihre Zielen verloren, und mir ihren Zielen auch etwas von ihrem Willen, „mein Vater hat immer noch Ziele, mein Vater will immer noch weiter“, und dann blickte Corinna Franz erwartungsvoll an, und Franz lachte sie an und erklärte, „wenn du jetzt einen Vergleich von mir mit deinem Vater anstellen möchtest, dann kann ich das eher nachvollziehen als den Vergleich mit deinem Onkel“, „Onkel Eduard ist sein Zwillingsbruder“, erwiderte Corinna, „es ist die selbe Kraft, nur eingesetzt wird sie von den Brüdern eben verschieden“, „die selbe Kraft“, Franz spürte diese Kraft auch in sich, auch er wusste, Berge überwinden und große, öde Landstriche durchqueren zu können, und solange er lief, solange lief für Franz alles richtig, nur nicht stehen bleiben, nur nicht inne halten, weiter musste Franz, weiter, und es tat ihm gut, nun Corinna an seiner Seite zu wissen, sie schien ihm gerade dazu geboren, einen Läufer wie ihn zu begleiten, sie hatte von klein auf gelernt, einen immer vorwärts strebenden Mann zu begleiten, nur würde er sich nicht im Feld der andern bewegen, Franz sah sich die Spitze anführen, aber Franz mochte den Vater Corinnas, und er mochte auch ihre Mutter, er schätzte es, dass die beiden nicht müde wurden, gemeinsam vorwärts zu streben, dass sie nicht auf der Stelle traten wie seine eigenen Eltern, bei denen Corinna und Franz ein paar Tage später zu Gast waren, und die Eltern von Franz mochten Corinna, die genau das wäre, so meinte zumindest die Mutter, was ihr sich immer in Bewegung befindliche Franz dringend bräuchte, eine in sich ruhende Partnerin, auch wenn sie noch ziemlich jung sei, wie die Mutter extra hervorhob, „lieb“ solle er sein zu dem Mädchen, bat ihn die Mutter, „ernst“ müsse es Franz mit ihr meinen, und dem Vater von Franz war es egal, dass Corinna so jung war, seine Frau war schließlich auch zehn Jahre jünger als er, und es störte den Vater von Franz auch nicht weiter, dass Corinna Krankenschwester war und nicht Ärztin, eine Krankenschwester, so meinte der Vater nur, würde Franz gar nicht verdienen, für eine Krankenschwester, meinte der Vater, hätte Franz eigentlich Medizin studieren müssen, was hätte Franz, fragte der Vater mit bemüht fröhlichem Gesichtsausdruck, einer Krankenschwester zu bieten, „nichts“, antwortete sich der Vater und lachte gekünstelt, ohne auf die Antwort seines Sohnes zu warten, aber schließlich, so kam der Vater mit einer großzügigen Geste zum Schluss, müsse Franz selber wissen, was er aus seinem Leben mache, die einen – also Menschen wie er und Corinna – fühlen sich eben berufen, anderen Menschen zu helfen, und Franz fühle sich eben dazu berufen, sich Gedanken über sich und die andere Menschen zu machen, „weiß Gott, wem das nützt!“, aber Corinna habe zumindest das Glück, dass sie irgendwann vielleicht beim Bruder von Franz oder bei einem der Cousins oder Cousinen als Ordinationsschwester oder Assistentin anfangen könnte, kurz überlegte Franz, seinem Vater die Meinung zu sagen, ihn ein „Arschloch“ zu nennen oder ihn zumindest zu fragen, ob er irgendwo mit seinem Kopf angerannt wäre, dass er Corinna solchen Schwachsinn erzählte, doch dann beließ es Franz bei einem ratlosen Schütteln des Kopfes und dem Versuch, die Situation mit dem Scherz zu beenden, dass eben in einer Handwerkerfamilie jeder verdächtig sei, der ein Buch liest, wodurch aber Franz seinen Vater nur zu der Bemerkung provozierte, dass er alle Bücher, die auf den Regalen um den Esszimmertisch standen, gelesen habe, aber dass dies für ihn nie einen Hindernisgrund dargestellt habe, trotzdem etwas Sinnvolles aus seinem Leben zu machen, ganz im Gegenteil, und die nachfolgende Standpauke konnte die Mutter nur mit dem Servieren des Nachtischs beenden, und Corinna fand die Eltern von Franz trotz allem sehr nett, der Vater war für sie ein eigenwilliger Alter, „der hat eben seine Prinzipien, aber ansonsten“, und auch das Klavierspiel der Mutter fand Corinna sehr schön, auch wenn sie es etwas seltsam fand, wie der Vater von Franz seine Frau zum Spielen gedrängt hatte, „aber er hört ihr, glaube ich, wirklich gern zu“, Franz war letztlich froh, dass Corinna kein Problem hatte mit seinen Eltern, schließlich musste Corinna – laut seinen Plänen – von nun an als Teil seiner Familie leben, und ein harmonisches Zusammenleben war Franz letztlich sehr wichtig, und Corinnas Akzeptanz seinen Eltern gegenüber bestärkten Franz in seiner Meinung, dass Corinna die einzig richtige war für sein weiteres Leben, kein Interesse verspürte Franz mehr, mit anderen Frauen zu schlafen, das Verlangen, Erfahrungen mit anderen Frauen zu machen, betrachtete Franz als gestillt, „du belügst dich doch selbst“, behauptete einer der Freunde von Franz, mit dem sich Franz die Prostituierte geteilt hat, „wenn man liebt“, begann Franz seinem Freund einen Vortrag zu halten, „dann gibt es kein wenn und kein aber, für mich gibt es einfach nur mehr Corinna, sie ist die Frau meines Lebens, und keine andere Frau kann für mich neben Corinna bestehen, unglücklich würde ich jede andre Frau machen, weil sie nicht den Vergleich mit Corinna stand halten könnte, und auch ich selbst wäre unglücklich, weil ich in anderen Frau niemals das finden könnte, wonach ich mich sehne, und was Corinna mir ist“, Franz erfreute sich an den schönen Worten, die er für seine Beziehung zu Corinna gefunden hatte, denn auch sie bestätigten ihn in seinem Glauben, dass Corinna, die einzig Richtige war, weil wie könnte er sonst, so schöne Worte finden für eine Frau, wenn sie nicht die einzig richtige wäre, und den Sommer über arbeitete Franz an seiner Dissertation, und in den Redaktionen vertrat er im Urlaub befindliche Kollegen, und an den freien Tagen lief Franz mit Corinna zum Baden oder durch Mückenschwärme in den Auwäldern in der Nähe der Stadt, und im Herbst war Franz schon fast fertig mit seiner Dissertation, aber Corinna hatte zwei Wochen Urlaub, und so beschloss Franz spontan mit Corinna gen Süden zu reisen, ans Ende der Welt wäre Franz am liebsten mit seiner Corinna gefahren, um ihr all die Dinge zu zeigen, die sie noch nicht kannte, aber Corinna hatte nicht soviel Geld, um sich eine größere Reise zu leisten, und beide hatten sie nicht die Zeit, die Dissertation und die Arbeit, und so fuhren sie nur bis an das südliche Ende des Festlands und wieder zurück, und Franz zeigte Corinna all die Sehenswürdigkeiten, Franz lief mit Corinna durch Dörfer und Städte, durch Kirchen und durch Museen, und abends hielt Corinna die Eindrücke des ausklingenden Tages in ihrem Zeichenblock fest, „die Welt meines Mannes“ nannte sie diesen Zyklus, Landschaften, Stadtansichten und Straßenszenen, die Corinna mit großem Können skizzierte, um sie anschließend mit ihrem Speichel bis zur völligen Unkenntlichkeit zu verschmieren, ein abstraktes, buntes Farbengemisch entstand auf diese Weise, das die Hoffnung weckte, man könnte die Dinge nach längerem Betrachten erkennen, aber ein Erkennen ließen die Bilder nicht zu, und Franz und Corinna verbrachten zwei wunderbare Wochen im Süden, und sie hängten noch drei Tage an, weil Corinna noch soviel Resturlaub hatte, es gab schließlich so viel zu sehen, „scheiß auf die drei Seiten pro Tag“, dachte sich Franz, „diese Frau ist es wert neue Prioritäten zu setzen“, sagte sich Franz, auch wenn sich in Wirklichkeit seine Prioritäten kein bisschen verschoben, weil im Grunde verschob sich durch den verlängerten Urlaub nur die Fertigstellung der Dissertation um die zusätzlichen Tage im Süden, aber Franz kam es während dieser Reise so vor, als würde er sein ganzes Leben umkrempeln, ein Neubeginn war es für Franz, und als Corinna und Franz nach einer durchwachten Nacht die Sonne aus dem Meer emporsteigen sahen, gestand Franz Corinna das erste Mal seine Liebe, und das Geständnis war nicht so wie damals, als es Franz nur einmal gesagt haben wollte, ein tiefes, inneres Bedürfnis war es für Franz, vor Corinna zu treten, er musste, er wollte, „ich liebe dich“, erklärte er ihr und all den Frauen, vor deren Haustüren er abgeblitzt war, und Corinna senkte den Kopf, warm, fast heiß erschien Franz mit einem Mal ihre Stirn, die an seinen Brustkorb gelehnt war, und dann hob sie ihren Kopf, und das erste Mal sah Franz Corinna erröten, „ich liebe dich auch“, und Corinna sah Franz dabei in die Augen, tief in die Augen blickte sie Franz, und der Blick schien etwas von ihm zu fordern, in die Pflicht zu nehmen schien Franz dieser Blick, in dem sich Unschuld und Ernsthaftigkeit miteinander vereinten, das war mit einem Mal nicht mehr so wie bei den anderen Frauen, einzustehen hatte Franz von nun an für diese Frau, und Franz erinnerte sich an die mahnenden Worte der Mutter, und Franz würgte etwas den Hals zu, „die Liebe“ mutmaßte Franz, und Franz fing an, laut zu schreien, „ich liebe dich“ brüllte Franz an Corinna vorbei in das Rauschen der Wellen, und Franz begann sich um seine eigene Achse zu drehen, und sein Körper flog über den Kies, stolperte, stürzte, richtete sich dann doch wieder auf, und angezogen, so wie Franz war, lief Franz in die salzigen Wellen, die bereits kalt waren, angezogen stürzte sich Franz brüllend ins Wasser, und Corinna folgte ihm nach, und gemeinsam stellten sie der Gefahr, sich zu erkälten, erfolgreich ihre Liebe entgegen, und wieder zuhause angekommen genoss Franz sein neues Leben mit der fixen Partnerin an seiner Seite, aber auch in diesem neuen Leben galt es Ziele für Franz zu erreichen, erfolgreich wollte er schließlich immer noch werden und reich, und so schrieb Franz weiter an seiner Dissertation, drei Seiten pro Tag, und so waren die über 300 Seiten trotz des um drei Tage verlängerten Urlaubs beinahe in der von Franz angepeilten Zeit in den Computer getippt, und dann schrieb Franz noch irgendetwas zum Schluss, als „gut“ wurde seine Arbeit beurteilt jedoch als nicht publizierbar, was Franz weiter nicht störte, Hauptsache war, dass er zur Doktorprüfung antreten konnte, und das erlaubte man Franz, und dann saß Franz vor drei Professoren, bestimmte Bücher hat man Franz gebeten zu lesen, ein bestimmtes Wissen, bat man Franz, wiederzugeben, und obwohl es um den Erwerb eines Doktors in Philosophie ging, beschäftigte sich keine der Fragen mit philosophischen Themen, und Franz absolvierte die Prüfung zwar nicht mit Bravour aber letztlich mit gutem Erfolg, und vor dem Rektorat wartete Corinna mit Sekt, und noch am Gang ließ Franz den Sektkorken knallen, und danach liefen sie in seine Wohnung, die zwar sehr klein war, aber in der Corinna im Grunde schon lebte mit Franz, zumindest schlief sie in dieser Wohnung fast jede Nacht, und in seiner Waschmaschine hatte sie auch schon ihre Wäsche gewaschen, und ihre Wäsche und auch die seine hatte sie schon in dieser Wohnung gebügelt, und ihre Malsachen standen in einer Ecke der Wohnung herum, und das eine oder andere hatte ihr Franz auch erlaubt nach ihrem Geschmack zu verändern, und in seiner Wohnung, die also im Grunde schon ihre gemeinsame war, ließ Franz noch einen weiteren Sektkorken knallen, und sie warfen sich auf das Bett, und Franz erklärte Corinna, die unter ihm lag, wie schön er sie fand, und bevor Franz das erste Mal kam, fragte er sie, ob sie ihn heiraten wolle, und nachdem er gekommen war, meinte sie, irgendwie ginge ihr das etwas zu schnell, und sie würden sich doch noch nicht lang genug kennen, und sie hätten doch beide noch Zeit, aber Franz ließ nicht locker, erklärte Corinna dass er immer schon wisse, dass sie und nur sie, und dass es keinen Grund gebe, um noch länger zu warten, „es wird gut sein“, versicherte Franz seiner geliebten Corinna, und bevor Corinna das erste Mal kam, sagte sie „ja“, und dann wiederholte sie dieses „ja“ laut schreiend auf das Bitten von Franz, bis Franz ein zweites Mal kam, und kaum gekommen sprang Franz aus dem Bett, lief Franz vor Freude durch’s Zimmer, nackt lief er über das Bett und zwischen Kasten und Bett hin und her, und laufend begann Franz Pläne für ihre Zukunft zu schmieden, nachdem ihm ein Ziel abhanden gekommen war, begann sich Franz neue Ziele zu stecken, PR-Berater wollte Franz werden, und eigentlich war das schon, denn Franz arbeitete bereits seit einem Monat in einer PR-Agentur, Franz war PR-Assistent, und Franz war sich sicher, er würde sehr bald zum Junior-Consultant aufsteigen, denn Schreiben könne er allemal besser als alle seine Kollegen, und mit etwas Beratererfahrung würde Franz vom Junior-Consultant nach einiger Zeit zum Consultant befördert, und vom Consultant dann zum Senior-Consultant, und letztlich würde er mit großer Wahrscheinlichkeit zum Geschäftsführer werden, das würde er schaffen, zeigte sich Franz überzeugt, und während Franz zwischen Bett und Kasten hin und her lief, begann er auch von der größeren Wohnung zu reden, die er nun für Corinna und sich suchen gehen wolle, eine Wohnung mit Blick über die Stadt, mit vier Räumen, da hätten sie dann auch Platz für ein Kind oder zwei, wenn sie es sich leisten konnten, Kinder zu kriegen, finanziell und von der Zeit her, wenn sie das mit ihrer Karriere abgeklärt hätten, Franz mit seiner Karriere als PR-Consultant und Corinna mit ihrer als Malerin, auch wenn es Corinna noch immer nicht interessierte, irgendjemand anders als Franz und ihrem Onkel ihre Bilder zu zeigen, aber Franz sah Corinna als Künstlerin, und so plante Franz auch Corinnas Zukunft an seiner Seite in diese Richtung, und Corinna lag da und lächelte, sie würde es mögen, wenn Franz Pläne ausarbeitet für sich und für sie, erklärte sie Franz, dann schien er so stark, so durch nichts zu erschüttern, sie bewundere einfach den Willen und die Kraft, die er hatte, nichts und niemand könne ihn aufhalten, erklärte sie Franz, und Franz stolperte über den Teppich, den Corinna wenige Wochen zuvor vom Flohmarkt mitgebracht hatte, Franz konnte sich gerade noch mit einer schnellen Bewegung fangen, „der Teppich muss weg da!“, rief Franz, und Corinna herrschte er an: „du machst eine Karriere als Künstlerin“, doch Corinna schüttelte ihren Kopf, „nein, mach ich nicht“, erklärte sie lapidar, und dann fügte sie noch hinzu, dass sie sehr zufrieden wäre mit ihrem Beruf, die Arbeit im Spital befriedige sie, auch wenn sie viel Kraft kosten würde, die Nachtschichten, die vielen Schicksale, mit denen sie jeden Tag konfrontiert war, die Tatsache, oft einfach nicht mehr helfen zu können, die Momente, wo die Maschinen abgedreht wurden, wo ihre Arbeit nicht durch den Dienstplan sondern durch den Tod eines Menschen endete, aber dann gab es auch so viele schöne Momente, und was gäbe es Sinnvolleres, fragte sie Franz, als seine Kraft in den Dienst anderer Menschen zu stellen, „nichts“, und Corinna fügte hinzu, „das Malen ist nur ein Hobby, das Malen brauche ich nur zum Ausgleich, würde ich nicht mehr ins Spital arbeiten gehen, dann würde ich vielleicht auch das Malen aufgeben“, und erneut stolperte Franz über den Teppich und schob in verärgert unter das Bett, „irgendwann wirst du dich und dein Talent nicht mehr verstecken können vor den andern“, prophezeite ihr Franz, „vielleicht“, Corinna lächelte, „ich bring dich groß raus“, war sich Franz sicher, und er sah schon die vielen Ausstellungen, die er für Corinna organisieren wollte, vor seinem geistigen Auge, meinte schon die frisch gedruckten Kataloge zu riechen, und Franz glaubte auch schon die begeisterten Überschriften zu kennen, die über den hymnengleichen Kritiken über ihre Arbeiten prangten, „du bist so ein Angeber“, rügte Corinna ihren Verlobten, und kurz war sich Franz nicht sicher, ob sie es ernst meinte, oder ob sie nur scherzte, Franz entschied sich dafür, dass sie scherzte und lachte und fiel über sie her, erklärte ihr, er könne sie noch einmal ficken, „und das ist keine Angeberei“, und so geschah es dann auch, und nachdem sich Franz schwitzend über ihr zu einem Orgasmus bemüht hatte, redete Franz weiter von Zukunft und Wohnung und Kindern und Arbeit und von Erfolg, und worüber Franz auch sprach, Franz sprach immer auch von Corinna, Corinna war ein Teil seiner Planung geworden, und Corinna fühlte sich geborgen in den Plänen von Franz, ein einziges, großes Abenteuer schien ihr das Leben mit Franz zu sein, der so viel mehr war, als all die Buben, die Corinna bislang gekannt hat, und das sagte Corinna Franz auch, während sie seinen Körper zu liebkosen begann, „du bist ein richtiger Mann“, schwärmte Corinna, „ich will von dir einmal in den Arsch gefickt werden“, flüsterte Corinna Franz in sein Ohr, wie ein einziger Traum erschien Franz sein Zusammensein mit Corinna, mehr war sie, als sich Franz je erträumt und vorgestellt hat, „du bist es“, keuchte ihr Franz, Schweiß überströmt eine ganze Weile später voller Glück in ihren Nacken, und Corinna verließ danach mit leicht gespreizten Gang die Wohnung von Franz, um ihre Nachtschicht im Spital anzutreten, und Franz ließ die Ungeduld ein wenig sein Tempo erhöhen, schneller wollte er die nächsten schönen Augenblicke mit Corinna erleben, die Zeugung des ersten Kindes zum Beispiel, und das Einziehen in eine größere Wohnung, und davor natürlich die Hochzeit und später dann die Geburt der anderen Kindern, und im Vorbeilaufen erhielt Franz seine Doktorwürde offiziell überreicht, und die Mutter weinte ein wenig, und die Cousins und Cousinen gratulierten Franz alle, und natürlich auch seine Geschwister, und auch der Vater von Franz schüttelte seinem Sohn die Hand, er hoffe, so erklärte er ihm, Franz hätte sich richtig entschieden, und fügte dann noch hinzu, dass er nun eben konsequent seinen Weg weitergehen müsse, konsequent!, und ein Bruder des Vaters fühlte sich bemüßigt Franz und seinem Vater zu sagen, dass sie nun eben in anderen Zeiten leben würden, da käme es eben auf anderes an, da achte man nicht mehr auf Noten, man mache eben, so meinte der Bruder, nur soviel, wie unbedingt notwendig wäre, um eben schneller weiterzukommen, und der Bruder kam zu dem Schluss, „es geht nur um’s gewinnen“, auch wenn er das Gefühl habe, so fügte der Bruder hinzu, dass irgendetwas verloren gehen würde dabei, aber der Bruder konnte dieses „irgendetwas“ nicht wirklich benennen, Floskeln kamen ihm nur über die Lippen, und der Vater von Franz wandte sich ab und meinte, sein Bruder solle aufhören solchen Schwachsinn zu reden, „man gewinnt nichts dabei, wenn man sich aus purem Trotz für das Falsche entscheidet, man macht sich das Leben nur unnötig schwer“, und der Bruder des Vaters blieb peinlich berührt neben Franz zurück und beendete dann seine Rede an Franz mit den Worten, „ich wollte nur sagen, dass du stolz sein darfst auf deinen Titel“, und dann suchte sich der Bruder des Vaters etwas zu trinken, dessen vier Kinder allesamt mit ausgezeichneten Erfolg studiert hatten und nun mittelmäßige Juristen waren so wie ihr Vater und unbedeutende Mediziner so wie ihr Onkel, aber Franz wollte weiter kommen als sie, für Franz war der Titel nur eine Etappe, auch wenn Franz sehr stolz war, die Etappe gemeistert zu haben, und bei Terminen nannten seine Chefs jedes Mal seinen Titel, „das ist der Herr Doktor“, und als „Herr Doktor“ war Franz sofort Junior Consultant, und noch bevor Franz mit Corinna vor dem Traualtar stand war er Consultant, und als Consultant heiratete Franz seine Liebe Corinna, „wunder-, wunderschön“ fanden alle die Braut, und die Mutter von Franz weinte noch stärker als sie schon bei seiner Promotion geweint hatte, und sein Vater war stolz und zufrieden, klopfte Franz einen Abend lang anerkennend auf die Schulter und tanzte so oft es ging mit Corinna, und seine Geschwister gratulierten Franz, wie sich das für Geschwister gehört, und seine Cousinen waren fröhlich und seine Cousins ziemlich betrunken wie auch fast alle Freunde von Franz, aber als Cousins und Freunde so richtig betrunken waren, da waren Corinna und Franz nicht mehr im Restaurant, da waren Corinna und Franz längst schon in ihre neue Wohnung gelaufen, vier große Zimmer und eine Terrasse mit Blick über die Stadt, um die sie alle Freunde beneideten, gerade rechtzeitig vor der Hochzeit war die Wohnung, so wie Franz es geplant hatte, bezugsfertig geworden, die Küche roch nach Kleber und Holz, und in den Zimmern befanden sich noch keine Möbel, aber es lag eine große Matratze auf der Terrasse, und ein riesiger, frei stehender Kühlschrank hielt Champagner für die beiden gekühlt und verschiedenste Spezialitäten, und Franz trug Corinna über die Schwelle, und durchlief mit Corinna das ganze Hochzeitsprogramm, nur Kind zeugten sie in dieser Nacht keines, denn Franz musste noch eine Spur erfolgreicher werden, und Corinna hatte gerade so eine tolle Figur, da wollte Franz nicht riskieren, dass Corinna durch eine Schwangerschaft vielleicht zunehmen könnte oder Krampfadern kriegen würde wie ihre Mutter, das erste Kind hatte Franz ungefähr in einem Jahr vorgesehen, Corinna und Franz brauchten sich nicht zu beeilen, Corinna war schließlich grade mal zwanzig, und noch, so war sich Franz sicher, hätten sie Zeit, auch wenn Franz stets auf die Uhr sah und genau wusste, wann sie dann sollten, um dann noch ein zweites und zu einem späteren Zeitpunkt möglicherweise auch noch ein drittes und viertes Kind in die Welt setzen zu können, aber in der Hochzeitsnacht schluckte Corinna die Pille, und wie es Franz einmal in einem Film gesehen hatte, fütterte Franz seine Frau mit Früchten und Eis und mit Honig und Eiweiß, und dann ergänzte Franz das Szenarium aus dem Film noch um eine Gurke, auch wenn sich Corinna dabei etwas unwillig zeigte, aber das würde sich legen, war Franz überzeugt, Corinna war ja noch jung, und irgendwann würde sie es auch genießen und nicht bloß so tun, um ihrem Mann zu gefallen, und am nächsten Tag entflohen die beiden der herbstlichen Kühle und flogen auf eine weit im Süden befindliche Insel, und sie liefen auf den höchsten der Berge der Insel, und die restliche Zeit verbrachten Corinna und Franz mit Schnorcheln und Cocktails trinken am Strand, und nächtens schwebten die Zukunftspläne von Franz über die Wellen des Meeres, und bald nach der Rückkehr von ihrer Reise wurde eine wichtige Anfrage von einem großen Konzern von den Chefs von Franz an Franz weitergeleitet, und Franz arbeitete ein tolles Konzept aus, und dieses tolle Konzept gefiel nicht nur seinen Chefs sondern vor allem auch dem Konzern, die Vertreter dieses Konzerns waren geradezu begeistert von diesem tollen Konzept, und mit dem „ja“ des Konzerns gaben die Chefs von Franz neue Visitenkarten für Franz in Auftrag, auf denen Franz dann nicht nur Doktor war sondern auch Senior, Senior Consultant stand unter dem Namen von Franz, „alles kann ich erreichen, alles“, Franz war von sich überzeugter denn je, und Franz führte Corinna aus in eines der besten Lokale der Stadt, und Franz flog mit Corinna über ein verlängertes Wochenende in eine der großen Metropolen der Welt, mehr als ein verlängertes Wochenende ging sich leider nicht aus, und dieses Wochenende galt es zu nutzen, und deshalb eilte Franz mit Corinna durch alle Museen und an allen wichtigen Sehenswürdigkeiten vorbei, und Franz erwarb für Corinna ein Kleid von einem bekannten Designer, Corinna brauche schließlich ein repräsentatives Gewand, wenn sie ihn zu der einen oder anderen Abendveranstaltung begleitet, begründete Franz die Notwendigkeit, Corinnas Bekleidungsstil zu verändern, und auch zukünftig als erfolgreiche Künstlerin müsse sie mehr auf ihr Äußeres achten, und so kaufte ihr Franz auch ein paar extravagante Blusen und Jacken und Röcke, die Corinna allesamt älter erscheinen ließen, als sie in Wirklichkeit war, ziemlich gewagt waren die meisten neuen Kleidungsstücke geschnitten und größtenteils schwarz, viel Leder, viel Lack und viel Seide, „du bist so was von geil“, schwärmte Franz, als Corinna Franz nächtens im Hotelzimmer den Stringtanga, die Strapse und die hochhakigen Schuhe vorführte, die ihr Franz ebenfalls ausgesucht hatte, und auf die Bitte von Franz hatte Corinna im Flieger retour in die Heimat die Strapse und die hochhakigen Schuhe immer noch an, nur den Stringtanga hatte sich Corinna auf die Bitte von Franz im Aufzug des Hotels ausgezogen und Franz in die Hosentasche gesteckt, und während ihr Franz, so oft er sich von den anderen Flugpassagieren unbeobachtet fühlte, die Hand unter den neuen, kurz geschnittenen Rock schob, verkühlte sich Corinna die Blase, und nach diesem Wochenende musste Corinna zwei Wochen lang Antibiotika schlucken, und Franz verbrachte die meiste Zeit in seinem Büro, es gab viel zu tun für den Konzern, Franz musste schreiben und reden und planen und da sein für seinen Kunden, und wenn Franz heimkam und sich entspannen wollte mit seiner Frau, dann hatte sie keine Lust darauf, mit ihm zu schlafen, die Blasenentzündung, erklärte sie ihm, würde sie immer noch spüren, „dann blas ihn mir eben“, aber nachdem Corinna einmal lustlos an seinem Glied rumgelutscht hatte, erleichterte sich Franz danach nur mehr, indem er sich an ihrem Leib rieb, und Franz erregte sich an der Vorstellung, Corinna seinen Samen auf ihren Körper zu spritzen, aber zumindest beruflich lief alles bestens, bald hatte sich Franz auch um andere Kunden zu kümmern, denn wo Scheiße ist, scheißen die andern dazu, wie der eine Chef von Franz gerne meinte, wenn er sich besonders derb geben wollte, und sein Chef hatte recht, alle, so schien es, wollten betreut werden von Franz und seiner PR-Agentur, die noch nicht seine war, aber die Franz als solches empfand, und auch seine Chefs empfanden es ähnlich, und ein Jahr nach dem Vertragsabschluss mit dem Konzern luden sie Franz ein zu einem Essen, und bei dem Essen machten sie Franz zu ihrem Partner, zum dritten Geschäftsführer der Agentur, die damit auch der Form halber sein war, zumindest zu 20%, und das bedeutete noch mehr Arbeit für Franz, aber das störte ihn nicht, und Franz lief kaum mehr ins Kino, ab und zu schaffte er es noch mit Corinna die wichtigsten, als „cineastische Ereignisse“ beworbenen Filme zu sehen, aber nur mehr sehr selten, meistens borgten sie sich Videos aus von Filmen, die Franz schon kannte, und die er unbedingt seiner Frau zeigen wollte, an Abenden, die sich Franz extra frei schaufeln musste, aber das tat Franz sehr gerne, denn die Abende mit Corinna waren ihm wichtig, die Filme, der Sex, wobei das mit dem Sex nicht ganz so lief, wie sich Franz das vorgestellt hatte, nicht dass Corinna nach der Blasenentzündung nicht mehr schlafen wollte mit ihm, ganz und gar nicht, und manchmal da war es noch wie am Beginn, und ab und zu war es noch besser, nur von täglichem Sex war schon lange nicht mehr die Rede, Corinna wollte nicht mehr schnell in der Früh, bevor sie aufbrach, um in ihre Arbeit zu kommen, und sie hatte auch immer seltener vor dem Schlafengehen Lust, Zeit wünschte sich Corinna zum Sex, eine entspannte Situation, wenn möglich mit Kerzen und netter Musik, doch sie und Franz hatten unter der Woche kaum einmal Zeit, unter der Woche kam Franz meistens erst recht spät nach Hause, und wenn Corinna nicht gerade für einen Nachtdienst eingeteilt war, dann musste sie um diese Zeit schlafen, um halbwegs erholt, ihren Frühdienst antreten zu können, eine Zeitlang ließ ihn Corinna einfach gewähren, und während sich Franz stöhnend auf ihr zu entspannen versuchte, versuchte Corinna unter ihm weiterzuschlafen, doch irgendwann ekelte sich Franz vor ihrer Leblosigkeit, und so begann er wieder zu onanieren, vor dem Schlafengehen unter der Dusche und gleich nach dem Aufstehen auf der Toilette, nur die Tage vor jenen Tagen, an denen Franz wusste, dass er den Abend mit Corinna verbringen und damit Zeit haben werde für Kerzen und nette Musik, da onanierte Franz nicht, sammelte seinen Samen, denn Franz mochte es, wenn Corinna möglichst viel davon schluckte, und nach diesen Abenden hastete Franz wieder entspannt und voller Tatendrang in die Firma, und in seiner Firma hastete Franz von Termin zu Termin, von einer Besprechung zur nächsten Besprechung, bereitete Präsentationen vor und präsentierte, hastete von einem Kunden zum nächsten und stand allen Kunden jederzeit zur Verfügung, und Franz erfand um die Produkte und Dienstleistungen seiner Kunden wunderbare Geschichten, Franz fand Worte für ihre Produkte und Dienstleistungen, die aus den unnötigsten Dingen Lebensnotwendiges machten, Franz arbeitete immer das Positive aus allen Dingen heraus, und alles Negative ließ Franz einfach beiseite, oder Franz umschrieb es auf so gefinkelte Art und Weise, dass das Negative als etwas Positives erschien, und durch seine Arbeit verstanden viele Kunden erst die nach außen hin zu kommunizierende Qualität ihrer Produkte und Dienstleistungen, Franz war ein Meister darin, auf den ersten Blick die Wahrheit der Dinge zu erkennen, und das war für ihn auch das Wesentliche in seinem Geschäft, das schnelle Erkennen der Wahrheit, denn lügen, so erklärte Franz gerne, könne man erst, wenn man sich der Wahrheit bewusst ist, erkennt man die Wahrheit nicht, dann wird man irgendwann unweigerlich scheitern, Franz eilte an Produkten vorbei, und sofort konnte Franz den Kunden erklären, wie man bei den jeweiligen Produkten vorzugehen habe, und bei den Dienstleistungen verhielt es sich nicht viel anders, es blieb Franz auch nichts anderes übrig, als auf den ersten Blick alles, was wichtig war, zu erkennen, denn die Kunden gaben ihm selten viel Zeit, Schnelligkeit war ein wesentlich Faktor für den Erfolg, und Franz sputete sich von einem Job zum nächsten, und Franz lachte dabei, Franz gefiel sich darin, schnell zu sein, gut zu sein, und seine Kunden schnell und gut zu bedienen, als Dienstleister verstand sich Franz in seiner Funktion als PR-Berater, als hilfreicher, flinker Diener der Kunden, immer im Sinne der Kunden denkend, immer alle Wünsche der Kunden erfüllend, und ihr Geld entgegen nehmend für seine Leistung, viel Geld für viel Leistung, Franz lief durch die Arbeit, Franz lief von einem Kunden zum nächsten, von einer Präsentation zum nächsten Auftrag, und dabei war es Franz ganz egal, welchen Kunden er seine Dienste zur Verfügung stellte, Tierversuche machten die einen, mit lecken Ölleitungen zerstörten die anderen Flora und Fauna in fern gelegenen Ländern, Kinderarbeit verhalf dritten zu hohen Gewinnen, aber Franz fühlte sich nicht dazu berufen, seine Kunden zu bessern, zu bedienen hatte er seine Kunden, er war nicht mehr sechzehn, mit sechzehn hätte er vielleicht noch Skrupel gehabt, damals hat er noch über Umweltschutz diskutiert, hat die Besetzung von Auen für richtig gehalten oder das Demonstrieren gegen Menschenrechtsverletzungen und gegen andere Ungerechtigkeiten auf dieser Welt, aber Franz war kein Schüler mehr und seit einiger Zeit nicht einmal Student, Franz war nun dreißig, und Franz hatte Ziele, Franz war das alles nicht mehr so wichtig, das war einmal, und da war er noch jung, da war er noch idealistisch gewesen, so ist das nun einmal im Leben, man beginnt Tatsachen zu akzeptieren, und was konnte Franz in dieser Welt schon bewegen, sich selbst konnte Franz nur bewegen, und das tat er auch, schnell von einem Kunden zum nächsten, von einer Etappe in seinem Leben zur nächsten, lächeln musste Franz über das Engagement, das er während seiner Schulzeit und während der ersten Studienjahre an den Tag gelegt hatte, als sich Franz einmal dessen erinnerte, und danach erinnerte sich Franz nicht mehr an das Engagement, das ohnehin nie über das Mitmarschieren bei zwei Demonstrationen und das empörte Diskutieren bei völlig irrelevanten Debatten hinausgegangen war, mit über dreißig war es Franz nur mehr wichtig, dass ihm bewusst war, sich in einer globalen Welt bewegen zu können, zu wissen, dass alles irgendwie miteinander vernetzt war, der Urwald, die Militärdiktaturen, die Kriege, irgendwo über die Straße laufende Kinder, Franz war sich bewusst, und bewusst schüttelte er sich bei dem Gedanken an das Globale der Welt, erklärte wie schrecklich das alles doch sei, doch Franz begnügte sich mit dem Wissen darum, und befriedigt stellte er fest, dass ihn dieses Wissen nicht kalt ließ, schließlich musste sich Franz, wenn er daran dachte, jedes Mal schütteln, doch verändern, so erklärte sich Franz, könne er nichts auf der Welt, schließlich wäre er Franz und kein Gewalt verweigernder Freiheitskämpfer oder gar der Sohn eines Gottes, Franz war nur ein unbedeutender Dienstleister, der dafür bezahlt wurde, bestimmte Leistungen zu erbringen, und auch die Freunde von Franz stießen sich nicht an der Tatsache, dass Franz Unternehmen beriet, die täglich einen Teil dieser Erde und ihrer Menschen zerstören, auch seine Freunde hatten irgendwann gegen irgendwas und wohl auch gegen das eine oder andere Unternehmen ihre Stimme erhoben, aber mittlerweile hatten sie alle irgendwelche Jobs angenommen, Geld musste man schließlich verdienen, manchmal gefielen sie sich sogar darin, sich im Scherz darin zu übertreffen, wessen Arbeitgeber größere Verbrechen beging, und sie zählten sie allesamt auf, zumindest jene, deren sie sich dank ihrer politischen und anderen Bildung bewusst waren, und der ehemalige Friedensaktivist hat als Forscher die Steuerung von Langstreckenraketen entscheidend verbessert, und der ehemalige Kommunist führte nun ein eigenes Unternehmen, in dem er keinen Betriebsrat zuließ, und seine Freundin, die stets für Menschenrechte eingetreten war, arbeitete als Architektin an einem Staudammprojekt, mit dem ein die Menschenrechte mit Füßen tretender Staat einer Minderheit ihr Recht auf Heimat nimmt und seinen Nachbarn das Recht auf Wasser, und alle Freunde von Franz beteuerten sie, wie gut sie doch wären, wenn sie nicht so schlecht zu sein hätten, weil die Schlechtigkeit einfach notwendig war, um wirtschaftlich überleben zu können, um sich all das leisten zu können, was sie sich in ihrem Alter zu leisten hatten, neue Wohnungen hatten sie sich zu leisten und neue Autos und die vielen technischen Geräte, die jedes Jahr neu oder zumindest entscheidend verbessert auf den Markt kommen, und so wurde Franz von keinem seiner Freunde darin kritisiert, dass er tat, was er tat, mit keinem schlechten Gewissen lief Franz von den Treffen mit seinen Freunden nach Hause, ganz im Gegenteil, oft dachte sich Franz, was für ein guter Mensch er doch eigentlich sei, denn Franz entwickelte nichts, was zerstörte, Franz zahlte seinen Mitarbeitern stets faire Löhne, Franz provozierte durch seine Arbeit auch keine Kriege, Franz beriet ja nur, Franz war kein Täter, die Täter waren sc
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#2

Runner's High - Teil 4

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 17.12.2008 13:57
von Joame Plebis | 3.371 Beiträge | 3363 Punkte
Guten Tag, Schreiberling!

Begonnen habe ich mit dem Lesen; verheissungsvoll erschien mir der Anfang. Dann aber sah ich, hier ist kein einziger Absatz und ich gab auf. Dabei muß man zufrieden sein, daß wenigstens die Großschreibung angewandt wird.

Gruß
Joame
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#3

Runner's High - Teil 4

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 17.12.2008 15:08
von Schreiberling (gelöscht)
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[Dann aber sah ich, hier ist kein einziger Absatz und ich gab auf.

finde es witzig, dass sich hier so mancher am fehlenden Punkt stösst, was ich allerdings auf Grund der hier angewandten Formatierung auch nachvollziehen kann. Da tu ich mir auch schwer andere Texte, die über Punkte und Absätze verfügen, zu lesen.

Es ist nur so, wenn einer wie dieser Franz in sein Leben hineinhetzt, dann gibt es für ihn weder Punkt noch Absatz. Das ist auch sein Verhängnis, welches zu schildern mir wichtig war. Dass er nie innehält, um nachzudenken, um seine Situation zu reflektieren. Er konsumiert sein Sein - ohne Punkt und Absatz. Und er ist high von dieser permanenten Bewegung. Fühlt sich gut dabei, ohne zu bemerken, wie er immer mehr verfällt - bis er fällt.

Außerdem muss man bei Teil 1 beginnen - denke ich.

Kurzum, die Form steht für mich außer Debatte - und überhaupt geht es mir mehr darum, wie fesselnd der Text ist (wobei die Formatierung hierbei keine Ausrede sein darf -da muss der Text auch in dieser Formatierung funktionieren)
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#4

Runner's High - Teil 4

in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 17.12.2008 15:57
von Joame Plebis | 3.371 Beiträge | 3363 Punkte
Guten Tag, Schreiberling!

Dachte ich mir doch, Teil 1-3 kommen vorher; das wurde auch deutlich gekennzeichnet.
Was die Präsentation anbelangt, so werde ich den Tip an meinen Koch weitergeben, er erspart sich einige Arbeit, wenn er den Schweinebraten samt Suppe mit dem Nachtisch verrührt und aufquirlt. Ob ich es dann esse, ist fraglich.
- Vielleicht bin ich nur etwas verwöhnt und Du hast Recht.

Genauso freundlichen Gruß
Joame
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