http://www.E-LIEratum.de
#1

Ein wildes Tier

in Philosophisches und Grübeleien 22.09.2008 14:51
von Habibi (gelöscht)
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Ja, ja, viktor, so empfinde ich das auch oft in letzter Zeit. Das, worauf ich hocke, gleicht mehr einem müden Gaul als einem wilden Tier...

Gruß Habibi
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#2

Ein wildes Tier

in Philosophisches und Grübeleien 22.09.2008 16:39
von Joame Plebis | 3.371 Beiträge | 3363 Punkte
Guten Tag, Viktor!

Kurz und bündig, mit passender Aussage sind diese Gedanken zum leidigen Thema gebracht.

Gruß
Joame
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#3

Ein wildes Tier

in Philosophisches und Grübeleien 22.09.2008 17:46
von Arno Boldt | 2.759 Beiträge | 2758 Punkte
Hallo viktor, ist mir ä wengl zu - wie ist das richtige Wort?.. also es kratzt nur seicht an der Oberfläche, es benennt zu wenig, es schaut sich nicht um, es bleibt beim "wild" und beim "müde" - und vielleicht noch beim "kreisen".

- Aber wo war das Tier einst denn unterwegs?
- Was war sein Antrieb und v.a. warum ist es das heute nicht mehr? (Der Antrieb "Lebensgier" klingt mir hier übrigens etwas zu negativ. Im Grunde ist es ja die Gier nach/des Lebens, und das drückt nun leider überhaupt nicht aus, in welchen Umständen sich das Pferd bewegte und wie sich diese änderten.)
- Warum stolpert das Tier?
- Können nicht auch äußere Umstände für die "Müdigkeit" ausschlaggebend sein? Das sind alles Fragen, die bei mir offen stehen bleiben.
- Warum mochte es das Lyr. Ich, wenn das Tier jmdn. gebissen hat?

Vielleicht konnte ich zeigen, weshalb mich der Text nicht überzeugen konnte.

Beste Grüße,
AB.

http://arnoboldt.wordpress.com/
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#4

Ein wildes Tier

in Philosophisches und Grübeleien 22.09.2008 18:22
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Hallo Viktor,

mich macht der Text auch nicht so wirklich an.
Stilistisch stört mich, fürchte ich, vor allem die Wiederholung des zweiten Verses in der zweiten Strophe.
Ich meine, so lang ist das Gedicht nicht, dass der Leser da schon vergessen hätte, das das wilde Tier Hoffnung heißt.

Ich wage es mal eine Variante zu schreiben, die mir rein formal besser gefällt. Mag sein, dass Sie Deine Intention verletzt, aber es juckt so.

Ich ritt auf einem wilden Tier,
das Hoffnung hieß,
das mich - die Zukunft im Visier -
nie fallen ließ.

Doch es wird alt, mein Hoffnungstier,
das nicht mehr beißt.
Es mag nicht mehr, wenn Lebensgier
am Zügel reißt.

Es stolpert nun, mein müdes Tier,
total vergreist,
und ziemlich klein ist das Revier,
in dem es kreist.

Grüße,
GerateWohl


_____________________________________
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#5

Ein wildes Tier

in Philosophisches und Grübeleien 23.09.2008 20:03
von viktor | 114 Beiträge | 114 Punkte
..."das wilde tier" als bild der hoffnung geisterte mir durch den kopf - ich habe es gegoogelt und mir war klar, wo es her stammte:
"Die Hoffnung ist ein wildes Tier. Der Briefwechsel zwischen Heinrich Böll und Ernst- Adolf Kunz 1945- 1953." - den hatte ich vor jahren mal gelesen...
ich finde, dass die hoffnung ein sehr wildes tier sein kann, ja, in grenzsituationen des lebens sogar sein muss, um den absturz, die komplette implosion der träume und wünsche auszugleichen. hoffnung ist eine haltung, die m.m.n. jederzeit präsent ist, arno, so wie der wille als wildes tier in uns wohnt (schopenhauer)...
im fall von böll und kunz war es die nachkriegszeit in ihrer bedrängenden armut, das "immer wieder aufstehn, immer wieder versuchen: es geht doch!"
GerateWohl,
ich habe deine vorschläge weitgehend übernommen - ist dir das recht so?
an euch vier
liebe grüße
viktor
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#6

Ein wildes Tier

in Philosophisches und Grübeleien 24.09.2008 07:44
von Erebus | 748 Beiträge | 748 Punkte
Hallo Viktor,

mir geht es so, das mich der Text nur an der Peripherie streift, vielleicht, weil ich nie auf diesem Vieh geritten bin.
Wenn, dann hätte ich es in einem Käfig gehalten, damit es mich nicht beisst, und es misstrauisch beobachtete. Ihm zu vertrauen war und wäre nie mein Ding.
Deshalb hatte ich wohl den vor Augen, als ich S1 las. Nebenbei: ich habe etwas gegen Haustiere, man muss für die Viecher sorgen, kann nicht frei planen und muss im Garten die Haufen vergraben. Steuern zahlen. Und den Tierarzt. Denn, wie wir wissen: irgendwann stirbt es zwar, aber immer zuletzt.

Naja, vorher geht das Ding zu Dosenfutter über und kreist im Revier.

Mir ist die Metaphorik zu unausgegoren um wirklich zu dem vorzudringen, was Hoffnung ist. Eher zielt dein Gedicht n.m.E. auf Lebensgier, Triebhaftigkeit, Begeisterung, Jugendlichkeit o.ä. ab.
"Hoffnung" wäre m.E. eher so eine Art Geist in der Flasche, hoffnungslos - wenn ich dann schon mal dabei bin - der Geist aus der Flasche
;-)

Formal kreuzgereimt drei verschiedene solche, da hätte man vielleicht noch mit dem Spiel der Zeiten etwas anstellen können - geht mir grade so durch den Sinn - ich meine: der Hoffnung gebührt der Präsens bzw. das Futur, dem vergreisten Wesen die Vergangenheit.

LG Uli

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#7

Ein wildes Tier

in Philosophisches und Grübeleien 24.09.2008 14:36
von viktor | 114 Beiträge | 114 Punkte
...wo behaupte ich, dass man hoffnung VERTRAUEN kann?
sie ist für mich ein grundelement des menschlichen lebens, positives zu bewahren, negatives teleologisch oeientiert zu ertragen.
der erste teil deiner kritik ist polemisch und hämisch, das muss nicht sein, gelle?
es heißt übrigens "DAS präsenz"...
liebe grüße
viktor
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#8

Ein wildes Tier

in Philosophisches und Grübeleien 24.09.2008 15:03
von Erebus | 748 Beiträge | 748 Punkte
Hallo Viktor,

nö, hämisch und polemisch ist bei mir anders. Das war doch ganz harmlos und hatte eigentlich nicht einmal das LI zum Ziel, eben unbekümmertes Geschwatze. Sorry, wenn ich dir damit zu nahe trat.
Danke für's Präsenz klein mit z, das wäre dann leicht polemisch, aber danke für den Hinweis. Da kommt bei mir die Muttermilch durch: "der Präsens-Fall". Aber ich weiss, dass ich ein ziemlicher Trampel bin.

Und ebend.
Die Hoffnung ist wirklich viel komplexer als ein Tier, auf dem man reitet. Genau das meinte ich. Das Vertrauen las ich aus dem Kontext, "das mich ... nie fallen ließ." - ich habe das als ebensolchen Hinweis verstanden. Dann soll das wohl etwas anderes bedeuten.

LG
Uli

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#9

Ein wildes Tier

in Philosophisches und Grübeleien 28.09.2008 07:36
von viktor | 114 Beiträge | 114 Punkte
...wenn das grundelement "hoffnung" (glaube, liebe, hoffnung) viel komplexer ist, dann erklär es mir.
liebe grüße
viktor
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#10

Ein wildes Tier

in Philosophisches und Grübeleien 28.09.2008 09:11
von Erebus | 748 Beiträge | 748 Punkte
Hallo Viktor,

nein, das kann ich nicht erklären, ich dachte eine Zeitlang darüber nach, wo ich LI und das Tier, auf dem es sitzt, trennen könnte, um die Hoffnung zu sehen, es will mir nicht gelingen

Gruß
Uli
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#11

Ein wildes Tier

in Philosophisches und Grübeleien 03.10.2008 08:40
von viktor | 114 Beiträge | 114 Punkte
...schade, dass dus nicht erklären kannst - dann würde ich es aber nicht so in frage stellen, wenn jemand es durchaus erklärt: als notwendiges grundelement des lebens.
liebe grüße
viktor
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#12

Ein wildes Tier

in Philosophisches und Grübeleien 04.10.2008 09:29
von Alcedo • Mitglied | 2.443 Beiträge | 2351 Punkte
hallo viktor

der Fehler liegt für mich darin, dass die Hoffnung als Metapher/Platzhalter für Lebenswillen/Vitalität verwendet wird.

das kann nicht funktionieren, denn Hoffnung kann par definitionem nie müde werden, oder gar vergreisen - so wie Salz auch in der geringsten Menge salzig und Zucker auch noch in feinsten Prisen süß bleiben wird.

also das wilde Tier heißt für mich Lebensbejahung oder -willen. sonst wirkt der Text wie die Beschreibung einer Stereoanlage, wenn du aber eine Mikrowelle ausgepackt hast.

Gruß
Alcedo


e-Gut
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#13

Ein wildes Tier

in Philosophisches und Grübeleien 05.10.2008 09:10
von viktor | 114 Beiträge | 114 Punkte
hallo Alcedo,
kleiner wird die hoffnung sicherlich, das stelle ich an mir mit zunehmendem alter fest. definitiv.
natürlich ist hoffnung ein element des lebenswillens, sie trägt uns ja gerade da, wo unser leben bedroht ist.
ich sehe deinen widerspruch nicht.
liebe grüße
viktor
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#14

Ein wildes Tier

in Philosophisches und Grübeleien 06.10.2008 12:49
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte

Zitat:

viktor schrieb am 23.09.2008 20:03 Uhr:
GerateWohl,
ich habe deine vorschläge weitgehend übernommen - ist dir das recht so?


Klar.

Grüße,
GerateWohl

_____________________________________
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#15

Ein wildes Tier

in Philosophisches und Grübeleien 07.10.2008 08:38
von viktor | 114 Beiträge | 114 Punkte
danke, geratewohl,
sollte dieses werk mich zu dichterischen und/oder kommerziellen höhen führen, werde ich dich an beidem angemessen beteiligen...
liebe grüße
viktor
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