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#1

Federleicht

in Philosophisches und Grübeleien 08.07.2008 12:34
von Feo | 134 Beiträge | 134 Punkte
Federleicht







Doch manchmal, wenn die Melodie

uns mit sich fortträgt, wie das Wort,

wenn alle Silben fließen, gleiten,

in metaphore Tiefen, Weiten,

auf immer wieder neuen Seiten,

in Klang und Zeit und Raum und Ort,



vergessen wir im Schattenwind,

dass wir nur Mensch sind, flügelfrei,

und bloß mit Apparaten fliegen.

Lass uns die Wirklichkeit verbiegen,

mit Lust in vollen Zügen lügen,

auf Versflucht aus dem Einerlei.



------------------------------------------------------------
zuletzt bearbeitet 18.03.2009 23:57 | nach oben

#2

Federleicht

in Philosophisches und Grübeleien 10.09.2008 11:27
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Hallo Sabine

Du bist die zweite „Glückliche“, die mein schlechtes Gewissen abbekommt.

Es wundert mich etwas, dass dieses Gedicht nicht kommentiert wurde ... aber der Tümpel hatte ja zwischenzeitlich eine Dürreperiode ... am Text kann es nämlich nicht liegen; der ist leicht, locker, luftig und gefällt.

Handwerklich tipp topp, durch das ungewöhnliche Reimschema (2xabcccb) entsteht die oben erwähnte Leichtigkeit, die natürlich gut zum gewählten Titel passt, obwohl ‚federleicht‘ ... na ja ... wieso nicht, zum Beispiel, ‚metaphor‘? Dieser Neologismus scheint mir eh der Angelpunkt des Gedichtes zu sein, n’est-ce-pas?

Wie auch immer, lass mich etwas interpretieren. Wie in meinem ‚intim‘ geht es (auch) hier um eine Beziehung, die sich mehr im Kopf, als auf der Erde, sprich körperlich, abspielt. Die Protagonisten verlieren sich in Worten, vermutlich Gedichten, die sie einander schreiben, widmen, und in denen sie ihre Phantasien ausleben. Doch wie Worte nur Schall und Rauch sind/sein können, schlagen beide immer wieder auf den harten Boden der Wirklichkeit auf. Denn nur die Apparate (Computer) ermöglichen den beiden, in die Himmel zu steigen.

Das Wissen, das es nur durch diese Distanz zu solchen (geistigen) Höhenflügen kommt/kommen kann, ist da, dadurch aber vermutlich nicht weniger schmerzhaft. Jedoch wird in den beiden letzten Zeilen dazu aufgerufen, sich weiterhin den süssen Lügen hinzugeben. Und warum auch nicht? Die Gedanken sind bekanntlich frei.

Ein Gedicht, das mich sehr anspricht, weil es sich der Thematik: nur unerfüllte Liebe, kann wahre Liebe sein ... widmet. Dafür habe ich ein Faible.

Beste Grüsse
Margot

Die Frau in Rot

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#3

Federleicht

in Philosophisches und Grübeleien 10.09.2008 14:31
von Feo | 134 Beiträge | 134 Punkte
Ah, du liest also bei KV mit, hm? ;-)

Das ist eine durchaus spannende Interpretation, liebe Margot, eine, die mir ausnehmend gut gefällt, auch wenn ich sie eigentlich nicht im Sinn hatte, als ich das Gedicht schrieb.
Ja, es ist durchaus als Hommage gedacht, an jemanden, dessen handwerkliches Können und Texte ich bewundere, in erster Linie aber eine Art Liebeserklärung an das Schreiben selber - wobei ich zugeben muss, dass deine Interpretation da sehr viel interessanter und spektakulärer klingt.
Und ja, es gibt wohl kaum etwas Inspirierenderes, als eine Liebe, die sich nie vollkommen erfüllt.

Hab vielen herzlichen Dank für deine Rückmeldung, die gedankenbeflügelnde Interpretation und die lobenden Worte.

LG, Sabine
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#4

Federleicht

in Philosophisches und Grübeleien 10.10.2008 21:42
von riemsche | 74 Beiträge | 74 Punkte
die vielen ei und ie
machen es weich - und wie!
gefällt mir
grübler:
1/5 Seiten/Saiten (wegen dem klang danach)
2/2 flügelfrei/vogelfrei (du umfliegst das scheinbar negative, warum?)
2/3 bloß/nur (entweder richtig nackt oder ...(:->)

der Feu
liebe grüsse
riemsche
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#5

Federleicht

in Philosophisches und Grübeleien 24.11.2008 09:10
von Renee | 73 Beiträge | 73 Punkte
Liebe Feo,

ich will nicht "interpretieren", sondern bleibe bei den Zeilen, die geschrieben stehen. Und ich lese heraus, dass uns das Schreiben in Höhen hinaufträgt, die uns ahnen lassen, dass Leben mehr ist als Alltag. Und mitunter versteigt sich der Schreibende so sehr, dass er die Bodenhaftung verliert. Die Autorin erinnert daran, dass wirkliches Fliegen nur mit Hilfe von Apparaten möglich ist. Das stört mich ein wenig, denn es geht ja bei dem "Fliegen" nicht um wirkliches, sondern gedankliches Fliegen. Andererseits drängt sich mir die Assoziation der Römer auf, die dem Triumphator einen Mann an die Seite stellten, der ihn immer wieder daran erinnerte, dass er nur ein Mensch sei. Die letzten drei Verszeilen irritieren mich: der Aufruf der Autorin an die/den Schreibenden, die Wirklichkeit zu verbiegen. Hier gehe ich nicht konform, denn ich bin allen Ernstes der Meinung, eine Dichtung, die sich von der Wirklichkeit entfernt, ist niemals eine wahre Dichtung und deshalb eine schlechte Dichtung. Nun kann man das natürlich auch ironisch lesen, ich weiß aber, dass Ironie in den allermeisten Fällen nicht oder falsch verstanden wird. Die Ironie müsste gebrochen sein, um verstanden zu werden. Ist sie aber nicht. Hier wäre es besser, du würdest sie, wie alle Erfahrungen mahnen, vermeiden. Da ich selbst nicht reime, gehe ich auf Reim und Metrik nicht ein, Margot hat das vor mir ja schon getan. Ein für mich etwas ambivalentes Gedicht, das Anliegen, das du hattest, kommt mir noch nicht unanzweifelbar genug herüber.

Liebe Grüße, Renee

P.S.: In S2Z2 müsste es Menschen heißen, denn der Bezug zum "wir" ist klar, eine kleine Umformulierung wäre nötig. Geschickter wäre aber, du würdest dich direkt an den einzelnen Autor wenden, ihn ansprechen, also Singular: "Vergiss es nicht im Schattenwind/dass du nur Mensch bist, flügelfrei". Wobei ich mit dem "Schattenwind" nicht so richtig glücklich bin.
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#6

RE: Federleicht

in Philosophisches und Grübeleien 08.03.2009 15:01
von Gemini • Long Dong Silver | 3.067 Beiträge | 3067 Punkte

Wird wohl keine Supidupi Antwort gefragt sein.
Aber Was soll ich sagen. Der Text hält mir die Stille vor Augen, wie es eigentlich sein sollte.
Ein abgeschlossenes Werk.

Lieben Gruß

Gem


Über mich erzählten sie endlose Schrecklichkeiten und Lügen, dass einem schier die Phantasie platzen wollte. Offenbar stärkte es sie innerlich, derart über mich herzuziehen, es brachte ihnen Gott weiß welche Art Mut, den sie brauchten, um immer erbarmungsloser zu werden, widerstandsfähiger und regelrecht bösartig, um durchzuhalten, um zu überstehen. Und auf diese Weise schlecht zu reden, zu verleumden, zu verachten, zu bedrohen, das tat ihnen ganz offenbar gut.

L.F Celine

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