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#1

Alltag

in Philosophisches und Grübeleien 22.03.2008 13:39
von Don Carvalho • Mitglied | 1.880 Beiträge | 1880 Punkte
Alltag

Ich dachte einst, ich hätte mich vergessen,
verloren im alltäglichen Verfall,
denn von den ach so tollen Interessen
war letztlich nichts geblieben als nur Schall

und Rauch. Warum sollt ich allein auch anders
und besser sein als der normale Rest?
Bin Sklave meines scheiß Terminkalenders,
der mich nicht außerordentlich sein lässt.

Nein, nur normal, das ist es was ich bin.
Und diese unbefriedigende Einsicht
ist mir fortan nicht wenig Zeitgewinn.
Hab ich mich (anders als gedacht) dann doch verwirklicht?

(c) Don Carvalho
- Dezember 2007

Des Paten Missetaten

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#2

Alltag

in Philosophisches und Grübeleien 27.03.2008 17:44
von sadi (gelöscht)
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Hallo Don,

es hängt überall ein bißchen. Aber man kann das Gedichtchen reiten. Dieses "außerordentlich " ist furchtbar unlyrisch:

wie wärs mit "nicht aus der Ordnung fallen lässt".

Dieses fortan ist auch schrecklich.

sadi
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#3

Alltag

in Philosophisches und Grübeleien 27.03.2008 19:26
von Frank Black (gelöscht)
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ich mag das außerordentlich. als unlyrisches, gewöhnliches und gewohntes wort ist es hier in einen kontext gestellt, der das Alte, fast Mythische, das im Gedanken des aus der Ordnung gefallenen steckt, aus dem Wort lockt. Sehr spannend. Was nicht auf den restlichen text zutrifft, der eher langweilig ist.
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#4

Alltag

in Philosophisches und Grübeleien 07.04.2008 15:50
von Feo | 134 Beiträge | 134 Punkte
Hallo Don,

inhaltlich spricht mich dein Gedicht sehr an.
Die Form jedoch ist durch die etwas exzentrische Versmaßschwankung in der letzten Zeile, die mittleren Nichtrechtgereimtheiten und die Kadenzverbrechen in S3 - trotz so netter Fünfhebigkeit - ein wenig gewöhnungsbedürftig.

LG, Feo
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#5

Alltag

in Philosophisches und Grübeleien 10.04.2008 10:49
von Don Carvalho • Mitglied | 1.880 Beiträge | 1880 Punkte
Hallo Ihr Drei,

zunächst einmal vielen Dank für Eure Kommentare.

Das außerdordentlich stört mich nicht, insbesondere finde ich nicht, dass bestimmte Worte von vornherein zu unlyrisch sind, um sie zu verdichten. Dein Vorschlag, sadi, würde zudem inhaltlich nicht so recht passen.

@Feo: Welche Nichtgereimtheiten meinst Du? Lässt/ Rest ist zwar ein unreiner Reim, aber ist zumindest einer... Oder stehe ich gerade auf dem Schlauch?

Die Kadenzen in der letzten Strophe habe ich übrigens absichtlich von den ersten Strophen abgehoben und auf rein männliche Kadenzen reduziert, da das lyrIch dort ein Einsehen hat und erkennt, dass es eben schlicht doch normaler (und reduzierte) ist, als es stets gehofft hat.

Aber es stimmt schon, das Gedicht ist was Umsetzung und Inhalt angeht sicherlich ausbaufähig, insofern aber korrelieren diese Punkte aber ja vielleicht recht passend .

Grüße,

Don

Des Paten Missetaten

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#6

Alltag

in Philosophisches und Grübeleien 10.04.2008 14:37
von Feo | 134 Beiträge | 134 Punkte
Hallo Don,

bei den Ungereimtheiten sprach ich anders/Kalenders an. Lässt und Rest sind wenigstens klanggleich.

Die Kadenzverbrechen bestehen für mich darin, dass du die unbetonten Silben bei Einsicht/ verwirklicht als "männliche" Kadenzen benutzt.
Das klingt nun einmal nicht wirklich gut.
Die Dissonanz, die so etwas im Klangbild erzeugt, ist meiner Ansicht nach zu betont unmelodisch und somit ein zu dick aufgetragenes Stilmittel um etwas (oder jemanden) als "auf schlicht und normal" reduziert darzustellen.
So könnte man eher darstellen, dass jemand ganz und gar nicht wirklich "normal, unauffällig und im Gleichklang mit den anderen" funktioniert. Männliche Kadenzen sollten nun einmal betont sein, sind sie es nicht stechen sie misstönend aus der Satzmelodie heraus.

LG, Feo
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