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#1

*** Sterbestunden

in Düsteres und Trübsinniges 20.03.2008 11:48
von bipontina | 609 Beiträge | 609 Punkte
Es gab kein letztes Wort,
nur einen allerletzten
stundenlangen Blick.
Du gingst so schweigend fort.
In meinem schmerzzerfetzten
Innern blieb nur LEER! zurück.


Ich wußte um Dein Scheiden.
Du glaubtest noch
an Wiederkehr.
Und doch!: In Deines Blickes Leiden
sah ich das Joch
des "Nimmermehr".


Einen Tag noch Deine Hand:
Sanfter, schwacher Druck
in der meinen.
Und dort das unlösbare Band
mit einem leisen Ruck
gelöst. Mir bleibt nur Weinen.
zuletzt bearbeitet 09.03.2009 23:30 | nach oben

#2

Sterbestunden

in Düsteres und Trübsinniges 02.04.2008 13:33
von Alcedo • Mitglied | 2.405 Beiträge | 2351 Punkte

Zitat:

bipontina schrieb am 20.03.2008 11:48 Uhr:



Es gab kein letztes Wort,
nur einen allerletzten
stundenlangen Blick.
Du gingst so schweigend fort.
In meinem schmerzzerfetzten
Innern blieb nur LEER! zurück.

Ich wußte um Dein Scheiden.
Du glaubtest noch
an Wiederkehr.
Und doch!: In Deines Blickes Leiden
sah ich das Joch
des "Nimmermehr".

Einen Tag noch Deine Hand:
Sanfter, schwacher Druck
in der meinen.
Und dort das unlösbare Band
mit einem leisen Ruck
gelöst. Mir bleibt nur Weinen.




xXxXxX
xXxXxXx
XxXxX
xXxXxX
xXxXxXx
XxXxXxX

xXxXxXx
xXxX
xXxX
xXxXxXxXx
xXxX
xXxX

XxXxXxX
XxXxX
XxXx
xXxXxXxX
xXxXxX
xXxXxXx


hallo bipontina

das ist schöne Lyrik und gefällt mir. es wirkt sehr authentisch. man merkt sofort, hier weiß der Autor offensichtlich worüber er schreibt.

zu bemängeln wäre nur der unvollständige, offen bleibende Vergleich, in der 4.Zeile.
das "so" bräuchte es, meiner Meinung nach, hier nicht. es ist nicht nur überflüssig, es wirkt kitschig und verhindert die Betonung auf das Großgeschriebene Du.

das "dort" in der letzten Strophe kann ich nicht zuordnen. darum wirkt die Stelle auf mich etwas schwächer. wäre ein "dann" als Bindewort nicht vorteilhafter?
Und dann das unlösbare Band
mit einem leisen Ruck
gelöst. Mir bleibt nur Weinen.


es überwiegen jambische Versfüsse. die zweite Strophe zum Beispiel, ist in perfekten Hebern gehalten und überzeugt zudem klanglich durch den dominierenden Binnenreim "doch". die unterschiedlichen Zeilenlängen störten mich nicht.

die Überschrift, im zweihebigen Trochäus (Sterbestunden XxXx) schirmt mitsamt der wenigen Trochäuszeilen (z.B. Z3, Z6, anfangs S3) auch formal das Stimmungsbild vor allzu hellen Klangmustern ab.

all das hat Qualität und hebt sich wohltuend von anderen Deiner Texte ab.

Gruß
Alcedo




e-Gut
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#3

Sterbestunden

in Düsteres und Trübsinniges 02.04.2008 15:31
von Joame Plebis | 3.368 Beiträge | 3363 Punkte
Guten Tag, bipontina!

Zwar sollte bei derartigen Themen auch die Metrik stimmen und könnte es perfekt machen.
Nur sehe ich dann darüber höflich und schnell hinweg, wenn der ausgedrückte Inhalt von gewichtigem Vorrang ist.
Ein schönes Gedicht!

Gruß von Joame
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#4

Sterbestunden

in Düsteres und Trübsinniges 28.04.2008 16:52
von viktor | 114 Beiträge | 114 Punkte
hallo c..eh bipontia,
ein - verzeih mir die formulierung - meisterwerk an dichte und intensität der gefühle...
bin tief beeindruckt!
liebe grüße,
n... eh viktor
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#5

Sterbestunden

in Düsteres und Trübsinniges 29.04.2008 07:59
von bipontina | 609 Beiträge | 609 Punkte
Lieber Alcedo, Liebe Joame, Lieber viktor !

Vielen Dank sage ich Euch Dreien.
Ich weißnur zu gut, daß Metrik und Reim(e) sehr viel zu wünschen übrig lassen. Ich habe mich an eine Überarbeitung noch nicht gewagt.

Grüße von
bipontina
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#6

Sterbestunden

in Düsteres und Trübsinniges 30.04.2008 10:36
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Hallo bipontina,

in Strecken stark formuliertes Bild des Abschieds.
Zwei Stellen aber finde ich sehr "ungelungen".

In meinem schmerzzerfetzten
Innern blieb nur LEER! zurück.


Die Leere im Innern ist ja eine etwas abgenutzte Redewendung. Aber LEER! mit Ausrufezeichen, das ist doch ein etwas schwacher Kunstgriff. Wie wäre es einfach mit "In meinem schmerzzerfetzten Innern blieb nur Raum zurück"?

Dann der letzte Satz "Mir bleibt nur Weinen". Ich weiß nicht wie ich es ausdrücken soll. In dem Wörtchen "nur" steckt in dem Zusammenhang ein Pathos, der der feinen Gefühlsmalerei des restlichen Textes eine bunt bestrahlte Disco-Kugel anhängt.
"Mir bleibt das Weinen" oder "nun kann ich weinen".

Ansonsten, wirklich feines Gedicht.

Grüße,
GerateWohl

_____________________________________
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#7

Sterbestunden

in Düsteres und Trübsinniges 30.04.2008 15:42
von bipontina | 609 Beiträge | 609 Punkte
Guten Tag, Geratewohl

und Dank für deinen Kommentar.
Ich weiß, daß dies Gedicht Schwachstellen hat.
Das LEER! kann ich leider nicht durch Leere ersetzen, da die hinwiederum mit irgendetwas aufzufüllen ist. Das wirkliche LEER ist und bleibt es. Kein Raum.
Mir bleibt nur Weinen - je nun, mehr blieb mir nicht. Das klingt pathetisch. War aber ganz nüchtern geschrieben. Mehr blieb nicht.
Die "disco-Kugel" gibt mir Rätsel auf.
Da ich nur ein einziges Mal im Leben in einer Disco war (um "Imagine" zu hören).
Einen Bezug zu meinem Gedicht vermag ich leider nicht herzustellen.

Lieben Gruß
von
bipontina
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