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#1

Die weinende Zeit

in Düsteres und Trübsinniges 22.02.2008 20:25
von viktor | 114 Beiträge | 114 Punkte
Die weinende Zeit

Der Morgen war kalt und der Weg noch so weit,
zwei Saatkrähen schrien in den Wind.
Da traf ich am Waldrand die weinende Zeit,
verstört wie ein einsames Kind.

"Ich bin die Bedingung für Leben im Raum
als Baum in die Schöpfung gestellt.
In mir wächst die Hoffnung, ich berge den Traum
von aller Erlösung der Welt.

Schon unendlich lang fließt mein Wasser dahin
und nährte verschiedenste Saat.
So vieles verging - doch was blieb, hatte Sinn,
bis er meine Ufer betrat.

Erträumt als Vollendung des Willens zum Sein,
erschuf ich den Menschen zum Schluss.
Doch Abel sank nieder, erschlagen von Kain -
der eigenen Art zum Verdruss.

Und Kain zeugte Kinder - sie trugen sein Mal,
das Zeichen von Hass und von Gier.
So wird mir der Mensch nun allmählich zur Qual:
Ich mag ihn nicht länger mehr hier!"
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#2

Die weinende Zeit

in Düsteres und Trübsinniges 23.02.2008 02:18
von Joame Plebis | 3.368 Beiträge | 3363 Punkte
Guten Abend, Viktor!

Beim Lesen wird es unterschiedliche Auffassungen der Betonung geben,
eine, wie ich es las, ist hier:
xXxxXXxXXxX.......Der Morgen war kalt und der Weg noch so weit,
xXXxXXxX............zwei Saatkrähen schrien in den Wind.
xXxxXxxXxxX.......Da traf ich am Waldrand die weinende Zeit,
xXXxXxxX............verstört wie ein einsames Kind.

xXXxXxxXxxX......"Ich bin die Bedingung für Leben im Raum
xXXxXxxX.............als Baum in die Schöpfung gestellt.
xXXxXxxXxxX.......In mir wächst die Hoffnung, ich berge den Traum
xXxxXxxX.............von aller Erlösung der Welt.

xXXxXXxXxxX.......Schon unendlich lang fließt mein Wasser dahin
xXxxXxxX.............und nährte verschiedenste Saat.
xXxxXXxXXxX.......So vieles verging - doch was blieb, hatte Sinn,
xXXxXxxX.............bis er meine Ufer betrat.

xXXxXxxXxxX.......Erträumt als Vollendung des Willens zum Sein,
xXXxXxxX............erschuf ich den Menschen zum Schluss.
xXxxXxxXxxX.......Doch Abel sank nieder, erschlagen von Kain -
xXxxXXxX............der eigenen Art zum Verdruss.

xXXxXxxXxxX.......Und Kain zeugte Kinder - sie trugen sein Mal,
xXxxXXxX.............das Zeichen von Hass und von Gier.
xXxxXXxXxxX.......So wird mir der Mensch nun allmählich zur Qual:
xXxxXxxX.............Ich mag ihn nicht länger mehr hier!"

Du verwendest eine symbolhafte Sprache,
die es zu enträtseln gilt, was den Logiker
veranlaßt, sich bei manchen Stellen den Kopf zu kratzen.

Gut, der weinenden Zeit wurde begegnet,
die wie ein einsames Kind war - und wie weiters
zu lesen ist, als Baum in die Schöpfung gestellt ist.
Ein Baum als Hoffnung, das geht an,
aber zugleich birgt er den Traum von aller Erlösung der Welt.
Wasser hat er auch, das unendlich lange dahin fließt.
Ist da noch der Baum gemeint?

Mit dem 'bis er meine Ufer betrat' (Str.3,Z4)
geht nicht klar hervor, von wem du sprichst.

In der letzten Strophe hat sich jemand die Vollendung
des Willens zum Sein erträumt, der dann den Menschen erschuf.
Meinst Du hier Gott?
Die vorletzte Zeile wird mit dem widersprechenden Wort 'Doch'
eingeleitet; hier fehlt der Grund für diesen Widerspruch, für das 'Doch'.

Zu entnehmen ist eindeutig der Verdruß am Menschen (letzte Zeile).

Es hat verheissungsvoll begonnen, dann kommt es mir etwas sprunghaft vor, als wären einige Gedanken nicht niedergeschrieben worden. Gegen Schluß bringst du ein religiöses Motiv unter, die hierzulande einigermaßen bekannte Geschichte von Abel und Kain.

Seltsam wirkt auf mich die Beschreibung der Schaffung des Menschen 'Erträumt als Vollendung des Willens zum Sein'.

Vielleicht sollten einige stellen klarer ausgearbeitet werden, was ein Vorteil für die Verständlichkeit wäre.

Gruß
Joame
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#3

Die weinende Zeit

in Düsteres und Trübsinniges 23.02.2008 20:10
von viktor | 114 Beiträge | 114 Punkte
hallo jaome,
baum - etwas, das wächst und sich verästelt.
fluss - lineare fortbewegung,
beides hier symbole der zeit im raum.
mensch - höchste entwicklungsform des lebens, nach gottes ebenbild vollendete schöpfung, letzter am ufer des flusses.
kain - die gattung zerstört sich selbst, deshalb weint die zeit.
der text ist stark von der philosophie a. schopenhauers beeinflusst - spaltung des willens zum leben im principium individuationis...
liebe grüße
viktor
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#4

Die weinende Zeit

in Düsteres und Trübsinniges 23.02.2008 23:40
von Wortfotografin (gelöscht)
avatar
hallo victor,
mit x-en kann ich dir nicht dienen für mich ist es immer ein klang, ob ich es in der melodie des erfassens lesen und mitfühlen kann und das stimmt hierin harmonie.

Schon unendlich lang fließt mein Wasser dahin
und nährte verschiedenste Saat.
So vieles verging - doch was blieb, hatte Sinn,
bis er meine Ufer betrat.

diese strophe mag ich dabei besonders, die gibt dem klang spiel.

lg silvi
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#5

Die weinende Zeit

in Düsteres und Trübsinniges 11.03.2008 14:34
von viktor | 114 Beiträge | 114 Punkte
danke dir, wf,
du hast den text so erfasst, wie ich ihn gedacht hatte:
als lyrische melodie...
liebe grüße
viktor
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