http://www.E-LIEratum.de
#1

Au

in Liebe und Leidenschaft 04.02.2008 17:51
von Luca (gelöscht)
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Au

An deinen Kirschen, mon chérie, hab ich mich vollgefressen,
an deinen Worten, Dichter, hab ich mich berauscht,
jetzt muss ich würgen, kotzen, drücken, unter Wehen pressen,
hab deine Lügen gegen Übelkeit getauscht.

Dein Reimgebimmel, deine rilkenraine Attitüde,
dein eitler Daktylus, der vorgetäuschte Takt:
der Ton war läufig, ja galant, der Inhalt nur ein Rüde,
der nach dem Beischlaf in die nächsten Beete kackt.

Nun bist du fort, Phantom, und streunst durch laue Foren,
als gäb es dich real - dort fickst du jede Sau,
die dich begrunzt. Ich schreibe selber - au!
Fress meine Kotze auf und mache mich zum Toren.
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#2

Au

in Liebe und Leidenschaft 04.02.2008 18:31
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Friss, Luca, friss!

Ich kenne mehrere User, denen ich dieses Gedicht gleich vor den Latz knallen könnte und genau das ist auch das "Problem". Es funktioniert nur für das/unser homogene/s Grüppchen Internetdichter. Allen anderen - normalen (? *g)- Lesern wird das Wort 'Foren' überhaupt nichts sagen, und sie werden sich höchstens an der direkten Sprache orientieren. Das kann gefallen, wenn man diesen Humor mag, oder es fällt durch, weil's zu 'dreckig' ist.

Wäre gut im Circus aufgehoben ... kleine Schmähschrift für ...

Aber witzig finde ich es allemal. Fein gedichtet, du Pöt!

Gruss
Margot

Die Frau in Rot

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#3

Au

in Liebe und Leidenschaft 04.02.2008 20:27
von Fabian Probst • Mitglied | 626 Beiträge | 626 Punkte
ich muss mich da anschließen.

Unterhaltsam in jedem Fall.

Gruß, Fabian
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#4

Au

in Liebe und Leidenschaft 04.02.2008 22:12
von Maya (gelöscht)
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Willkommen im Tümpel,

das ist ein wunderbar rotziger Ton, den du angeschlagen hast, das haut, sozusagen, voll rein.

An deinen Kirschen, mon chérie, hab ich mich vollgefressen,
an deinen Worten, Dichter, hab ich mich berauscht,
jetzt muss ich würgen, kotzen, drücken, unter Wehen pressen,
hab deine Lügen gegen Übelkeit getauscht.


Während dieses „mon chérie“ eher an eine Frau denken lässt, wird in V2 von einem „Dichter“ gesprochen. Das finde ich etwas verwirrend. Zuerst dachte ich, dass in den beiden ersten Zeilen unterschiedliche Personen sprechen, doch verwarf ich diese Sicht dann wieder.

Das lyrI hat sich also an den schönen Worten, vielleicht Komplimenten des Du’s voll gefressen, nun folgt Übelkeit, weil das lyrI irgendwelche Lügengeschichten aufgedeckt hat. Dieses dreifache „hab“ hab ich nicht so gern. Mehr hab ich hier nicht zu meckern.

Dein Reimgebimmel, deine rilkenraine Attitüde,
dein eitler Daktylus, der vorgetäuschte Takt:
der Ton war läufig, ja galant, der Inhalt nur ein Rüde,
der nach dem Beischlaf in die nächsten Beete kackt.


Die Tiraden, die Vorwürfe, die man dem Du macht, finden in der S2 ihre Fortsetzung. Die Verse werden zum „Reimgebimmel“ abqualifiziert, zudem ist von Attitüden, Eitelkeiten Täuschungsmanövern und Läufigkeit die Rede. Das ist ja allerhand, so dass der herbe Grundton des Textes angemessen scheint. Interessant ist, dass die eben zitierten vier unliebsamen Begriffe immer an Wörter gekoppelt sind, die der Dichtung bzw. Dichtungstheorie entnommen sind („rilkenraine“, „Daktylus“, „Takt“, „Ton“). Das könnte darauf hinweisen, dass dieser Beischlaf immer nur in Versen stattgefunden hat. Das „rilkenraine“ finde ich in der Verkettung von Vor- und Zunamen eine besonders witzige Idee. Nach dem Doppelpunkt müsste man m. E. mit der Großschreibung fortfahren.

Diese Strophe klingt verbittert, so, als hätte das lyrI eine Enttäuschung hinnehmen müssen, weil es gehört hat, dass sich das Du nach dem, wie sich später herausstellt, lediglich virtuellen F***, sofort neue Beete suchte und diese dann auch düngte. Die Beschmutzung der Beete finde ich etwas krass ausgedrückt, also das letzte Wort, das ich nicht zitieren möchte, das meine ich. Aber im Grunde passt das ja.

Nun bist du fort, Phantom, und streunst durch laue Foren,
als gäb es dich real - dort fickst du jede Sau,
die dich begrunzt. Ich schreibe selber - au!
Fress deine Kotze auf und mache mich zum Toren.


Das Phantom scheint auch eher auf eine Fantasie, Illusion hinzudeuten, was die Folgezeile ja bestärkt. Auch in dieser Strophe wirkt das Du nicht unbedingt sympathischer, es nimmt scheinbar jeden, den es kriegen kann. Kein Wunder, dass dem lyrI dabei schlecht wird, das ginge wohl jedem so. Dieses Au deute ich im Sinne von „Wie konnte ich nur so blöde sein?“ („Toren“). Warum es dann aber die Kotze frisst, ist mir nicht ganz klar. Hat das Du auch gekotzt?

Zuerst verstand ich das Gedicht anders, nämlich so, dass in den ersten beiden Strophen aus der vermeintlichen Sicht der Frau gesprochen wird und zwar aus der Perspektive des Dichters, der dann in S3 zum Vorschein kommt. Sie wandte sich von ihm ab, weil sie so über ihn dachte, wie in den ersten beiden Strophen geschildert wird. Daher frisst der Dichter ihre Kotze. Das würde auch heißen, dass in S3 eher eine Sehnsucht zum Tragen käme, ein echtes Herzschmerz-Au. Doch spricht diese Rumhurerei, die in S3 Erwähnung findet, gegen diese Deutung, denn sie ist ja quasi der "Beweis" für die Vorwürfe in S2.

Gruß, Maya
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#5

Au

in Liebe und Leidenschaft 05.02.2008 18:28
von Luca (gelöscht)
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Vielen Dank für die Kommentare.

Ich glaube, es liegt hier ein Mißverständnis vor. Ich wollte kein Gedicht schreiben, das "funktioniert" - eher ein Gedicht schreiben gegen das Funktionieren. Eingentlich will ich gar nicht schreiben. Aber ich kann es nicht lassen - so wenig wie ihr. Ich schreibe nur noch gegen das Schreiben. Ich will keinen Beifall für eine "Zirkusnummer", ich schreibe keine "Schmähschrift" gegen eine bestimmte Person. Wenn überhaupt eine Schmähschrift, dann gegen mich selbst. Denn ich fühle mich selbst für das verantwortlich, was ich in mich hineinfresse an Sprache und als Sprache wieder ausbreche. Ich finde es widersinnig, wie ich mich "dichtend" an der Sprache besaufe und anschließend in nüchternen Analysen versuche, daraus so etwas wie eine Aussage herauszudestillieren. Das methodische Dichten, wie wir es hier betreiben ist hochgradig halluzinogen. Es sucht die Täuschung. Es will die Lüge. Doch sobald ich meinen Sprachrausch entlarve, verwandelt er sich in einen unappetitlichen Wortbrei, den ich nur noch "auskotzen" möchte.

Es tut mir leid, es nicht klarer sagen zu können. Aber meine Kotze ist auch deine Kotze. Denn wir bewegen uns alle in demselben Sprachbrei. Trotzdem werde ich die letzte Zeile ändern, um nicht den Eindruck zu erwecken, ich möchte andere - "Dich" - für mein Ver-sagen verantwortlich zu machen.

Dieses Gedicht ist bedeutungslos. Es ist au und es ist töricht wie alles, was Autoren so versuchen. Dass ich dies nicht mitteilen konnte, kann ich nur als Bestätigung sehen. So wie ihr als Leser genau das aus dem Gedicht herausgelesen habt, was ihr für eure individuelle Art von Rausch braucht.

Mit schönen Grüßen aus Taka Tuka

Luca
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#6

Au

in Liebe und Leidenschaft 05.02.2008 19:28
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Ich habe selten einen grösseren Schwachsinn gelesen ... lach. Verursacht solche Wehleidigkeit nicht grosse Schmerzen?

Dann erübrigen sich weitere Kommentare zu Deinen Werken ja wohl, jawoll!

Angenehmes Kotzen!

tschüss
Margot

Die Frau in Rot

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#7

Au

in Liebe und Leidenschaft 07.02.2008 18:47
von Luca (gelöscht)
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Ist der Tümpel nicht eine Selbsthilfegruppe?

Und wenn ja: Geht es hier nur um das Korrigieren stilistischer Mängel, um die Verbesserung des dichterischen Handwerks, oder ist dies auch ein Ort, seinen Umgang mit der Sprache selbst zum Thema zu machen?

Meine schlichte These ist, dass das Sichberauschen an der Sprache in Allianz mit den Wirkungen beim Leser mehr die Geltungssucht fördert als dass es die eigenen Einsichten voranbringt.

Dieser methodische Eskapismus ist mein Thema. Mir geht es um die sich verfestigenden Techniken der Selbstberauschung und ich möchte euch bitten, mir bei der Befragung und Entlarvung meiner Techniken behilflich zu sein.

Ich glaube nicht, dass das grosse Schmerzen bereitet. Jedenfalls nicht größere als das Verleugnen der eigenen Sprachsucht.

Man muss dabei nicht persönlich werden. Die Anonymität des Tümpels stellt es jedem frei, wie weit er hinter seinen Pseudonymen, Masken oder Posen hervortreten möchte. Es ist nur ein Angebot zu schonungsloser Selbstkritik.

Anonyme Verbalkoholiker aller Länder vereinigt Euch!
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#8

Au

in Liebe und Leidenschaft 07.02.2008 23:40
von Joame Plebis | 3.371 Beiträge | 3363 Punkte
Guten Abend, Luca!

Wurden diese Fragen an eine bestimmte Person gerichtet? Oder allgemein gestellt - oder ist das ein Fragment eines Selbstgespräches?
Wir haben eine Plauderecke, wo für nahezu alle Themen Platz ist.
Aber da Du nun einmal hier, ich nehme einmal an, von Deiner Geltungssucht sprichst und eigene Einsichten voranbringen willst, soll es meiner Person recht sein.
Jetzt muß ich erst einmal verkraften, daß Dein Thema 'dieser' methodische Eskapismus ist. - Herrjeh, da wird mir fast der Quark in der Honigtüte sauer.
Dafür entschädigst Du glücklicherweise sogleich und tröstest, indem vermutlich die Techniken der Selbstberauschung verfestigt werden. Das hört sich gut an.

Wie Du versicherst, bereitet es nicht große Schmerzen, somit können ja einige hier wieder tiefer durchatmen.

Was die Entlarvung Deiner Techniken anbelangt, werde ich für Dich wahrscheinlich keine große Hilfe sein, denn eine Befragung dazu halte ich für überflüssig. Grund könnte sein, die eigene Sprachsucht hat schon alle Dimensionen gesprengt.
Um aber sicher zu gehen, nichts von Deiner schonungslosen Selbstkritik zu versäumen, - die sollte aber in der Plauderecke stattfinden -, werde ich gelegentlich nachsehen, ob Du schon damit begonnen hast. Als geeigneter Ort dafür erscheint mir die Plauderecke. Möge Goethe Deine Wege segnen!
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