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#1

Auf der Suche nach Struktur

in Diverse 16.01.2008 20:39
von KleineFeder (gelöscht)
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Stetige Unruhe
wütet in mir – suchend
nach dem Platzhalter, der mich
mit offenen Armen
im System der Menschheit
empfangen wird.

Hat mein Geist dann Ruh` gefunden,
ist zufrieden; endlich Halt.
Keine Ziele, keine Grenzen
- warum auch?
Auf rauer See droht mehr Gewalt.


---
srry... vergebt mir dass ichs in die falsche Kategorie gestellt hab stellt euch einfach vor es würde in Gesellschaft stehen
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#2

Auf der Suche nach Struktur

in Diverse 17.01.2008 08:22
von Erebus | 748 Beiträge | 748 Punkte

Hallo Kleine Feder,


Zitat:

Auf der Suche nach Struktur

Stetige Unruhe
wütet in mir – suchend
nach dem Platzhalter, der mich
mit offenen Armen
im System der Menschheit
empfangen wird.

Hat mein Geist dann Ruh` gefunden,
ist zufrieden; endlich Halt.
Keine Ziele, keine Grenzen
- warum auch?
Auf rauer See droht mehr Gewalt.




"Auf der Suche nach Struktur" der Titel sagt schon eine ganze Menge, ja, eigentlich alles aus, dann lese ich den Text, um die Details zu erfahren.

Ich möchte vorausschicken, dass ein Text, der sich nicht der Führung durch Metrik und Reim anvertraut, ein hohes Mass an stimmigen Bildern und vorzüglicher Sprachlichkeit aufbringen muss, um mich zu fassen.
Andernfalls stehe ich oftmals unberührt, manchmal verärgert daneben und muss mich durch die Verse kämpfen, um mich an ihnen zu beteiligen.
Immer wieder knickt der Verstand an Löchern im Inhalt ein, bleibt die Zunge an Sprachpusteln hängen.
Diese Löcher vermag ein sicheres Gerüst althergebrachter dichterischer Formalismen gut zu überbrücken.

Dein Text vertraut sich der freien Form an, die Metrik ist ein Gemisch aus Trochäen und Daktylen, leicht gelingt der Einstieg

Zitat:

Stetige Unruhe
wütet in mir - suchend


dann jedoch beginnt die Sprachmelodie zu holpern.
Gesagt wird jedoch nichts. Nichts Neues, nichts Genaues, nichts Erlebbares. Der Text führt mich durch Abstrakta:
Stetige Unruhe wütet in mir - suchend nach dem Platzhalter, der mich mit offenen Armen im System der Menschheit empfangen wird.
Die "Stetige Unruhe" bleibt bei mir gänzlich ohne Widerhall. Klar, ich weiß was gemeint ist; mir fällt auch auf, dass "stetig" die Stetigkeit beinhaltet, ein Begriff, der auf mich eher beruhigend wirkt. Selbst wenn die Unruhe "wütet" evoziert das noch nichts. Ich meine, ein Bild, ein Geschehen, ein Gleichnis, dass dies Unruhe verkörpert, das wäre aussagefähiger. Worin kommt diese Unruhe zum Ausdruck?
Vielleicht ist es gar keine Unruhe, sondern ein Ungeborgensein? Dazu fällt mir grade etwas ein, das ich -bei aller Sträubung, die ich gegen verschiedene Formulierungen habe- für ein gutes Beispiel halte:
Ich steh auf, streun durchs Haus
geh zum Kühlschrank, mach ihn auf
er ist kalt, er ist leer
Beweg mich im aussichtslosen Raum
führ Selbstgespräche, hör mich kaum
bin mein Radio, schalt mich aus
ich würd mich gern verstehn,
aber ich weiß nicht, wie das geht
der Grundriss ist weg
ooh
es tropft ins Herz
mein Kopf unmöbliert und hohl
ohh
keine Blumen am Fenster
der Fernseher ohne Bild und ton
fühl mich unbewohnt...
(Grönemeyer - Unbewohnt)

so ähnlich, günstigerweise kürzer, kämen Bilder zustande, die ich vermisse.
Aber Dein Text geht weiter, und vergrößert die Distanz zwischen dem Leser und dem LI
Zitat:

suchend nach dem Platzhalter, der mich mit offenen Armen im System der Menschheit empfangen wird.


Die Weiterführung durch ein Partizip ist "unterkühlt". LI sagt nicht "ich suche" sondern definiert sich distanzierter: "suchend". Das aber ist bereits meine Unterstellung. Denn grammatisch richtig gelesen ist es die Unruhe, die suchend ist, was mir aber wenig sinnstiftend erscheint.
Nun wird ein Platzhalter gesucht. Ja, was ist das? Ein Etwas, das stellvertretend für ein Nichtetwas steht? Wessen Platz soll denn eingenommen werden? LI ist doch nicht aufgefunden?

Dieser Platzhalter soll dann aus dem Spiegel treten und LI mit offenen Armen "im System der Menschheit" empfangen.
Da kann ich wirklich nicht mehr folgen. Einerseits ist das "System der Menschheit" eine sehr, sehr große Wolke, ein Alles. Ein Nichts.
Andererseits ist es natürlich genau das, was ein LI, das eine Struktur sucht, sich unter einer Struktur vorzustellen vermag. Sie soll von aussen kommen, mit offenen Armen empfangen. Ein System, eine Wahrheit, die im Nebenan existent ist und die das LI nur noch nicht bemerkt hat, um es in Empfang zu nehmen.
Ich halte das für schwierig, schwierig zu verstehen, zu intellektuell ausgedrückt und für nicht zutreffend.

Zitat:

Hat mein Geist dann Ruh` gefunden,
ist zufrieden; endlich Halt.
Keine Ziele, keine Grenzen
- warum auch?
Auf rauer See droht mehr Gewalt.


Nun gibt sich LI einer Illusion hin, der Erfüllung seines Traumes, aber ebenfalls wieder abstrakt? Der "Geist hat Ruh` gefunden" - wie sieht das aus? Ist damit ganz einfach die Aufhebung der Unruh' gemeint, die ich schon vorher nicht empfinden konnte? Oder eine saftige grüne Wiese, ein Sommerlüftchen mit Majoranduft? Ich weiß es nicht. Keine Ziele, keine Grenzen.. nichts, nur ein Apostroph, das mir nicht gefällt.

Das ist mir zu abgehoben. Doch dann wird die Schraube nochmals angezogen und meinem Verstand geistig vor das Schienbein getreten
Zitat:

- warum auch?
Auf rauer See droht mehr Gewalt.


Die letzten beiden Verse bringen mich ganz aus dem Konzept, ich kann die darin zum Ausdruck gebrachte Widersprüchlichkeit nicht auflösen. Aber ich kann sie auch nicht nachvollziehen, das ist mir fremd.
Worauf bezieht sich das "mehr", ich tauchte doch grade in das Verstehen grenzenloser Ziellosigkeit ein, gibt es dennoch ein mehr an weniger? Wieso raue See?

Nein, dieser Text will sich mir gar nicht erschließen. Ich habe eine Ahnung, worum es geht, indes mir fehlt das Mitgenommenwerden.

Ein einziges Bild wird genannt, die raue, gewaltvolle See, aber ich weiß nicht einmal, ob sie dem abstrakt behandelten Thema konträr gegenüber steht oder mit ihm zusammengeht.
Ich glaube, eine derartige Thematik ist dichter abzuhandeln, wenn man bei einem beispielhaften Ding bleibt, meinetwegen dem unbewohnten Raum, nicht, wenn man den Bodensatz der Überlegungen in Worten wie Struktur, System, Menschheit, Geist, Ruh, Ziel und Grenzen bemüht. Das ist mir zu weit weg.

Dennoch habe ich mich gerne mit Deinem Text beschäftigt, denn jede Beschäftigung ist auch Bereicherung, ein Bekenntnis zur Struktur, würde ich sagen.

LG
Ulrich
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#3

Auf der Suche nach Struktur

in Diverse 17.01.2008 12:09
von Joame Plebis | 3.371 Beiträge | 3363 Punkte
Ich kann es einfach nicht lassen und hier bemerken:

Einer der besten Kommentare, die ich in letzter Zeit las.
Gewissenhaft, ausgiebig, freundlich und mit viel Arbeit verbunden.
(Es sollte auch einen Wettbewerb für Kommentare geben.)

Danke, Erebus, für Deinen Kommentar!
Danke, kleine Feder, für Deinen Beitrag, ohne dem dieser Kommentar nicht zustande gekommen wäre!

Mit Gruß
Joame
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#4

Auf der Suche nach Struktur

in Diverse 17.01.2008 18:01
von KleineFeder (gelöscht)
avatar
Hi Erebus,

schön, einen Kommentar von dir unter meinem Gedicht zu haben.


Zitat:

Erebus schrieb am 17.01.2008 08:22 Uhr:
Dein Text vertraut sich der freien Form an, die Metrik ist ein Gemisch aus Trochäen und Daktylen, leicht gelingt der Einstieg



Ich glaube, da kommt es drauf an was du mit "frei" meinst... Ich verstehe unter frei keine Metrik. Es soll sich für mich halbwegs nach etwas anhören und vortragbar sein. Metrik suche ich eher in einem Gedicht, das gleiche Verslängen und/oder Reime enthält. Die ersten 2 Zeilen sind eher zufällig so geschrieben. Einzig in der letzten Strophe habe ich auf einen schönen Lesefluss geachtet. Es soll hier eben von keiner "Unruhe" mehr die Rede sein, sondern von ein wenig Struktur und ..."Normalität". Tut mir leid, mir fehlt hier das passende Wort, das es genau trifft was ich meine.



Zitat:


Die "Stetige Unruhe" bleibt bei mir gänzlich ohne Widerhall. Klar, ich weiß was gemeint ist; mir fällt auch auf, dass "stetig" die Stetigkeit beinhaltet, ein Begriff, der auf mich eher beruhigend wirkt. Selbst wenn die Unruhe "wütet" evoziert das noch nichts. Ich meine, ein Bild, ein Geschehen, ein Gleichnis, dass dies Unruhe verkörpert, das wäre aussagefähiger. Worin kommt diese Unruhe zum Ausdruck?
Vielleicht ist es gar keine Unruhe, sondern ein Ungeborgensein?



Du bist eher der Bilder-Mensch, ich weiß Normalerweise schreibe ich auch immer sehr damit; ich muss zugeben hier habe ich eher auf den Inhalt geachtet als auf saubere und schöne Bilder.
Die Unruhe ist alles. Es ist Ungeborgensein, keinen Halt finden, sich nicht zu Hause zu fühlen in mancher Hinsicht... Ich wusste nicht, wie ich es im ganzen hätte beschreiben können. Da fiel mir als Oberbegriff nur die Unruhe ein und ich wollte auch kein einzelnes Beispiel bringen. Es liegt aber nicht an der Umgebung sondern einfach am Geist des LI.

Ich weiß es nicht, vielleicht kennst du das Gefühl (von früher noch), sich seinen Platz in der Gesellschaft suchen zu wollen; endlich zu wissen wie es später einmal sein wird, ob man respektiert wird etc. Einfach wie es später einmal weitergehen wird. Wer deine Freunde sein werden oder bleiben; wer deine Feinde in Wirklichkeit sind und ob ich mich auch so entfalten kann, wie ich das möchte. Bei manchen kommt es später und bei manchen früher. Ich denke im Moment ziemlich viel darüber nach. Man kann es nicht beschreiben aber es fühlt sich an wie eine ewige Unruhe.


Zitat:


Aber Dein Text geht weiter, und vergrößert die Distanz zwischen dem Leser und dem LI.
Die Weiterführung durch ein Partizip ist "unterkühlt". LI sagt nicht "ich suche" sondern definiert sich distanzierter: "suchend". Das aber ist bereits meine Unterstellung. Denn grammatisch richtig gelesen ist es die Unruhe, die suchend ist, was mir aber wenig sinnstiftend erscheint.
Nun wird ein Platzhalter gesucht. Ja, was ist das?



Die Vergrößerung der Distanz ist unbewusst gewollt. Das Gedicht soll sich nun nicht mehr nur um das LI drehen, sondern soll sich eben auf dieses System ausweiten, das alle Menschen(sehr,sehr wenige Ausnahmen) betrifft. Stimmt, das "suchend" ist grammatikalisch nicht richtig, dennoch fand ich es passend.



Zitat:

Einerseits ist das "System der Menschheit" eine sehr, sehr große Wolke, ein Alles. Ein Nichts.
Andererseits ist es natürlich genau das, was ein LI, das eine Struktur sucht, sich unter einer Struktur vorzustellen vermag. Sie soll von aussen kommen, mit offenen Armen empfangen. Ein System, eine Wahrheit, die im Nebenan existent ist und die das LI nur noch nicht bemerkt hat, um es in Empfang zu nehmen.



Der Platzhalter der vorbestimmte Platz im System. Er empfängt einen mit offenen Armen weil er will dass ich dort bin und dass ich diesen Platz einnehme. Der Platzhalter ist kein Mensch in dem Sinne... Es hält mir eben meinen Platz frei und wartet, bis ich zu ihm durch verschiedenstes(Medien, Zeitung, Politik, andere Menschen) gelotst werde, die wie kleine Arbeiter im System mitwirken.
Aber das LI hat das System schon bemerkt. Versuch das ganze mal ironisch zu lesen; es will dort eigentlich gar nicht hin.



Zitat:

Nun gibt sich LI einer Illusion hin, der Erfüllung seines Traumes, aber ebenfalls wieder abstrakt? Der "Geist hat Ruh` gefunden" - wie sieht das aus? Ist damit ganz einfach die Aufhebung der Unruh' gemeint, die ich schon vorher nicht empfinden konnte? Oder eine saftige grüne Wiese, ein Sommerlüftchen mit Majoranduft? Ich weiß es nicht. Keine Ziele, keine Grenzen.. nichts, nur ein Apostroph, das mir nicht gefällt.



*lach* nein, eher ersteres. Es ist eigentlich so gemeint wie es dasteht. Der Geist, die Psyche, das Wesen findet in diesem System die Ruhe, die es sich vorher gewünscht hat.



Zitat:

Das ist mir zu abgehoben. Doch dann wird die Schraube nochmals angezogen und meinem Verstand geistig vor das Schienbein getreten
Zitat:

- warum auch?
Auf rauer See droht mehr Gewalt.


Die letzten beiden Verse bringen mich ganz aus dem Konzept, ich kann die darin zum Ausdruck gebrachte Widersprüchlichkeit nicht auflösen. Aber ich kann sie auch nicht nachvollziehen, das ist mir fremd.
Worauf bezieht sich das "mehr", ich tauchte doch grade in das Verstehen grenzenloser Ziellosigkeit ein, gibt es dennoch ein mehr an weniger? Wieso raue See?



Ich muss zugeben, im nachhinein ist das Bild wirklich ein wenig unglücklich gewählt und hängt sehr in der Luft. Für mich war es dennoch beim Schreiben passend. Ich habe keine bessere Zeile gefunden, die das ausgedrückt hätte, was ich meine. Da passt das bild mit der rauen See eigentlich ganz gut.
Es geht darum, dass das LI eigentlich nicht in das System will. Also wieder die Ironie, die sich durch das ganze Gedicht zieht und eigentlich durch die Zeile "warum auch?" zum Ausdruck gebracht werden sollte. Gut, jetzt bin ich eines besseren belehrt und weiß, dass mir das nicht gelungen ist.


Zitat:


Nein, dieser Text will sich mir gar nicht erschließen. Ich habe eine Ahnung, worum es geht, indes mir fehlt das Mitgenommenwerden.

Ich glaube, eine derartige Thematik ist dichter abzuhandeln, wenn man bei einem beispielhaften Ding bleibt, meinetwegen dem unbewohnten Raum, nicht, wenn man den Bodensatz der Überlegungen in Worten wie Struktur, System, Menschheit, Geist, Ruh, Ziel und Grenzen bemüht. Das ist mir zu weit weg.



Wie gesagt, ich habe hier fast nur auf den Inhalt geachtet und weniger auf sprachliche Schönheit und Glanz.
Trotzdem verstehe ich nicht, wie du sagen kannst, dass man solch eine Thematik dichter behandeln solle, wenn du die meisten Teile nicht verstehst und nicht recht viel mehr als eine Ahnung hast.
Vielleicht ist es wirklich ein wenig viel, alles in ein Gedicht zu fassen. Trotdzem wollte ich keinen Zyklus o.Ä. machen, sondern einfach nur über diese Thematik schreiben.

Jetztz müsste es eigentlich klarer sein, was ich meine. Vielleicht ist es aber auch einfach so, dass manche Menschen(womöglich die, die sich auch schon damit beschäftigt haben) einfach gleich oder schneller dahinter blicken als andre, die sich da eher weniger Gedanken drüber gemacht haben. Ist aber nur so eine Vermutung, kann auch ganz anders sein.
In einem andren Forum haben manche gleich verstanden, was ich meine und manche mit einigen Denkanstößen. Wäre nett, noch einmal eine Rückmeldung von dir zu erhalten, ob es jetzt etwas klarer geworden ist. Versuch einfach mal das ganze etwas ironischer zu lesen.

Ich weiß, dass so ein Kommentar viel Arbeit macht(wie ich ja gerade selber erfahren durfte) und deswegen danke ich dir hier nochmal. Ich weiß das sehr zu schätzen. Und mit negativer Kritik kommt man meist weiter als mit positiver

Liebe Grüße,
KleineFeder/Jenny

P.S.: Werde versuchen, dir per PN am Wochenende zu antworten....weißt schon was ich mein Bald sind alle wichtigen Prüfungen um.
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#5

Auf der Suche nach Struktur

in Diverse 19.01.2008 08:50
von Erebus | 748 Beiträge | 748 Punkte
Hi KleineFeder/Jenny,


Zitat:

Ich weiß, dass so ein Kommentar viel Arbeit macht

...aber auch viel Spaß, wenn man sich dann erst einmal dazu aufgerafft hat und:

@Joame - wenn man dafür sogar gelobt wird - Ich danke sehr!

@Jenny
Ich bedanke mich für Deine Replik, die ich mir durchgelesen habe. Ich glaube, dass ich in den Grundzügen den Sinn erfasst habe, jedoch geht es hier um den Text, nicht um den Sinn: berührt mich der Text - und wenn: warum? Anders gesprochen: warum berührt er mich nicht? Das wäre in diesem Forum die Frage, die ich klären will.

Jetzt habe ich bereits zweimal zu einer Antwort angesetzt, aber ich werde darin immer so oberlehrerhaft, das lasse ich besser. Ausserdem muss ich im Moment lauter Dinge tun, die ich ungern tue, die aber "sein müssen" und bekomme den Kopf nicht richtig frei.
Ganz kurz zum Schreiben ohne Metrum: nach meinem Wissenststand geht das gar nicht, nicht in der deutschen Sprache. Das wäre ein unendlich langezogenes lüüüüüüü....
Man kann dem Metrum ganz einfach keine Beachtung schenken, dann ergibt es sich, und das wäre für mich metrisch: frei.

Und, ja, hier:

Zitat:

Trotzdem verstehe ich nicht, wie du sagen kannst, dass man solch eine Thematik dichter behandeln solle, wenn du die meisten Teile nicht verstehst und nicht recht viel mehr als eine Ahnung hast.


Ha! Touché.
Ich bilde mir einfach ein, ich hätte was verstanden, wie gesagt, in Grundzügen. Mit anderen Worten, der Text könnte auch von mir stammen, aber eben nicht in dieser Form.

Verzeih mir Formulierungen wie "erschließt sich mir nicht" - dann meinte ich nicht, dass ich nicht kapiere, worum es im Großen&Ganzen geht (wobei: die Möglichkeit muss ich mir einfach offen halten) sondern: dies entwickelt sich nicht vor meinen Augen aus den Formulierungen, ich bekomme die Zusammenhänge nicht auf die Reihe, ich finde keinen Zugang durch das Nebeneinander/Nacheinander eben dieser zitierten Textstellen. Oder: das wirft mich jetzt wieder aus dem Gedankengang, verstört mich etc. . Dann erschlösse sich etwas nicht.

Die Fragen "Wo ist mein Platz?", "Gibt es einen Platz für mich?" oder "Wie finde ich die große Übereinstimmung von mir und meinem Leben" oder so, diese Fragen stelle ich mir ja auch, vielleicht mit anderer Gewichtung, in anderen Worten, mit anderer Nuancierung. Vielleicht bin ich ihrer auch etwas müde geworden -schliesslich muss Alter und Erfahrung doch Vorteile bringen- und versuche mich lieber an Kleinigkeiten aufzuhalten, Dinge zu beleben, ihren Unterhaltungswert auszuloten. Der Hintergrund der Fragen bleibt jedoch.


Zitat:

In einem andren Forum haben manche gleich verstanden, was ich meine und manche mit einigen Denkanstößen.


Das man dort scheinbar verstanden wird, und hier nicht, oder andersherum, ja, das ist ein Phänomen. Aber, um zum Thema zurückzukommen: man ist irgendwie beheimatet - ist dort dann der Platz?


Zitat:

Vielleicht ist es aber auch einfach so, dass manche Menschen(womöglich die, die sich auch schon damit beschäftigt haben) einfach gleich oder schneller dahinter blicken als andre, die sich da eher weniger Gedanken drüber gemacht haben. Ist aber nur so eine Vermutung, kann auch ganz anders sein.


Aua. Aber ausschließen kann ich's nicht.

Und dabei belasse ich's jetzt mal.
Ich bedanke mich für Dein detailliertes Eingehen auf meinen Kommentar

LG
Ulrich
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#6

Auf der Suche nach Struktur

in Diverse 20.01.2008 14:57
von KleineFeder (gelöscht)
avatar
HiHi Erebus,


ich will trotzdem noch schnell auf deine Antwort eingehen wenn das ok ist.

Zitat:

Ich bedanke mich für Deine Replik, die ich mir durchgelesen habe. Ich glaube, dass ich in den Grundzügen den Sinn erfasst habe, jedoch geht es hier um den Text, nicht um den Sinn: berührt mich der Text - und wenn: warum? Anders gesprochen: warum berührt er mich nicht?



Nein, berühren tut es einen wirklich nicht. Ich weiß auch warum: weil es einfach zu sachlich geschrieben ist. Andererseits habe ich mir gedacht, würde es doch sehr weinerlich und nach die-Welt-ist-doof-und-alle-Menschen-auch klingen.
Ich weiß dass mir hier wahrlich kein Meisterwerk gelungen ist und trotzdem wollte ich das Thema einmal ansprechen bzw anschreiben.
Ich könnte jetzt das Gedicht verbessern, aber das mache ich im Regelfall nicht. Vielleicht werde ich mir das ganze in ein paar Monaten noch einmal vornehmen und es ganz neu schreiben.

Mit der Metrik hast du Recht, man kann wirklich nicht ohne schreiben. Das war falsch ausgedrückt. Man achtet halt einfach dann nicht darauf bei freien Gedichten.


Zitat:

man ist irgendwie beheimatet - ist dort dann der Platz?



Wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, dann bist du für das, was ich meine, noch sehr... auf manche Dinge bezogen. Die Grenzen verschwimmen da sehr, trotzdem will ich versuchen zu erklären, was ich meine:
Du meinst Fragen wie: Wo wohne ich? Was werde ich später besitzen?
Ich meine Fragen wie: Wie werde ich zur Gesellschaft stehen? Welchen Platz werde ich doch einmal einnehmen? Werde ich meine Meinung äußern können und evtl auch durchsetzten können? usw...
Ich hoffe ich laber hier nicht nur irgendwelchen unverständlichen Schrott...


Zitat:


Zitat:
Vielleicht ist es aber auch einfach so, dass manche Menschen(womöglich die, die sich auch schon damit beschäftigt haben) einfach gleich oder schneller dahinter blicken als andre, die sich da eher weniger Gedanken drüber gemacht haben. Ist aber nur so eine Vermutung, kann auch ganz anders sein.

Aua. Aber ausschließen kann ich's nicht.



Ich hoffe du hast das nicht böse aufgefasst... Es war eigentlich nicht böse gemeint oder auf dich gerichtet. Du hast dich sicherlich in deinem Alter schon sehr viel mehr mit dem Thema beschäftigt als ich. Aber ja, vielleicht denke ich anders darüber nach. Und ich kann mit ziemlicher Sicherheit sagen dass sich die breite Masse in meinem Alter noch nicht sehr viele solche Gedanken macht.

Ich erwarte keine Antwort von dir und verstehe es, wenn du viel zu tun hast. Ich wollte das alles blos nochmal klar stellen wo du mich evtl falsch verstanden haben könntest. Wenigstens ein bisschen Spaß, was auch immer du machen musst

lg
Jenny
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#7

Auf der Suche nach Struktur

in Diverse 21.01.2008 10:16
von Erebus | 748 Beiträge | 748 Punkte
Hallo Jenny,


Zitat:

Ich hoffe du hast das nicht böse aufgefasst... Es war eigentlich nicht böse gemeint oder auf dich gerichtet. Du hast dich sicherlich in deinem Alter schon sehr viel mehr mit dem Thema beschäftigt als ich. Aber ja, vielleicht denke ich anders darüber nach. Und ich kann mit ziemlicher Sicherheit sagen dass sich die breite Masse in meinem Alter noch nicht sehr viele solche Gedanken macht.


Nein, habe ich nicht böse aufgefaßt. Ich frage mich nur, wie verschieden sich die Menschen betrachten, und wie verschieden sie wirklich sind.

Interessanterweise wurde ich soeben auf eine andere Baustelle hingewiesen, einen Text von mir, an dem ich schon wieder einmal eine Antwort schuldig blieb.
Ich finde, er ist ein schönes Beispiel dafür, dass ich mich auch im weitesten Sinne mit dem Thema beschäftige, eben nur anders. An Stelle des Platzes verwende ich das Wort Statt, was ja letztendlich synonym ist. Das findest Du hier anstatt.

Liebe Grüße
Ulrich
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