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#1

Schauspiel

in Liebe und Leidenschaft 13.12.2007 10:24
von Pog Mo Thon | 569 Beiträge | 569 Punkte
Schauspiel


Es ist der eine magische Moment,
in dem man keine Fragen
und auch keine Antwort kennt
und doch vor Spannung atemlos und bang,
eine Sekunde wie ein Leben lang
verzweifelt, doch entschieden liebt.

Und wenn der Zweifel dann verfliegt,
wenn das zuvor Erhöhte dich erhört
und dir zu Füßen liegt,
dann reißt der Vorhang auf, das Stück beginnt
als Abbild einer Wirklichkeit, die Zeit verrinnt,
der Traum wird ausgeleuchtet und zerstiebt.
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#2

Schauspiel

in Liebe und Leidenschaft 13.12.2007 16:53
von bas[ti]an | 98 Beiträge | 98 Punkte
hallo nizza,

Um es vor weg zu nehmen, ich empfinde dein Werk von der sprachlichen Darbietung als sehr gelungen..die Anfangszeile ist eine Art Momentaufnahme, ein magischer Moment der die Beteiligten zwischen den Dingen stehen lässt, die Zeit scheint stehen geblieben eine Sekunde wie ein Leben lang , doch dann liebt man verzweifelt, aber entschieden? Was soll das bedeuten? Wenn man zweifelt liebt man dann überhaupt?..

ok weiter und dann verfliegt der Zweifel wirklich und man wird zum Sklaven, seiner selbst? wenn das zuvor Erhöhte dich erhört und dir zu Füßen liegt,

dann scheint das Wissen, um das gegenseitige dazu sein und das Schauspiel beginnt...dh die Parteien versuchen sich kennen zulernen, aber ein Schauspiel ist ja an sich nicht Realität, in diesem Kontext wahrscheinlich mit vorgaukeln synonym...es wird sich was vor gemacht und die Zeit verrinnt derweil sowie auch der Traum beisammen zu sein..stilistisch habe ich mir das Werk weniger angeschaut. musste beim kurzen überfliegen aber feststellen, das die Form komplett ausser acht gelassen wurde, berichtige mich bitte wenn ich falsch liege , dennoch sehr gerne gelesen ...

LG basti



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#3

Schauspiel

in Liebe und Leidenschaft 13.12.2007 18:44
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte

Zitat:

bas[ti]an schrieb am 13.12.2007 16:53 Uhr:
... doch dann liebt man verzweifelt, aber entschieden? Was soll das bedeuten? Wenn man zweifelt liebt man dann überhaupt?


@bas[ti]an: Es gibt Menschen die behaupten, dass man erst dann wirklich liebt, wenn man beginnt zu zweifeln. Mit dem Glauben ist es ähnlich gelagert. Daher sehe ich hier null Widerspruch sondern ein sehr feines Bild.

Hallo nizza,

auch ich habe Deinen Text sehr genossen.
Das Gedicht beschreibt einen Moment höchster Gefühlsregung. Höchster deshalb, weil hier, wie in der ersten Strophe beschrieben, der Kopf aussetzt und der Verstand mit seinen Zicken den Augenblick der Empfindung nicht trübt. Es wird nicht einmal geatmet. Es ist wie der Umkehrpunkt eines hochgeworfenen Balls, in dem er weder steigt noch fällt. Die Verzweiflung steht in der ersten Strophe für mich eher für die Ungläubigkeit der Erwiderung des Gefühls.
Die Entschiedenheit betont noch einmal das nicht-in-Frage-Stehen des eigenen Gefühls.

In der zweiten Strophe entlarvt sich dann der Zweifel als sicherlich ungewünschter, aber doch unerlässlicher Bruder der Entschiedenheit. Sie bedingen sich, denn Entschiedenheit ohne den Zweifel gibt es nicht. Denn sobald der Zweifel sich verflüchtigt, zerstiebt auch die Entschiedenheit.

Solcher Zwillinge gibt es viele. Dies hier ist ein schönes Bild eines solchen. Und ich finde diesen Text sehr inspirierend sich mit solchen Paarungen weitergehend, nicht nur im Bereich der Liebe zu beschäftigen.

Dieses Gedicht gefällt mir jedenfalls ausgesprochen gut.
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob mir die "verzweifelt"-Form im Sinne von "voller Zweifel" gefällt. Das heißt, eigentlich gefällt sie mir. Ich weiß nur nicht, ob sie vor einem Linguisten stand hält. Bei mir jedenfalls schon.

Die Auflösung, dass durch die Auflösung des Zwilling "Zweifel" sich das ganze nur als Illusion entpuppt, weiß nicht so recht, ob mir das gefällt bzw. der Sache gerecht wird. Ist jedoch eine inhaltliche Frage, die keine Kritik am Gedicht, sondern sicherlich eher eine geschmackliche oder vielleicht philosophische Frage ist.

Viele Grüße,
GW

_____________________________________
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#4

Schauspiel

in Liebe und Leidenschaft 13.12.2007 19:15
von bas[ti]an | 98 Beiträge | 98 Punkte
hallo ihr beiden,

@geratewohl..


Zitat:

@bas[ti]an: Daher sehe ich hier null Widerspruch sondern ein sehr feines Bild.


in welcher Zeile habe ich behauptet, dass es sich hierbei um einen Widerspruch handelt ...außerdem hätte ich gerne den Schreiber dazu gehört, welche Intention er damit verbindet, falls er mir diese mitteilen würde..das es ein schlechtes Bild ist, habe ich ebenso nicht behauptet

Zitat:

@bas[ti]an: Es gibt Menschen die behaupten, dass man erst dann wirklich liebt, wenn man beginnt zu zweifeln. Mit dem Glauben ist es ähnlich gelagert.


ich bestreite nicht, dass es Menschen gibt die behaupten, dass wer zweifelt liebt und der auch erst glaubt im Zweifel. Das will ich nicht bestreiten und es solle sie auch geben..das ist mir vollkommen Schnuppe, das einzige was mich interessiert ist, was nizza damit ausdrücken wollte...also ich will etwas zu dem werk hören ohne jemanden damit nahe treten zu wollen...

LG basti
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#5

Schauspiel

in Liebe und Leidenschaft 14.12.2007 11:00
von Pog Mo Thon | 569 Beiträge | 569 Punkte
Hallo bastian,

ich weiß gar nicht so recht, was ich dir antworten soll. Verzweiflung, das bedeutet doch wohl, so voller Zweifel zu sein, dass man keine Hoffnung mehr hat. Und wer liebte ehrlicher, vollkommener, uneigennütziger, aber auch entschiedener als der, der keinerlei Hoffnung auf Gegenliebe hat? Ist das nicht sogar der viel beschworene Kern der Liebe, die „eigentliche“ Liebe? Alles Andere ist doch eher ein Tauschgeschäft, oder? Ist die Liebe, die man doch angeblich heiß und innig spürt, bevor und unabhängig davon, ob sie erwidert wird, dann noch das gleiche Gefühl, wenn sie erwidert wird? Ist der geliebte Mensch, in den man sich verliebte, als und solange er noch von einem selbst unabhängig war, in der dann folgenden Abhängigkeit noch derselbe?

Nicht, dass darin etwa die Aussage des Gedichtes zu finden wäre, nein, das wollte ich lediglich als Spur zur Beantwortung deiner Frage anregen. Die Form wollte ich übrigens keineswegs außer Acht lassen, das zumindest scheint in jedem Fall in die Hose gegangen zu sein.


Hallo GerateWohl,

zur Verzweiflung habe ich oben etwas geschrieben, ich denke, das macht meine Sicht ausreichend klar. Schön, dass der Text dir gefallen kann. Ob sich das Schauspiel zwingend als Illusion entpuppt, darüber möchte ich nicht philosophieren. Es bildet ja die Wirklichkeit ab und Wirklichkeit ist das Gegenteil von Möglichkeit, jedenfalls mindestens was die bereits verronnene Zeit angeht. Und je mehr davon vergeht, je genauer unser (T)raum von der Wirklichkeit ausgeleuchtet wird, desto weniger Möglichkeit(en) bleiben. Am Ende bleiben keine mehr.

LG
nizza
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#6

Schauspiel

in Liebe und Leidenschaft 14.12.2007 11:13
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Hallo nizza,

das ist ja interessant. Das Schauspiel habe ich dann offensichtlich an Deiner Intention vorbei interpretiert. Ich sah dieses hier mehr im Sinne Schauspiel vs. wirkliches Leben bzw. etwas vorgeben anstelle wirklich zu sein. Doch in Deinem Sinne ist das Schauspiel die Wirklichkeit, die Bühne das Leben und die Handlung passiert wirklich, weil es kein Leben außerhalb der Vorstellung gibt. Dann bin ich wieder versöhnt mit der Metapher, denn das gefällt mir dann noch besser.

Danke für die Erläuterung (auch zur Verzweiflung).

Viele Grüße,
GW

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#7

Schauspiel

in Liebe und Leidenschaft 14.12.2007 12:14
von bas[ti]an | 98 Beiträge | 98 Punkte
hallo nizza,

ich sehe mich ermutigt, da du die Fragen in den Raum gestellt hast diese auch zu beantworten

ich weiß gar nicht so recht, was ich dir antworten soll. Verzweiflung, das bedeutet doch wohl, so voller Zweifel zu sein, dass man keine Hoffnung mehr hat. Und wer liebte ehrlicher, vollkommener, uneigennütziger, aber auch entschiedener als der, der keinerlei Hoffnung auf Gegenliebe hat?

Ich bin mir nicht sicher, da ich rein gefühlsmäßig dazu neigen würde, dass sich der verzweifelte nicht in eine Liebe rein steigert sondern eher in eine eigene Verzweiflung..Ich weiß nicht warum in der Literatur zB früher die Hoffnung als eine Tugend, gleichsetzend mit der Liebe einher ging, aber wahrscheinlich gerade um den Zweifel zu bekämpfen, da bleibt natürlich die Frage offen ob fehlgeleitete Hoffnung nicht Zweifel ist...

Ist das nicht sogar der viel beschworene Kern der Liebe, die „eigentliche“ Liebe?

ich denke eine Form von Selbstlosigkeit ist die Liebe, vom anderen die Wünsche zu respektieren und notfalls auch Loslassen zu können..in groben Zügen an sich an den anderen zu denken und to care for

Alles Andere ist doch eher ein Tauschgeschäft, oder? Ist die Liebe, die man doch angeblich heiß und innig spürt, bevor und unabhängig davon, ob sie erwidert wird, dann noch das gleiche Gefühl, wenn sie erwidert wird?

Ich verstehe, was du ausdrücken willst und ja vllt muss man zwischen Verliebtsein und Liebe unterscheiden...wie schon gesagt kann die Liebe loslassen und nimmt sich Zeit, dass Verliebtsein will in seiner schnellen Hitze gleich zu schlagen.....ob sie noch das gleiche Gefühl ist wenn sie erwidert wird..entweder sie brennt sich dann ein zu diesem Punkt oder nicht...wenn das vorherige Gefühl verstärkt wird ist man sagen wir relativ betrachtet bei der für mich als Individuum wahren Liebe...wenn Störungen stören kann dies nicht sein, denn da würde man ja drüber weg schauen..

Ist der geliebte Mensch, in den man sich verliebte, als und solange er noch von einem selbst unabhängig war, in der dann folgenden Abhängigkeit noch derselbe?

ich denke das hängt von der Person ab, ob sie wahre Gefühle hatte oder auch nicht

sehr interessante Fragen, nizza....ach so mit dem anderen Werk die Pluralisierung gilt die auch für Absicht/Unabsicht also einige handeln so die anderen so...ja manchmal liegt sogar in der Hilfe Zerstörung

sehr gerne geäußert, danke

liebe grüße basti
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