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#1

Im Traum

in Liebe und Leidenschaft 09.12.2007 11:03
von bas[ti]an | 98 Beiträge | 98 Punkte
Komm her zu mir und wenn du willst dann bleibe,
es schläft sich gut im Traum bei dir zu sein.
Die Stunde lahmt seit Tagen ohne Eile
und ich lieg` hier im Zeitentod allein.

Ein Wort ist Los, doch wird es uns verstehen,
denn was uns treibt ist wunderschön. Das Me[.]r
ist tief, in dem wir unaufhaltsam schweben
und ein; Komm wieder! fällt uns furchtbar schwer.

Ich greif nach dir und kann dich nicht erfassen
verwaschen fällt dein Antlitz mir am Tag,
mir Wärmespuren hast du hinterlassen
so dass ich wirr nach ihrem Ursprung frag.

Dabei weiß ich, wie sie zur Blüte kommen,
ich tanz mit dir durch Zeiten, Sterne, Sonnen.


zweite Fassung:

Komm her zu mir! -und wenn du willst dann bleibe.
Es schläft sich gut im Traum bei dir zu [S]ein.
Die Stunde lahmt seit Tagen, ohne Eile,
ich liege hier im Zeitentod allein.

Ein Wort ist [L]os, doch wird es uns verstehen?
-denn was uns treibt ist wunderschön. Das Me[.]r
ist tief, in dem wir unaufhaltsam schweben
und ein; Komm wieder! fällt uns furchtbar schwer.

Ich greif nach dir und kann dich nicht erfassen
verwaschen fehlt dein Antlitz mir am Tag.
Die Wärmespuren hast du hinterlassen,
so dass ich wirr nach ihrem Ursprung frag.

Dabei weiß ich, wie sie zur Blüte kommen,
ich tanz mit dir durch Zeiten, Sterne, Sonnen.
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#2

Im Traum

in Liebe und Leidenschaft 13.12.2007 19:56
von Erebus | 748 Beiträge | 748 Punkte
Hallo Basti

Diese Gedicht spricht mich mit verschiedenen Bildern sehr stark an. Allerdings stolpere ich auch immer wieder, so dass es sich für mich nicht so flüssig lesen läßt, wie ich es mir wünschte.

Zitat:

Komm her zu mir und wenn du willst dann bleibe,
es schläft sich gut im Traum bei dir zu sein.
Die Stunde lahmt seit Tagen ohne Eile
und ich lieg` hier im Zeitentod allein.



in Z1 wünschte ich mir ein Innehalten nach "mir". Allerdings würde sowohl ein Komma als auch ein Gedankenstrich hier nicht passen. Ein Zeilenumbruch brächte m.E. die richtige Betonung, verbietet sich jeoch aufgrund der gleichmäßigen Strophenform. Aber das ist kein wirklicher Stoplerstein. Schwerer wiegt in Z2 die Satzverlängerung "zu sein" - metrisch erforderlich, aber für mich sprachlich ungewohnt und ungünstig. Z3 empfinde ich als sehr gelungene Formel. Die gefällt mir sehr. In Z4 stoße ich mich an der Elision. Besser wäre es, das "und am Zeilenanfang fortzulassen und auszuformulieren. Was ist der "Zeitentod" : eine tote Zeit? Das Ende der Zeit kann nicht gemeint sein. Für mich liegt der Schwerpunkt auf dem allein sein: "ich liege hier in toter Zeit allein"?

In S2Z1 reicht mein Verstand nicht aus, inhaltlich nachzukommen. Dennoch gefällt mir "ein Wort ist los" wobei ich aber der Großschreibung meine Zustimmung versage. Oder heisst das ganz einfach: "Los" ist eben ein Wort? Nix capito, doch die Anmutung ist schön. Ebenso Zeile 2. Aber den Klammern kann ich nichts abgewinnen. Bei allen Gedichte, die ich bisher sah, sträubt sich mein Mitgehen, wenn ich auf so etwas stieß. Ist das Gebrauchsanweisen? "Hier bitte doppelten Sinn erspüren", oder Hinweis: "Achtung Wortspiel"? Oder ist das die moderne Schreibweise des Meeres? Da fällt mir Heine ein mit dem Fi, dem lieben.

So. In S3 will ich besonders Z2 hervorrühmen, leider für mich nicht ohne Knackpunkt. "Verwaschen fällt dein Antlitz" Klasse! "mir am Tag"? ohne mich. Ist das ein Schreibfehler: fällt~ fehlt? Dann wäre es schade drum. Aber nur so wäre darin Sinn. Hingegen würde mir etwas wie "Verwaschen fällt dein Antlitz aus dem Tag" sehr gefallen. Und Z3? Ups. "Du hast mir Wärmespuren hinterlassen" Das wäre was für mein schlichtes Verständnis. Denn ich bin noch ohne Yoda aufgewachsen.

In der Abschlußzeile empfinde ich einen sprachlichen Rückgang, aber vertretbar, ausklingend.
den Zweizeiler alledrding würde ich ganz weglassen, der macht Deinem Text, der eindeutig viele gute Ansätze hat, den Garaus.
Also, ich bin zwiespältig. Glaube aber, dass dieses Gedicht mit einiger Nacharbeit ein Highlight sein könnte.


LG
Ulrich
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#3

Im Traum

in Liebe und Leidenschaft 13.12.2007 23:01
von bas[ti]an | 98 Beiträge | 98 Punkte
hallo Uli

Es freut mich sehr, dass du dich mit diesem Werk so intensiv auseinandergesetzt hast und dass dir Bilder die gefallen haben. Ich werde deine angesprochenen Punkte jetzt schrittweise bearbeiten und muss dir eigentlich gleich im ersten Punkt recht geben..

Zitat:

in Z1 wünschte ich mir ein Innehalten nach "mir". Allerdings würde sowohl ein Komma als auch ein Gedankenstrich hier nicht passen. Ein Zeilenumbruch brächte m.E. die richtige Betonung, verbietet sich jedoch aufgrund der gleichmäßigen Strophenform.


Auch meine natürliche Betonung sagt mir, dass ich hinter „mir“ normalerweise eine Pause einsetzen will..jedoch fällt mir dazu momentan auch nichts ein, ausser vllt. „Komm her zu mir“ als Ausruf zu gestalten

Zitat:

>Schwerer wiegt in Z2 die Satzverlängerung "zu sein" - metrisch erforderlich, aber für mich sprachlich ungewohnt und ungünstig.> …


Ja es ist sprachlich sehr ungewöhnlich und ich will vorwegnehmen, dass ich sowohl mit „Los“ in S2Z1 sowie auch mit „Sein“ eine Art von Doppeldeutigkeit ausdrücken wollte wie auch mit „dem Meer oder das Mehr“ in der darauffolgenden Strophe...leider bin ich mir überhaupt nicht sicher, ob „zu Sein“ noch unter künstlerischer Freiheit durchgeht? Jedoch läuft mir in einigen Redewendungen das zu sein sehr häufig über den Weg…zu schön um wahr zu sein ..usw.

Z4, ja die Elision ist wirklich gewohnungsbedürftig…wie wäre: „ich liege hier im Zeitentod allein“ zwar betont man natürlich die Stammsilbe von „liege“ mehr als das Personalpronomen, aber ich denke es wäre durchaus vertretbar und macht die Zeile sagen wir Aussagekräftiger…mit Zeitentod sollte einfach die Unbedeutung der Zeit im LI ausgedrückt werden, die Zeit ist Tod im Traum, aus Minuten wird ein Tag und aus Tagen vllt Jahre..somit wollte ich mit „Zeitentod“ den Schlaf an sich ausdrücken, es schläft sich doch viel besser wenn jemand an einen angekuschelt ist *kuschel*

Zitat:

In S2Z1 reicht mein Verstand nicht aus, inhaltlich nachzukommen. Dennoch gefällt mir "ein Wort ist los" wobei ich aber der Großschreibung meine Zustimmung versage. Oder heisst das ganz einfach: "Los" ist eben ein Wort? Nix capito, doch die Anmutung ist schön. Ebenso Zeile 2. Aber den Klammern kann ich nichts abgewinnen. Bei allen Gedichte, die ich bisher sah, sträubt sich mein Mitgehen, wenn ich auf so etwas stieß. Ist das Gebrauchsanweisen? "Hier bitte doppelten Sinn erspüren", oder Hinweis: "Achtung Wortspiel"? Oder ist das die moderne Schreibweise des Meeres? Da fällt mir Heine ein mit dem Fi, dem lieben.


Wie schon erwähnt hast du richtig erkannt, dass mit einigen Worten eine gewisse Doppeldeutigkeit ausgedrückt werden sollte: „bei dir zu [S]ein“ ist natürlich einmal sehr ortsgebunden, sprich man will bei jemanden sein, kann natürlich aber auch bedeuten, ja bei dir bin ich Ich usw. … „ ein Wort ist Los“ kann zum einen ausdrücken, dass ein Wort auf eine Reise geschickt wurde, also ausgesprochen ist und einen Weg beschreitet, kann aber auch bedeuten, dass ein Wort zum Schicksal werden kann, sprich es ist dein „Los“, welches Wort ohne hin gemeint ist sollte jedem bei der Singularisierung aufgefallen sein…PS: ich weiß nicht was du mit Heine Fi ausdrücken wolltest? Aber Heine mag ich ansonsten sehr

Sie haben dir viel erzählet Und haben viel geklagt; Doch was meine Seele gequälet; Das haben sie nicht gesagt.
Sie machten ein großes Wesen Und schüttelten kläglich das Haupt; Sie nannten mich den Bösen, Und du hast alles geglaubt.
Jedoch das Allerschlimmste, Das haben sie nicht gewußt; Das Schlimmste und das Dümmste, Das trug ich geheim in der Brust.
(Heine)

Zitat:

"Verwaschen fällt dein Antlitz" Klasse! "mir am Tag"? ohne mich. Ist das ein Schreibfehler: fällt~ fehlt? Dann wäre es schade drum. Aber nur so wäre darin Sinn. Hingegen würde mir etwas wie "Verwaschen fällt dein Antlitz aus dem Tag" sehr gefallen. Und Z3? Ups. "Du hast mir Wärmespuren hinterlassen" Das wäre was für mein schlichtes Verständnis. Denn ich bin noch ohne Yoda aufgewachsen.


Mmh, vllt hast du Recht mit verwaschen fällt dein Antlitz mir am Tag, ein fehlt würde sich wirklich besser anhören, da fällt eeh eine Widerholung zur vorhergehenden Strophe wäre, jedoch wollte ich eigentlich damit ausdrücken, dass etwas visualisiert werden will, jedoch im letzten Moment sich diesem entzieht, im LI selbst

Zitat:

Und Z3? Ups. "Du hast mir Wärmespuren hinterlassen" Das wäre was für mein schlichtes Verständnis.


Dies dachte ich hingegen klarer ausgedrückt zu haben, in dem ausgesagt wird…hätte ich dich nicht getroffen, hätte ich diese starken Gefühle niemals erlebt= Wärmespuren, nicht mehr und nicht weniger.. meister yoda *freu* ja meine Generation würde sagen Liebe ist der Pfad zur lichten Seite und das ist glaube ich eine Wiederholung..

Zitat:

In der Abschlußzeile empfinde ich einen sprachlichen Rückgang, aber vertretbar, ausklingend. den Zweizeiler allerdings würde ich ganz weglassen, der macht Deinem Text, der eindeutig viele gute Ansätze hat, den Garaus. Also, ich bin zwiespältig. Glaube aber, dass dieses Gedicht mit einiger Nacharbeit ein Highlight sein könnte.


Ja, der Zweizeiler ist nur eine klassische Orientierung, man könnte ihn lassen oder auch nicht..für mich wirkt dieser immer wie ein Nachhall abgekoppelt vom übrigen, genau wie die Terzetten in Sonetten.. jedoch könnte man sich durchaus überlegen ob dies sinnvoll ist..ist eine Überlegung wert…
Resume: einige Vorschläge von dir kann ich getrost annehmen und ich danke dir für deine Hilfe, andere wären eine Überlegung wert..
Ich danke dir für die Auseinandersetzung mit diesem Werk, danke uli

liebe grüße basti
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